Der Inhalt seiner sms verwirrte mich doch sehr, da stand:
Liebe boelleli, manchmal ist das Leben doch sehr unverständlich. Seit kurzem hast Du Dich von Deinem Mann getrennt. Irgendwie ist das doch merkwürdig, denn im Februar habe ich standesamtlich geheiratet… Ich frage mich, was passiert wäre, wenn Du dich schon letzten Sommer getrennt hättest… Wie auch immer, bei mir hat sich das Leben relativ stark verändert, ich bin seit dem 1. Feburat wieder zu 100% krank geschrieben. Ob ich je wieder für unsere Kirche tätig sein werde weiss ich noch nicht… Alles weitere erzähl ich dir am Telefon. GlG, knuddel Pierre
Schock ! Was sollte ich darauf antworten?? Ich las die sms sicher 10 Mal bevor ich ihm dann schrieb, dass ich nicht recht wisse, was ich sagen solle, ausser natürlich ihm alles Gute für seine Ehe zu wünschen – Es kam nichts mehr zurück…
Etwa 2 Wochen später schickte ich ihm eine Mail, in welcher ich ihm ein „Gedicht“ schickte, welches ich speziell für ihn im November des Vorjahres geschrieben hatte, mich aber nie traute, es zu schicken :
Wenn ich an Dich denke,
verlieren sich die Gefühle
in einer endlosen Tiefe.
Wenn ich die Augen schliesse,
sehe ich Dich vor mir
und wünschte, es sei Realität.
Mein Gemüt ist traurig,
meine Seele brennt
und doch: allein der Gedanke
an Dich macht mich glücklich.
Auch wenn ich genaustens weiss,
dass dieser Wunschtraum wohl
niemals in Erfüllung gehen wird.
Denn die Distanz die uns trennt,
sowie die momentane Lage der Dinge
erlauben es nicht.
– und doch sagt mir eine innere Stimme,
dass Du eines Tages mein sein wirst!
Es kam nichts zurück…
Fortsetzung folgt…
Bis jetzt verstehe ich Pierre überhaupt nicht. Vielleicht kommt’s ja noch. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass er nicht fähig ist, seine Gefühle mitzuteilen. Ich kenne das von mir, habe das aber in einer Psychotherapie für mich aufgearbeitet.
Ich glaube nicht, dass er seine Gefühle nicht mitteilen kann. Denn was er mir dieses Jahr an der Synode gesagt hat, war sehr gefühlsbetont: „bei Dir fühle ich mich wohl – bei dir habe ich das Gefühl, so sein zu können, wie ich wirklich bin – ich wollte das schon so lange – etc…“ . In seiner letzen sms schrieb er mir: „wenn die Situation anders wäre, käme ich mit offenen Armen auf dich zu“ …
Ich glaube eher, dass er sich nicht traut – gegenüber Dritter – diesen grossen Schritt zu machen, und wirklich zu mir zu kommen. Er würde vis-à-vis von anderen Kirchenmitgliedern (Pfärrer, Bischof, Alt-Bischof, etc) doch das Gesicht verlieren… schliesslich wurde er kirchlich von unserem Alt-Bischof getraut…