Barfuss im Gras


Den ganzen Winter über sind sie eingeschlossen in Wolle, Baumwolle, Leder, Kunstleder, Gummi. Und dann ist endlich Sommer. Weg, nur weg mit allem, was einengt! Jetzt wollen unsere Füsse frei sein, Wollen die Erde spüren mit all ihren Unebenheiten.

Wir streifen die Sandalen ab und gehen barfuss. Die ersten Schritte sind noch ungewohnt. Erst glatte Steine und dann: so viel Abwechslung für die Fusssohlen! Weiche, lockere Krumen, in die sich der Ballen wohlig hineindrückt. Vorsicht da, die kleinen Steinchen – die Muskeln spannen sich an, richtig auftreten wollen wir hier nicht. Und dann kommt der Rasen. Kühl und zart streifen die Spitzen unsere Hat. Wir spielen Storch, stehen auf einem Bein und streicheln mit dem anderen Fuss das saftige Grün. Dann ein paar kräftige Schritte, bis hierher und nicht weiter – hier ist gut stehen. Hier bleiben wir.

Jetzt sind wir geerdet. Unsere Fusssohlen sind durchlässig geworden für alles Lebendige, das uns trägt. Hier könnten wir Wurzeln schlagen.

In einem Garten ging das Paradies verloren, in einem Garten wird es wieder gefunden.

Blaise Pascal

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