Zwischen den Linien – Wenn Verbundenheit keine Form braucht


Es gibt Beziehungen im Leben, die sich nicht wirklich benennen lassen.
Man sucht nach Worten wie Freundschaft, Nähe, Seelenverwandtschaft, vielleicht sogar Liebe – und merkt doch: Keines passt ganz.

Manche Menschen treten in unser Leben, ohne je wirklich darin zu wohnen.
Und doch bekommen sie einen grossen Platz in unserem Dasein.

Frank ist so ein Mensch.
Zwischen uns besteht eine besondere Freundschaft, die sich über Jahre entwickelt hat.

Frank ist in vielem mein Gegenteil:
Er denkt schnell, klar, analytisch. Er sucht Lösungen, Strukturen, Konsequenzen. Für ihn ergibt vieles Sinn, wenn es logisch ist.

Und ich?
Ich fühle zuerst.
Ich halte aus, hoffe, glaube, warte.
Ich sehe Möglichkeiten, wo andere längst einen Schlussstrich ziehen würden.
Und ich trage eine sehr tiefe, manchmal fast grenzenlose Form von Fürsorge in mir – besonders dort, wo es um meine Kinder geht.

Frank hat keine Kinder.

Genau hier wird unsere Verschiedenheit manchmal schmerzhaft.
Was für ihn vernünftig wirkt, kann für mich hart wirken.
Was für mich Liebe ist, wirkt für ihn eher wie fehlende Abgrenzung.
Wir schauen auf dieselbe Wirklichkeit – und sehen sie anders.

Und doch ist da diese starke Verbindung.
Vielleicht gerade weil wir so verschieden sind.

Ein Gegenüber, das mich fordert, manchmal auch verletzt, und gleichzeitig etwas in mir berührt, das sehr echt ist.
Er bringt oft Klarheit in mein Denken.
Und ich bringe vielleicht ein Stück Gefühl zurück – dorthin, wo er durch Erlebtes vorsichtig geworden ist und sich schützt.
Manchmal wünsche ich mir, dass er diesem Gefühl wieder etwas mehr Raum geben kann.

Für Menschen wie mich lösen solche Beziehungen viel aus:
Dankbarkeit – weil dieser Mensch da ist.
Nähe – auch über Distanz hinweg.
Aber auch Traurigkeit, weil man spürt: Diese Verbindung hat keinen einfachen Platz im Leben. Und doch möchte man sie nicht missen.

Sie passt in keine Schublade.
Und vielleicht genau deshalb ist und bleibt sie so tief.

Manchmal glaube ich, Gegensätze ziehen sich nicht nur an, weil sie neu oder spannend sind.
Sondern weil jeder im anderen etwas berührt, was ihm selbst fehlt – oder was er allein nicht leben kann.

Vielleicht ist das die Form solcher Beziehungen:
kein Gleichklang, sondern Resonanz zwischen Verschiedenen.
Es ist manchmal anspruchsvoll – und gleichzeitig nährend. Geistig wie gefühlsmässig.
Man lernt dabei, sich selbst zu schützen, ohne die Verbindung zu verlieren.

Und vielleicht bleiben manche Menschen gerade deshalb.
Nicht im Alltag.
Aber im Inneren.

Und ich lerne, dass Verbundenheit nicht immer Übereinstimmung bedeutet.
Sondern manchmal genau dort entsteht, wo zwei Wesen verschieden sind –
und sich trotzdem erkennen.

Ein Kommentar zu “Zwischen den Linien – Wenn Verbundenheit keine Form braucht

Hinterlasse einen Kommentar