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Geschichte vom eingeforderten Dank

Ein gefrässiges Schwein mästet sich unter einer hohen Eiche mit der herabgefallenen Frucht. Indem es die eine Eichel zerbiss, verschluckte es bereits eine andere mit dem Auge. „Undankbares Vieh !“, rief endlich der Eichbaum herab. „Du nährst dich von meinen Früchten, ohne einen einzigen dankbaren Blick auf mich in die Höhe zu richten“.

Das Schwein hielt einen Augenblick inne und grunzte zur Antwort: „Meine danbaren Blicke sollten nicht ausbleiben, wenn ich nur wüsste, dass du deine Eicheln meinetwegen hättest fallen Lassen. “ – Gotthold Ephraim Lessing

Durch Geschenke erwirbt man keine Rechte.

Friedrich Nietzsche

Der Bus wartet

Auweia, das ist verdammt knapp. Raus aus der Tram, quer über die Strasse gehetzt, das steht der Bus, die Warnblinklichter sind schon an. Jetzt heisst es Galopp, die Aktentasche unter den Arm geklemmt. Man weiss doch wie die sind, diese Fahrer. Warten tun die nie – extra nicht !

Oder etwas doch ? Bis auf fünf Meter bin ich ran, der Bus müsste eigentlich schon aus der Haltebucht ausgeschert sein, aber nein, er steht immer noch. Der wartet ! Der wartet tatsächlich auf mich.

Lieber Busfahrer, damit haben Sir mir nicht nur meinen Termin gerettet, sondern den ganzen Tag und den Glauben an Ihre Zunft noch dazu. Ehrlich ! Schon so oft habe ich keuchend dagestanden und nur noch die Rücklichter gesehen – Sie müssten mal hören, wie ich dann immer schimpfe: verdammte Pünktlichkeit, alles Schikane, Idioten !

Und dann stehen Sie da mit Ihrem Bus und warten. Bleiben gelassen, pfeifen schlicht auf die zehn Sekunden, die Ihnen da fahrplanmässig durch die Lappen gehen. Tausend Dank für diese Nettigkeit! Ich würde Ihnen zu gern auch eine Freude machen – also schreib ich jetzt als Dankeschön diesen kleinen Text hier

Freundlichkeit ist eine Sprach,

die Taube hören und Blinde lesen können.

Mark Twain

Danke für diese Welt

Das Schönste, was es gibt: das Schnurren einer dösenden Katze auf der Fensterbank. Die kindliche, mit glänzenden Augen vorgebrachte Aufforderung « Noch mal! ». Ein spannendes Buch, von dem erst die Hälfte ausgelesen ist. Gelbe Tulpen in der Vase. Der erste Kühle Schluck und ein Gartenstuhl nach langer Wanderung (den Stuhl bitte möchlichst mit Kissen). Kopfschmerzen, wenn sie wieder aufhören. ein Live-Konzert mit unseren Liedern von damals. Starker Sturm und wir sind im Haus. Die Stille nach dem Sturm. Stundenlang zu telefonieren. Dass das Farrad schon lange keinen Platten mehr hatte (und der Computer funktionniert auch noch). Um Rat gefragt zu werden. Wenn der Ratschlag geholfen hat. Das Gefühl, so richtig, richtig viel gearbeitet zu haben. Eure Frage, wie’s geht. Das Schlappsein nach dem Schwimmen. Eine Wattwanderung. Wenn wir uns verstehen. Autofahren ohne Stau und rasende Idioten. Der Staffelsee im Frühling. E-mail von dir. Mein Bild im Spiegel heute Morgen. Nicht heucheln zu müssen. Grund haben, danke zu sagen.

Dankbarkeit ist das Gedächtnis des Herzens.

Jean-Baptiste Massillon

Adventskalender

Morgen beginnt die Adventszeit (obwohl : der 1. Advent wurde ja schon letzten Sonntag gefeiert).

24 x Danke – ein Wort, was sicherlich zu den am häufigsten verwendeten gehört.

Auf Entdeckungsreise mit der Autorin Ulla Göttfeld, welche gesucht hat, wem und wofür sich alles danken lässt, oder Dank angemessen wäre. Aus dem Buch „Danke – ein Lesebuch“.

Ab morgen, jeden Tag ein Türchen…

24. Dezember – Er ward geboren

Er ward geboren, ob du es wolltest oder nicht – um deinetwillen, ob du es willst oder nicht

Er ging seinen Weg, ob du es wolltest oder nicht – um deinetwillen, ob du es willst oder nicht

Denn er liebt dich, ob du es willst oder nicht

Wilma Klavinghaus

22. Dezember – Was wäre wenn

Was wäre

wenn wir die Botschaft der Engel an uns ernst nehmen würden

wenn wir dem tiefen Wissen in uns folgen würden

wenn wir unseren ganz tiefen Sehnsüchten und Wünschen vertrauen würden

wenn wir uns auf einen Weg machen würden, der uns wichtig und verheissungsvoll erscheint, ohne genau zu wissen, wohin er uns führt

wenn wir es wagen würden, uns bedenkenlos von herzen zu verschenken

wenn wir uns ganz in ein neugeborenes Kind versenken würden

wenn wir darauf vertrauen würden, dass Weihnachten nicht nur war sondern täglich geschenek kann – jetzt und immer,bei dir und bei mir

Was wäre wenn

Beate Schlumberger

21. Dezember – Was ist am Weihnachstern so besonders ?

Was ist am Weihnachtsstern so besonder?

Wo doch der Himmel voller Sterne ist, voller Michstrassen, voller Galaxien ?

Das ist das Besondere: Der Weihnachtsstern ist unterwegs. Nicht unterwegs ins Nichts, sondernauf dem Weg zu einem Ziel. Wir kennen es. Wir erwarten den Stern. Unter seinem leudchtenden Schweif versammelnb wir uns und ziehen im nach. Nur ihm. Bemüht, so gut zu werden, wie wir eigentlich sein könnten…

Gudrun Pausewang