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Eindrücklich

Die Messe mit dem Papst letzten Donnerstag war eindrücklich. Da wir VIP-Einladungen hatten, konnten wir an allen anderen vorbei und hatten relatif gute Plätze. Ich habe verschiedene Leute gesehen, die ich kenne. Eigentlich war ich erstaunt, dass ich bei knapp 40’000 Menschen Bekannte Gesichter finde 🙂 . Irgendwie spürte man auch die Zusammengehörigkeit der Christen. Egal ob römischkatholisch, reformiert, evangelisch, orthodox, etc… grundsätzlich glauben alles das gleiche, nur sind die Institutionen Kirche verschieden. Hier ein paar Fotos:

 

Die Zelebration ging etwa eine Stunde. Danach wollten wir mit dem Zug von Palexpo (das ist beim Genfer Flughafen) zurück nach Lausanne. Doch leider waren alle Züge zwischen Genf und Lausanne bis auf weiteres annulliert – auf der Strecke war ein Selbstmord verübt worden :-O .

Trotz langer Wartezeit waren alle Leute im Zug guter Laune und man fing an, mit anderen zu reden. Auf meinem Whatsapp Status schrieb ich „Blockiert in Genf. Alles Züge von Genf nach Lausanne bis auf weiteres annulliert“. Knapp 15 Minuten später rief Sebastian mich an: Soll ich dich holen kommen?

Oh das ist wirklich lieb. Aber bis nach Genf? Ist ja nicht grad um die Ecke. 

Kein Problem, ich komm dich holen

Warte, wir haben grad die Information erhalten, dass ein Zug zumindest bis nach Nyon (zwischen Genf und Lausanne) fährt. Eventuel kannst Du bis Nyon kommen?

Ja klar, ich komm

Dann stieg ich also in den Zug bis Nyon ein und er kam zusammen mit Sohnemann, um mich abzuholen. Ich fand das wirklich süss. Schlussendlich haben wir dann einen Abstecher in den McDonalds gemacht und er kam anschliessend noch mit nach Hause.

Nachdem Sohnemann im Bett war, haben wir bis fast halb vier Uhr morgens geredet. Es war toll. Ich fühle mich so gut in seiner Gegenwart.

Am Freitag war das Aufstehen nicht so einfach, aber ich bin natürlich ins Büro gegangen.

Samstags hatte Töchterchen und auch er an einer Veranstaltung der Jungschützen teilgenommen. Töchterchen hat sogar eine Medallie bekommen 🙂 Abends sangen wir mit meinem Chor nochmals das Requiem von Mozart (allerdings ohne Solisten und nicht alles) im Rahmen des jährlich Musikfestes in Genf. Als ich genen 23h nach Hause kam, lag Töchterchen mit einer Migräne und knapp 39 Grad Fieber im Bett. Ich fand das etwas sonderbar und schrieb Sebastian, ob irgendwas vorgefallen sei.

Du warst leider schon weg nach dem Schiessen, eigentlich hätte ich lieber mit dir persönlich geredet. Aber um es kurz zu machen: Herzbube will die Beziehung beenden..

Ah… ich dachte mir schon, dass es so etwas ist. Willst du vorbei kommen?

Ja klar, ich komme

Um 1h war er da und wir redeten bis morgens um halb fünf… Sonntags musste er von 9h-18h arbeiten. Er hatte – logischerweise – etwas Mühe, aber er ging rechtzeitig aus dem Haus. Kurz vor Mittag fragte er mich, ob ich auf einen Kaffee vorbei komme? Wie hätte ich da nein sagen können 🙂 Ich fuhr also gegen 14h hin und er konnte in diesem Moment grad Pause machen. Also verbrachte ich jene mit ihm und ging dann kurz nach 15h. Nachdem ich gegangen war, schrieb ich ihm etwas später: Bald bist du fertig mit arbeiten. Danke nochmals, dass ich vorbei kommen durfte. Ich fühle mich so wohl in deiner Gegenwart, dass ich gern noch länger geblieben wäre. Vielleicht bis später – Vielleicht bis später schrieb er zurück. Sorry, ich will nicht, dass es dir unangenehm ist. Ich bin wohl etwas zu direktNein, es freut mich wenn Leute gern mit mir zusammen sind

Abends hatte ich eine Messe mit anschliessender Generalversammlung. Als ich gegen halb neun heimwärts fuhr, fragte ich Töcherchen wie es gehe und wer zu Hause sei. Besser. Momentan bin ich allein, aber Seb kommt sicher noch vorbei.

Dann kam ich nach Hause. Töchterchen sass auf der Terrasse, sah mich an und meinte trocken : Nur damit du’s weisst, Herzbube will unsere Beziehung beenden.

Ok, ich wusste es ja schon von Sebastian, liess es mir aber natürlich nicht anmerken. Ich schrieb ihm, dass sie es mir gesagt hatte und fragte, ob er noch vorbei komme. Ja, aber nur 5 Minuten 

Ca 1 Stunde später war er da. Nun, wie soll ich sagen. Wir umarmten uns zur Begrüssung und er setzte sich zu uns. Aus den fünf Minuten wurde eine Nacht. Gemeinsam mit Töchterchen unterhielten wir uns und schlussendlich hat er im Wohnzimmer auf dem Sofa übernachtet…

Das geht gar nicht !

Sebastian ist am Freitag ins Büro gekommen und wir haben eine Stunde lang geredet. Er kam relativ spät (17h) und als wir um 18h gingen – er mit dem Motorrad ich mit dem Auto – sagte er : also dann, bis gleich !

Zu Hause angekommen, schrieb mir Töchterchen, ob ich ihr 5.- überweisen könne. Ich antwortete, dass ich gleich da sei und es ihr direkt geben könne. Sie meinte, sie seien im Pub. Ich ging also dorthin und Töchterchen war mit 3 anderen Jungen zusammen. Trinkst Du was mit uns? fragte die Freundin von Töchterchen. Ok, ich setzte mich.

Töchterchen: Seb hat mir vorher gesagt, er sei in Lausanne. Frage mich, was er dort gemacht hat?Er war bei mir im Büro…

Es herrschte erstaunte Stille und dann fingen die Jungen an zu spekulieren:

Stell Dir vor, Deine Mutter mit Seb

Nein, das kann ich mir nicht vorstellen. Das wär komisch

Das wär was, wenn morgens Seb aus dem Zimmer deiner Mutter käme, irgendwie schräg.

Irgendwie war mir nicht so ganz wohl beim Zuhören. Es war fast peinlich.

Dann kam Sebastian. Die anderen Jungen schauten ihn verschmitzt an und er lächelte verlegen. Dann setzte er sich gegenüber von mir hin.

War’s schön in Lausanne 😉 ? meinte Töchterchens Freundin ironisch. Er nickte und schaute mich an. Dann erzählte er, dass er bei mir vorbei gekommen sei und wir Kaffee getrunken haben.

Die Konversation wurde dann durch das Kommen des Kellners unterbrochen – Gott sei Dank. Töchterchens Freundin spielte mit ihrer Zigarettenschachtel. Sie nahm den Plastik und schob ihn nach oben und wieder nach unten. Seb meinte : Du bist wohl nicht so geschickt mit Kondomen – Gelächter von allen. Seb hatte inzwischen den Plastik von seiner Zigarettenschachtel auch nach oben geschoben und beliess es so. Irgendwie störte mich das, und ich schob ihn wieder nach unten. Seht ihr, sie macht das delikat und mit Gefühl. Sie hat wohl mehr Übung als du. Es war mir echt nicht mehr so wohl und ich profitierte davon, dass schon 20h12 war und ich um 20h15 Rendez-vous mit einer Freundin hatte. Also verabschiedete ich mich und ging.

Mit meiner Freundin waren wir auf der Terrasse eines Hotels direkt am See. Wir bestellten ein Glas Wein.

Ich schickte das Foto an Seb und schrieb : Voilà wie ich meinen Abend verbringe

Ah ja

 

 

 

 

 

 

Meine Freundin hat mir dann viel erzählt. Sie ist 60 und hat einen Sohn im Alter von Sohnemann… Ihr Mann ist seit 2 Jahren arbeitslos und jetzt sind sie seit kurzem auf dem Sozialamt. Ich kenne das ja und sie hat sich bei mir entschuldigt, dass sie mich damals – als ich in dieser Situation war – nicht mehr unterstützt hat. Wir haben bis 23h geredet und dann habe ich sie nach Hause gefahren.

Nachdem sie ausgestiegen ist, fragte ich Seb ob er gut angekommen sei (ich wusste, dass er an ein Fest ging).

Ja, es hat voll die Stimmung

Ah ja?

Nein gar nicht !

Ah. Nun ich habe jetzt gerade meine Freundin nach Hause gebracht und werde noch ein Fährtchen machen. Keine Lust nach Hause zu gehen. Ist ja sowieso niemand da (Sohnemann übernachtete bei einem Freund).

Komm doch her!

Ehm… ich glaube nicht, dass das angebracht wäre

Doch

Ich bin über 30 🙂

Hahaha, na und?

Für diese Feste darf man nicht über 30 sein. Ausserdem glaube ich nicht, dass es gern gesehen wäre

Schade…

Ist dir langweilig?

Es geht

Weisst Du, ich würd ja gern kommen…. aber in Eurem Alter findet es man nicht so toll, wenn die Mutter plötzlich da steht, oder?

Mich würd’s nicht stören

Bin zu hause. Das es dich nicht stören würde, weiss ich. Aber Töchterchen hätte wohl kaum Freude daran…

Schade…

Du bist süss

Dann schickte er mir ein Video. Musik und einen leeren Saal.

Bist du ganz allein?

Ja, die anderen haben mich einfach sitzen gelassen

Geht’s noch? Wieso? Geh doch nach Hause. Ich hätte glaub doch kommen sollen 🙂

Ja

Etwas später schrieb er mir, er sei jetzt bei seinem Kumpel und übernachte dort. Allerdings habe ich da schon geschlafen und die Nachricht erst am nächsten Morgen gesehen.

Um halb elf des nächsten Tages fragte er mich, um welche Zeit Töchterchen nach Hause gekommen sei. Ich schrieb, dass ich es nicht wüsste. Aber wohl gegen 2h. Dann fragte ich ihn, ob er gut geschlafen habe. Ja. 

Etwas später sagte ich ihm, dass ich total unmotiviert sei, dass ich mich aufraffen muss, etwas zu tun (Haushalt). Ich schickte ihm ein Video von der Unordnung die hauptsächlich aus Sachen der Kinder bestand. Darauf schrieb er:

Ja, ich weiss. Und sorry, meine Jacke ist auch noch da.

Langsam aber sicher habe ich diese Unordnung satt! Dein Jacke ist noch das wenigste was stört!

Das glaub ich dir.

Irgendwie war ich moralisch nicht so top. Ich habe so ein komische Gefühl im Magen – seit ein paar Tagen schon. Wisst Ihr, das Gefühl welches man hat, wenn man sich verliebt. Ja, ihr lest richtig. Ich glaube ich bin dabei, mich in Seb zu verlieben. HALLO ??!!! Geht’s noch! Der Junge wird im August 20 !! Ausserdem ist er ein guter Freund von Töchterchen. Mir wurde das irgendwie bewusst am Samstag morgen. Seinerseits muss auch irgendwie eine Anziehung da sein, sonst würd er mir ja nicht so schreiben – denke ich jetzt mal. Ich habe dann am Samstag morgen bei meinem Whats*** Status geschrieben „Alles ist gut, mir geht’s gut“. Kurz darauf kam:

Geht’s dir nicht gut?

Ich weiss nicht. Ich bin unmotiviert, etwas traurig und etwas fertig (stressige Woche)

Willst Du heute Nachmittag an der Tankstelle zu einem Kaffee vorbei kommen?

Ja gern, wieso nicht

Du bist herzlich willommen, das weisst Du

Ja ich weiss, aber ich will mich nicht aufdrängen

Du darfst

Danke

Du bist immer willkommen

Ich weiss…

Komm wann Du willst

Ok, ich komm eher etwas später (er ist bis 23h dort)

Ich fuhr dann gegen 20h30 hin und ich sah ihm an, wie er sich darüber freute, dass ich da war. Er arbeitete und ich wartete am Stehtisch. Als grad keine Kunden da waren, kam und brachte er mir einen Kaffee. Wir redeten über dies und das. Ab und zu bediente er Kunden. Ich beobachtete ihn und merkte, dass in mir was vorgeht, was ich gar nicht will !!!

Nach eine Stunde ging ich wieder und bedankte mich, dass ich vorbei kommen konnte. Er meinte, das sei normal und  dafür sei er da.

Ich weiss und ich schätze das sehr. Aber ich will nicht zu viel von deiner Zeit stehlen. Ich wär schon noch geblieben.

Das hätte mich gefreut!

Und, wie gehts? kam eine Stunde später

Es geht

Dann bin ich beruhigt

Dann wünsch ich dir noch einen schönen Abend!

Dann schrieb er mir erst am nächsten Morgen wieder. Es täte ihm leid, er hätte keinen Akku mehr gehabt. 

Kein Problem! Gut geschlafen?

Ja, geht so und du?

Ja auch. Hatte einen komischen Traum: Ich bin Motorrad gefahren.

 

echt? das wär cool

 

Na ja, kannst Du dir vorstellen, ich auf einem Motorrad 🙂

Ja

Na ja, ich weiss nicht. Ich hätte Angst. Vorallem allein. Aber es ist ja nur ein Traum

Wer weiss, eines Tages vielleicht

Also wenn dieser Tag kommt, musst Du mitkommen. Wenn ich schon nur daran denke, dreht es mir den Magen.

Ja klar, keine Sorge

Wenn Du das sagst

Ich habe dann Wäsche zusammen gelegt und ein wenig etwas im Haushalt gemacht.

Um 17h nahm ich das Auto und fuhr etwas in der Gegend umher. Hatte keine Lust, zu Hause zu sitzen. Ich fragte ihn, was er mache? Eine Runde mit dem Motorroad und du? Ich auch, allerdings mit dem Auto 🙂

Also ich zurück kam, fragte Töchterchen, ob wir ein Fährtchen machen. 🙂 Ok. Wir holten Sohnemann und ein Kumpel von Töchterchen kam auch noch mit. Dann entschied ich, dass wir zusammen einen Kebab essen gehen. Ich schrieb Mama und ich schrieb Seb ob sie auch kommen wollen. Mama kam, Seb hatte schon mit einem Freund zum Essen abgemacht. Er entschuldigte sich aber 3 Mal und es täte ihm furchtbar leid. Das ist kein Problem, schrieb ich zurück.

Eine Stunde später schrieb er mir:

Und, wie geht’s?

Ja es geht. Und bei Dir?

Ja auch. Was ist los?

Nichts… Sind eben nach Hause gekommen. Töchterchen und ihr Kumpel gehen aber wieder aus. Ich weiss auch nicht. In letzter Zeit bin ich moralisch einfach nicht so auf der Höhe.

Ich weiss nicht recht, wie ich Dir helfen kann.

Ist schon gut. Wenn Du mir ab und zu schreibst bedeutet mir das schon sehr viel. Hab nen schönen Abend!

Ich bin für dich da

Das ist lieb ❤ ich hätte dich heute gern gesehe, aber es gab halt keine Gelegenheit 🙂

Es tut mir leid

Macht nichts

Ich kann ihm ja wohl schlecht sagen, dass ich dabei bin, mich in ihn zu verlieben !!! Ich habe das Gefühl, ich mache das extra. Immer so kompliziert oder unmöglich!

Mann, ich bin echt wütend auf mich selbst!

Was für eine Woche !

Seit Sonntag abend schlafe ich sehr schlecht. Knapp 3 Stunden pro Nacht. Ich kann einfach nicht einschlafen. Erstaunlicherweise bin ich tagsüber nicht schlapp und müde – um so besser.

Montag habe ich dem jungen Mann – ich geb ihm jetzt mal den Namen Sebastian – mein Auto ausgeliehen. Abends hat er es dann zurück gebracht. Es war schon ziemlich spät da er bis 23h30 arbeitete (in einem Tankstellenshop auf der Autobahn). Kurz vor Mitternacht war er da und wir haben noch ein wenig zusammen geredet. Wir kamen dann auf gewisse Dinge zu sprechen, welche ihn belasten. Er konnte nicht wirklich erklären wie, was und warum – es fällt ihm enorm schwer, sich zu öffnen. Eines war, dass er sich schuldig fühlt, weil es seiner Mutter nicht gut gehe (seinetwegen). Ich habe nicht gedrängt und ihn einfach reden lassen und ab und zu mal einen Rat gegeben. Gegen 2h morgens ist er dann gegangen und schrieb mir per whats*** kurz darauf:

Das (Gespräch) hat mich ganz durcheinander gebracht. Vielen Dank und eine wunderbare Nacht – auch wenn sie kurz ist.

Gern geschehen. Wisse, dass Du immer mit mir reden kannst, oder schreiben, oder telefonieren. Und bitte, fühle dich nicht schuldig. Du bist ein guter Mensch und ich mag dich sehr! Ich hoffe, du kannst schlafen und dass die Nacht dir die nötige Ruhe bringt.

Danke, das ist wirklich nett. Du hast ein grosses Herz gefüllt mit Liebe und Güte. Du bist wirklich wunderbar. Vielen, vielen, vielen Dank.

Am nächsten Tag ging es mir moralisch irgendwie nicht so gut. Ich war ziemlich gestresst. Im Büro erwartete mich am Donnerstag eine Arbeit, welche mir Sorgen machte. Am Mittwoch hatten wir Generalprobe in Genf für das Konzert am Donnerstag. Dann all meine Sorgenkinder, mein nicht existierendes Liebesleben, einfach alles zusammen. Es ging mir nicht wirklich gut. Aber ich habe dann irgendwann am morgen an Sebastian geschrieben und gefragt, ob er gut geschlafen habe. Er bejahte und wir schrieben ein wenig banal hin und her.

Als ich abends nach Hause kam, waren die Jugen der Jugendgruppe zu hause. Gegen 22h30 entschieden sie, noch etwas im Pub trinken zu gehen. Es ging mir moralisch nicht viel besser, aber ich liess es mir nicht anmerken. Als sie gegangen waren, hörte ich Taizé-Lieder (mit Kopfhörer) und schloss mich in meine Welt ein. Es überkam mich irgendwie und ich musste weinen. Plötzlich steht Sebastian vor mir und schaut mich sorgenvoll an. Ich hatte nicht bemerkt, dass er nochmals hoch kam weil er etwas vergessen hatte… es war mir nicht recht, dass er mich so sieht, aber er nahm sich einen Stuhl, setzte sich zu mir und fragte, was los sei. Ich wusste es selbst nicht richtig und ich sagte, es gehe schon und er solle ruhig zu den anderen gehen. Er bestand aber darauf, einen Moment zu bleiben. Er wolle mich nicht so traurig sehen. Das mache ihn traurig. Ich konnte ihn dann aber dazu bewegen, wieder zu den anderen zu gehen. Kurz darauf schrieb ich ihm :

Danke – und sorry, ich wollte nicht so sein. Mach dir keine Sorgen

Kein Problem. Ich mag das nicht, wenn es Menschen die ich liebe nicht gut geht.

Ja, das verstehe ich. Eigentlich sollte ich müde sein und schlafen, aber irgendwie habe ich zu viele Dinge im Kopf und kann einfach nicht runter fahren.

Ich hoffe, es ist nicht wegen den Dingen die ich dir erzählt habe? (Anmerkung: er hatte vor ein paar Jahren einen Traum, dass eine erwachsene Person ihm bei seinen Problemen hilft, sie zu verarbeiten. Allerdings diese erwachsene Person dann selbst mit den Dingen die er erzählte nicht klar kommt und sehr belastet ist). Ich habe ihm dann aber versichert, dass dies auf keinen Fall der Grund sei. Wir haben auch dann noch ein wenig hin und her geschrieben und irgendwann gegen halb zwei Uhr morgens sind wir dann beide eingeschlafen.

Am Mittwoch morgen schrieb ich ihm, dass es mir besser gehe – was ihn beruhigte. Dann schickte er mir ein Foto des Motorrades, welches er am Nachmittag mit seinem Vater holen ging. Ich bat ihn dann, nicht wie gestört zu fahren – das macht mir immer Angst.

Abends wollte er mich mit dem Auto nach Genf zur Generalprobe fahren – aber er schaffte es nicht und ich ging mit dem Zug. Er schrieb mir dann, es täte ihm furchtbar leid und entschuldigte sich. Kein Problem! schrieb ich ihm zurück. Ich sei froh für ihn, dass er mit seinem Vater das Motorrad holen konnte. Schade sei nur, dass wir uns nicht sehen. Er fand das auch und meinte dann, dass wir uns aber sicher morgen (also Donnerstag) sähen. Das bezweifle ich  – antwortete ich. Denn ich fuhr direkt nach der Arbeit nach Genf zum Konzert und käme nicht vor Mitternacht nach Hause. Er war etwas enttäuscht.

Donnerstag morgen: Gut geschlafen ?Ja, es geht so. Bin mit Kopfschmerzen erwacht… Wohl war mir auch nicht sonderlich, da ich im Büro etwas machen musste, dass ich noch nie gemacht habe. Der Kollege, der das normalerweise macht ist im Militärdienst. Normalerweise braucht er als Profi dafür 1 bis 1.5 Stunden. Ich habe um 9h15 angefangen und war nachmittags um 15h fertig – ohne Mittagspause. Ich war gestresst, denn um 15h30 musste ich gehen um rechtzeitig in Genf zu sein.

Als ich im Zug sass, schrieb ich ihm, dass ich das Projekt zustande gebracht hatte und jetzt unterwegs sei. Er freute sich für mich.

Das Konzert war einmalig, fantastisch, magisch. Ein Moment des Glücks. Die Victoria Hall in Genf ist ein Saal mit einer aussergewöhnlichen Akustik. Es war einfach MEGA. Nach dem Konzert erwischten wir den letzten Zug und ich war um Mitternacht zu Hause.

Ich sah die Jungen im Pub und ging kurz vorbei „hallo“ sagen. Sebastian sagte mir weder Hallo noch Tschüss. Es war komisch. Als ich zu Hause war, schrieb ich Töchterchen und fragte, ob es ihm gut gehe. Sie verneinte. Ich schrieb Sebastian:

Geht’s Dir gut?

Ja, es geht und Dir?

Bist Du sicher? Es schien mir, als wär etwas. – Ja mir geht’s gut.

Ja sicher, ich bin nur etwas müde. Bin heute um 4h aufgestanden… Ich werde jetzt zu Bett gehen.

Ok, ich hoffe es. Ich bin hellwach. Also dann, gute Nacht

Gute Nacht

Es war 1h30 in der Nacht. Ich ging zu Bett, konnte allerdings nicht schlafen und schaute mich noch ein wenig auf FB und Instagram um.

2h00: Ich kann nicht schlafen. Ich denke zu viel

Das kenne ich. Was beschäftigt dich?

Fühl mich innerlich nicht wohl

Ist heute etwas vorgefallen?

Nein, nicht mehr als sonst

Und an was denkst du zu viel?

Ich kann’s nicht erklären. Es schmerz innerlich

… und am liebsten würdest du weinen?

Ja und nein. Irgendwie kann ich es nicht. Ich bin irgendwie gefühlskalt und möchte mich von allen und allem distanzieren

Du solltest es rauslassen. Dein Körper gibt dir zu verstehen, dass es raus muss. Möchtest du morgen abend etwas trinken gehen? Oder vorbei kommen?

Ich schaff es nicht, mich zu öffnen

Zieh dich nicht zurück – es wird nur schlimmer

Ich brauche es aber

Ich habe schon gemerkt, dass es dir nicht gut geht als ich dich vorher sah

Ich muss nachdenken

Es gefällt mir nicht, dich so zu sehen. Red mit mir

Ich weiss nicht mehr, was ich tun soll. Ich möchte ein paar Tage weg

Du solltest nicht allein sein. Wohin willst Du?

Ich weiss nicht – aber ich brauche es

Ich kann verstehen, dass man manchmal allein sein will. Aber jetzt, da du das Motorrad hast, wär mir nicht so wohl dabei, wenn du in diesem Zustand weg gehst.

Mach dir keine Sorgen

Tu ich aber…

Ich weiss nicht, was ich sagen soll

Ich mag dich zu sehr, um mich nicht zu sorgen. Ich möchte dir wirklich helfen, deine Wunden zu heilen, damit du dich besser fühlst. Dann kam keine Antwort mehr und ich schrieb 15 Minuten später: Nun…. entweder willst Du jetzt nicht mehr reden oder du bist eingeschlafen (was ich hoffe). Ich möchte, dass Du weisst, dass ich dich sehr gern habe und es mir weh tut, dich so zu sehen. Wenn du allein sein willst, kann ich das verstehen. Ich bitte dich nur, dich ab und zu zu melden. Du kannst IMMER mit mir reden – egal zu welcher Zeit! Letzthin hast du mich gefragt, ob wir mal zusammen was trinken gehen können und reden. Ich antwortete dir „wann immer du willst“ und ich meine es auch so. Du musst nur sagen wann. Anderer Vorschlag: Wir könne auch mal was essen gehen. Auch mittags. Jetzt mit dem Motorrad kannst du auch ins Büro kommen und ich nehme mir die Zeit. Ok? Ich umarme dich💕😘😘😘

Eben (Freitag morgen, 10h) hat er mir geschrieben : Ja, ich bin eingeschlafen. Es berührt mich sehr was du geschrieben hast

Ich habe ihm vorgeschlagen, dass er heute Nachmittag im Büro vorbei kommt. Habe sowieso nicht sehr viel zu tun und ausserdem bin ich fast allein hier. Er meinte, er käme vorbei.

Das war jetzt ein langer Post. Aber ich musste das jetzt einfach alles erzählen…

 

 

 

Traurigkeit

Gestern hat der junge Mann sich mir etwas geöffnet. Er hat mir ein paar Dinge erzählt, die ihn belasten und ihn traurig machen. Seelische Verletzungen, welche er eigentlich verarbeiten möchte, aber es irgendwie nicht fertig bringt, sie auszusprechen.

Als ich vorsichtig versuchte, mich etwas vorzutasten und etwas zu „graben“, meinte er, er müsse jetzt langsam gehen (ja, ok, es war halb drei Uhr morgens). Ich habe ihn natürlich gehen lassen und ihm angeboten, dass er immer zu mir kommen könne oder mich anrufen kann. Es ist wichtig, diese Sachen zu erzählen – auch wenn er dabei weinen muss, er traurig ist und alles wieder hoch kommt – nur so kann er die innere Ruhe und Zufriedenheit finden.

Er tut mir so leid…