Wir sind die Welt !

Es kommt eine Zeit,
in der wir einem bestimmten Ruf folgen,
in der die Welt als eine Einheit zusammenkommen muss.
Menschen sterben,
oh, und es ist Zeit, dem Leben eine helfende Hand zu reichen –
dem grössten Geschenk von allen.

Wir können nicht weitermachen,
Tag für Tag so zu tun,
als würde irgendwer, irgendwo bald eine Veränderung herbeiführen.
Wir alle sind Teil von Gottes grosser Familie,
und die Wahrheit ist – du weisst es – Liebe ist alles, was wir brauchen.

Nun, schenk ihnen dein Herz,
damit sie wissen, dass sich jemand kümmert,
und ihr Leben wird stärker und frei sein.
So wie Gott es uns gezeigt hat, indem er Stein zu Brot werden ließ,
so müssen auch wir alle eine helfende Hand reichen.

Wenn du ganz unten bist und es scheint keinerlei Hoffnung zu geben,
doch wenn du nur glaubst, gibt es keinen Weg, wie wir fallen könnten.
Lasst uns erkennen,
dass Veränderung nur kommen kann,
wenn wir gemeinsam als eins zusammenstehen.

Wir sind die Welt,
wir sind die Kinder,
wir sind diejenigen, die einen helleren Tag schaffen – also lasst uns anfangen zu geben.
Es ist eine Entscheidung, die wir treffen,
wir retten unser eigenes Leben.
Es ist wahr: Wir werden einen besseren Tag schaffen – nur du und ich.

Mich berühren diese Zeilen jedes Mal aufs Neue.
Sie erinnern mich daran, dass Veränderung nicht irgendwo beginnt – sondern bei uns selbst.

Erkennst du, aus welchem Lied sie stammen?
Und was lösen sie heute bei dir aus?

Macht, Verantwortung und die Frage nach Gott

Nach Tragödien wie jener von Crans-Montana stellt sich immer wieder die scheinbar einfache Frage: Wenn Gott Leid und Schmerz nicht verhindert, ist er dann machtlos – oder grausam?
Doch sollte man Gott überhaupt wie einen Menschen „richten“, oder ist er nicht vielmehr grösser als unsere menschlichen Massstäbe?
Im Christentum ist Gott durch Jesus Christus Mensch geworden. Und auch Jesus blieb Leid und Schmerz nicht erspart.

In vielen Diskussionen wird Gott wie „ein Typ“ betrachtet, der in einer konkreten Situation eingreifen könnte wie ein Mensch – und der deshalb moralisch genauso zu beurteilen sei wie wir. Doch genau hier beginnt meines Erachtens der Denkfehler.

Wenn ein Mensch Leid verhindern kann und es bewusst nicht tut, trägt er Verantwortung. Diese Logik gilt für Menschen, lässt sich aber nicht einfach auf Gott übertragen.

Dass Gott nicht immer eingreift, heisst nicht, dass er machtlos ist.
Nicht einzugreifen ist nicht dasselbe wie nicht eingreifen zu können.

Für mich zeigt sich Gottes Macht nicht im Eingreifen, sondern darin, dass er Freiheit zulässt und dem Menschen Eigenverantwortung beibringen will.

Freiheit bedeutet nicht absolute Sicherheit. Sie bedeutet auch Risiko, Fehlentscheidungen und Schuld. Tragödien entstehen nicht selten aus einer Verkettung von Umständen sowie aus menschlichem Handeln – oder Unterlassen.

Dass bei solchen Dramen nach einem Schuldigen gesucht wird, ist verständlich. Doch die Schuld Gott zuzuweisen oder ihn als grausam oder gar sadistisch darzustellen, führt aus meiner Sicht nicht weiter. Entscheidend ist vielmehr, Verantwortung zu tragen und das Wesentliche nicht aus dem Blick zu verlieren – mit Gottes Hilfe.

Für mich zeigt sich Gottes Kraft nicht darin, alles zu verhindern, sondern darin, den Menschen von innen zu verändern – wenn er es zulässt. Nicht durch Zwang, sondern durch Orientierung und Gewissen.

Vielleicht verhindert Gott nicht jedes Leid. Vielleicht traut er uns zu, Verantwortung zu übernehmen und daran zu wachsen.

Vielleicht sollten wir uns wieder mehr auf unsere Instinkte und auf die Natur besinnen. Denn in allem und überall ist das Göttliche.

Das ist meine persönliche Sicht, geprägt von meinem Glauben und meinen Erfahrungen. Andere dürfen das selbstverständlich anders sehen.

Konfliktvermeidung ist kein Kindheitsschaden

Ich bin kürzlich über einen Text gestolpert, bei dem ich innerlich sofort den Kopf geschüttelt habe. Die Kernaussage: Wer Konflikte meidet, hat das in der Kindheit gelernt – aus Angst, nur dann akzeptiert zu werden, wenn man brav ist.

So einfach ist es nicht.

Ich bin konfliktphob. Ich mag keine lauten, emotional aufgeladenen Auseinandersetzungen. Und trotzdem hatte ich eine schöne, liebevolle und respektvolle Kindheit. Ich durfte meine Meinung sagen. Ich wurde gehört. Ich wurde ernst genommen.

Ich war schon als Kind ruhig. In der Schule galt ich als Musterschülerin, zumindest was mein Verhalten betraf. Still, unauffällig, ausgeglichen. Lehrer fragten meine Mama sogar, ob ich zu Hause auch so ruhig sei. Ja, das war ich. Nicht aus Angst – sondern weil es meinem Naturell entspricht. Mama sagt bis heute, diese stoische Ruhe liege einfach in meinem Charakter.

Was in solchen Erklärungen oft ausgeblendet wird, sind spätere Erfahrungen. In meiner Ehe gab es viele Auseinandersetzungen, die mein Ex-Mann aggressiv führte. Er ist mir gegenüber zweimal handgreiflich geworden. Ich habe die Polizei gerufen. Beim ersten Mal war ich zwei Wochen mit meiner Tochter weg und wollte mich scheiden lassen.

Ich bin dennoch geblieben. Ein Jahr später wurde mein Sohn geboren.

Vor allem seit diesen Erfahrungen – ich war immerhin dreizehn Jahre verheiratet – reagiert mein Körper auf Konflikte anders. Wenn jemand laut wird, ist dieses beklemmende Gefühl sofort da, mitten in der Brust. Deshalb meide ich Konflikte heute bewusst. Nicht, weil ich als Kind unterdrückt wurde, sondern aus Selbstschutz.

Konfliktvermeidung ist kein Kindheitsschaden.
Sie ist Charakter. Erfahrung. Und manchmal schlicht Selbstschutz.

Nicht schwach – überfordert

Oft habe ich das Gefühl, wir unterschätzen, wie schwer es für junge Menschen heute ist – besonders für jene, die um die Jahrtausendwende oder danach geboren wurden. Sie wachsen in einer Welt auf, die wenig Ruhe kennt und viel verlangt.

Ich schreibe das als Mutter.

Bis zum vorletzten obligatorischen Schuljahr kam mein Sohn mehr oder weniger zurecht. Dann wurde er massiv gemobbt. Daraus entwickelte sich eine Schulphobie. Es gab Angstzustände, starke Bauchschmerzen und manchmal panikartige Flucht. Ich brachte ihn täglich zur Schule, holte ihn oft wieder ab. Es gab Tage, an denen ich ihn suchte, weil mich die Rektorin informierte, dass er nicht dort angekommen war. Es war eine sehr schwere Zeit.

Mein Sohn ist mit grosser Sicherheit hypersensibel – eine Eigenschaft, die nichts Schlechtes ist, sondern Tiefe und feine Wahrnehmung bedeutet. In einem rauen Umfeld kann sie jedoch sehr belastend sein. Mit viel Engagement fand die Rektorin für ihn einen Platz in einem schulnahen Projekt ausserhalb des Schulgebäudes. Dieser Ort gab ihm etwas Halt.

Dann kam Corona – mein Sohn 15.

Das Projekt wurde gestoppt. Begleitung und Informationen blieben aus. Er musste zu Hause bleiben – und wurde damit faktisch auf die Seite gelegt.

Letzten Sonntagabend sass mein Sohn weinend am Tisch und sagte:
„Ich bin jetzt 21, und die anderen – jene, die mich damals gemobbt haben – haben alle eine Ausbildung und arbeiten. Und ich bin einfach nur ein Nichts.“
Dieser Satz hat mir das Herz zerrissen. Denn er ist kein Nichts. Aber so fühlt es sich an, wenn man zu lange keinen Platz mehr hatte.

Gestern habe ich meinen Sohn zum Sozialamt begleitet. Sein Hausarzt hatte ihm geraten, sich an einen Sozialarbeiter zu wenden – er sei auf keinen Fall ein Einzelfall. Für meinen Sohn war dieser Schritt sehr schwer: hinzugehen, einen Termin zu vereinbaren und sich dabei quasi verletzlich zu zeigen. Auch mir tat es im Mutterherz weh. Aber er hat es getan. Am 23. Januar hat er einen Termin bekommen, und ich werde ihn begleiten. Und ich hoffe sehr, dass ihm geholfen werden kann – wie auch immer dieser Weg aussehen mag.

Vielleicht ist es an der Zeit, weniger zu vergleichen und mehr zu verstehen. Die Welt der 1960er-, 70er- oder 80er-Jahre ist nicht die heutige.
Was junge Menschen brauchen, ist kein Spott und keine Abwertung, sondern Anerkennung für das, was sie tragen müssen und mussten – und die Zuversicht, dass es Wege gibt. Auch dann, wenn sie später beginnen.

Die Stille dazwischen

Seit ein paar Wochen ist Frank spürbar distanzierter.
Warum das so ist, kann ich nicht wirklich sagen. Es gibt keine klaren Worte, keine offensichtlichen Gründe. Nur dieses leise Gefühl, das sich eingeschlichen hat – und geblieben ist.

Manchmal frage ich mich, ob ich ihm zu viel bin. Oder ob ich mehr von seiner virtuellen Präsenz erwarte, als er im Rahmen unserer Freundschaft geben möchte.
Vielleicht täusche ich mich. Und doch fühlt es sich so an.

Diese Unsicherheit macht mich ein wenig traurig.
Es ist keine laute Traurigkeit, sondern eine stille. Eine, die zwischen den Zeilen entsteht – dort, wo Fragen unbeantwortet bleiben oder abgestritten werden und Vertrautheit sich plötzlich anders anfühlt als zuvor.

Ein Moment des Innehaltens – im Gebet, in der Musik und in Solidarität

Heute kamen in der Christ Church Lausanne lediglich eine gute Handvoll Menschen zu einem Moment des Innehaltens zusammen – im Rahmen des nationalen Trauertages und im Gedenken an die Tragödie von Crans-Montana.
Und doch war dieser Moment tief berührend.

In der Schlichtheit von Gebet, Stille und Musik wurde etwas Wesentliches spürbar: eine geteilte Präsenz, eine aufrichtige Aufmerksamkeit füreinander, eine Solidarität, die über die Zahl der Anwesenden hinausgeht. Denn entscheidend ist nicht, wie viele wir waren, sondern dass wir da waren – gemeinsam – vereint in Mitgefühl und Erinnerung.

Ich teile hier ein kurzes Video dieses Moments, begleitet von der Musik, die am Ende des Innehaltens gespielt wurde. Es wurde von einer Person in einer Nacht der Schlaflosigkeit geschrieben – in einem Moment, in dem das Herz frei sprechen durfte.

Nationaler Trauertag – 9. Januar

Heute am 9. Januar, dem nationalen Trauertag, schliessen wir uns als christkatholische Kirchgemeinde, gemeinsam mit der anglikanischen Gemeinschaft, dem landesweiten Moment des Innehaltens in der ganzen Schweiz an. In dieser Verbundenheit sind wir an diesem Nachmittag in der anglikanischen Kirche zusammen, um solidarisch zu sein, still zu werden und gemeinsam zu gedenken.

Um 14 Uhr wird – in Verbundenheit mit vielen anderen Orten im Land – ein symbolisches Glockenzeichen erklingen. Da die Kirche selbst über keine Glocken verfügt, wird dieses Zeichen bewusst und schlicht gesetzt: als Ausdruck gemeinsamer Trauer, Verbundenheit und Solidarität.

Die anglikanische Kirche ist an diesem Nachmittag von 13 bis 15 Uhr offen – ein Raum zum Ankommen, Verweilen oder Stillwerden.
Gegen 14.15 Uhr ist eine kurze Zeit der Besinnung vorgesehen (ca. 10–15 Minuten), um der Opfer zu gedenken und ihre Familien sowie Angehörigen in Gedanken und im Gebet zu begleiten.

Ich habe dafür 2 Gebete geschrieben :


Gott des Lebens,
halte deine schützende Hand
über jene, deren Weg jäh erschüttert wurde,
und über alle, die ihre Trauer tragen.
Schenke Kraft, Geduld und Hoffnung,
um jeden neuen Tag zu bestehen.
Amen.


Herr

wir legen dir die Familien und Angehörigen ans Herz,
die von der Tragödie in Crans-Montana betroffen sind.

In Schmerz, Angst und Stille
komm und schenke deinen Frieden dort,
wo Worte fehlen.

Umgib mit deinem Licht alle, die leiden,
und nimm die Seelen derer auf,
die viel zu früh gegangen sind.

Schenke Kraft, Mut und Sanftmut
allen, die zurückbleiben,
und lass die menschliche Solidarität
stärker sein als die Nacht.

Amen.

Eine unbequeme Frage

Seit sich die Tragödie in Crans-Montana ereignet hat, erreichen mich täglich neue Erkenntnisse und Informationen. Auch bedingt durch meine Arbeit in der Kommunikation der kantonalen reformierten Kirche und als Kommunikationsverantwortliche unserer christkatholischen Kirchgemeinde.

Seit ich – ungewollt – durch das Kennen eines Brandopfers noch näher dran bin, stellt sich mir diese eine Frage immer dringlicher:

Ist das – ganz nüchtern betrachtet – eine Art Weckruf?

Ich habe schon länger das Gefühl, dass die Menschheit auf einer falschen Spur unterwegs ist. Zu schnell. Zu rücksichtslos. Zu egoistisch und egozentrisch. Zu sehr gefangen im Dauerrauschen.

Solche Ereignisse werfen uns aus der Bahn. Zurecht?
Zumindest reissen sie uns aus einem Zustand, in dem vieles zur Selbstverständlichkeit geworden ist. Für einen Moment wird es still. Und plötzlich zählen andere Dinge. Leben. Verantwortung. Mitgefühl.

Vielleicht zeigen solche Erschütterungen, wie weit wir uns vom realen, menschlichen Leben entfernt haben. Und vielleicht mahnen sie uns – schmerzhaft –, wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzukehren.

Vielleicht sollten wir wirklich einmal innehalten.
Und darüber nachdenken.

Wenn Worte kaum ausreichen – ein stilles Gebet

Manche Nachrichten treffen uns wie ein Schlag ins Herz. Sie lassen uns verstummen, weil kein Wort sofort passt.
Eine solche Nachricht hat mich erreicht. Sie betrifft den Sohn einer Choristin und eines Kirchgemeindemitglieds – eine Familie, die ich relativ gut kenne und deren Leben in einem einzigen Moment aus den Fugen geraten ist.

In jener Nacht in Crans-Montana war ihr Sohn mitten im Geschehen … und hat überlebt.
Heute liegt er im Universitätsspital Zürich auf der Station für Schwerbrandverletzte. Sein Körper trägt schwere Spuren des Feuers: Rund 40 % des Körpers sind von Verbrennungen zweiten und dritten Grades betroffen. Und doch ist sein Leben bewahrt geblieben. Er ist bei Bewusstsein, sein Zustand ist stabil, er wird achtsam und kompetent betreut, und die erste Hauttransplantation ist bislang gut verlaufen.

Der Weg der Heilung hat begonnen – langsam, schmerzhaft, Schritt für Schritt. Viele Tage des Wartens und Hoffens liegen noch vor der Familie. Wie lange dieser Weg dauern wird, weiss im Moment niemand. Doch sie sind nicht allein. Freunde und Angehörige stehen der Familie in dieser schweren Zeit zur Seite.

Diese traurige Nachricht hat mich tief bewegt. Als Mutter. Als Mensch. Wenn ich mir vorstelle, es wäre eines meiner Kinder gewesen – der junge Mann ist so alt wie mein Sohn –, wird die Vorstellung kaum erträglich.

Ich habe der Familie eine stille Nachricht der Nähe und des Gebets geschickt. Ohne Fragen, ohne Erwartungen – im Vertrauen darauf, dass Gott da ist, wo menschliche Worte enden.

Ich glaube daran, dass Gott auch in der Dunkelheit gegenwärtig ist.
Dass er trägt, wenn die Kraft fehlt.
Und dass sein Licht selbst dort leuchtet, wo alles verbrannt scheint.


Gott des Lebens,
halte deine schützende Hand über diesen jungen Menschen
und über alle, die ihn lieben.
Schenke Kraft, Geduld und Hoffnung für jeden neuen Tag.
Amen.

„Der Herr behüte dich.“
(Psalm 121,7)


Epiphanias

Die Heiligen Drei Könige – Caspar, Melchior und Balthasar – werden am 6. Januar, dem Dreikönigstag (Epiphanias), gefeiert. Laut dem Matthäus-Evangelium waren sie Weise oder Sterndeuter aus dem Morgenland, die einem besonderen Stern folgten – suchend und vertrauend –, um dem neugeborenen Jesuskind zu begegnen. Ihre Geschenke – Gold, Weihrauch und Myrrhe – stehen symbolisch für Königtum, Göttlichkeit und Vergänglichkeit; sie lassen sich auch als Zeichen von Würde, Verehrung und der Zerbrechlichkeit des Lebens lesen.

Erst im Mittelalter erhielten die Weisen ihre Namen und wurden als Könige dargestellt. Sie symbolisieren die damals bekannten Kontinente Europa, Asien und Afrika und stehen sinnbildlich für die gesamte Menschheit, die sich auf den Weg macht.

Bis heute prägen Traditionen wie das Sternsingen (eher in D, in der CH nicht so verbreitet) oder der Dreikönigskuchen den Dreikönigstag.

Mit dem Segensspruch C + M + B – Christus mansionem benedicat (Christus segne dieses Haus)
wird ein stilles Zeichen des Schutzes und der Hoffnung gesetzt.

Zugleich markiert dieses Fest das Ende der Weihnachtszeit und erinnert an die Offenheit des christlichen Glaubens für alle Menschen.