Knecht Ruprecht


Von drauß’, vom Walde komm ich her;
ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
Überall auf den Tannenspitzen
sah ich goldene Lichtlein blitzen,
und droben aus dem Himmelstor
sah mit großen Augen das Christkind hervor.

Und wie ich strolch’ durch des finstern Tann,
da rief’s mich mit heller Stimme an:
“Knecht Ruprecht”, rief es, “alter Gesell´,
heb deine Beine und spute dich schnell!
Die Kerzen fangen zu brennen an,
das Himmelstor ist aufgetan,
alt und jung sollen nun
von der Jagd des Lebens einmal ruhn,
und morgen flieg ich hinab zur Erden;
denn es soll wieder Weihnachten werden!”

Ich sprach: “Oh lieber Herre Christ,
meine Reise fast zu Ende ist;
ich soll nur noch in diese Stadt,
wo’s eitel gute Kinder hat.”

“Hast denn das Säcklein auch bei dir?”
Ich sprach: “Das Säcklein, das ist hier;
denn Äpfel, Nuss und Mandelkern
essen fromme Kinder gern.”

Christkindlein sprach: “So ist es recht;
so geh mit Gott, mein treuer Knecht!”
Von draußen, vom Walde komm ich her;
ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
Nun sprecht, wie ich’s hier innen find!
Sind’s gute Kind, sind’s böse Kind?

Theodor Storm


Den Nikolaus-Tag feiern wir jedes Jahr am 6. Dezember zu Ehren des Heiligen St. Nikolaus (auch Nikolaus von Myra genannt). Ursprünglich war St. Nikolaus ein Bischof im Gebiet der heutigen Türkei, der heute noch vor allem deswegen bekannt ist, weil er besonders kinderlieb gewesen sein soll. Der echte Nikolaus hat also niemals einen roten Mantel und eine Zipfelmütze getragen – stattdessen wird er meist mit den Bischofsinsignien, Mithra und Krummstab, dargestellt. (Einen langen Bart hat er aber wohl wirklich gehabt.)

Es ist überliefert, dass er den Kindern seiner Gemeinde gerne kleine Geschenke wie Nüsse oder Früchte gemacht hat. Deswegen gibt es am Nikolaus-Tag noch heute kleine, meist leckere Gaben für die Kinder, die im vergangenen Jahr artig waren. Um die unartigen Kinder kümmert sich traditionell der eher unfreundliche Gehilfe des Nikolaus, der unter dem Namen Knecht Ruprecht oder Krampus bekannt ist.

In der Schweiz allerdings heisst der Gehilfe vom Samichlaus anders, nämlich Schmutzli 🙂

Hier noch ein interssanter Link zum schweizer Samichlaus

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