1995 sagt kurz Hallo


Manchmal klingelt das Handy – und die Vergangenheit schickt eine Sprachnachricht. Ich traute meinen Augen nicht, als ich sah, dass Läggerli sich gemeldet hat. Ja genau, das Läggerli. Mein Spitzname für ihn damals, als wir jung waren und das Leben noch deutlich weniger kompliziert erschien.

Inzwischen war ich verheiratet und nach 13 Jahren wieder geschieden, habe zwei Kinder – ein bewegtes Leben mit vielen Kapiteln.
Und Läggerli? Der lebt irgendwo zwischen Analogmodus und Ostsee (wo er zurzeit für zwei Wochen am Segeln ist. Laut seiner Nachricht nutzt er die Zeit, um sich zu erholen und auf sich zu konzentrieren); meidet Social Media konsequenter als ich meine Ruhe am Sonntag verteidige, und schickt stattdessen lieber Sprachnachrichten.

Und das Verrückte daran: Seine Stimme war sofort wieder da. Klar, älter vielleicht. Ruhiger. Aber da war etwas, das blieb. Keine verlorene Liebe, keine sentimentalen Eskapaden – einfach nur ein Stück Vergangenheit, das plötzlich wieder hörbar wurde.

Unsere letzte Begegnung liegt rund 30 Jahre zurück – ein kurzer Moment im Joggeli (St. Jakob-Stadion in Basel), wo er damals arbeitete. Wir waren längst getrennt, aber als er mich sah, kam er auf mich zu. Es war ein stilles Wiedererkennen, ohne viele Worte, aber mit einer Geste, die sich mir eingeprägt hat. Danach haben sich unsere Wege für lange Zeit verloren.

Ob wir uns wiedersehen? Vielleicht. Vielleicht bleibt es auch einfach bei diesem kurzen Moment der Verbindung – ein leiser Gruss aus der Vergangenheit. Ich bin heute woanders im Leben, mit Claudius an meiner Seite. Und das ist gut so.

Manchmal geht es nicht darum, die Vergangenheit neu zu beleben, sondern sie würdig zu erinnern. Und sich selbst in ihr wiederzuerkennen – mit dem Herzen von damals und dem Blick von heute.

3 Kommentare zu “1995 sagt kurz Hallo

  1. Super, Deine Gedanken. Danke, Deine Veröffentlichungen lèse ich immer wieder mit Freude, Begeisterung und Bewunderung.

    Schöne Daag

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