Ich habe oft das Gefühl, dass wir zwar viel über Toleranz und Offenheit reden – aber immer weniger wirklich miteinander sprechen. Früher war eine Debatte ein Austausch von Argumenten. Heute ist es oft so: Wer nicht der Meinung der Mehrheit ist, wird schnell gemieden. Diese Mehrheit übernimmt ihre Sicht oft aus den grossen Medien, die in meinen Augen meist links-grün gefärbt sind.
„Woke“ zu sein, hiess ursprünglich, Ungerechtigkeiten zu erkennen. Das ist etwas Gutes. Aber inzwischen habe ich den Eindruck, dass schon kleine Abweichungen vom „richtigen“ Denken dazu führen, dass man abgestempelt wird. Zuhören und echte Gespräche gibt es kaum noch.
Viele Menschen übernehmen ihre Meinung einfach aus Schlagzeilen. Artikel werden geteilt, ohne sie zu lesen. Talkshows oder Social-Media-Posts reichen als „Beweis“. So entsteht Einigkeit, die nicht auf eigenen Überlegungen beruht, sondern auf Bequemlichkeit.

Ich fühle mich in diesem Klima manchmal selbst diskriminiert. Zum Beispiel beim Regenbogen: Für mich ist er ein schönes Naturphänomen. Heute verbinden ihn fast alle automatisch mit LGBTIQ+. Wer ihn anders sieht, gilt schnell als altmodisch. Ich möchte ihn aber einfach als Regenbogen sehen dürfen – ohne dass das gleich eine politische Haltung ist.
Vielleicht sollten wir uns wieder daran erinnern, dass Toleranz bedeutet, auch andere Meinungen zu akzeptieren. Und dass wir nur dann wirklich „wach“ sind, wenn wir nicht nur das wiederholen, was alle sagen – sondern auch bereit sind, andere Sichtweisen anzuhören.