
Manchmal höre ich eine Melodie – und plötzlich sehe ich mich selbst, wie in einem Film. Ich sitze irgendwo, allein, vielleicht an einem Fenster, am Meer oder auf einer Parkbank. Das Licht ist weich, manchmal mystisch, und die Musik legt sich über die Szene wie eine Decke.
Ich denke über mein Leben nach – über Entscheidungen, Zufälle, Begegnungen. Ich frage mich, was ich hätte anders machen können. Wo bin ich zu früh gegangen – und wo zu lange geblieben? In meiner Wahrnehmung ist das der Abspann. Eine leise, traurige Schlussszene. Nur – es ist kein Film. Es ist mein Leben.
In letzter Zeit gibt es oft solche Momente, in denen sich Realität und Vorstellung überlagern. Als würde ich das Geschehen nicht nur erleben, sondern gleichzeitig beobachten – als Zuschauerin meiner eigenen Geschichte. Vielleicht ist das eine Form von Distanz. Vielleicht aber auch der Versuch, dem Moment Bedeutung zu geben.
Manchmal wünsche ich mir, das Leben würde sich wie im Film entwickeln: Die verzweifelte Nachricht, die ich abschicke, würde jemanden dazu bringen, ins Auto zu steigen, loszufahren, anzukommen.
Ein Wort, ein Blick – und alles wäre wieder gut. Doch das Leben folgt keinem Drehbuch. Es schneidet keine Szenen neu, wiederholt keine Dialoge. Es läuft – ungeschnitten, roh, manchmal unvollkommen.
Und trotzdem gibt es diese filmischen Momente. Vielleicht, weil wir in Geschichten denken. Weil wir sie brauchen, um unser Dasein zu ordnen, zu deuten, zu fühlen. Vielleicht ist das unsere Art, Sinn zu finden – indem wir unser Leben wie eine Erzählung betrachten, mit leisen Kapiteln, unerwarteten Wendungen und offenen Enden.
Wenn ich ehrlich bin, mag ich diesen Blick von aussen nicht so. Zu oft werde ich von der Realität eingeholt und erkenne: Das Leben ist kein Film. Und das stimmt mich dann manchmal traurig, weil ich mir in diesen Momenten so sehr ein anderes Leben wünsche – doch es ist mein Leben, und ich muss das Beste daraus machen.
Jede Handlung, ob unscheinbar oder turbulent, ist letztlich Teil der Geschichte – meiner Lebensgeschichte. Und auch wenn manche Phasen traurig wirken, heisst das nicht, dass es wirklich ein Ende ist – vielleicht nur eine Pause, bevor die Musik wieder einsetzt.
Das liest sich etwas depressiv.
Was tust du, um unter Menschen zu gehen und mehr am Leben teilzunehmen?
Was sind deine persönlichen Ziele?
Ich lese, du hast Wünsche, Sehnsucht und Erwartungen. Was tust du dafür, auch ein bißchen egoistischer zu sein ?
Danke dir für deine Gedanken. Nein, ich glaube nicht, dass ich depressiv bin – vielleicht ist es einfach der Herbst, der mich manchmal etwas stiller macht.
Ich bin eigentlich recht aktiv: Ich arbeite täglich unter Menschen, gehe einmal pro Woche in die Chorprobe (mein Wochen-Highlight 😊), bin in der Kirchgemeinde engagiert und treffe mich regelmässig mit Freunden. Nur das Spazierengehen geht wegen meiner Ischiasprobleme im Moment nicht so gut – aber ich habe mir ein Fahrrad besorgt, das bald eingeweiht wird.
Meine wichtigsten Ziele sind, dass meine Kinder finanziell selbständig werden. Und ja – Wünsche, Sehnsüchte und Erwartungen begleiten wohl jeden. Vielleicht spüre ich sie zurzeit einfach etwas stärker.
Es ist interessant, dass du erwähnst, ich sollte vielleicht etwas egoistischer sein. Das hat mir meine erste grosse Liebe, Läggerli, damals in seinem Abschiedsbrief auch geschrieben…
Der Blogeintrag spiegelt einfach Gedanken wider, die mich schon länger begleiten – diesmal wollte ich sie nur einmal in Worte fassen.
Das liest sich viel besser.
Übrigens habe ich nicht geschrieben, dass du depressiv bist, sondern der Text sich so liest. Ein kleiner, feiner Unterschied, denn erstens bin ich kein Arzt und zweitens kann ich dich nicht aufgrund eines Textes als depressiv bezeichnen.
Eine Stimmung schwang in dem Text mit, aber in diesen und kommenden Tagen ist etwas Wehmut normal. Der November-Blues kündigt sich an. Ein Grund, auf den eigenen Vitamin D Spiegel zu achten 🙂
Danke dir – ja, das stimmt, der feine Unterschied ist wichtig 😊
Ich würde sagen, mein Text ist eher melancholisch-nachdenklich – das gehört im Herbst wohl einfach dazu.
Der Hinweis mit dem Vitamin D ist gut – daran sollte ich tatsächlich denken!