
„Ich friere“, sage ich.
„Aber laut Thermometer sind es vierundzwanzig Grad“, bekomme ich zur Antwort.
Beides kann gleichzeitig stimmen.
Und trotzdem fühlt sich niemand verstanden.
Manchmal reden wir genau so aneinander vorbei.
Nicht, weil wir uns nicht mögen –
sondern weil wir unterschiedliche Sprachen sprechen.
Es gibt Menschen, die teilen Gedanken sofort.
Sie erzählen vom Tag, schreiben kleine Nachrichten zwischendurch oder wünschen einfach „Gute Nacht“.
Nicht, weil es wichtig ist – sondern weil sie den anderen an ihrem Leben teilhaben lassen möchten.
Nähe entsteht für sie im Gespräch, im Mitteilen, im Dasein.
Und es gibt Menschen, die zeigen Nähe auf eine andere Weise.
Sie ordnen, strukturieren, denken nach und suchen nach Lösungen.
Vieles tragen sie still mit sich, ohne jeden Schritt auszusprechen.
Wenn man sagt „Es tut weh“, möchten sie helfen, etwas leichter oder sicherer zu machen.
Nicht aus Kälte, sondern weil sie Fürsorge eher im Tun als in Worten ausdrücken.
Beide meinen es gut.
Sie sprechen nur unterschiedliche Sprachen.
Schwierig wird es, wenn Gefühl auf Kalkulation trifft.
Wenn der eine verstanden werden möchte – und der andere beginnt zu erklären.
Wenn Nähe gesucht wird – und man stattdessen Argumente bekommt.
Ich habe gelernt:
Gefühle lassen sich nicht beweisen.
Und nicht wegdiskutieren.
Man kann sie nur ernst nehmen.
Manchmal braucht es kein Thermometer.
Manchmal reicht ein „Ich verstehe dich“.