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7. Dezember – Tannenduft

💫

Zephira bleibt stehen.

Ein Duft steigt ihr in die Nase —
klar, harzig, vertraut.
Er erinnert sie an etwas Weiches in ihrer Kindheit,
an Hände, die Kerzen anzündeten,
an Räume voller Wärme und Atem.

Manchmal trägt uns ein Duft zurück
an einen Ort, den wir längst nicht mehr betreten können.
Und dennoch ist er in uns.

Heimat ist manchmal
nur ein Hauch.

💫


Achtsamkeitsmoment

Atme heute bewusst durch die Nase.
Suche keinen bestimmten Geruch.
Lass ihn finden.

Erkenne, was in dir anklingt —
ohne es festzuhalten.


„Heimat kann ein Duft sein, der uns heimruft.“ 🕯️


6. Dezember – Die warme Tasse

💫

Liora sitzt in einer kleinen Küche am Weg.
Der Raum ist schlicht, der Tisch aus hellem Holz.
Vor ihr steht eine Tasse Tee.
Der Dampf steigt langsam auf
und legt sich wie ein warmer Atem auf ihre Hände.

Es ist kein grosses Innehalten.
Nur ein Moment.
Doch in diesem Moment wird etwas weich.

Vielleicht braucht es manchmal nicht mehr
als Wärme, die wir uns erlauben.

💫


Achtsamkeitsmoment

Nimm heute einen Moment,
in dem du nichts leistest.

Nicht denken.
Nicht planen.
Nicht funktionieren.

Nur halten.
Und gehalten werden.


„Wärme ist nicht die Temperatur – sie ist ein Einverständnis mit sich selbst.“ 🕯️


5. Dezember – Die Spur im Schnee

💫

Zephira bleibt stehen.
Vor ihr — eine Spur im Schnee.
Klein.
Leise.
Lebendig.

Nichts Grosses geschieht.
Und doch geschieht etwas.

Manchmal erinnern uns gerade die unscheinbaren Spuren daran,
dass das Leben auch im Stillen weitergeht.

Dass wir nicht allein auf dem Weg sind.
Auch dann, wenn es so wirkt.

💫


Achtsamkeitsmoment

Nimm heute etwas Kleines bewusst wahr:
eine Geste, ein Duft, ein Blick, ein Geräusch.

Manchmal liegt in den kleinsten Dingen
der grösste Trost.


„Selbst im Schweigen hinterlässt das Leben Spuren.“ 🕯️


4. Dezember – Nebel

💫

Liora geht am frühen Morgen los.
Der Nebel liegt dicht über dem Weg,
verschluckt Formen, Ränder, Gewissheiten.

Doch ihr Schritt bleibt ruhig.
Sie hat es nicht eilig.
Sie muss nichts wissen.

Es gibt Wege, die man nur gehen kann,
wenn man es zulässt, dass nicht alles sichtbar ist.

💫


Achtsamkeitsmoment

Wenn heute etwas unklar ist,
versuche nicht, es zu lösen.

Setz dich.
Atme.
Lass den Nebel Nebel sein.

Klarheit kommt von selbst,
wenn sie bereit ist.


„Manches zeigt sich erst, wenn die Welt weich wird.“ 🕯️


3. Dezember – Die Laterne

💫

Zephira hält eine kleine Laterne in der Hand.
Das Licht ist schwach, kaum mehr als ein Atemzug aus Flamme.
Es reicht nicht, um den Weg voraus zu erhellen.
Aber es reicht für den nächsten Schritt.

Mehr braucht es heute nicht.

Vertrauen wächst nicht in Gewissheit,
sondern in Nähe.

💫


Achtsamkeitsmoment

Du musst nicht wissen, wie alles weitergeht.
Nur, was jetzt dran ist.

Ein Schritt.
Ein Atemzug.
Ein Licht, das du tragen kannst.


„Ein kleines Licht reicht, wenn das Herz bereit ist zu sehen.“ 🕯️


2. Dezember – Der Ruf im Wind

💫

Liora steht still und lauscht.
Der Wind streicht durch die kahlen Äste,
und etwas darin klingt vertraut –
als würde ein längst vergessenes Lied
wieder nach Hause finden.

Sie weiss nicht, wohin der Weg führt.
Sie weiss nur:
Es ist Zeit, ihm zu folgen.

Manchmal ruft das Leben leise.
Und wir gehen.

💫


Achtsamkeitsmoment

Höre heute auf einen Klang
ohne ihn zu benennen oder zu erklären.
Nur zuhören.
Nur da sein.
Nur hören.


„Der Wind kennt alte Lieder, die wir längst vergessen glaubten.“ 🕯️


1. Dezember – Der erste Schritt

💫

Zephira steht am Fenster.
Ein dünner Frost liegt über den Dächern, als hätte die Nacht einen Schleier aus Stille zurückgelassen.
Sie legt die Hand an ihr Herz, atmet ein –
und öffnet die Tür.

Der Weg beginnt nicht draussen.
Er beginnt dort, wo wir innerlich leise werden.

Vielleicht ist der erste Schritt heute
kein Tun.
Sondern ein Zulassen.

💫


Achtsamkeitsmoment

Nimm heute einen bewussten Schritt.
Nicht gross. Nicht bedeutsam.
Nur wach.

Spüre den Boden unter deinen Füssen.
Für einen Atemzug.
Das genügt.


„Manchmal beginnt ein Weg damit, die Stille hereinzulassen.“ 🕯️


Überleben mit Kaffee und Birchermüesli

Heute Nacht hat mein Körper wohl beschlossen, dass kurz vor vier Uhr eine wunderbare Zeit zum Aufwachen sei. Mein Kopf war anderer Meinung – aber leider hat der Körper gewonnen. Nach ein paar tapferen Versuchen, den Schlaf zurückzulocken (er hat mich komplett ignoriert), bin ich aufgestanden und habe mir einen Kaffee gemacht. Wenn man schon so früh wach ist, kann man es ja wenigstens stilvoll machen und ihn mit Koffein beginnen.

Meine beiden Babys, Saké und Wasabi, haben derweil ganz lieb gewartet, bis ich meinen ersten Kaffee in Ruhe austrinken konnte. Sie sassen da wie zwei kleine Zen-Meister der Geduld – zumindest, bis der letzte Schluck weg war. Dann war klar: Jetzt bitte Frühstück! Also habe ich ihnen ihre Mahlzeit serviert, und sie haben sie mit einer Zufriedenheit verputzt, die ich um diese Uhrzeit gern selbst hätte.

.

Danach räumte ich den Geschirrspüler aus, bereitete mein Birchermüesli fürs Mittagessen vor und machte mich schliesslich auf den Weg ins Büro. Kurz vor acht sass ich an meinem Schreibtisch – offiziell „arbeitsbereit“, innerlich aber noch im Halbschlaf-Modus.

Jetzt sitze ich hier. Mein Körper hätte nichts dagegen, sich einmal quer über die Tastatur zu legen, und mein Gehirn versucht tapfer, die Augen aufzuhalten. Das Problem: Es gibt heute praktisch nichts zu tun. Wirklich gar nichts, das einen wachhält oder wenigstens beschäftigt. Ich starre also der Zeit beim Vorbeikriechen zu – und sie gibt sich heute richtig Mühe, langsam zu sein.

Früher Feierabend wäre heute ein Traum – aber meine Minusstunden erinnern mich daran, dass dies nicht möglich ist. Also sitze ich hier, halte mich mit Kaffee aufrecht und hoffe, dass sich die Uhr irgendwann erbarmt und ein kleines bisschen schneller läuft.

Zum Glück wartet in der Mittagspause mein Birchermüesli auf mich. Ich sehe es heute als eine Art heimlichen Verbündeten – der treue Begleiter, der mich davor bewahrt, auf der Tastatur einzuschlafen.

Vielleicht wird der Tag ja doch noch besser – auch wenn ich am Ende sicher müde sein werde – dann womöglich dank der treuen Unterstützung meines Birchermüeslis.

Ein Vierteljahrhundert Liebe

Heute ist ein besonderer Tag.
Meine Tochter wird 25.

Als sie geboren wurde, war ich genau so alt wie sie heute.
Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich sie zum ersten Mal gehalten habe.

Nach dem Kaiserschnitt in Vollnarkose waren etwa drei Stunden vergangen.
Ich erwachte und hörte nur die Stimme der Hebamme:

„Die Mutter erwacht – schnell, das Baby!“

Und im nächsten Moment lag dieses kleine Bündel Mensch auf meiner Brust.

Ich war unsicher, müde und gleichzeitig voller Liebe für dieses kleine Mädchen –
ein absolutes Wunschkind.
Ich wusste nicht, wohin unser Weg führen würde.
Ich habe einfach angefangen, Mutter zu sein, Schritt für Schritt.
Und ich bereue nicht eine Sekunde, dass ich in so jungen Jahren diese Form von Liebe erleben durfte.

Die Jahre sind schnell vergangen.
Zu schnell.
Schneller, als ich damals dachte.

Manchmal glaube ich, ich hätte gern manches länger festgehalten.
Aber so ist Zeit:
Sie geht vorwärts, nicht zurück.

Heute sehe ich sie – eine erwachsene Frau –
mit eigenen Entscheidungen, eigenem Mut und eigenem Weg.
Und doch erkenne ich hier und da Spuren von mir in ihr.
Nicht als Abdruck – sondern als etwas, das sie angenommen und zu ihrem eigenen gemacht hat.

Es ist kein Tag für grosse Worte.
Und doch möchte ich sagen:

Ich bin stolz auf Dich.
Ich bin froh, dass du DU bist.
Ich bin dankbar, dass du da bist.

Auf die nächsten 25 Jahre. 🤍