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Wenn der Heilige Geist mitsingt

Am Sonntag hatten wir unser Konzert gemeinsam mit einem belgischen Chor aus Brüssel. Im September werden wir nach Brüssel reisen und das gleiche Programm dort nochmals aufführen. Darauf freue ich mich jetzt schon sehr.

Das Wochenende war allerdings intensiv. Bereits am Samstag haben wir unsere belgischen Gäste um 16 Uhr mit einem Zvieri aus selbstgemachten Cakes, Früchten und Kaffee empfangen. Gut eine halbe Stunde später ging es bereits weiter in die Kirche zur Hauptprobe. Zum ersten Mal sangen beide Chöre gemeinsam – und die Verschmelzung der Stimmen war wirklich beeindruckend.

Nach der Generalprobe gegen halb acht wurde das Buffet eröffnet. Viele Chormitglieder hatten selbstgemachte Köstlichkeiten mitgebracht. Ich selbst steuerte eine Käsewähe bei, blieb aber nicht lange, denn schliesslich wollten wir noch den Geburtstag von Bruderherz nachfeiern. Dafür hatte ich extra eine Rüeblitorte gebacken.

Die Freude über den Geburtstagskuchen war gross, und gemeinsam mit Claudius – ja, er war ebenfalls dabei – verbrachten wir den Abend bei Mama. Bruderherz war mit seinem Sohn übers Wochenende dort, und wir blieben fast bis Mitternacht.

Am Sonntagmorgen sass ich bereits um 9.26 Uhr im Zug. Um 11 Uhr feierten wir unseren Pfingstgottesdienst, und da ich bei uns auch die Aufgaben der Sakristanin übernommen habe, wollte die Kapelle vorbereitet werden. Kurz vor zehn war ich deshalb bereits vor Ort.

Nach dem Gottesdienst gab es einen wunderbaren Apéro. Gegen halb eins holte mich Claudius ab, und wir fuhren weiter zur Kirche, wo um 14 Uhr die «Mise en voix» für das Konzert begann.

Währenddessen werkelte Claudius in der Küche. Er kochte für über 80 Personen – für alle Chormitglieder und einige enge Freunde des Chors.

Das Konzert um 17 Uhr stand spürbar unter einem guten Stern – Das Licht, das durch die Fenster fiel, hätte kaum passender sein können…


Das Konzert war ein voller Erfolg. Am Ende gab es sogar Standing Ovations.

Besonders gefreut hat mich, dass auch unser Pfarrer mit seiner Frau sowie zwei Kolleginnen und Kollegen aus dem Büro – begleitet von ihrem Partner beziehungsweise ihrer Mutter – im Publikum waren.

Nach dem Konzert wurden Fotos gemacht, und wir konnten die wunderschöne Location mit ihrer atemberaubenden Aussicht geniessen.

Das von Claudius gekochte Essen wurde sehr geschätzt. Er erhielt sogar zweimal Applaus und als Dankeschön eine Schachtel Pralinen. Auch von mir an dieser Stelle nochmals ein grosses Dankeschön, Chou ❤️

Eine besonders schöne Begegnung hatte ich mit einer Sängerin aus dem belgischen Chor. Joëlle stammt ursprünglich aus dem Elsass und kam nach dem Konzert auf Mama und mich zu. Sie freute sich riesig, mit uns Deutsch – beziehungsweise Elsässisch – sprechen zu können. Baseldeutsch und Elsässisch sind sich tatsächlich erstaunlich ähnlich. Joëlle meinte sogar, unsere Sprache erinnere sie an ihre Kindheit.

So sehr, dass sie Mama spontan einlud, im September ebenfalls nach Belgien zu kommen. Mama würde das gerne tun. Das Problem ist nur, dass ich meinen Platz im Nachtzug sowie den Rückflug bereits gebucht habe und Mama die Reise alleine antreten müsste. Das möchte sie verständlicherweise nicht. Trotzdem überlege ich tatsächlich, ob sich dafür nicht doch noch eine Lösung finden lässt.

Nach dem Konzert halfen alle beim Aufräumen mit, und gegen 22.30 Uhr war alles wieder an seinem Platz, sauber und versorgt.

Als wir schliesslich gegen halb zwölf nachts zuhause ankamen, war ich vor allem erleichtert, dass alles so gut gelaufen war. Und noch mehr darüber, dass ich am Montag frei hatte.

Und ich kann Euch sagen: Am Montag habe ich genau gar nichts getan.

Claudius musste bereits um sechs Uhr morgens zur Arbeit aufbrechen, während ich den Tag gemütlich zwischen Sofa und Balkon verbrachte – begleitet von alten Folgen von Ein Fall für zwei.

Ach ja … irgendwie wirkten die Zeiten damals manchmal etwas einfacher.

Pfingsten – verstanden werden

„Wie kommt es, dass jeder von uns sie in seiner Muttersprache sprechen hört?“
(Apostelgeschichte 2,8)

An Pfingsten denken viele zuerst an das Sprachwunder: Die Jünger sprechen plötzlich verschiedene Sprachen. Doch vielleicht liegt das eigentliche Wunder gar nicht darin, dass gesprochen wird – sondern darin, dass verstanden wird.

Denn dieselbe Sprache zu sprechen bedeutet noch lange nicht, sich wirklich zu verstehen. Das erleben wir täglich: in der Familie, am Arbeitsplatz, in Beziehungen oder auch in der Kirche. Manchmal spricht jemand mit uns – und trotzdem kommt nichts wirklich an. Worte können klar sein und sich dennoch fremd anfühlen.

Genau deshalb ist die lange Liste der verschiedenen Menschen und Herkunftsländer in der Pfingstgeschichte so bedeutend. Hinter jedem Namen steht ein Mensch mit seiner eigenen Geschichte, seinen Erfahrungen, seinen Fragen und Hoffnungen.

Und genau dort setzt Gottes Geist an.

Nicht mit einer Botschaft „für alle gleich“, sondern auf eine Weise, die jeden Einzelnen persönlich erreicht. Pfingsten zeigt einen Gott, der Menschen nicht übergeht, sondern sie dort anspricht, wo sie stehen. Einen Gott, der verstanden werden will – und der zugleich versteht.

Vielleicht liegt darin auch heute noch die eigentliche Herausforderung: nicht einfach möglichst laut oder viel zu reden, sondern so zu sprechen, dass Menschen sich gemeint, berührt und verstanden fühlen.

Und vielleicht wünsche nicht nur ich mir manchmal, von gewissen Menschen wirklich verstanden zu werden. Nicht nur gehört. Sondern verstanden. Mit allem, was zwischen den Worten liegt.

Denn manchmal ist verstanden werden das grösste Wunder überhaupt.

Ein Moment des Innehaltens – im Gebet, in der Musik und in Solidarität

Heute kamen in der Christ Church Lausanne lediglich eine gute Handvoll Menschen zu einem Moment des Innehaltens zusammen – im Rahmen des nationalen Trauertages und im Gedenken an die Tragödie von Crans-Montana.
Und doch war dieser Moment tief berührend.

In der Schlichtheit von Gebet, Stille und Musik wurde etwas Wesentliches spürbar: eine geteilte Präsenz, eine aufrichtige Aufmerksamkeit füreinander, eine Solidarität, die über die Zahl der Anwesenden hinausgeht. Denn entscheidend ist nicht, wie viele wir waren, sondern dass wir da waren – gemeinsam – vereint in Mitgefühl und Erinnerung.

Ich teile hier ein kurzes Video dieses Moments, begleitet von der Musik, die am Ende des Innehaltens gespielt wurde. Es wurde von einer Person in einer Nacht der Schlaflosigkeit geschrieben – in einem Moment, in dem das Herz frei sprechen durfte.

Nationaler Trauertag – 9. Januar

Heute am 9. Januar, dem nationalen Trauertag, schliessen wir uns als christkatholische Kirchgemeinde, gemeinsam mit der anglikanischen Gemeinschaft, dem landesweiten Moment des Innehaltens in der ganzen Schweiz an. In dieser Verbundenheit sind wir an diesem Nachmittag in der anglikanischen Kirche zusammen, um solidarisch zu sein, still zu werden und gemeinsam zu gedenken.

Um 14 Uhr wird – in Verbundenheit mit vielen anderen Orten im Land – ein symbolisches Glockenzeichen erklingen. Da die Kirche selbst über keine Glocken verfügt, wird dieses Zeichen bewusst und schlicht gesetzt: als Ausdruck gemeinsamer Trauer, Verbundenheit und Solidarität.

Die anglikanische Kirche ist an diesem Nachmittag von 13 bis 15 Uhr offen – ein Raum zum Ankommen, Verweilen oder Stillwerden.
Gegen 14.15 Uhr ist eine kurze Zeit der Besinnung vorgesehen (ca. 10–15 Minuten), um der Opfer zu gedenken und ihre Familien sowie Angehörigen in Gedanken und im Gebet zu begleiten.

Ich habe dafür 2 Gebete geschrieben :


Gott des Lebens,
halte deine schützende Hand
über jene, deren Weg jäh erschüttert wurde,
und über alle, die ihre Trauer tragen.
Schenke Kraft, Geduld und Hoffnung,
um jeden neuen Tag zu bestehen.
Amen.


Herr

wir legen dir die Familien und Angehörigen ans Herz,
die von der Tragödie in Crans-Montana betroffen sind.

In Schmerz, Angst und Stille
komm und schenke deinen Frieden dort,
wo Worte fehlen.

Umgib mit deinem Licht alle, die leiden,
und nimm die Seelen derer auf,
die viel zu früh gegangen sind.

Schenke Kraft, Mut und Sanftmut
allen, die zurückbleiben,
und lass die menschliche Solidarität
stärker sein als die Nacht.

Amen.

Eine unbequeme Frage

Seit sich die Tragödie in Crans-Montana ereignet hat, erreichen mich täglich neue Erkenntnisse und Informationen. Auch bedingt durch meine Arbeit in der Kommunikation der kantonalen reformierten Kirche und als Kommunikationsverantwortliche unserer christkatholischen Kirchgemeinde.

Seit ich – ungewollt – durch das Kennen eines Brandopfers noch näher dran bin, stellt sich mir diese eine Frage immer dringlicher:

Ist das – ganz nüchtern betrachtet – eine Art Weckruf?

Ich habe schon länger das Gefühl, dass die Menschheit auf einer falschen Spur unterwegs ist. Zu schnell. Zu rücksichtslos. Zu egoistisch und egozentrisch. Zu sehr gefangen im Dauerrauschen.

Solche Ereignisse werfen uns aus der Bahn. Zurecht?
Zumindest reissen sie uns aus einem Zustand, in dem vieles zur Selbstverständlichkeit geworden ist. Für einen Moment wird es still. Und plötzlich zählen andere Dinge. Leben. Verantwortung. Mitgefühl.

Vielleicht zeigen solche Erschütterungen, wie weit wir uns vom realen, menschlichen Leben entfernt haben. Und vielleicht mahnen sie uns – schmerzhaft –, wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzukehren.

Vielleicht sollten wir wirklich einmal innehalten.
Und darüber nachdenken.

Wenn Worte kaum ausreichen – ein stilles Gebet

Manche Nachrichten treffen uns wie ein Schlag ins Herz. Sie lassen uns verstummen, weil kein Wort sofort passt.
Eine solche Nachricht hat mich erreicht. Sie betrifft den Sohn einer Choristin und eines Kirchgemeindemitglieds – eine Familie, die ich relativ gut kenne und deren Leben in einem einzigen Moment aus den Fugen geraten ist.

In jener Nacht in Crans-Montana war ihr Sohn mitten im Geschehen … und hat überlebt.
Heute liegt er im Universitätsspital Zürich auf der Station für Schwerbrandverletzte. Sein Körper trägt schwere Spuren des Feuers: Rund 40 % des Körpers sind von Verbrennungen zweiten und dritten Grades betroffen. Und doch ist sein Leben bewahrt geblieben. Er ist bei Bewusstsein, sein Zustand ist stabil, er wird achtsam und kompetent betreut, und die erste Hauttransplantation ist bislang gut verlaufen.

Der Weg der Heilung hat begonnen – langsam, schmerzhaft, Schritt für Schritt. Viele Tage des Wartens und Hoffens liegen noch vor der Familie. Wie lange dieser Weg dauern wird, weiss im Moment niemand. Doch sie sind nicht allein. Freunde und Angehörige stehen der Familie in dieser schweren Zeit zur Seite.

Diese traurige Nachricht hat mich tief bewegt. Als Mutter. Als Mensch. Wenn ich mir vorstelle, es wäre eines meiner Kinder gewesen – der junge Mann ist so alt wie mein Sohn –, wird die Vorstellung kaum erträglich.

Ich habe der Familie eine stille Nachricht der Nähe und des Gebets geschickt. Ohne Fragen, ohne Erwartungen – im Vertrauen darauf, dass Gott da ist, wo menschliche Worte enden.

Ich glaube daran, dass Gott auch in der Dunkelheit gegenwärtig ist.
Dass er trägt, wenn die Kraft fehlt.
Und dass sein Licht selbst dort leuchtet, wo alles verbrannt scheint.


Gott des Lebens,
halte deine schützende Hand über diesen jungen Menschen
und über alle, die ihn lieben.
Schenke Kraft, Geduld und Hoffnung für jeden neuen Tag.
Amen.

„Der Herr behüte dich.“
(Psalm 121,7)


Epiphanias

Die Heiligen Drei Könige – Caspar, Melchior und Balthasar – werden am 6. Januar, dem Dreikönigstag (Epiphanias), gefeiert. Laut dem Matthäus-Evangelium waren sie Weise oder Sterndeuter aus dem Morgenland, die einem besonderen Stern folgten – suchend und vertrauend –, um dem neugeborenen Jesuskind zu begegnen. Ihre Geschenke – Gold, Weihrauch und Myrrhe – stehen symbolisch für Königtum, Göttlichkeit und Vergänglichkeit; sie lassen sich auch als Zeichen von Würde, Verehrung und der Zerbrechlichkeit des Lebens lesen.

Erst im Mittelalter erhielten die Weisen ihre Namen und wurden als Könige dargestellt. Sie symbolisieren die damals bekannten Kontinente Europa, Asien und Afrika und stehen sinnbildlich für die gesamte Menschheit, die sich auf den Weg macht.

Bis heute prägen Traditionen wie das Sternsingen (eher in D, in der CH nicht so verbreitet) oder der Dreikönigskuchen den Dreikönigstag.

Mit dem Segensspruch C + M + B – Christus mansionem benedicat (Christus segne dieses Haus)
wird ein stilles Zeichen des Schutzes und der Hoffnung gesetzt.

Zugleich markiert dieses Fest das Ende der Weihnachtszeit und erinnert an die Offenheit des christlichen Glaubens für alle Menschen.

Ein stiller Blick auf das, was bleibt

Gedanken zum Drama in Crans-Montana

Manche Ereignisse erschüttern nicht nur eine Region, sondern auch etwas in uns selbst.

In den letzten Tagen habe ich viele Augenzeugenberichte gesehen. Menschen, die diese Katastrophe überlebt haben. Und auffallend viele erzählten, dass sie Gott gedankt haben. Einige sagten, sie hätten während der ganzen Zeit ihr Kreuz, das sie um den Hals tragen, festgehalten, gebetet, gehofft.

In einer Zeit, in der Religion oft belächelt, verdrängt oder als überholt betrachtet wird, wenden sich Menschen im Moment grösster Angst plötzlich wieder an Gott. Sie gehen in Kirchen, setzen sich still in eine Bank und beten, zünden Kerzen an. Sie weinen. Sie suchen Trost. Halt. Sinn. Nähe.

Gleichzeitig beeindruckt mich die Solidarität, die jetzt sichtbar wird – über Grenzen hinweg. Es braucht kein vereintes Europa auf dem Papier, keine grossen Worte oder Programme. Wir sind auch so vereint. Wenn es darauf ankommt, sind Menschen füreinander da. Unabhängig von Herkunft, Sprache oder Nationalität. Hilfe kennt in solchen Momenten keine Grenzen.

Das berührt mich. Nicht, weil es spektakulär wäre, sondern weil es so selbstverständlich wirkt. Still. Menschlich. Echt.

Vielleicht erinnern uns solche Tage daran, was wirklich trägt:
Glaube, Hoffnung – und das Wissen, dass wir einander nicht gleichgültig sind, wenn alles andere ins Wanken gerät.

Die Menschen, die wir lieben,
sind beim Herrn, und der Herr hat uns versprochen, bei uns zu sein.
Wenn sie bei Ihm sind und Er bei uns,
dann können sie nicht fern sein.
Peter Marshall

N.B.
Am 9. Januar gibt es einen nationalen Trauertag und laut Bundespräsident Guy Parmelin werden im ganzen Land die Kirchenglocken läuten, begleitet von einer landesweiten Schweigeminute.

Zwischen den Jahren

Es ist der letzte Tag des Jahres.
Ich brauche kein Feuerwerk –
nur einen Moment der Stille.

Heute setze ich mich hin und verinnerliche:

Ich habe dieses Jahr gelebt.
Mit allem, was dazu gehört.
Und ich bin weitergegangen.

Ich schicke ein kleines Dankeschön in den Himmel.
Nicht für das, was gut war.
Auch nicht für das, was schwer war.
Sondern dafür, dass ich in diesem Jahr
ein Stück mehr zu dem Menschen geworden bin,
der ich sein will.

Zwischen den Jahren
ist der Raum,
in dem wir still werden dürfen,
bevor alles wieder beginnt.

Danke, dass du dieses Jahr
mit meinen Worten gegangen bist.
Danke für dein Vertrauen,
für deine Stille,
für dein Mitspüren.

Möge das kommende Jahr
leise beginnen…