Es gibt Menschen mit einem hohen IQ – und andere, die in diesem Bereich vielleicht nicht ganz so stark sind. Aber macht sie das weniger wertvoll?
Viele, wenn nicht sogar alle in meinem Umfeld, sind der Meinung, mein Sohn sei faul, nutze mich aus, lache sich ins Fäustchen und profitiere nur von meiner Gutmütigkeit. Doch das ist nicht wahr.
Niemand kennt meinen Sohn so gut wie ich. Ich sehe sein Potenzial, seine Stärken – warum erkennen das andere nicht? Warum glauben sie mir nicht? Wie können manche ihn als „doof“ abstempeln, ohne ihn wirklich zu kennen?
Mein Sohn hat ohne Zweifel seine Herausforderungen. Einerseits aufgrund seiner Dyslexie, andererseits durch das Mobbing, dem er in der Schule ausgesetzt war. Hinzu kam die große Angst vor Corona im März 2020 – in seinem letzten Jahr der obligatorischen Schulzeit.
Bereits davor hatte er eine Schulphobie entwickelt, und die Schulleitung tat ihr Bestes, um sicherzustellen, dass er trotz allem zumindest das Abschlussattest für die obligatorische Schulzeit erhielt.
Stress ist für ihn ebenfalls ein großes Problem. Schon als Kind geriet er schnell aus dem Gleichgewicht, wenn man ihm mehrere Anweisungen auf einmal gab. Sagte man zum Beispiel: „Wenn wir nach Hause kommen, ziehst du deine Schuhe aus, hängst die Jacke auf, gehst ins Bad und duschst“, war das für ihn zu viel.
Stattdessen musste ich ihm jede Aufgabe einzeln nennen – dann funktionierte es problemlos. Doch sobald er mit zu vielen Informationen auf einmal konfrontiert wurde, fühlte er sich überfordert und gestresst.
Als Corona kam, zog er sich komplett in sein Zimmer zurück. Die Angst war so groß, dass ich ihn regelrecht dazu drängen musste, zumindest einmal am Tag für zehn Minuten an die frische Luft zu gehen und eine kleine Runde um den Block zu drehen.
Trotz all dieser Herausforderungen – Phobien, Ängste, Unsicherheiten – ist mein Sohn alles andere als dumm. Ganz im Gegenteil! Wenn ihr wüsstet, was er alles weiß und in wie vielen Bereichen er talentiert ist … Ich bin oft selbst erstaunt über sein Wissen über Politik, Geschichte und Wissenschaft – sowohl über aktuelle Geschehnisse als auch über die Vergangenheit.
Es fällt mir unglaublich schwer, wenn man meine Kinder schlechtmacht. Natürlich sind sie nicht perfekt – aber wer ist das schon? Jeder macht Fehler, jeder hat seine eigenen Probleme – heute mehr denn je.
Viele Menschen können sich nur schwer in andere hineinversetzen.
Wer zum Beispiel gerne Käse isst, kann oft nicht nachvollziehen, dass allein der Gedanke daran bei manchen Übelkeit auslöst – und keine noch so guten Argumente werden daran etwas ändern.
Genauso ist es mit den Gefühlszuständen anderer. Ich verstehe nicht, wie jemand gestresst sein kann, nur weil eine WhatsApp-Nachricht eingeht – schon allein durch die Benachrichtigung. Und umgekehrt können andere nicht nachvollziehen, warum mich ein einfaches Telefonat in Stress versetzt.
Unsere heutige Gesellschaft ist individueller denn je – und doch wird erwartet, dass alle das Gleiche tun. Ein Widerspruch, der sich in diesem Beispiel treffend widerspiegelt:

Das sind die Gedanken, die mir nach meinem Gespräch mit Frank durch den Kopf gegangen sind. Entschuldigt, falls es etwas wirr wirkt – ich bin gerade ziemlich aufgewühlt.


















