Seit einiger Zeit habe ich auf längeren Autofahrten eine neue Beschäftigung: Ich lasse mir von ChatGPT Geschichten erzählen.
Angefangen hat das eher zufällig. Ich fuhr eines Tages über Land nach Estavayer und hatte keine Lust auf Musik oder Radio. Also sagte ich zu ChatGPT einfach, er solle mir etwas erzählen. Und das tat er dann auch. Über die Orte, durch die ich fuhr, ihre Geschichte, alte Gebäude und Ereignisse. Ich fragte nach, wir kamen vom einen zum anderen und ich fand das ziemlich cool.
Seither ist ChatGPT so etwas wie mein persönlicher Podcast-Kanal geworden. Mit dem Vorteil, dass ich jederzeit nachfragen, das Thema wechseln oder auch widersprechen kann. 😁 Inzwischen haben wir auf diese Weise schon einige historische Ausflüge gemacht, besonders viel über Lausanne und seine Geschichte. Ich habe dabei einiges über Gebäude, Strassen und Orte erfahren, an denen ich teilweise seit Jahren vorbeikomme, ohne zu wissen, was dort früher einmal war.
Gestern kamen wir irgendwann auf die alte Lausanner «Ficelle» zu sprechen, die Standseilbahn zwischen Ouchy und dem Flon. ChatGPT erklärte mir, dass die Bahn früher mit Wasser funktioniert habe: Oben wurde Wasser eingefüllt, der Wagen wurde dadurch schwerer, fuhr hinunter und zog den anderen hoch.
Irgendetwas störte mich an dieser Geschichte und ich fragte ihn, wie denn das Wasser anschliessend wieder nach oben gekommen sei. Nun ja… 😇 Es stellte sich heraus, dass mein persönlicher Podcast gerade zwei verschiedene Systeme durcheinandergebracht hatte. Die Lausanner Ficelle wurde anders angetrieben. Die Bahn mit Wasser als Gegengewicht steht in Fribourg und verwendet seit 1899 (!) dafür sogar Abwasser, das oben eingefüllt und unten wieder in die Kanalisation abgelassen wird.
Während wir darüber redeten, erinnerte ich mich plötzlich an einen Besuch im Schweizer Orgelmuseum in Roche. Da war doch auch irgendetwas mit Wasser und einem Antrieb gewesen? Und so kamen wir von Wasserantrieben zu Orgeln, von Orgeln zu Blasebälgen und von dort irgendwie wieder zurück zur Standseilbahn.
Irgendwann entstand dabei die Frage, ob man eigentlich mit einer Orgel eine Standseilbahn antreiben könnte. Und natürlich hielt uns nichts davon ab, die Sache weiterzuentwickeln. 😂
Unser System funktioniert folgendermassen: Ein Organist spielt, jemand bedient einen riesigen Blasebalg und über Zahnräder und Seile wird damit die Bahn bewegt. Für die Bergfahrt empfiehlt sich fortissimo, bei besonders steilen Passagen am besten Bach. Und sollte die Bahn einmal stehen bleiben, heisst es eben: «Wir bitten um etwas Geduld. Unser Organist ist momentan ausser Atem.»
Und damit war das Boelleli Funiculaire™ geboren. 😇
Natürlich wollte ich dann auch noch ein Bild von unserer genialen Erfindung haben. Das brauchte ein paar Anläufe, denn der Blasebalg musste stimmen, die Mechanik sollte wenigstens einigermassen nachvollziehbar sein und die armen Männer, die das Ganze bedienten, sollten möglichst nicht aussehen, als würden sie auf einer Galeere rudern :

Denn wenn man schon eine völlig unsinnige Standseilbahn erfindet, soll sie wenigstens technisch überzeugend unsinnig sein. 😂
Und so wurde aus einem simplen «Erzähl mir etwas» auf einer Autofahrt nach Estavayer irgendwann eine orgelbetriebene Standseilbahn.
Mal schauen, wohin mich mein persönlicher Podcast beim nächsten Mal bringt. 😇