Heute hatte ich wieder eine Diskussion mit Frank über WhatsApp. Es ging um Finanzen und um meine Kinder. Und wie so oft standen wir uns gegenüber wie zwei unterschiedliche Welten.
Frank ist rational.
Theoretiker.
In der Theorie ist alles logisch und klar.
Er ist berechnend, kalkulativ, immer auf Sicherheit bedacht.
Er plant voraus, vermeidet Risiken, zieht Statistiken heran, wann immer möglich.
Schon früh hat er für sich entschieden: keine Ehe, keine Kinder.
Zu teuer, zu kräfteraubend, zu unsicher.
Und weil laut Statistik eine Ehe meist nur rund vierzehn Jahre hält, erscheint es ihm logisch, dieses Kapitel gar nicht erst zu öffnen.
Ich sage ihm oft, dass all das in der Theorie vielleicht stimmt –
aber dass das Leben nicht nur aus Theorie besteht.
In der Praxis ist es voller Umwege, Gefühle, Entscheidungen, die nicht auf Papier passen.
Und oft passieren Dinge, die man nicht voraussehen kann.
Ich hingegen bin eine andere Art Mensch.
Ich entscheide vieles aus dem Gefühl heraus – mit Verantwortungsgefühl, ja, aber nicht rechnerisch.
Wenn sich etwas jetzt richtig anfühlt, dann gehe ich diesen Weg.
Und wenn er später schwierig wird, finde ich Lösungen.
Ich kenne das Leben nicht als Absicherung, sondern als Bewegung.
Und manchmal frage ich mich:
Warum gibt es solche und solche Menschen?
Ich verstehe Franks Ansatz. Ich sehe seine Struktur.
Aber oft habe ich das Gefühl, dass mein Blick – der aus Verbundenheit, Hingabe und „ich trage, was kommt“ entsteht – bei ihm nicht wirklich landet.
Vielleicht hat das mit Ursprungsträumen zu tun.
Frank wollte nie die Verantwortung einer Familie.
Ich dagegen hatte schon als Zwölfjährige das Bild eines Zuhauses vor Augen:
Ein gemeinsames Leben. Ein gemeinsamer Alltag. Ein Wir.
Und ja – die Welt hat sich verändert.
Ich habe mich verändert.
Aber dieses Grundgefühl in mir ist geblieben.
Ich bin heute froh, nicht mehr mit meinem Ex-Mann verheiratet zu sein.
Rückblickend war diese Entscheidung richtig.
Aber es war nie mein Wunsch, alles alleine machen zu müssen – weder in der Ehe noch danach.
Und doch war es genau das, was am Ende passiert ist.
Fünfundzwanzig Jahre lang.
Die Hälfte während der Ehe, die andere Hälfte danach.
Vielleicht mache ich deshalb heute gewisse Dinge anders – oder auch falsch.
Vor allem, wenn es um meine Finanzen geht.
Ich habe gelernt, zu tragen, zu halten, zu geben.
Und auch wenn meine Kinder inzwischen erwachsen sind, spüre ich dieses Bedürfnis noch immer: für sie da sein zu wollen. Ihnen diese Sicherheit zu geben.
Auch dann, wenn es mich finanziell belastet, schwächt, fast ruiniert.
Wie man auf Französisch sagt:
c’est plus fort que moi.
Es ist stärker als ich.
Und doch hat mich genau das geprägt.
Heute kann ich mir kaum noch vorstellen, mit jemandem zusammen zu leben.
Nicht aus Ablehnung, nicht aus Verbitterung.
Sondern weil sich in mir eine eigene Art von Zuhause gebildet hat.
Eines, das unabhängig geworden ist.
Vielleicht aus Liebe.
Vielleicht aus Notwendigkeit.
Vielleicht aus beidem.
Vielleicht geht es nicht darum, den anderen zu ändern, sondern zu sehen, dass wir beide auf unsere Art versuchen, das Leben zu meistern – aber man sollte sich manchmal vielleicht mehr in den anderen hineinversetzen, um ihn zu verstehen.
Aber vielleicht ist gerade dieser Gegensatz die Essenz unserer Freundschaf…