Alle nur Schafe !


Gestern hatten Töchterchen, ihr Herzbube und ich ein interessantes Gespräch.

Zuerst redeten wir über’s Kinderkriegen. Töchterchen will spätestens mit 22/23 das erste Kind (sie ist jetzt knapp 17). Herzbube findet, man kann das nicht im voraus planen. Er wolle schon noch einiges erleben (sprich reisen) und vorallem kein(e) Kind(er) haben, bevor er nicht eine sichere und stabile finanzielle Lage habe. Töchterchen meinte darauf, dass sie nicht warten wolle bis sie 30 oder älter sein (wie Herzbubes Schwester), um Kinder zu kriegen.

Man muss wissen: Herzbube ist im letzten Lehrjahr zum Winzer. Sein Vater hat ein eigenes kleines Weingut, welches er (als 5. Generation) später auch übernehmen will. Allerdings will er aber noch eine Ausbildung zum Kellermeister (keine Ahnung, ob das im Wein-Milieu auf deutsch so heisst ?) machen. Dann möchte er auch noch 1-2 Jahre in die deutschsprachige Schweiz, um deutsch zu lernen. Dazu kommt noch, dass er seinen Militärdienst noch machen muss. Bis er das alles hinter sich hat, ist er mindestens 25/26. Da er aber auch noch „etwas erleben“ will, wird er schlussendlich um die 30 sein, bis es soweit ist. Das ist Töchterchen eindeutig zu spät – sagt sie.

Nun, ich kann beide verstehen. Ich bin auch der Meinung, dass es gut ist, wenn man relativ früh Kinder hat. So hat man noch was vom Leben, wenn die Kids gross sind. Ich bin jetzt 42 und meine beiden sind schon gross. Ich habe noch knapp 25 Jahre „aktives“ Leben vor mir und wäre allenfalls eine junge Grossmutter, die auch mit den Enkelkindern noch einiges unternehmen kann. Ich finde es auch nicht so toll, wenn die Eltern 60/70 Jahre alt sind, wenn das Kind volljährig wird. Andererseits kann ich Herzbubes Argumentation verstehen. Mit Kindern ist man schon mehr gebunden und hat Verpflichtungen.

Töchterchen meinte, sie wolle ihr eigenes Leben nicht erst mit 30 beginnen. Sie möchte spätestens mit 22 ausziehen. Ich kann’s verstehen. Herzbube hat einfach finanzielle Bedenken. Da meinte Töchterchen „tous des moutons!“ (Alle nur Schafe). Auf französisch bedeutet dieser Ausdruck, dass man alles macht, wie man es halt machen muss. Anders ausgedrückt: mit dem Strom schwimmen. Das sei doch langweilig.

    

 

Ich muss ihr da recht geben. Das Problem ist einfach: Wir leben alle in dieser Gesellschaft und wenn man nicht von Kind auf im Geld schwimmt, hat man nicht wirklich die Wahl. Man kann ja nicht tun und lassen was man will. Irgendwie muss man ja Geld verdienen, um überleben zu können. Oder aber man muss komplett Selbstversorger werden, sich eine Hütte im Wald bauen und von der Hand in den Mund leben. Allerdings wird man dann zum Aussenseiter oder Landstreicher abgestempelt. Also schwimmt man halt mit dem Strom. Steht jeden morgen auf, geht zur Arbeit, isst, schläft, arbeitet um schlussendlich doch nur recht und schlecht über die Runden zu kommen. Das soll Leben sein? – fragte Töchterchen. Dann wurde es sehr philosophisch. Ich fand unser Gespräch sehr interessant. Die Sichtweise die sie und er haben. Wie wir (sie beide) darüber geredet haben, fand ich sehr spannend.

Es war ein richtig gelungener und interssanter Abend. Ich bin stolz, dass Töchterchen eben „kein Schaf“ sein will. Solche Menschen sind relativ selten anzutreffen. Wenn ich mein Umfeld ansehe, kenn ich eigentlich nur wenig solche Leute. Ich würde mich selbst auch nicht als 0-8-15 Typ bezeichnen, aber ich schwimme mit dem Strom… denn ich habe – denke ich – keine andere Wahl. Oder doch?

Was meint Ihr?

6 Kommentare zu “Alle nur Schafe !

  1. Die nervigen Erfahrungswerte einer Familie schildern Sie ein kleines Stück weiter unten, und trotzdem plant Ihre Tochter so schnell wie möglich eine eigene Familie?

    • Ich finde es persönlich schön, eine eigene Familie zu haben. Und ich finde es auch schön, dass Töchterchen dies nicht zu spät möchte.
      Ich bin der Meinung, dass es immer irgendwie eine Lösung gibt. Als ich damals mit Sohnemann schwanger war, war mein Ex-Mann arbeitslos. Da meinte eine Freundin, ich könne doch jetzt nicht schwanger sein, wenn er keinen Job hätte. Darauf antwortete ich, dass ich nicht einsehe, weshalb ich mich einschränken soll. Mein Mann kann ebensogut während der Schwangerschaft eine Super-Stelle haben und 3 Monate nach der Entbindung die Kündigung bekommen. In der heutigen Zeit geht das ja relativ schnell. Ausserdem hat man – im Normalfall – wenn man Kind(er) hat andere Prioritäten: 2 Autos, 2 Motorräder, 2-3 Mal pro Jahr in die Ferien fahren ist dann halt nicht mehr. Aber das ist nicht schlimm. Kinder sind was wunderbares (auch wenn sie einem manchmal den letzten Nerv rauben).
      Ich glaube, Töchterchen möchte vorallem ein eigenes Heim. Ich hab ihr (ihnen) gesagt, dass man sowieso – meiner Meinung nach – nur grob planen sollte. Wer weiss, vielleicht ist Herzbube in 5 Jahren bereit, Kinder zu haben? Man sollte ja eigentlich, denke ich, im Hier und Jetzt leben und nicht schon 10 Jahre im voraus planen. Es wird kommen, wie es kommen muss…

      • Finde ich auch ich geb dir in allen Punkten Recht. Wer weiss was in 10 jahren ist, genau, in 10 Jahren lebe ICH sowieso nicht mehr, aber hier geht’s ja nicht um mich sondern um Dich und Deine Familie. Im hier und jetzt muss man leben

  2. Wer bezahlt nach Planung Ihrer Tochter mit Anfang 20 eine Familie (Haus, Autos, teure Lebenshaltung in CH)? Da sehe ich die Planung des Herzbuben, erst mal eine solide finanzielle Grundlage sicherzustellen, schon realistischer.

    • Nun, am Anfang muss es ja nicht gleich ein Haus sein… ich selbst wohne in einer Wohnung. Und ein kleines Auto hat Herzbube schon – was völlig ausreicht. Obwohl ich grundsätzlich nichts gegen eine gewisse finanzielle Grundlage habe, muss man ja nicht gleich von Anfang an in Saus und Braus leben… 😉 Ausserdem: man weiss nie was im Leben passiert. Man sollte – meiner Meinung nach – nach vorn schauen aber im Hier und Jetzt leben. Alles andere kommt, wie es kommen muss…

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