Rückschlag ?


20 Tage lang habe ich nichts geschrieben.
Nicht, weil nichts war – sondern weil es einfach Alltag war.

Letzten Donnerstag kam Sohnemann nach der Spätschicht nach Hause – wie gewohnt gegen 23:15 Uhr. Ich lag schon im Bett, war aber noch wach.
Er reichte mir einen Zettel – eine Nachricht, die alles veränderte : ein Kündigungsschreiben.

Er und drei weitere Kollegen aus der Spätschicht – also vier insgesamt – hatten die Kündigung erhalten. Aus wirtschaftlichen Gründen, wie es hiess.
Alle vier befanden sich noch in der dreimonatigen Probezeit, entsprechend betrug die Kündigungsfrist nur sieben Tage.
Im Schreiben stand zudem, dass sie für die verbleibenden Tage nicht mehr zur Arbeit erscheinen müssen.

Es hat fast den Anschein, als wären sie gezielt für einen grossen Auftrag eingestellt worden. Und jetzt, da dieser abgeschlossen ist, hat man sie einfach fallen lassen.
Wenn dem tatsächlich so war – was der Patron bestreitet –, wäre es ehrlicher gewesen, sie von Anfang an nur befristet anzustellen.

Es hat mir das Herz zusammengezogen.
Nicht nur, weil er seinen Job verloren hat – natürlich auch deshalb – aber vor allem, weil es eine Arbeit war, die ihm wirklich Freude machte.
Er ging gerne hin. Jeden Tag. Mit Motivation, mit Stolz. Im Team verstanden sie sich gut, und man hatte ihm versichert, dass er in dieser Firma eine Perspektive habe.
Und dann – dieser Schlag ins Gesicht.

Ich konnte in dieser Nacht nicht schlafen. Bis fünf Uhr morgens war ich wach.
Nicht aus Sorge, dass er nichts Neues findet – ich weiss, dass er das schafft.
Aber ich hatte Angst, dass ihn diese Enttäuschung lähmt. Dass er sich zurückzieht. Wieder.

Doch zwei Tage später zeichnete sich ein erster Lichtblick ab.
Sohnemann hat seinen Vater kontaktiert – Jurist – um sich in Bezug auf Lohn, Arbeitszeugnis und seine Rechte beraten zu lassen.
Und tatsächlich: Der Ex-Mann kümmert sich. Sie haben sich getroffen, miteinander gesprochen und erste Schritte geplant.
Ich war ehrlich erleichtert.

Ebenso froh war ich, dass mein Herr Sohn am zweiten Tag rausging, sich bewegte, Sport machte – und seinen Frust in den Fussballplatz statt in sich hinein schlug.
Auch dass er nicht wieder die Nacht zum Tag machte, wie in früheren schwierigen Phasen, hat mich beruhigt.

Manchmal sind es nicht die Schläge des Lebens, die am meisten schmerzen – sondern das Mitfühlen, wenn sie jemanden treffen, den man liebt.
Aber genau da beginnt auch Stärke: in der Art, wie man wieder aufsteht.

4 Kommentare zu “Rückschlag ?

  1. Gute Mamma! Die Hoffnung stirbt zuletzt. Wir glauben für unsere Kinder, und unser Schöpfer sieht das und hat Freude an unserem Glauben. Meistens wird der auch auf die eine oder andere Weise « belohnt ». Und wenn nicht, ist immer eine Lektion offen, die man noch nicht richtig absolviert hat – so meine Erfahrung; und das Vertrauen wächst und wächst – love you, your BAOTW

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