Macht, Verantwortung und die Frage nach Gott


Nach Tragödien wie jener von Crans-Montana stellt sich immer wieder die scheinbar einfache Frage: Wenn Gott Leid und Schmerz nicht verhindert, ist er dann machtlos – oder grausam?
Doch sollte man Gott überhaupt wie einen Menschen „richten“, oder ist er nicht vielmehr grösser als unsere menschlichen Massstäbe?
Im Christentum ist Gott durch Jesus Christus Mensch geworden. Und auch Jesus blieb Leid und Schmerz nicht erspart.

In vielen Diskussionen wird Gott wie „ein Typ“ betrachtet, der in einer konkreten Situation eingreifen könnte wie ein Mensch – und der deshalb moralisch genauso zu beurteilen sei wie wir. Doch genau hier beginnt meines Erachtens der Denkfehler.

Wenn ein Mensch Leid verhindern kann und es bewusst nicht tut, trägt er Verantwortung. Diese Logik gilt für Menschen, lässt sich aber nicht einfach auf Gott übertragen.

Dass Gott nicht immer eingreift, heisst nicht, dass er machtlos ist.
Nicht einzugreifen ist nicht dasselbe wie nicht eingreifen zu können.

Für mich zeigt sich Gottes Macht nicht im Eingreifen, sondern darin, dass er Freiheit zulässt und dem Menschen Eigenverantwortung beibringen will.

Freiheit bedeutet nicht absolute Sicherheit. Sie bedeutet auch Risiko, Fehlentscheidungen und Schuld. Tragödien entstehen nicht selten aus einer Verkettung von Umständen sowie aus menschlichem Handeln – oder Unterlassen.

Dass bei solchen Dramen nach einem Schuldigen gesucht wird, ist verständlich. Doch die Schuld Gott zuzuweisen oder ihn als grausam oder gar sadistisch darzustellen, führt aus meiner Sicht nicht weiter. Entscheidend ist vielmehr, Verantwortung zu tragen und das Wesentliche nicht aus dem Blick zu verlieren – mit Gottes Hilfe.

Für mich zeigt sich Gottes Kraft nicht darin, alles zu verhindern, sondern darin, den Menschen von innen zu verändern – wenn er es zulässt. Nicht durch Zwang, sondern durch Orientierung und Gewissen.

Vielleicht verhindert Gott nicht jedes Leid. Vielleicht traut er uns zu, Verantwortung zu übernehmen und daran zu wachsen.

Vielleicht sollten wir uns wieder mehr auf unsere Instinkte und auf die Natur besinnen. Denn in allem und überall ist das Göttliche.

Das ist meine persönliche Sicht, geprägt von meinem Glauben und meinen Erfahrungen. Andere dürfen das selbstverständlich anders sehen.

Ein Kommentar zu “Macht, Verantwortung und die Frage nach Gott

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