Eigentlich versuche ich, im Hier und Jetzt zu leben. Nicht zu sehr zurückzuschauen. Nicht zu weit vorauszudenken. Einfach den Moment zu nehmen, wie er ist.
Meistens gelingt mir das sogar ganz gut – Aber im Moment fällt es mir schwer.
Vor zwei Wochen ist mein Papa gestorben. Und seitdem habe ich manchmal das Gefühl, als würde sich die Welt einfach weiterdrehen, während innerlich etwas stehen geblieben ist.
Vor ein paar Tagen habe ich begonnen, alte Folgen von Ein Fall für zwei zu schauen. Vielleicht aus Nostalgie. Vielleicht auch einfach, weil dort alles langsamer wirkt. Ruhiger. Menschlicher.
Und plötzlich merke ich, wie müde mich unsere heutige Zeit macht.
Alles scheint immer schneller zu werden. Immer mehr Informationen. Immer mehr Nachrichten. Immer mehr Anforderungen. Und obwohl wir heute KI haben, Smartphones, digitale Hilfen und tausend Möglichkeiten, die uns das Leben eigentlich erleichtern sollten, habe ich oft das Gefühl, dass überall nur noch Chaos herrscht.
Alle rennen. Alle funktionieren. Alles dreht sich – Und ich bin mittendrin.
Wohnungssuche. Schlichtungsstelle. Sorgen um meinen Sohn, meine Tochter, meinen Bruder, meine Mama.
Menschen, die sich verändern oder plötzlich distanzierter werden. Frank, der sich seltener von sich aus meldet, obwohl das früher anders war.
Unsere Chorleiterin, die noch vor wenigen Wochen voller Begeisterung von Weihnachtsprojekten und Ideen fürs nächste Jahr erzählt hat — und nun offenbar geht.
Vielleicht ist es gerade einfach zu viel auf einmal.
Vielleicht merkt man nach einem Verlust auch einfach erst, wie erschöpft man eigentlich schon länger war.
Ich weiss es nicht. Ich weiss nur, dass ich müde bin. Nicht nur körperlich. Sondern innerlich.

Und trotzdem bin ich auch dankbar. Dankbar, dass ich Claudius habe, der mich so gut unterstützt, wie er kann.
Dankbar auch für den Zusammenhalt in unserer Familie. Gerade wir vier Geschwister sind in diesen Tagen noch näher zusammengerückt, und das bedeutet mir unglaublich viel.
Und trotzdem habe ich im Moment oft das Gefühl, gedanklich nicht wirklich im Hier und Jetzt zu sein, sondern mich nach früher zu sehnen. Vielleicht auch nach einer Zeit, die einfacher, langsamer und irgendwie überschaubarer war.
Hat vielleicht jemand einen Tipp, wie man wieder etwas mehr im Heute ankommt?
Du weisst, ich „predige“ mir auch immer selbst:
Sich Inseln schaffen: Zeit in der Natur verbringen, regelmässig. Auch wenn’s nur ein kurzer Spaziergang von 15 min. ist. Keine Nachrichten mehr schauen, man bekommt eh alles über die Menschen um einen herum mit. Gezielt Sendungen schauen, bei denen man Werbung überzappen kann (youtube, Netflix – nicht TV).
Bewusst schöne Bücher lesen, eintauchen in deren Natur/Wirklichkeit/Fantasie etc.