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Selbsterkenntnis – zwischen Anspruch und Zufriedenheit

Es gibt Tage, da denke ich, mein Leben ist langweilig.
Dann wieder spüre ich, dass mir das, was ich erreicht habe, eigentlich völlig genügt.

Manchmal frage ich mich, warum ich so vieles anders hätte machen sollen –
und erkenne kurz darauf, dass alles, was gelungen oder gescheitert ist, seinen Sinn hatte.

An manchen Tagen empfinde ich die Welt als ungerecht, hart, gleichgültig.
Und doch bin ich froh, dass ich „einfach“ geblieben bin – echt, nahbar, vielleicht ein bisschen „anders“, aber ich selbst.

Und es gibt Augenblicke, in denen ich mich frage, warum ich gewisse Dinge, die ich eigentlich wollte, am Ende doch nicht oder anders gemacht habe.
Vielleicht, weil mein Weg genau so sein musste, damit ich heute dort stehe, wo ich bin.
Will ich da sein? Muss ich da sein? Und was will ich eigentlich noch erreichen?
Ich weiss es im Moment nicht.

Ich lese hin und wieder in verschiedenen Blogs – einer davon beschäftigt mich immer wieder. Der Verfasser scheint viel erlebt und erreicht zu haben. Er wirkt selbstsicher, manchmal auch provokant, als wolle er mit seinen Worten eine Mauer errichten zwischen sich und der Welt. Und doch schwingt in seinen Texten etwas mit, das mich berührt – vielleicht Frustration, vielleicht auch Einsamkeit.

Manchmal tut er mir sogar leid. Ich habe das Gefühl, dass in ihm viele gute, vielleicht sogar sehr feinfühlige Seiten schlummern, die er aber auf keinen Fall zeigen will. Vielleicht aus Angst, verletzlich zu werden. Vielleicht, weil er gelernt hat, dass Stärke nur in Unabhängigkeit liegt.

Und so frage ich mich oft:
Was ist besser?
Sich egoistisch, unkonventionell, fast gefühllos, mit Ellbogen an die Spitze zu kämpfen – ein Leben „in Saus und Braus“ zu führen –
oder den gesellschaftlichen Erwartungen zu entsprechen, sich durchzukämpfen und ein einfaches, bescheidenes Leben zu leben?
Kann man sich das überhaupt aussuchen?
Denn je nach Lebensumständen, Herkunft, Verantwortung oder schlichtem Zufall ist der Spielraum manchmal sehr klein –
und Entscheidungen sind oft weniger frei, als man sich das wünschen würde.

Vielleicht gibt es darauf keine Antwort. Vielleicht ist Frustration einfach ein stiller Begleiter jedes Lebensweges – egal, welchen wir wählen.
Und Selbsterkenntnis bedeutet vielleicht, zu erkennen, dass kein Weg vollkommen ist.
Dass Glück kein Dauerzustand ist, sondern in kurzen Augenblicken aufleuchtet – besonders dann, wenn wir aufhören, uns zu vergleichen, und beginnen, uns selbst mit allem Licht und Schatten zu akzeptieren.

Und falls sich jemand in diesen Zeilen wiedererkennt – ja, das ist möglich. Doch ich schreibe bewusst nicht, um wen es sich handelt. Es geht mir nicht um diese Person im Speziellen, sondern um das, was das Lesen der Gedanken eines anderen Menschen in einem selbst auslösen kann.

Zwischen Meinungsfreiheit und Schweigen – Gedanken aus dem Büroalltag

Ich hab ein super Team. Eigentlich mag ich sie sehr – jeder auf seine Art. Wir verstehen uns gut, lachen viel, helfen einander. Es ist ein gutes Team. Und trotzdem gibt es Momente, in denen ich mich fühle, als sässen wir in zwei verschiedenen Welten.

Heute morgen war so ein Moment.
Das Gespräch drehte sich um Politik – genauer gesagt um „die Rechten“: über die SVP, die AfD, über Trump. Und über all die Menschen, die „so etwas“ wählen. Der Ton war eindeutig – verächtlich, abwertend, manchmal sogar spöttisch. Ich sass daneben, hörte zu und schwieg – wie so oft in solchen Situationen.

Ich bin nicht jemand, der gerne streitet. Auch nicht jemand, der mit Parolen um sich wirft oder Diskussionen provoziert. Doch innerlich spüre ich dann dieses Ziehen – den Wunsch, etwas zu sagen. Zu zeigen, dass nicht alle, die rechts denken, automatisch intolerant, dumm oder menschenfeindlich sind. Dass es dort auch Menschen gibt, die sich einfach Sorgen machen: um Sicherheit, um Werte, um das, was ihnen vertraut ist.

Ich will niemanden bekehren. Ich möchte nur sagen dürfen, dass ich anders denke – ohne dafür verurteilt zu werden. Denn Meinungsfreiheit gilt nicht nur für die, die laut sind, sondern auch für jene, die still bleiben, weil sie spüren: Ihr Schweigen ist ihr Schutz.

Diese extreme Spaltung zwischen den Menschen hat, so scheint es mir, mit Corona richtig begonnen. Damals standen sich Geimpfte und Ungeimpfte plötzlich unversöhnlich gegenüber. Wenn ich daran zurückdenke, wie diskriminierend wir Ungeimpften teils behandelt wurden – unglaublich. Seitdem hat sich dieses „Wir gegen die Anderen“ in so viele Bereiche hineingefressen. Kaum ein Thema bleibt davon verschont.

Vielleicht ist das der Preis, den man zahlt, wenn man in einem Umfeld arbeitet, in dem alle dieselbe Meinung teilen – oder glauben, dass sie es tun.
Und doch: Genau dort, wo Schweigen entsteht, sollten wir anfangen zuzuhören.
Denn Offenheit bedeutet nicht, immer einer Meinung zu sein, sondern einander trotzdem mit Respekt zu begegnen.

Fehlkonstruktion Mensch

Wir Menschen denken, wir seien das intelligenteste Wesen auf Erden. Dabei sind wir nur Teil eines Ganzen, dem Göttlichen, dem Universum – nenne man es, wie man will – und scheitern oft an den einfachsten Dingen.
Ein Körper, der vergeht, ein Herz, das fühlt, ein Geist, der erschafft und zerstört – das ist unsere Natur.

Vielleicht sind wir tatsächlich eine Fehlkonstruktion.
Nicht, weil wir fehlerhaft wären – im Gegenteil: Die Natur hat ein Meisterwerk erschaffen, wenn man bedenkt, wie unser Körper funktioniert.
Aber unser Verstand macht uns manchmal – unbewusst – einen Strich durch die Rechnung.
Wir denken zu viel und fühlen zu stark.
Nicht der Körper ist die Fehlkonstruktion – sondern das Bewusstsein, das glaubt, alles verstehen zu müssen.

Doch wenn man in die Geschichte blickt, war die Menschheit schon immer ein ständiges Auf und Ab – eine Welle aus Aufstieg und Verfall.
Reiche entstanden aus Vision, Stärke und Ordnung – und gingen unter an Überheblichkeit, Dekadenz und Selbstvergessenheit.
Die Römer zum Beispiel: eine Hochkultur, die Wissen, Technik, Konstruktion, Recht und Kunst auf ein damals unerreichtes Niveau hob.
Sie bauten Strassen, Aquädukte und ein funktionierendes Rechtssystem, das noch heute nachklingt.
Und doch – sie verloren alles.
Nicht durch rohe Gewalt allein, sondern durch innere Erosion.

Ich denke, sie waren zu offen geworden.
Sie liessen alles zu, nahmen jeden auf, wollten alles verstehen, alles integrieren.
Ihre Grenzen verschwammen, ihr Selbstverständnis löste sich auf.
Toleranz wurde zur Beliebigkeit, Offenheit zur Schwäche.
Und so zerfiel das, was einst unerschütterlich schien – von innen heraus.

Ich nenne das „das Römersyndrom“.
Ein Phänomen, das sich – so scheint es – wiederholt.
Auch heute öffnen wir uns allem und allen, lassen jede Wahrheit gleich gelten, jedes Extrem zu, jede Richtung nebeneinander bestehen.
Wir nennen es Fortschritt, Vielfalt, Freiheit.
Ich glaube, wir sind längst an demselben Punkt angekommen – aufgeklärt bis zur Erschöpfung und frei bis zur inneren Leere.

Vielleicht besteht die Tragik des Menschen darin, dass wir im Streben nach Freiheit, Offenheit und Stärke genau das verlieren, was uns trägt – Richtung, Halt und Mitgefühl – und kaum bemerken, dass wir uns dabei auflösen.

Fehlkonstruktion Mensch?
Vielleicht nicht im biologischen Sinn.
Aber im moralischen, geistigen, gesellschaftlichen – immer wieder.

Die Balance in einer Freundschaft

Es gibt Gespräche, die sich im Kreis drehen. Man erklärt, klärt, versucht, eine andere Perspektive zu zeigen – und doch landet man immer wieder am selben Punkt.
Nicht, weil der andere nicht zuhören will, sondern weil er so fest in seiner Sicht verankert ist, dass kein anderer Gedanke wirklich durchdringt.

Vieles ist gut gemeint. Sorge, Interesse, Anteilnahme – all das kann man spüren. Und doch kann es anstrengend werden, wenn sich alles immer wieder um dasselbe dreht. Wenn Worte, so wohl sie auch gemeint sind, mehr festhalten als verstehen wollen.

Was ich mir wünsche, ist kein Schweigen, keine Distanz. Ich wünsche mir einfach, dass das Gespräch wieder Raum bekommt – für Leichtigkeit, für andere Themen, für gegenseitiges Entdecken.
Ich erzähle viel aus meinem Leben, vielleicht zu viel. Und manchmal merke ich, wie unausgeglichen das ist. Der andere weiss vieles – von Sorgen, Wegen, Zweifeln. Aber umgekehrt bleibt vieles im Dunkeln.

Es wäre schön, auch ein Stück des anderen Lebens kennenzulernen. Nicht alles, nicht im Detail. Nur so viel, dass es wieder ein Miteinander wird – kein Monolog, kein Kreisen um immer dasselbe.

Denn Freundschaft bedeutet nicht nur, füreinander da zu sein. Sie bedeutet auch, sich gegenseitig zu zeigen – mit allem, was man ist, nicht nur mit dem, was man sieht.

Manchmal genügt ein geöffnetes Fenster, damit das Licht wieder auf beide Seiten fällt. Und plötzlich ist da wieder Wärme – still, aber spürbar.

Das falsche Bild vom Wohlstand

Die Schweiz gilt als eines der reichesten Ländern – geordnet, sicher, erfolgreich.
Doch hinter der glänzenden Fassade sieht es oft anders aus.
Ein ehrlicher Einblick in die Realität zwischen Löhnen, Lebenskosten und dem Mut, offen über Geld zu sprechen.

Die Leute – und damit meine ich nicht nur Einzelne – verstehen es oft nicht.
Wir leben in einem Land, das nach aussen hin glänzt. Ein Land, das als reich, sicher und stabil gilt. Viele sehen nur die Fassade: schöne Häuser, gepflegte Strassen, pünktliche Züge, volle Regale. Alles scheint geordnet, solide – fast perfekt.

Doch hinter dieser Fassade sieht es oft ganz anders aus. Nicht jeder, der in der Schweiz lebt, hat ein bequemes Leben oder ein dickes Konto. Viele kämpfen – still, unsichtbar, mit sich selbst und mit ihren Rechnungen.

Ich weiss, wovon ich spreche.
Manchmal bekomme ich Hilfe, auch finanzielle Hilfe. Und ja, ich schätze das sehr. Ich schäme mich nicht, das offen zu sagen. Ich war schon einmal auf dem Sozialamt – und habe mich sechs Jahre lang bemüht, dort wieder wegzukommen. Es war nicht leicht, aber ich habe es geschafft.

Ich habe Schulden – keine riesigen, aber doch rund 10’000 Franken. Das gehört zu meiner Realität.
Manchmal frage ich mich ehrlich, ob es nicht einfacher gewesen wäre, auf dem Sozialamt zu bleiben. Damals musste ich keine Steuern zahlen, meine Krankenkasse war zu 100 % subventioniert, und auch der Selbstbehalt, Zahnarztkosten und andere Ausgaben wurden übernommen.

Heute verdiene ich vielleicht 1’500 Franken mehr als damals – aber gleichzeitig muss ich all diese Kosten selbst tragen. Und diese übersteigen die 1’500 Franken bei weitem.
Am Ende geht die Rechnung einfach nicht auf.

Ich bin nicht der typische Schweizer, der über Geld schweigt. Wenn es um Löhne geht, sage ich, was ich verdiene. Und fast immer – vor allem Nicht-Schweizer – reagieren mit Erstaunen: «Wow, du verdienst aber gut!»
Doch das stimmt so nicht.

Ich verdiene heute etwa gleich viel, wie meine Mutter vor 30 Jahren verdient hat – im gleichen Beruf, mit der gleichen Ausbildung. Der Unterschied? Die Lebenshaltungskosten sind explodiert.
Krankenkassenprämien, Mieten, Lebensmittel – alles ist gestiegen. Und dazu kommen Dinge, die es damals gar nicht gab: Internet, Handy, digitale Abos. Das Leben ist teurer geworden, und trotzdem tun viele so, als ginge die Rechnung noch auf.

In der Theorie sollte ich mit meinem Lohn gut leben können. Auf dem Papier sieht es sogar vernünftig aus: keine Schulden, alle Rechnungen pünktlich bezahlt, keine unnötigen Ausgaben – dann müsste es eigentlich aufgehen.
Aber das ist eben Theorie.
In der Praxis kommen immer wieder unvorhergesehene Kosten: eine Zahnarztrechnung, ein neues Paar Schuhe, ein kaputtes Haushaltsgerät oder eine Erhöhung der Krankenkasse. Schon kleine Dinge bringen das fragile Gleichgewicht ins Wanken.

Oft höre ich den Rat, man müsse Rückstellungen machen – für Steuern, Autoreparaturen oder Zahnarztkosten. Und ja, in der Theorie stimmt das. Aber in der Realität funktioniert es einfach nicht.
Jedes Mal, wenn ich etwas auf die Seite legen will, muss ich das Geld am Ende doch wieder brauchen, um überhaupt über die Runden zu kommen.
Heute ist der 10. Oktober – und ich habe noch knapp 100 Franken bis zum Monatsende. Das ist die Realität, nicht die Theorie.

In der Schweiz sind Eltern zudem gesetzlich verpflichtet, für ihre Kinder finanziell aufzukommen – bis zum Abschluss einer Erstausbildung oder spätestens bis zum 25. Lebensjahr.
Das klingt vernünftig, ist aber für viele Familien eine enorme Belastung. Wer einen mittleren Lohn verdient – also eigentlich nicht schlecht, aber auch nicht überdurchschnittlich – gerät dabei leicht an seine Grenzen. Wenn dann plötzlich, aus unerklärlichen Gründen, keine Krankenkassenprämienverbilligung mehr gewährt wird, kann das verheerend sein.
Statt wie zuvor rund 500 Franken, sind es plötzlich 1’000 Franken im Monat – eine Verdoppelung, die das Budget komplett sprengt.
Und niemand erklärt einem, warum. Die «Götter» wissen es vielleicht – aber man selbst steht einfach da, rechnet, kürzt, verzichtet. Auf eine Antwort der Behörde auf mein Warum? warte ich übrigens seit Anfang Februar. Anrufen kann man nicht. Eine E-Mail schreiben auch nicht. Der einzige Weg ist der Postweg – langsam, anonym und ohne jede Rückmeldung.

Ein typischer Schweizer gibt selten zu, wenn er Schulden hat. Das Image muss gewahrt bleiben – das Bild vom erfolgreichen, gut verdienenden, abgesicherten Menschen. Genau dieses Schweigen aber trägt dazu bei, dass viele glauben, alle Schweizer seien reich, hätten ein bequemes Leben und keine Sorgen.

Doch das ist ein Trugbild.
Hinter vielen Fassaden steckt Druck, Unsicherheit, Existenzangst – und manchmal auch Scham.
Ich wünsche mir mehr Ehrlichkeit, mehr Mut, über das zu sprechen, was wirklich ist.

Denn vielleicht liegt genau darin der Anfang von Veränderung – wenn wir den Mut finden, hinter die Fassade zu schauen.


Ich teile meine Erfahrungen nicht, um Mitleid zu erwecken, sondern um sichtbar zu machen, was oft unsichtbar bleibt.
Wer meine Texte schätzt und mir helfen möchte, weiterhin offen über solche Themen zu schreiben,
darf mich gerne mit einem kleinen Beitrag unterstützen.
Weitere Informationen dazu findest du unter «Zukunfts-Chance».

Jeder Franken bedeutet ein Stück Freiheit – und die Möglichkeit, weiterhin ehrlich zu bleiben.

7 Fragen

Vor kurzem bin ich auf eine Reihe von Fragen gestoßen, die mich neugierig gemacht haben. Ich habe sie mir selbst gestellt – und dabei gemerkt, dass sie einen ehrlichen Blick nach innen eröffnen können. Vielleicht regen sie auch euch zum Nachdenken an. Wie würdet ihr darauf antworten ?

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Wenn sich die nächsten 1000 Tage genauso anfühlen wie gestern – bist du dann auf dem Weg zu deinem Traumleben oder davon entfernt?
→ Weder auf dem einen noch auf dem anderen Weg – eher wie ein stilles Weitergehen auf vertrauten Pfaden.

Wenn jemand deinen Alltag beobachten würde – würde er erkennen, was dir wirklich wichtig ist?
→ Vermutlich nicht. Nur Menschen, die mich sehr gut kennen, könnten zwischen den Zeilen meines Alltags lesen.

Was machst du immer wieder – obwohl du genau weißt, dass es dich zurückhält?
→ Ich neige dazu, zu nachgiebig zu sein und zu viel zu akzeptieren – manchmal auf Kosten meiner eigenen Klarheit.

Würde dein 12-jähriges Ich heute lächeln, wenn es sieht, wer du geworden bist, oder den Kopf schütteln?
→ Es käme wohl darauf an, worauf es den Blick richtet – doch eher würde es den Kopf schütteln.

Was ist diese eine Sache, die du ständig vor dir herschiebst – obwohl du tief drin weißt, dass sie dir richtig guttun würde?
→ Das Sortieren und Ausmisten von Papieren – unscheinbar, und doch ein Schritt hin zu mehr Leichtigkeit.

Wenn du wüsstest, dass du nicht scheitern kannst – welchen Traum würdest du endlich mutig verfolgen?
→ Einen Chor finden, der auf Tourneen geht – und Teil dieser musikalischen Reise werden. Oder endlich ein Buch schreiben.

Was würdest du dir wünschen, schon früher erkannt oder begonnen zu haben?
→ Vielleicht Frank früher zu begegnen – seine klare, strategische Sicht hätte mir wohl manche Last erspart und Wege gezeigt, die weniger schmerzhaft gewesen wären, wenn ich auf ihn gehört hätte.


Manchmal braucht es nicht viele Worte, sondern nur die richtigen Fragen, um uns einen Spiegel vorzuhalten. Für mich waren diese sieben ein kleiner Anstoss, bewusster hinzuschauen. Vielleicht öffnen sie auch bei Euch neue Gedankenwege. Ich freue mich, wenn ihr eure Antworten teilt.

Der Mann aus dem Schatten meines Traums

Heute Nacht habe ich unruhig geschlafen und nur wirres Zeug geträumt. Irgendwie musste ich in eine deutschen Uni an einen Vortrag. Plötzlich tauchte ein Mann auf – jemand, den ich zu kennen schien, und doch war er mir fremd. Er stieg aus einem Auto, das eine moderneres DeLorean-Model war. Er hatte über 500 Euro für ein Ticket bezahlt, nur um dort zu sein, weil er wusste, dass ich da bin. In meinem Traum hat mich das völlig erstaunt.

Die Uni selbst war ein einziges Chaos: überfüllte Hörsäle, kein Platz mehr, ich wusste nicht, wohin. Irgendwo in der Mitte hatte es eine Rutschbahn. Alles fühlte sich verwirrend an, und ich suchte vergeblich nach einem vertrauten Gesicht.

Am Ende wachte ich mit Kopfschmerzen auf.


Ich habe mal nachgeschaut, was die verschiedenen Elemente in meinem Traum bedeuten (könnten) ;
da steckt einiges an Symbolik drin. Ich versuche eine mögliche Deutung Schritt für Schritt:

Die Universität
Eine Uni steht oft für Lernen, geistige Weiterentwicklung oder auch Leistungsdruck. Dass ich dort einen Vortrag besuchen wollte, könnte darauf hinweisen, dass ich mich nach Orientierung, Wissen oder Inspiration sehne – vielleicht auch nach einer Art Anleitung, wie es für mich weitergehen soll. Dass aber alles chaotisch und überfüllt war, zeigt eher das Gefühl, keinen klaren Platz oder Zugang zu finden.

Der unbekannte, aber vertraute Mann
Figuren im Traum, die man „kennt und doch nicht kennt“, stehen häufig für Anteile des eigenen Selbst, die einem noch nicht bewusst sind – vielleicht eine verborgene Stärke, eine Sehnsucht oder auch ein ungelöstes Thema. Dass er so viel Geld bezahlt hat, nur um bei mir zu sein, könnte symbolisieren, dass dieser Teil meines Inneren „wertvoll“ ist oder Beachtung verlangt.

Das Auto / moderner DeLorean
Ein Auto ist oft ein Symbol für den Lebensweg oder persönliche Kontrolle. Der DeLorean – stark verbunden mit „Zurück in die Zukunft“ – könnte auf Themen von Vergangenheit und Zukunft, Zeitreisen oder der Wunsch nach Veränderung hinweisen. Vielleicht gibt es in meinem Leben etwas, das ich gern zurückspulen oder in die Zukunft vorspulen würde.

Das Chaos in der Uni & die Rutschbahn
Das Chaos, die überfüllten Hörsäle und die Orientierungslosigkeit deuten auf ein Gefühl der Überforderung oder fehlender Klarheit. Die Rutschbahn mitten in einer Uni – ein sehr ungewöhnliches Bild – könnte für einen plötzlichen Kontrollverlust stehen, aber auch für die Möglichkeit, sich spielerisch oder unerwartet durch schwierige Situationen zu bewegen.

Die Kopfschmerzen beim Erwachen
Körperliche Reaktionen nach Träumen zeigen oft, dass das Unterbewusstsein sehr intensiv gearbeitet hat. Kopfschmerzen können symbolisch für mentale Überlastung oder ungelöste Konflikte stehen.


Am Ende bleibt dieser Traum für mich ein Rätsel, der dennoch spannende Hinweise gibt. Vielleicht will er mir zeigen, dass ich gerade zwischen Orientierungssuche, innerem Druck und verborgenen Anteilen von mir selbst stehe. Ich glaube an die Kraft der Traumdeutung – und bin überzeugt, dass auch in diesem Traum eine Botschaft verborgen liegt, die es wert ist, entdeckt zu werden.

Nüchtern betrachtet…

Ich habe es ehrlich gesagt nie verstanden: Was genau soll schön daran sein, sich so zu betrinken, dass man kaum mehr geradeaus laufen kann, geschweige denn weiss, was man tut? Manche finden es lustig, im Rausch peinliche Dinge zu machen, anderen dabei zuzuschauen oder am nächsten Tag mit höllischen Kopfschmerzen aufzuwachen. Für mich klingt das eher nach Selbstquälerei, Schadenfreude oder Dekadenz.

Natürlich trinke ich auch mal ein Glas Wein oder einen Cocktail – wenn ein spezieller Anlass ansteht. Aber im Alltag? Nein, danke. Mir reicht eine Cola, ein Schweppes oder einfach ein Glas Wasser – und natürlich VIEL Kaffee. Ich brauche keinen Alkohol, um gute Gespräche zu führen, zu lachen oder einen schönen Abend zu haben.

Ein Beispiel dafür habe ich in Erinnerung, als ich mit meinem Chor am Europa Cantat in Pécs war. Abends trafen wir uns oft und „zogen um die Häuser“. Eines Abends kam ich zu einigen Choristen, die schon auf einer Terrasse sassen, und gesellte mich dazu. Ich bestellte eine Cola. Sofort meinte einer: „Was? Du bestellst nur Cola? Kein Bier?“ – Ich mag nun mal kein Bier, es ist mir viel zu bitter, und ausserdem brauche ich keinen Alkohol, um einen tollen Abend zu verbringen. Die Antwort kam prompt: „Also ich schon!“ Dieser Satz hat mich ehrlich gesagt schockiert. Dass man glaubt, ohne Alkohol keinen schönen Abend haben zu können, ist für mich schwer nachvollziehbar.

Und doch sehe ich, dass viele Menschen das anders erleben. Für manche gehört Alkohol einfach zum Feiern dazu, er vermittelt das Gefühl von Lockerheit, von Leichtigkeit und von Gemeinschaft. Andere empfinden es fast wie ein Ritual – das Glas Wein zum Essen oder das Bier nach Feierabend ist fest verankert. Wieder andere greifen dazu, weil sie Sorgen oder Stress vergessen wollen. Aber das löst die Probleme ja nicht wirklich. Im Gegenteil: Es verschiebt sie nur, und wenn man wieder nüchtern in der Realität landet, ist es meistens noch schlimmer.

Vielleicht bin ich in dieser Hinsicht besonders sensibel, denn ich habe in meiner Familie erlebt, wie gefährlich der Umgang mit Alkohol und Drogen sein kann. Mein Bruder hat sich in jungen Jahren mehrmals ins Koma gesoffen und wäre einmal fast gestorben, hätte man ihn nicht rechtzeitig in einer Toilette gefunden. Auch meine Kinder haben schon so viel getrunken, dass sie „blau“ waren. Und das, obwohl sie von mir nie ein solches Beispiel gesehen haben.

Dasselbe gilt fürs Kiffen: Ich habe es nie gemacht und werde es auch nie tun – und doch haben meine Kinder und Brüder damit experimentiert und tun es bis heute manchmal. Ich kann es noch weniger nachvollziehen, denn niemand soll mir erzählen, das sei harmlos oder „nur“ CBD. Es greift das Gehirn an, ob man will oder nicht. Und gerade wenn man im Teenageralter damit anfängt, ist das sicher nicht förderlich für die weitere Entwicklung.

Dazu kommt, dass der jüngste Bruder meines Vaters bereits mit zwölf Jahren anfing zu kiffen. Später kam er zu härteren Drogen – und mit nur 24 Jahren starb er an AIDS. Ich sage nicht, dass man automatisch zu härteren Drogen greift, wenn man kifft. Aber das Risiko, dass es irgendwann „mehr“ wird und im schlimmsten Fall so endet, ist viel grösser. Mich hat der Tod meines Onkels damals zutiefst abgeschreckt. Ich habe diese Erfahrung auch meinen Kindern immer wieder erzählt, in der Hoffnung, dass sie es verstehen. Aber gebracht hat es nichts. Sie nehmen keine harten Drogen, das nicht – doch sie kiff(t)en. Für mich ist das eigentlich schon der Anfang vom Ende und einfach nur unbegreiflich.

Ich möchte niemanden belehren. Jeder soll selbst entscheiden, wie er mit Alkohol oder Drogen umgeht. Aber für mich bleibt es ein Rätsel, wieso man Spass mit Kontrollverlust gleichsetzt – und warum man dafür die eigene Gesundheit riskiert. Vielleicht bin ich altmodisch – oder einfach nur nüchtern…

Die neue Intoleranz

Immer wieder erwische ich mich bei demselben Gedanken: Sehe ich die Dinge falsch — oder ist es wirklich so, dass ein grosser Teil unserer Gesellschaft erstaunlich unkritisch, ja fast schon kurzsichtig handelt? Ob es um Corona-Massnahmen ging, den Klimawandel, das Gendern, Debatten zur Ukraine oder um Protestbewegungen — vieles erscheint mir so offensichtlich, und doch nehme ich überall Gegenpositionen wahr, die für mich schwer nachvollziehbar sind.

Ein besonders scharfer Punkt ist für mich die Radikalisierung mancher Gruppen. Nehmen wir etwa die Antifa: Aus meiner Sicht verhält sich ein Teil davon nicht wie eine zivilgesellschaftliche Gegenbewegung, sondern wie eine Gruppierung, die Andersdenkende ausschliesst und mundtot machen will. Das ist nicht selten das Gegenteil dessen, was man unter demokratischem Diskurs versteht. Was mit Charlie Kirk passiert ist, hat mich erschüttert. Der Mann wollte debattieren — und wurde erschossen. Warum können Menschen heute nicht mehr einfach streiten, diskutieren, argumentieren? Wieso ist das offene Wort so gefährlich geworden?

Doch die Polarisierung beschränkt sich nicht nur auf Strassenproteste. Sie zieht sich durch Büros, Familien, Freundeskreise und religiöse Gemeinschaften. Ich selbst arbeite in einer kirchlichen Institution — einem Ort, an dem man Offenheit, Dialogbereitschaft und Nächstenliebe erwartet. Stattdessen stosse ich nahezu täglich auf eine merkwürdige Einseitigkeit: Standpunkte werden schnell in schwarz/weiss gegossen, Graubereiche verschwinden, Abweichler gelten oft als Feind. Wer widerspricht, läuft Gefahr, stigmatisiert zu werden.

Auch die politischen Diskussionen in meinem Umfeld sind vielfältig: Bei uns im Büro geht es oft um D.Trump, W. Putin und all die anderen oder auch um die SVP hier in der Schweiz. Ich finde es unfassbar, dass manche sogar meinen, man sollte diese Partei verbieten — ähnlich wie in Deutschland mit der AfD diskutiert wird. Für mich ist das ein Ausdruck davon, wie wenig Vertrauen viele noch in demokratische Prozesse haben. Wenn ich nach meiner Meinung gefragt werde, antworte ich meistens nur mit „kein Kommentar“ — nicht weil ich nichts zu sagen hätte, sondern weil ich weiss, dass eine echte Debatte gar nicht möglich ist.

Und noch etwas verstehe ich nicht: Warum gehen bei uns in der Schweiz Menschen für Palästina demonstrieren? Oder wie ich heute im Radio hörte: Die Schweiz will scheinbar 20 Kinder aus Gaza „retten“ — jedes Kind darf bis zu vier Familienmitglieder mitbringen. Natürlich weiss ich, dass diese Zivilisten nichts für den Krieg können. Aber mal ehrlich: Wir können nicht alle retten. Und mit solchen Symbolaktionen verschiebt man die Probleme nur. Ausserdem haben wir hier in der Schweiz selbst genug Baustellen und Schwierigkeiten. Vielleicht wäre es an der Zeit, endlich einmal im eigenen Land tätig zu werden, bevor man sich anmasst, die ganze Welt retten zu wollen.

Warum ist es so schwer geworden, über all das normal zu sprechen? Ich glaube, es gibt mehrere Gründe:

  1. Die meisten informieren sich fast nur über Mainstream-Medien. Dort werden Themen oft einseitig dargestellt, und wer nur das konsumiert, übernimmt auch deren Blickwinkel.
  2. Man sucht Bestätigung. Viele wollen nicht Neues hören, sondern nur das, was ihre Meinung stärkt.
  3. Alles wird sofort persönlich. Wer eine andere Meinung hat, gilt gleich als Gegner.
  4. Viele haben Angst, ausgegrenzt zu werden. Wer anders denkt, riskiert Streit, Jobprobleme oder Ablehnung.

Doch genau hier liegt die Chance: Verschiedene Meinungen müssen nicht gleich eine Bedrohung sein. Sie können die Basis für eine echte Diskussion sein. In einem Unternehmen, einem Freundeskreis oder einer kirchlichen Gemeinschaft müsste es möglich sein, dass Menschen ihre Sicht äussern dürfen — ohne gleich abgestempelt zu werden.

Kritik darf laut und deutlich sein, aber sie darf nie entmenschlichen. Wenn wir Menschen in Schubladen stecken wie „dumm“ oder „gestört“, dann vergeben wir die Chance auf wirklichen Dialog. Ich selbst habe oft gezögert, meine abweichende Meinung zu äussern — nicht aus Feigheit, sondern aus Respekt vor meiner Umwelt. Vor allem aber auch, weil ich keine Lust habe, mit meiner Meinung „allein auf weiter Flur“ zu sein, während andere sich nicht trauen, zu sagen, was sie womöglich wirklich denken.

So gesehen gehöre ich wohl selbst auch zu denen, die den Mut nicht immer haben. Und doch wünsche ich mir nichts mehr, als dass wir wieder Räume schaffen — Orte, in denen wir uns nicht feindlich gegenüberstehen, sondern zuhören, streiten, wachsen.

Bestanden

Manchmal sind es die scheinbar kleinen Erfolge, die das Herz am meisten berühren. Sohnemann hat die Gabelstaplerprüfung bestanden – und das mit nur 2 Fehlern von insgesamt 90 Fragen! Ich bin unglaublich stolz auf ihn. Trotz seiner Zweifel und Ängste hat er die Herausforderung gemeistert. Und einmal mehr zeigt sich: Es fehlt ihm nicht an Können, sondern nur an Vertrauen in sich selbst.

Jetzt hoffe ich sehr, dass er bald eine Arbeitsstelle findet. Natürlich wäre das auch für mich eine Entlastung, aber vor allem für ihn selbst. Ich habe im März und April miterlebt, wie gut es ihm getan hat zu arbeiten. Er fühlte sich gebraucht, war voller Energie und motiviert. Es hat ihn richtig aufblühen lassen.

Gestern Abend hat er mir sogar erzählt, dass er vielleicht in ein paar Monaten die Ausbildung zum Kranführer machen möchte. Das hat mich sehr gefreut. Ich werde mich informieren, wie lange diese Ausbildung dauert und welche Kosten auf uns zukommen. Aber schon allein, dass er darüber nachdenkt, ist ein positives Zeichen.

Es macht mich glücklich zu sehen, dass er nach vorne blickt. Dass er Hoffnung schöpft, Ziele formuliert und wieder an sich glaubt. Für mich ist das mehr wert als jede bestandene Prüfung – und ein großer Schritt in Richtung Zukunft.