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Wenn Stille lauter wird

Manchmal frage ich mich, wann es kippt.
Wann aus Interesse Aufdringlichkeit wird, aus Nähe ein Zuviel, aus ehrlicher Verbundenheit das Gefühl, jemandem zur Last zu fallen.

Ich schreibe einem Menschen, der mir seit bald zwei Jahren sehr wichtig ist.
Wir kennen uns nicht persönlich, aber wir teilen Gedanken, Alltag, manchmal auch Sorgen.
Es ist eine besondere Art von Freundschaft – getragen von Vertrauen, gegenseitigem Respekt und ehrlichem Interesse.

Er hat mir schon oft geholfen – auf ganz unterschiedliche Arten.
Mit Worten, mit Geduld, mit seiner ruhigen, sachlichen Art, die manchmal mehr bewirkt als jedes Mitleid.
Und auch ganz praktisch, wenn es im Leben einmal eng wurde – uneigennützig, selbstverständlich, ohne viele Worte. Dafür bin ich dankbar. Vielleicht gerade deshalb spüre ich die Veränderung so deutlich.

Bis vor ein paar Monaten haben wir oft bis spät in die Nacht geschrieben, manchmal über Gott und die Welt, manchmal einfach nur über Alltägliches. Diese Gespräche hatten etwas Vertrautes, Leichtes – eine Art stilles Band, das den Tag rund machte.
Doch in letzter Zeit ist das anders. Der Austausch endet früher, bleibt sachlicher, distanzierter.
Nicht plötzlich, nicht mit Worten – aber mit einer Stille, die zwischen den Zeilen wächst.

Ich lese seine Nachrichten – höflich, kontrolliert, fast nüchtern.
Seit einiger Zeit allerdings drehen sich unsere Gespräche fast nur noch um ein einziges Thema.
Und ich merke, wie ich beginne, mich selbst zu hinterfragen.
Habe ich zu viel geschrieben?
War ich zu offen, zu direkt?
Bin ich zu viel?

Ich bin mir sicher, dass er einst sehr gelitten hat, dass sein Vertrauen missbraucht wurde –
und dass er deshalb eine dicke Mauer um sich gebaut hat.
Ich würde mir wünschen, dass er mir ein wenig mehr vertraut. Dass er ein bisschen offener wäre, mir mehr von sich erzählt – nicht nur Fakten, sondern Gedanken, Stimmungen, kleine Ausschnitte aus seinem Leben. Ich möchte gerne ein wenig an seinem Leben teilhaben, ohne irgendetwas kontrollieren zu wollen.
Und vielleicht auch, dass er mir hin und wieder schreibt, ohne dass ich zuerst schreibe.
Nicht, weil ich Aufmerksamkeit brauche, sondern weil solche kleinen Gesten zeigen, dass die Verbindung auf beiden Seiten lebt.

Es ist merkwürdig, wie schnell Unsicherheit entsteht, wenn der vertraute Rhythmus zwischen zwei Menschen aus dem Gleichgewicht gerät.
Ich weiss, jeder braucht seinen Raum, seine Pausen, seine Abende, an denen man einfach für sich sein will.
Und trotzdem – wenn mir jemand wichtig ist, fehlt mir der Austausch. Dann macht Distanz etwas mit mir.

Vielleicht liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen – zwischen meinem Wunsch nach Nähe und seinem Bedürfnis nach Ruhe. Zwischen meinem Impuls, zu teilen, und seinem Wunsch, einfach still zu sein.

Aber heute, jetzt, in diesem Moment, macht es mich traurig. Nicht wütend, nicht enttäuscht – einfach traurig. Weil ich mir gewünscht hätte, dass meine Anteilnahme nicht als Einmischung oder Kontrolle empfunden wird, sondern als das, was sie ist: ein Ausdruck von Verbundenheit, von ehrlichem Interesse, von Zuneigung ohne Erwartung.
Dass mein „Sie fehlen mir“ nicht wie eine Forderung klingt, sondern wie das leise Eingeständnis, dass mir ein Stück vertrauter Alltag abhandengekommen ist.
Manchmal sind es gerade die stillen Veränderungen, die am meisten nachhallen – weil sie nichts zerstören, aber etwas verschieben.

Vielleicht muss ich lernen, dass Freundschaft nicht immer Gleichzeitigkeit bedeutet.
Dass auch Stille dazugehört.
Und dass Verbundenheit bestehen bleiben kann – selbst wenn sie manchmal auf Distanz lebt.

7 Fragen

Vor kurzem bin ich auf eine Reihe von Fragen gestoßen, die mich neugierig gemacht haben. Ich habe sie mir selbst gestellt – und dabei gemerkt, dass sie einen ehrlichen Blick nach innen eröffnen können. Vielleicht regen sie auch euch zum Nachdenken an. Wie würdet ihr darauf antworten ?

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Wenn sich die nächsten 1000 Tage genauso anfühlen wie gestern – bist du dann auf dem Weg zu deinem Traumleben oder davon entfernt?
→ Weder auf dem einen noch auf dem anderen Weg – eher wie ein stilles Weitergehen auf vertrauten Pfaden.

Wenn jemand deinen Alltag beobachten würde – würde er erkennen, was dir wirklich wichtig ist?
→ Vermutlich nicht. Nur Menschen, die mich sehr gut kennen, könnten zwischen den Zeilen meines Alltags lesen.

Was machst du immer wieder – obwohl du genau weißt, dass es dich zurückhält?
→ Ich neige dazu, zu nachgiebig zu sein und zu viel zu akzeptieren – manchmal auf Kosten meiner eigenen Klarheit.

Würde dein 12-jähriges Ich heute lächeln, wenn es sieht, wer du geworden bist, oder den Kopf schütteln?
→ Es käme wohl darauf an, worauf es den Blick richtet – doch eher würde es den Kopf schütteln.

Was ist diese eine Sache, die du ständig vor dir herschiebst – obwohl du tief drin weißt, dass sie dir richtig guttun würde?
→ Das Sortieren und Ausmisten von Papieren – unscheinbar, und doch ein Schritt hin zu mehr Leichtigkeit.

Wenn du wüsstest, dass du nicht scheitern kannst – welchen Traum würdest du endlich mutig verfolgen?
→ Einen Chor finden, der auf Tourneen geht – und Teil dieser musikalischen Reise werden. Oder endlich ein Buch schreiben.

Was würdest du dir wünschen, schon früher erkannt oder begonnen zu haben?
→ Vielleicht Frank früher zu begegnen – seine klare, strategische Sicht hätte mir wohl manche Last erspart und Wege gezeigt, die weniger schmerzhaft gewesen wären, wenn ich auf ihn gehört hätte.


Manchmal braucht es nicht viele Worte, sondern nur die richtigen Fragen, um uns einen Spiegel vorzuhalten. Für mich waren diese sieben ein kleiner Anstoss, bewusster hinzuschauen. Vielleicht öffnen sie auch bei Euch neue Gedankenwege. Ich freue mich, wenn ihr eure Antworten teilt.

Was das Herz nicht kann, obwohl der Kopf es weiss

Ich habe immer wieder Gespräche mit Frank über die Situation mit Sohnemann – seine Pläne, meine Erschöpfung, der ewige Balanceakt zwischen Unterstützung und Loslassen.

Frank stellt Fragen oder macht Aussagen, die weh tun. Nicht weil sie falsch sind, sondern weil sie teils klar aufzeigen, was eigentlich nötig wäre – teils aber auch unrealistisch sind. Denn Frank lebt weder in der Schweiz noch hat er eigene Kinder.

Ja, ich weiss, dass es Grenzen braucht. Ja, ich weiss, dass es auf Dauer nicht tragbar ist, Verantwortung für jemanden zu übernehmen, der sie selbst (noch) nicht trägt. Und ja, ich weiss, dass es keine Raketenwissenschaft ist, einen Termin beim Psychologen zu vereinbaren, einen Antrag auf Unterstützung zu stellen oder Fahrstunden zu organisieren.

Aber das grosse Problem ist: Sohnemann ist volljährig – ich kann keine Entscheidungen über seinen Kopf hinweg treffen. Ich kann ihm nicht einfach einen Termin beim Psychologen organisieren, wenn er dem nicht zustimmt. Genauso wenig kann ich ihn an der Hand nehmen und ins Temporärbüro oder zum Arbeitsamt schleppen. Ich kann ihn nur begleiten, erinnern, motivieren – aber den ersten Schritt muss er selbst gehen.

… und genau hier liegt der Knackpunkt: Wissen (Theorie) ist das eine – Können (Praxis) das andere.

Theorie und Praxis sind oft zwei Paar Schuhe. In der Theorie ist es einfach zu sagen: „Stell ihm ein Ultimatum!“ In der Praxis schaut man in müde Augen und fühlt – vor allem als Mutter –, dass er sich geniert, sich unwohl fühlt, sich selbst kaum erträgt und diese „Ich schaff das grad nicht“–Haltung da ist – und merkt, dass man selbst auch kaum noch Kraft hat, um die eigenen Termine wahrzunehmen.

Dazu kommt die finanzielle Realität: Es ist schlicht enorm herausfordernd, wenn man nicht mindestens 6’000 oder 7’000 Franken im Monat verdient – und gleichzeitig noch Schulden abzahlen sollte. Ich habe die Gesetze in der Schweiz nicht gemacht, aber sie verpflichten mich als Mutter, bis zum 25. Lebensjahr für meine Kinder aufzukommen – solange sie keine abgeschlossene Ausbildung haben, keiner Erwerbstätigkeit nachgehen oder noch nicht seit mindestens zwei Jahren finanziell unabhängig sind.

Bei meiner Tochter bedeutete das konkret: Sie musste erst nachweisen, dass sie seit zwei Jahren kaum oder gar nicht mehr von mir unterstützt wird, bevor sie überhaupt Sozialhilfe beantragen konnte – die sie nun auch erhält.

Bei Sohnemann sieht das anders aus. Er erfüllt diese Bedingungen nicht – er kann weder Sozialhilfe beantragen noch Arbeitslosengeld erhalten, denn dafür müsste er mindestens ein Jahr gearbeitet haben.

All das bleibt also – ob ich will oder kann – erst einmal an mir hängen.

Und beim Kindsvater gibt’s nichts zu holen. Der ist selbst teils vom Sozialamt abhängig – und hat sich noch nie wirklich gekümmert.

Ich verstehe Franks Standpunkt. Wirklich. Aber was Frank dabei womöglich vergisst und deswegen einiges nicht ganz nachvollziehen kann: Sohnemann ist nicht einfach ein Mitbewohner, dem man kündigt, wenn er sich nicht an Regeln hält. Er ist mein Kind. Und so wütend, erschöpft oder enttäuscht ich manchmal bin – ihn „auf die Strasse zu stellen“ ist eine Grenze, die ich nicht überschreiten kann, geschweige denn will. Elternschaft endet nicht mit der Volljährigkeit. Und Liebe lässt sich nicht rationieren.

Zwischen Hüttentraum und Hamsterrad

Ich schätze vieles an unserer heutigen Zeit – ohne moderne Technologien hätte ich weder Claudius noch Frank kennengelernt. Und doch denke ich oft: Früher war vieles besser. Langsamer. Überschaubarer. Weniger Lärm, weniger Druck, weniger Ablenkung.

Manchmal wird mir alles zu viel. Die Menschen, der Lärm, das Tempo. Dann träume ich von einer kleinen Hütte – irgendwo im Wald oder in den Bergen. Klein, fein, ruhig. Vielleicht mit ein paar Hühnern, ein bisschen Selbstversorgung. Einfach leben. Echt leben.

Aber solche Träume kosten Geld. Und wir leben nun mal nicht mehr in Robin Hoods Zeiten, in denen man einfach in den Wald ziehen konnte. Heute braucht man für fast alles einen finanziellen Puffer. Ohne Arbeit kein Geld. Ohne Geld kein Dach über dem Kopf. Kein Essen. Keine Sicherheit.

Nicht, dass ich immer völlig allein sein wollen würde. Nur raus aus dem Hamsterrad, das sich immer weiterdreht – ob man will oder nicht. Wir schuften, um uns Wohnungen leisten zu können, in denen wir kaum Zeit verbringen, weil wir ständig am Arbeiten sind. Und doch reicht es hinten und vorne nicht. Alles wird teurer, die Löhne steigen nicht. Die ehemalige Mittelschicht meiner Kindheit ist seit den 1990er-Jahren stetig am Verschwinden. Die Leute sind entweder arm oder reich. Doch eher arm.

Und da frag ich mich: Wozu eigentlich das alles? Am Ende sterben wir doch sowieso. Und niemand wird mehr von mir reden – berühmt bin ich ja nicht. Und wär ich es, wär ich vermutlich auf der Seite der Reichen.

Ein Teufelskreis, der still unser Leben bestimmt.
Und doch gibt es diese seltenen Augenblicke, in denen etwas in uns sagt: Es könnte auch anders sein. Vielleicht fängt Veränderung genau dort an…

Wenn alles zu viel wird

Ich bin kein Psychologe. Aber ich bin überzeugt, dass Sohnemann in eine Depression geraten ist. Alles in ihm wirkt schwer, müde, ausgebrannt – und das schon lange. Die Corona-Zeit hat bei ihm tiefe Spuren hinterlassen. Er hat die Schule nicht abschliessen können – und seither ist vieles ins Wanken geraten. Für ihn. Für mich.

Vor Kurzem bekam er endlich eine Chance: eine Stelle, die ihm Freude gemacht hat, in der er aufblühte und Anerkennung fand. Zum ersten Mal seit Langem spürte ich wieder Hoffnung in seinem Blick. Doch nach nur zwei Monaten war alles vorbei – wirtschaftliche Gründe, Stellenabbau. Ausgerechnet ihn hat es getroffen. Ein harter Schlag. Für ihn war es, als hätte man ihm den Boden unter den Füssen weggezogen.

Dass er jetzt nicht sofort wieder voller Energie loszieht, sich bewirbt und „alles versucht“, ist für mich verständlich. Es geht nicht um Faulheit. Es geht um Erschöpfung. Um einen tiefen inneren Kampf, den man von aussen oft nicht sieht. Lange Zeit hat er jede Form von psychologischer Unterstützung strikt abgelehnt – wollte „das schon allein hinkriegen“. Erst vor wenigen Tagen, in einem Moment voller Wut und Frustration, hat er zum ersten Mal ausgesprochen: „Ich glaube, ich brauche einen Psychologen.“ Und auch wenn das schmerzhaft war – es war ein ehrlicher Moment. Vielleicht ein Anfang.

Doch viele sehen das nicht – und manchmal fühle ich mich damit ziemlich allein.

Auch finanziell ist die Situation sehr belastend. Sohnemann ist wieder komplett auf meine Unterstützung angewiesen. Die Krankenkassenprämien für uns beide betragen fast 1000 Franken im Monat. Die staatliche Prämienverbilligung wurde uns Anfang Jahr gestrichen – aus Gründen, die sich mir bis heute nicht erschliessen. Dazu kommen laufende Kosten, Steuern, offene Rechnungen – unter anderem von der Autowerkstatt. Ich weiss ehrlich gesagt nicht, wie ich das alles stemmen soll. Allein diesen Monat fehlen mir rund 1500 bis 2000 Franken, um grössere Probleme wie Betreibungen zu verhindern.

Rücklagen? Gibt es nicht. Seit der Scheidung war ich finanziell immer auf mich allein gestellt. Ich habe meine beiden Kinder allein (manchmal mit etwas Hilfe von Mama) durchgebracht – ohne Unterstützung vom Ex-Mann, denn er war selbst beim Sozialamt und konnte nichts beitragen. Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) hat mir bis zum 18. Lebensjahr der Kinder monatlich je 100 Franken zugesprochen – mehr war nicht drin. Damit musste ich haushalten, rechnen, improvisieren – jahrelang. Und nun stehe ich wieder an einem Punkt, an dem ich einfach nicht mehr weiss, wie es weitergehen soll.

Was viele nicht wissen: Auch wenn Sohnemann volljährig ist, bin ich finanziell für ihn bis zu seinem 25. Lebensjahr verantwortlich. Rechtlich gesehen ist er zwar erwachsen, aber solange er keine abgeschlossene Ausbildung hat, liegt die finanzielle Last weiterhin bei mir. Das bedeutet auch, dass er selbst keine Sozialhilfe beantragen kann – weil zuerst ich aufkommen muss.

Auch Arbeitslosengeld kann er nicht beantragen. Dafür müsste er mindestens ein Jahr lang gearbeitet haben – was er ja aufgrund der Umstände nie konnte. Die Stelle, die er hatte, dauerte nur zwei Monate. Es gibt also keine Auffanglösung, kein Netz, keinen Anspruch. Gleichzeitig verdiene ich selbst gerade so viel, dass ich knapp aus dem System der Sozialhilfe herausfalle – ein paar Franken zu viel, um Anspruch auf Unterstützung zu haben. Es ist, als würde man zwischen zwei Stühlen sitzen – und keiner fängt einen auf.

Auch in meiner Familie kann mich niemand finanziell unterstützen (könnten sie es, würden sie es tun !). Und Claudius – ja, er ist da, und er hat mir in der Vergangenheit schon viel geholfen. Aber ich möchte ihn nicht wieder bitten. Er hat selbst genug Sorgen, die ihn belasten, und ich will nicht zur weiteren werden.

Auch Frank hat mir schon mehrmals geholfen – und dafür bin ich wirklich sehr dankbar. Doch ich möchte ihn nicht erneut um Unterstützung bitten. Zum einen, weil ich spüre, dass ich seine Geduld nicht überstrapazieren will. Zum anderen gehört er zu den Menschen, die glauben, Sohnemann sei einfach nur bequem oder faul. Ich habe mehrfach versucht, ihm zu erklären, dass es tiefer geht – dass es eben keine Frage des Wollens ist, sondern des Könnens. Aber ich habe das Gefühl, er glaubt mir nicht wirklich. Und das tut weh. Es tut meinem Mutterherz weh – weil ich sehe, wie sehr Sohnemann leidet, und weil ich spüre, dass sein innerer Kampf oft verkannt wird.

Ich schreibe das nicht, um zu jammern oder um Hilfe zu erbitten. Aber die Wahrheit ist: Ich bin an einem Punkt, an dem ich Unterstützung annehmen würde – wenn sie von Herzen kommt. Nicht, weil ich es mir wünsche oder leichtfertig darum bitte, sondern weil es im Moment einfach keine andere Möglichkeit sehe. Und wenn sich jemand angesprochen fühlt, würde ich das in grosser Dankbarkeit annehmen.

Ich weiss, dass ich nicht die Einzige bin, der es so geht. Einerseits schreibe ich das in der Hoffnung, vielleicht doch irgendwo einen Weg oder eine Lösung zu finden. Andererseits geht es mir aber auch vor allem darum, nicht zu schweigen. Um sichtbar zu machen, dass es uns gibt – uns, die finanziell und gesellschaftlich am Rand stehen, die oft nicht gesehen werden. Viele vergessen, dass man sich seine soziale Lage nicht immer aussucht. Manchmal geschehen im Leben Dinge, mit denen man nicht rechnet – Ereignisse, die alles durcheinanderbringen. Und das nicht aus eigenem Verschulden. Auch wenn uns manchmal die Kraft fehlt, das laut zu sagen: Wir sind da. Und wir geben nicht auf 💪🏻


Wie heisst es so schön :

Gefühle unterdrücken – Schutzmechanismus oder Selbstverrat?

Seit bald zwei Jahren schreibe ich mit Frank. Am 3. Juli haben wir „unser Jubiläum“ 😀


Wir haben uns (bis jetzt leider) nie gesehen, aber ich fühle mich ihm irgendwie sehr verbunden. Vielleicht gerade, weil er oft so anders ist als ich. Ruhig, rational, zurückhaltend. Während ich offen schreibe – über meine Gedanken, Stimmungen, Erinnerungen – bleibt er meist auf Abstand. Nicht das ich etwas von ihm will, aber er ist mir in diesen 2 Jahren sehr als beratender und unterstützender Freund ans Herz gewachsen.

Neulich schrieb ich ihm:
„Sie erzählen von sich nicht wirklich viel… ich würde gern mehr über Sie wissen.“

Ich meinte das ehrlich. Nicht neugierig, sondern interessiert.
Ich habe das Gefühl, dass in Frank viel mehr steckt, als er zeigt. Dass er viel empfindet – aber kaum etwas davon nach außen lässt.

Seine Antwort lautete:
„Sie möchten gefühlvolle Worte lesen. Habe ich nicht. Gefühl – sofern man welches hat – bringt nur auf Irrwege.“

Ich musste diesen Satz mehrmals lesen.
Nicht, weil er mir fremd ist. Sondern weil er so typisch ist für Menschen, die irgendwann aufgehört haben, ihren Gefühlen zu trauen.

Ich glaube nicht, dass Frank keine Gefühle hat. Im Gegenteil. Ich glaube, dass er zu viel gefühlt hat. Und dass er irgendwann beschlossen hat: Nie wieder. Nie wieder ausgeliefert sein. Nie wieder verletzt. Nie wieder schwach.

Und so beginnt das, was viele Menschen tun:
Man unterdrückt, was man fühlt. Nicht weil man kalt ist – sondern weil man zu weich ist und sich schützen muss.
Manchmal geschieht das schleichend. Man funktioniert. Man denkt. Man plant. Man argumentiert.
Und irgendwann glaubt man selbst: Ich habe kein Gefühl.

Aber Gefühle verschwinden nicht. Sie lagern sich ein. Im Körper, im Inneren. Und irgendwann spürt man vielleicht: Ich bin müde. Leer. Gereizt. Erschöpft.
Und weiß gar nicht mehr, warum.

Ich habe Frank einmal geschrieben:
„Sie hätten schon Gefühle… das weiß ich… aber Sie tun alles, um diese nicht herauszulassen.“

Ich wünsche ihm, dass er es sich irgendwann (wieder) erlaubt – nicht für mich, sondern für sich selbst.
Denn wer fühlt, lebt.
Und wer sich berühren lässt, ist verletzlich – aber auch verbunden.

Vielleicht ist genau das der Punkt:
Gefühle machen uns verwundbar. Aber sie machen uns auch menschlich.

Vielleicht sind Gefühle nicht dazu da, verstanden zu werden.
Vielleicht reicht es, sie zuzulassen.
Nicht, um schwach zu sein, sondern um echt zu sein.
Vielleicht ist das Zulassen der Gefühle kein Zeichen von Kontrollverlust, sondern ein Akt von Mut und Vertrauen – in das Leben und in uns selbst.

Ich glaube, dass es sich lohnt, hinzuspüren. Auch wenn es manchmal weh tut.
Denn am Ende geht es nicht darum, keine Gefühle zu haben.
Sondern darum, mit ihnen zu leben – und sich selbst darin nicht zu verlieren, sondern zu finden.

Niedriger IQ

Es gibt Menschen mit einem hohen IQ – und andere, die in diesem Bereich vielleicht nicht ganz so stark sind. Aber macht sie das weniger wertvoll?

Viele, wenn nicht sogar alle in meinem Umfeld, sind der Meinung, mein Sohn sei faul, nutze mich aus, lache sich ins Fäustchen und profitiere nur von meiner Gutmütigkeit. Doch das ist nicht wahr.

Niemand kennt meinen Sohn so gut wie ich. Ich sehe sein Potenzial, seine Stärken – warum erkennen das andere nicht? Warum glauben sie mir nicht? Wie können manche ihn als „doof“ abstempeln, ohne ihn wirklich zu kennen?

Mein Sohn hat ohne Zweifel seine Herausforderungen. Einerseits aufgrund seiner Dyslexie, andererseits durch das Mobbing, dem er in der Schule ausgesetzt war. Hinzu kam die große Angst vor Corona im März 2020 – in seinem letzten Jahr der obligatorischen Schulzeit.

Bereits davor hatte er eine Schulphobie entwickelt, und die Schulleitung tat ihr Bestes, um sicherzustellen, dass er trotz allem zumindest das Abschlussattest für die obligatorische Schulzeit erhielt.

Stress ist für ihn ebenfalls ein großes Problem. Schon als Kind geriet er schnell aus dem Gleichgewicht, wenn man ihm mehrere Anweisungen auf einmal gab. Sagte man zum Beispiel: „Wenn wir nach Hause kommen, ziehst du deine Schuhe aus, hängst die Jacke auf, gehst ins Bad und duschst“, war das für ihn zu viel.

Stattdessen musste ich ihm jede Aufgabe einzeln nennen – dann funktionierte es problemlos. Doch sobald er mit zu vielen Informationen auf einmal konfrontiert wurde, fühlte er sich überfordert und gestresst.

Als Corona kam, zog er sich komplett in sein Zimmer zurück. Die Angst war so groß, dass ich ihn regelrecht dazu drängen musste, zumindest einmal am Tag für zehn Minuten an die frische Luft zu gehen und eine kleine Runde um den Block zu drehen.

Trotz all dieser Herausforderungen – Phobien, Ängste, Unsicherheiten – ist mein Sohn alles andere als dumm. Ganz im Gegenteil! Wenn ihr wüsstet, was er alles weiß und in wie vielen Bereichen er talentiert ist … Ich bin oft selbst erstaunt über sein Wissen über Politik, Geschichte und Wissenschaft – sowohl über aktuelle Geschehnisse als auch über die Vergangenheit.

Es fällt mir unglaublich schwer, wenn man meine Kinder schlechtmacht. Natürlich sind sie nicht perfekt – aber wer ist das schon? Jeder macht Fehler, jeder hat seine eigenen Probleme – heute mehr denn je.

Viele Menschen können sich nur schwer in andere hineinversetzen.

Wer zum Beispiel gerne Käse isst, kann oft nicht nachvollziehen, dass allein der Gedanke daran bei manchen Übelkeit auslöst – und keine noch so guten Argumente werden daran etwas ändern.

Genauso ist es mit den Gefühlszuständen anderer. Ich verstehe nicht, wie jemand gestresst sein kann, nur weil eine WhatsApp-Nachricht eingeht – schon allein durch die Benachrichtigung. Und umgekehrt können andere nicht nachvollziehen, warum mich ein einfaches Telefonat in Stress versetzt.

Unsere heutige Gesellschaft ist individueller denn je – und doch wird erwartet, dass alle das Gleiche tun. Ein Widerspruch, der sich in diesem Beispiel treffend widerspiegelt:

Das sind die Gedanken, die mir nach meinem Gespräch mit Frank durch den Kopf gegangen sind. Entschuldigt, falls es etwas wirr wirkt – ich bin gerade ziemlich aufgewühlt.

Vermissen

Wenn Menschen, die man mag, schweigen, merkt man, wie viel sie einem bedeuten…

Ich vermisse unsere Gespräche vorallem abends, mon cher Monsieur… Seit einiger Zeit schon sind Sie ab dem späteren Nachmittag nicht mehr online und ich habe das Gefühl, dass Sie das bewusst machen. Vielleicht täusche ich micht. Aber seien Sie sich gewiss, dass Ihre abendliche virtuelle Präsenz mir oft fehlt…

Es gibt auch noch jemanden anderen, den ich vermisse. Auch wenn unsere Zeit vorbei ist, schätze ich ihn sehr und seine Wiederkontaktaufnahme hat mich sehr berührt. Die Vertrautheit und Kommunikation sofort wieder da. Whatsapp-Nachrichten und Telefonate waren (sind) toll. Doch seit einiger Zeit ist es weniger geworden. Telefoniert haben wir schon länger nicht mehr – leider.

Die beiden Herren werden sich erkennen – und ihr anderen wisst wohl auch von wem ich rede…. Beide sind 600km und 700km von mir entfernt und doch fühl ich mich ihnen nah… Ich glaub, wenn sie um die Ecke wohnen würden, ginge ich manchmal einfach kurz vorbei. Ob die beiden das überhaupt wollen würden ?

Ich werde mich damit abfinden. Ich bin ja gut darin, vieles hinzunehmen und geduldig zu sein. Wie pflegte meine Grossmamme immer zu sagen : Geduld ist die Tugend der Könige…

Die Schattenseiten unüberlegter Familienplanung: Ein Appell an Vernunft und Gleichberechtigung

Frank und ich diskutieren immer wieder über Verantwortung, Finanzen und Wirtschaft im Allgemeinen. Da es vor allem seine Gedankengänge und Ansichten sind, fasse ich diese hier mal zusammen :

In vielen Fällen nehmen Frauen in Beziehungen eine wirtschaftliche Bürde auf sich, die langfristige Konsequenzen mit sich bringt. Besonders problematisch ist die Entscheidung, mit einem Partner eine Familie zu gründen, der keine nachhaltige finanzielle Planung vorweisen kann. Häufig kommt es vor, dass Frauen nicht nur die Verantwortung für die Kinder übernehmen, sondern auch finanzielle Verpflichtungen – wie beispielsweise Krankenversicherungen – tragen, die sie selbst kaum stemmen können.

Das Ergebnis: Nach durchschnittlich 15 Jahren stehen viele Familien vor der Insolvenz. In dieser Situation entscheiden sich einige Frauen dafür, gerichtlich das alleinige Sorgerecht zu erkämpfen und den Vater aus der Verantwortung zu drängen, anstatt eine gemeinsame Lösung anzustreben. Dabei könnte eine gleichberechtigte Verteilung der Erziehungs- und Finanzverantwortung, die auch den Vater einbezieht, die Belastungen auf beiden Seiten verringern.

Die Konsequenzen einer solchen Konstellation sind oft gravierend: finanzielle Not, beengte Wohnverhältnisse und ständige Konflikte prägen das Leben aller Beteiligten – insbesondere das der Kinder.

Daher ist ein Appell angebracht: Frauen, überdenkt eure Entscheidungen in Bezug auf Partnerwahl und Familienplanung. Die Grundlage einer stabilen Zukunft liegt in Vernunft, Zusammenarbeit und einer langfristigen ökonomischen Perspektive – sowohl für die Eltern als auch für die Kinder.

Wie seht Ihr das ?