Gestern war kein guter Tag. Ich hatte den ganzen Tag über starke Schmerzen und war ungewöhnlich still. Sogar mein Lieblings-Arbeitskollege fragte mich: „Was ist los mit dir? Du bist so ruhig heute.“ Wenigstens war meine Chefin nicht da – das gab mir etwas Raum, den Tag in einem langsameren Tempo zu bewältigen.
Am Abend war ich mit meiner Mutter verabredet. Mein Bruder und mein Neffe waren ebenfalls dort. Wir spielten UNO, assen zusammen, lachten viel – und irgendwie war alles für einen Moment wieder leicht. Erst um Mitternacht machte ich mich auf den Heimweg.
Im Auto lief – wie so oft – Musik. Am Nachmittag hatte ich Läggerli einen YouTube-Link geschickt, ein Lied, das mich jedes Mal an ihn erinnert. An „damals“. Ich war schon den ganzen Tag über ein wenig nostalgisch gewesen… und als ich das Lied dann im Auto auf der Heimfahrt noch einmal hörte, brach etwas in mir auf. Ich sass da und Tränen liefen mir über die Wangen, als würde das Herz die Worte übernehmen, die der Mund nicht mehr sprechen kann.
Es wurde mir bewusst, wie stark Musik unser Gemüt beeinflussen kann. Wie sehr wir Lieder mit Menschen oder Zeiten verbinden. Man sagt nicht umsonst: „Das ist unser Lied.“
Wenn ich zurückblicke, habe ich einige solcher Lieder die mich mit „meinen“ Männern verbinden :
Claudius : Noch kein bestimmtes Lied. Vielleicht kommt es eines Tages.
Aber es sind nicht nur Menschen, die mit Musik verknüpft sind – es sind auch Situationen.
Während meiner Trennung war es die Instrumental-Version von Shape of My Heart (feat. Dominic Miller), die mich begleitete. Wenn ich das Requiem von Mozarthöre, denke ich sofort an meine Grossmamme. Es war eines ihrer Lieblingswerke – und ich bin manchmal traurig darüber, dass sie nicht mehr da war, als mein Chor es aufführte.
Und Boogie-Woogie? Sofort sehe ich meinen Vater am Flügel sitzen, wie er einfach drauflos spielte, voller Leichtigkeit und Lebensfreude. Heute tut er das nur noch selten. Doch wenn ich solche Stücke höre, sehe ich ihn ganz klar vor mir – und es wird warm in mir.
Oder wenn ich Rachmaninov – Prelude in C Sharp Minorhöre, dann kommt mir augenblicklich meine Lieblingstante in den Sinn. Ich war mit 15/16 jedes Wochenende bei ihr. Und ich habe ganz viele und tolle Erinnerungen an diese Zeit.
„Music was my first love, and it will be my last“ von John Miles singt. Dieser Satz trifft mich tief. Musik verbindet. Musik tröstet. Musik bewahrt Momente, die längst vergangen sind – und schenkt uns die Möglichkeit, sie noch einmal zu fühlen.
Man kann die Zeit nicht zurückdrehen. Aber mit Musik kann man sich – für einen Herzschlag lang – wieder dorthin träumen.
„Musik ist die Sprache der Erinnerung. Sie spricht zu dem, was wir nie ganz loslassen.“
Heute Morgen habe ich völlig überraschend eine Sprachnachricht von Läggerli erhalten – ganze sieben Minuten lang. Er war gerade im Jura unterwegs und hatte offenbar etwas Zeit, um mir zu erzählen, wie es ihm im Moment geht und was ihn beschäftigt. Seine Nachricht hat mich sehr gefreut, und ich habe ihm ebenfalls per Sprachnachricht geantwortet. Aus meiner Antwort lässt sich ungefähr erahnen, worüber wir gesprochen haben.
Meine Antwort an ihn in geschriebener Form:
Hallo Läggerli, danke für deine Nachricht. Das hat mich sehr gefreut. Ich bin heute – wie jeden Freitag – im Homeoffice. Und meistens habe ich nicht sehr viel zu tun. Es ist also schon fast Wochenende. Ich muss einfach bis mindestens 16 Uhr zuhause erreichbar sein. Aber das ist kein Problem. Ich mag den Freitag eigentlich sehr gern. Da habe ich ein bisschen Zeit für mich.
Ja, der Sturm hat einiges durcheinandergewirbelt. Meine Waadtländer-Fahne ist kaputt gegangen. Aber die Basler Fahne ist standhaft geblieben 😊 Ich mag den Herbst – mit all seinen Facetten. Und irgendwie lädt er dazu ein, sich selbst zu reflektieren.
Die Arbeitssuche ist tatsächlich nicht einfach. Und wenn man nicht genau weiss, was man möchte, ist das sicher eine Herausforderung und verständlich, dass dich das stresst. Aber gib nicht auf! Ich finde es toll und gut, dass du ab und zu diese Kurierfahrten machst. Vielleicht bist du ja irgendwann mal in der Nähe, und es ergibt sich die Möglichkeit, zusammen einen Kaffee zu trinken.
Ich finde es schön, dass deine Tochter dich gefragt hat, mit ihr Fahrstunden zu machen. Ich habe den Eindruck – so kommt es bei mir jedenfalls an – dass du dir viele Gedanken machst, um ein Teil im Leben deiner Kinder zu sein und zu bleiben. Das ist sehr schön.
Mein Sohn hat im Januar die Theorieprüfung gemacht, und ich fahre auch mit ihm. Finanziell ist es im Moment einfach nicht drin, dass er mit einem Fahrlehrer geht. Und das wäre schon nötig. Zumindest ein paar Stunden, damit er die Dinge richtig lernt – so, wie sie heute gelten, und nicht so, wie ich es vor über 30 Jahren gelernt habe.
Ah ja? Du spielst Theater? Das ist ja toll! Da würde ich gern mal zuschauen… aber das geht vermutlich nicht. Ich singe ja im Chor, und am 2. November geben wir ein Konzert in Saignelégier. Vielleicht bist du ja in der Gegend. Wobei, ich weiss natürlich nicht, ob dir dieser Musikstil gefällt. Wir singen Bach und Mendelssohn.
Bei mir sind es momentan eher unruhige Zeiten… aber das ist schon länger so. Meine grösste Sorge ist mein Sohn, der einfach immer noch nicht den Mut aufgebracht hat, endlich sein Leben in die Hand zu nehmen und etwas zu arbeiten. Er hat ja bisher keine Ausbildung gemacht. Corona war der Auslöser dafür, dass er sich sehr zurückgezogen hat – auch, weil er extreme Angst hatte. Ich glaube schon, dass er ein bisschen in einer Depression steckt. Aber ich bringe ihn nicht dazu, sich professionelle Hilfe zu holen. Und da er volljährig ist, kann ich ihn ja auch nicht zwingen. Das würde sowieso nichts bringen – er muss es selbst wollen.
Vor einem Monat hat er eine zweitägige Schulung gemacht, um ein SUVA-annerkanten Gabelstaplerfahrer-Schein zu machen. Das hat ihm gefallen und alles lief gut. Von 90 Fragen hat er grad mal 2 Fehler gemacht. Und eigentlich hat er selbst gesagt, dass er nun spontan Bewerbungen schreiben wird… aber bisher hat er nichts gemacht. Und je mehr ich sage, desto weniger macht er. Das ist manchmal sehr zermürbend und auch finanziell für mich schwierig…
Und sonst… nun meine körperlichen Beschwerden, vor allem der Ischias, machen mir manchmal Angst. Oder besser gesagt: Sie führen mir vor Augen, dass ich auch nicht jünger werde. Das frustriert mich manchmal, und ich habe wirklich gelegentlich Mühe damit, dass ich jetzt 50 bin. Ich habe das Gefühl, jetzt ist alles vorbei und ich bin auf dem Abstieg.
Aber voilà – ich will jetzt nicht klagen. Irgendwie geht es ja immer weiter. Ich bin eigentlich – Gott sei Dank – ein positiver Mensch und gebe nicht auf. Aber manchmal – gerade jetzt im Herbst – ist die Stimmung eben etwas melancholisch.
Wie ich am Anfang gesagt habe: Es ist eine Zeit für Selbstreflexion…
Nun, ich wünsche dir weiterhin eine gute Fahrt und danke nochmals für deine lange Sprachnachricht. Sie hat meinen Tag ein bisschen besser gemacht.
Mach’s gut und hoffentlich bis bald mal auf einen Kaffee 😉
Vielleicht ergibt sich ja wirklich bald die Gelegenheit – ich würde mich freuen.
Manchmal sind es gerade diese kleinen Momente unterwegs – ein kurzer Halt irgendwo zwischen Hügeln und Alltag –, in denen man sich wirklich hört. Jemand erzählt, jemand hört zu. Und plötzlich fühlt sich das Leben ein wenig leichter an.
Wenn das Leben kurz anhält – und man zuhört, entsteht manchmal ein Moment, der bleibt. Genau dann passiert oft einfach das, was man gerade braucht.
Manchmal höre ich eine Melodie – und plötzlich sehe ich mich selbst, wie in einem Film. Ich sitze irgendwo, allein, vielleicht an einem Fenster, am Meer oder auf einer Parkbank. Das Licht ist weich, manchmal mystisch, und die Musik legt sich über die Szene wie eine Decke.
Ich denke über mein Leben nach – über Entscheidungen, Zufälle, Begegnungen. Ich frage mich, was ich hätte anders machen können. Wo bin ich zu früh gegangen – und wo zu lange geblieben? In meiner Wahrnehmung ist das der Abspann. Eine leise, traurige Schlussszene. Nur – es ist kein Film. Es ist mein Leben.
In letzter Zeit gibt es oft solche Momente, in denen sich Realität und Vorstellung überlagern. Als würde ich das Geschehen nicht nur erleben, sondern gleichzeitig beobachten – als Zuschauerin meiner eigenen Geschichte. Vielleicht ist das eine Form von Distanz. Vielleicht aber auch der Versuch, dem Moment Bedeutung zu geben.
Manchmal wünsche ich mir, das Leben würde sich wie im Film entwickeln: Die verzweifelte Nachricht, die ich abschicke, würde jemanden dazu bringen, ins Auto zu steigen, loszufahren, anzukommen. Ein Wort, ein Blick – und alles wäre wieder gut. Doch das Leben folgt keinem Drehbuch. Es schneidet keine Szenen neu, wiederholt keine Dialoge. Es läuft – ungeschnitten, roh, manchmal unvollkommen.
Und trotzdem gibt es diese filmischen Momente. Vielleicht, weil wir in Geschichten denken. Weil wir sie brauchen, um unser Dasein zu ordnen, zu deuten, zu fühlen. Vielleicht ist das unsere Art, Sinn zu finden – indem wir unser Leben wie eine Erzählung betrachten, mit leisen Kapiteln, unerwarteten Wendungen und offenen Enden.
Wenn ich ehrlich bin, mag ich diesen Blick von aussen nicht so. Zu oft werde ich von der Realität eingeholt und erkenne: Das Leben ist kein Film. Und das stimmt mich dann manchmal traurig, weil ich mir in diesen Momenten so sehr ein anderes Leben wünsche – doch es ist mein Leben, und ich muss das Beste daraus machen.
Jede Handlung, ob unscheinbar oder turbulent, ist letztlich Teil der Geschichte – meiner Lebensgeschichte. Und auch wenn manche Phasen traurig wirken, heisst das nicht, dass es wirklich ein Ende ist – vielleicht nur eine Pause, bevor die Musik wieder einsetzt.
Wenn Vergangenheit Gegenwart berührt – ein friedvolles Wiedersehen
Gestern war es also soweit : Ich habe meine erste grosse Liebe wiedergetroffen – nach unglaublichen 30 Jahren. Drei Jahrzehnte, in denen jeder von uns seinen eigenen Weg gegangen ist, und doch war es, als hätten nur ein paar Tage zwischen unserem letzten Treffen und diesem Wiedersehen gelegen.
Wir begrüssten uns mit einer herzlichen Umarmung und auch der Abschied endete so. Dazwischen lagen tiefgehende, interessante und informative Gespräche, die ich noch stundenlang hätte weiterführen können. Er hat mir viel von sich erzählt – offen, ehrlich und aufgeschlossen. Selten habe ich mit einem Menschen so intensiv und auf so vielen Ebenen gesprochen wie gestern mit Läggerli. Wäre da nicht meine Chorprobe gewesen – und für ihn die lange Rückfahrt von fast drei Stunden –, wir hätten wohl bis tief in die Nacht weitergeredet.
Zum Glück blieb vor der Heimfahrt noch etwas Zeit, und so schlug er vor, gemeinsam zu Abend zu essen. Als wir die Menü-Karte bekamen, sah er mich an und meinte lächelnd: „Du bist natürlich herzlich eingeladen. Such Dir aus, was dir Freude macht !“ Eine Geste, die mich berührt hat – weil sie so selbstverständlich und zugleich so aufmerksam war.
Auch von seinem beruflichen Weg hat er mir erzählt: eine steile Karriere, die er jedoch mit einem Burn-out bezahlen musste. Er sprach sehr detailliert darüber – und gerade diese Offenheit hat mich beeindruckt und berührt. Er hat psychisch viel durchgemacht, inklusive einem 6-wöchigen Aufenthalt in der Psychiatrie.
Besonders berührt hat mich auch, dass er sich an unsere letzte Begegnung vor 30 Jahren nicht mehr erinnerte. Für mich war sie so prägend, dass ich sie nie vergessen habe. Als ich ihm davon erzählte, wurde es ihm sichtbar unangenehm – und er entschuldigte sich sogar, drei Jahrzehnte später. Ein kleiner Moment, der mir zeigte, wie unterschiedlich Erinnerungen sein können und wie tief manche Erlebnisse uns durchs Leben begleiten.
Manchmal frage ich mich, wie mein Leben ausgesehen hätte, wenn ich mit ihm zusammengeblieben wäre. Doch diese Gedanken tragen keine Wehmut in sich. Es soll keinesfalls heissen, dass ich mein bisheriges Leben bereue – im Gegenteil. Es ist eher ein stilles Staunen darüber, wie unterschiedlich Wege verlaufen können und wie sie uns doch wieder an einem Punkt zusammenführen.
Trotz der Kürze hat dieses Treffen in mir etwas ausgelöst, das bis heute anhält: ein inneres, friedliches Gefühl. Es ist, als hätte sich ein Kreis geschlossen, als wäre ein kleines Stück Vergangenheit in Harmonie mit der Gegenwart versöhnt worden. Ich empfinde eine angenehme Ruhe, Dankbarkeit und Freude, die noch immer in mir nachklingen.
Natürlich wird daraus nie mehr als eine Freundschaft werden ; das ist und war auch nie das Ziel dieses Treffens – und genau das macht es so wertvoll. Denn es bleibt dieses gute, leichte Miteinander, das keine Erwartungen kennt, sondern einfach im Moment bestehen durfte.
So gehe ich nun weiter – mit einem friedvollen Lächeln im Herzen und grosser Dankbarkeit. Dankbar auch an Läggerli, der die Idee zu diesem Austausch überhaupt erst ins Spiel gebracht hat. Und ich hoffe sehr, dass wir den Kontakt aufrecht erhalten und uns ab und zu wiedersehen – einfach um miteinander zu reden.
Wie ich in meinem Blogeintrag „1995 sagt kurz Hallo“ geschrieben habe, hatte sich „Läggerli“ – wie ich ihn seit Jugendtagen nenne – bei mir gemeldet. Ich habe ihm dann am nächsten Tag geantwortet: eine freundliche Nachricht, in der ich mich über sein Lebenszeichen gefreut, kurz von meiner aktuellen Situation erzählt und ein ungezwungenes Treffen nicht ausgeschlossen habe. Danach habe ich nichts mehr von ihm gehört – bis gestern kurz nach Mitternacht, als die Nachricht (welche ich erste heute morgen gesehen habe ) kam: ein Vorschlag für ein unverbindliches Treffen.
Wir hatten uns seit rund 35 Jahren nicht mehr persönlich gesehen. Der Kontakt war zwar nie ganz abgerissen, doch es gab Phasen über mehrere Jahre, in denen wir nichts voneinander gehört haben. Und jetzt? Der 20. August ist für ein Treffen am Nachmittag eingeplant. 🙂
Für mich fühlt es sich an wie ein harmloses Klassentreffen zu zweit. Man tauscht Neuigkeiten aus, erinnert sich an Anekdoten von damals und staunt, wie vieles sich verändert – und manches geblieben – ist. Ohne Drama, ohne große Erwartungen. Einfach ein Wiedersehen.
Die freundliche, fast schon vertraute und wie aus dem Nichts bekommene Sprachnachricht von Läggerli war ja schon überraschend. Aber die folgende WhatsApp-Nachricht von Pierre, die er mir mitten in der Nacht geschickt hat, irritiert mich heute morgen ein wenig :
„Das SMS des Vertrauens. Neuer Bischof neues Glück? Nicht ganz, aber ein sehr gutes Gespräch… Visionen & Wünsche Nr. 1: Biel, Sänti, Tschaux, LS & Ginevra… Nr. 2: Basel & Region, Nr. 3 Zürich/St.Gallen? Beim Bischof ist es deponiert, Chancen sind sehr gering. Er freut sich über la Tschaux, immerhin. Meint ich sollte bei den Reformierten anheuern. Da bist ja du? Sonst werde ich mich bei einem Bestatter melden… Vertrauliche Sache. Bonne nuit boelleli… fais de beaux rêves…“
Seit vielen Monaten nichts – wie ich es seit eh und je von ihm gewohnt bin – und jetzt plötzlich das. Persönlich, vertraulich, schräg – und natürlich in seinem typischen, teils verwirrten Geschwafel… was soll das heissen „sonst werde ich mich bei einem Bestatter melden…“??
Warum schreibt mir Pierre das? Was erhofft er sich davon? Was – bitte schön – soll man auf so eine Nachricht überhaupt antworten?
Ich glaub, ich lasse es unbeantwortet – manchmal ist Schweigen die beste Antwort…
Manchmal klingelt das Handy – und die Vergangenheit schickt eine Sprachnachricht. Ich traute meinen Augen nicht, als ich sah, dass Läggerli sich gemeldet hat. Ja genau, das Läggerli. Mein Spitzname für ihn damals, als wir jung waren und das Leben noch deutlich weniger kompliziert erschien.
Inzwischen war ich verheiratet und nach 13 Jahren wieder geschieden, habe zwei Kinder – ein bewegtes Leben mit vielen Kapiteln. Und Läggerli? Der lebt irgendwo zwischen Analogmodus und Ostsee (wo er zurzeit für zwei Wochen am Segeln ist. Laut seiner Nachricht nutzt er die Zeit, um sich zu erholen und auf sich zu konzentrieren); meidet Social Media konsequenter als ich meine Ruhe am Sonntag verteidige, und schickt stattdessen lieber Sprachnachrichten.
Und das Verrückte daran: Seine Stimme war sofort wieder da. Klar, älter vielleicht. Ruhiger. Aber da war etwas, das blieb. Keine verlorene Liebe, keine sentimentalen Eskapaden – einfach nur ein Stück Vergangenheit, das plötzlich wieder hörbar wurde.
Unsere letzte Begegnung liegt rund 30 Jahre zurück – ein kurzer Moment im Joggeli (St. Jakob-Stadion in Basel), wo er damals arbeitete. Wir waren längst getrennt, aber als er mich sah, kam er auf mich zu. Es war ein stilles Wiedererkennen, ohne viele Worte, aber mit einer Geste, die sich mir eingeprägt hat. Danach haben sich unsere Wege für lange Zeit verloren.
Ob wir uns wiedersehen? Vielleicht. Vielleicht bleibt es auch einfach bei diesem kurzen Moment der Verbindung – ein leiser Gruss aus der Vergangenheit. Ich bin heute woanders im Leben, mit Claudius an meiner Seite. Und das ist gut so.
Manchmal geht es nicht darum, die Vergangenheit neu zu beleben, sondern sie würdig zu erinnern. Und sich selbst in ihr wiederzuerkennen – mit dem Herzen von damals und dem Blick von heute.
Trotz der tollen Fasnacht letzte Woche, hatte ich weiterhin Kontakt mit verschiedenen … na ja, wie soll ich sie nennen ? Chat-Partner? Potentielle Liebhaber ? Affären ? Keine Ahnung.
Ich muss mal ne Liste mache, sonst verlier ich noch den Überblick 😛
Frank – mein absoluter Lieblings Chat-Partner
Just W. – zur Zeit jener, der mich am meisten reizt
Otto – er kommt am 20.3.24 her…
HP – die Kommunikation hat etwas nachgelassen, aber er will mich wieder treffen
Pierre – reden wir nicht von ihm… er hat sich wieder gemeldet…, aber ich bleib so gut wie möglich nüchtern und neutral
Läggerli – meine 1. grosse Liebe. Ab und zu mal ne Nachricht – ist ok
Marcello – mein 1. Freund (als ich 14 war) ist wieder aufgetaucht und will was von mir… ich aber nicht von ihm !!
Daniel – von dem hab ich noch nie geschrieben. Ich kenn ihn auch erst seit ca 2 Wochen. Haben anfangs auf X miteinander ein bisschen geredet. Inzwischen haben wir via Whatsapp Kontakt. Er ist, wie soll ich sagen, ziemlich BDSM … aber es amüsiert mich irgendwie. Muss ich mich jetzt schämen?
Jemand – ebenfalls noch nie von ihm berichtet, was allerdings logisch ist, denn Kontakt via X haben wir erst seit 2 Tagen. Ein – bis jetzt – netter Mensch, mit welchem wir einfach ein bisschen hin und her schreiben.
Ja, das sind immerhin 9 Personen… eigentlich sollte mir nicht langweilig werden, und doch gibt es Momente, da langweile ich mich zu tode und hab viel zu viele Gedanken im Kopf, die ich irgendwie nicht richtig ordnen und organisieren kann.
Aber alles in allem gefällt mir mein momentaner Lebensstil ganz gut
Seit den letzten Nachrichten mit Läggerli vom letzten Sonntag habe ich nichts mehr von ihm gehört. Wie Ihr inzwischen wisst, macht mich keine Antwort etwas ungelduldig. Also hab ich am Dienstag abend folgendes geschickt :
[21:13, 13.02.2024] boelleli 🐘: … ich hoffe, ich habe Dich mit gewissen Aussagen nicht irgendwie brüskiert… Wünsche eine gute Nacht ✨☺️
[22:38, 13.02.2024] Läggerli: Nein, überhaupt nicht. Ich schreibe einfach sehr selten; 3 Nachrichten pro Woche, meine Freundschaften müssen manchmal laaaang warten. Schlaf Du auch gut 😊
[22:42, 13.02.2024] boelleli 🐘: dann bin ich beruhigt – merci. Ich gebe zu, bin manchmal ein wenig ungeduldig – aber wenn ich das jetzt weiss, dann werde ich versuchen, dich nicht zu viel zu stören in Zukunft. Ich schreibe halt eben gern ( und wie du gemerkt hast viel 😅). Also denn, schlaf auch gut ✨🙌🏻😘
Am nächsten Morgen :
[08:50, 14.02.2024] boelleli 🐘: Nur noch eine Frage : stört es Dich, wenn ich Dir villeicht manchmal ein bisschen viel schreibe? Ich erwarte nicht unbedingt Antwort (auch wenn ich das natürlich toll finde), aber ich habe eben oft das Bedürfnis, zu schreiben… und ich will Dich aber nicht nerven. Ja, einfach dass du das weisst und mir auch sagen kannst, wenn (oder dass) es allenfalls zu viel ist 😇 Wünsch dir einen ganz schönen Tag und eine gute Woche 🙌🏻☀️
[09:20, 14.02.2024] Läggerli: Guete Morge boelleli. Nein, das stört mich überhaupt nicht – im Gegenteil, ich finde es bereichernd mitzubekommen, wie es Dir geht, wie Du mit den Herausforderungen des eigenen Leben und dem der Kinder jonglierst. Aus meiner Sicht ist ein kurzes „mir geht’s gut, da & dort holperts“ unpersönlich, inhaltsarm, die Zeit des Schreibens und Lesens nicht wert. Wir wollen uns ja als suchende und empfindende Menschen austauschen. Ich habe also einen hohen Anspruch, für den ich die Zeit zum Reflektieren und Formulieren benötige. Und diesen Freiraum gönne ich mir und meinem Umfeld nur selten. Darüber bin ich häufiger unglücklich, muss es wieder und wieder akzeptieren; dass bin einfach ich. Wünsche Dir einen super Tag.
[11:28, 14.02.2024] boelleli 🐘: Oh danke vielmal – es wird mir grad warm ums Herz das zu lesen. Ich seh das eigentlich genau so wie Du. Sich austauschen und sich vielleicht auch über kleine Dinge des anderen Gedanken machen, etwas (Mitgefühl) empfinden. Ein „hallo, wie geht’s?“ kann ein Anfang einer Konversation sein – aber nur das finde ich ebenfalls nicht sehr bereichernd. Gerne würde ich von Dir ebenfalls mehr erfahren, Eventuel auch (wenn Du das willst!) Antworten/Stellungnahme auf meine einigen obigen Fragen, resp. Aussagen…
Sei nicht unglücklich darüber – jeder ist wie er ist, und es scheint ja, dass Du an Dir arbeitest, es zu akzeptieren versuchst. Das ist doch toll ! Ich hätte noch eine kleine Bitte (aber natürlich nur, wenn es für dich ok ist) : hast Du ein aktuelle Bild von dir? Das auf FB ist 10 Jahre alt … und ja, es würde mich halt interessieren, wie Du heute aussiehst 😌
Und dann kam 12 Stunden später – also um 23h38 um genau zu sein – ein aktuelles Foto mit einem Satz „That’s me ✌️“. Nun, was soll ich sagen – ich erkenne ihn noch gut. So wie ich ihn +/- in Erinnerung habe. Ich habe von ihm nur 2 Fotos von früher. Eines, da repariert er etwas an meinem Fahrrad und man sieht ihn gar nicht richtig, und das 2. ist ein schwarz/weisses Passfoto (wie das halt ende 1980, anfang 1990 „in“ war) …
Ich weiss nicht, was momentan gerade los ist. Aber irgendwie kommen alles alte Erinnerungen hoch. Na ja, wenn ich natürlich mit ehemaligen Freunden wieder Kontakt aufnehme, ist das wohl normal… Gespräch zwischen Läggerli und mir dieses Wochenende :
Läggerli: schon wieder spät🙈 Hatte ich Dir von meinen Kindern berichtet? … (das geb ich hier jetzt nicht preis – ist auch nicht wirklich interessant für Euch) Ich wohne inzwischen in A. zusammen mit meiner Freundin C. – wir tun uns sehr gut. Zu Beginn von Corona verliess mich meine damalige, langjährige Freundin, was mich total aus meinem Leben katapultierte. In den Jahren seither habe ich mich verändert und und muss mich selbst neu kennen lernen – nicht einfach, dafür sehr gut. Das Segeln lasse ich im Moment ruhen. Meine letzte Reise war über den Atlantik, 4,5 Wochen und ziemlich verrückt. Das Leben auf dem Schiff hängt noch zu sehr mit meiner Ex zusammen😠 Seit 2 Jahren arbeite ich bei den Friedhöfen B. So seltsam das klingt – es ist wohl der spannendste Job in meiner Vita. Mehr davon ein ander Mal. Schlaf gut und en liebe Gruess, Läggerli
boelleli 🐘: Oh wow, danke für diesen langen und ausführlichen Text. Interessant, dass du 2 Kinder hast… damals hattest du immer gesagt, dass du nie Kinder willst 🙂 . Aber schön, dass du mit ihnen so glücklich bist. Ich habe auch zwei Kinder. Töchterchen, 23 und Sohnemann 19 … Töchterchen ist letzten Sommer zu ihrem Freund gezogen. Ihr Parcours ist etwas chaotisch : Hat erst das Gymnasium nach 1.5. Jahren abgebrochen, dann eine Ausbildung zur Tanzlehrerin angefangen und auch wieder nach 1.5. Jahren aufgehört. Dann hat sie bei XY gearbeitet und vor 1.5. Jahren eine KV-Lehre begonnen… welche sie jetzt ebenfalls wieder abbricht. Jetziger Plan : arbeiten, Geld sparen und dann eine Schule zur Vorbereitung der Aufnahmeprüfung an die Uni zu machen, um Psychologie zu studieren… Ich hoffe, dass sie diesen Plan jetzt zu Ende bring…🙏🏻 Sohnemann hatte schon immer Mühe in der Schule, letztes obligatorische Schuljahr war die Hölle, dann kam Corona. Er hatte ziemlich Respekt davor und ging praktisch nicht mehr aus dem Haus. Ausbildung hat er bis jetzt keine gemacht und seit dem „Drama“ um Corona, ist er jetzt seit gut 3 Jahren zu hause… zwischenzeitlich hat er mal sporadisch als Hilfsgärtner gearbeitet. Ab Mitte März wird er wieder dort zu 50% arbeiten können. Sein Plan ist, das Wirtenpatent zu machen und dann eine Katzen-Bar zu eröffnen… Ambitionen hat er ja – ob’s klappt ? Ich hoffe es…
Ich bin – wie schon erwähnt – seit 2011 getrennt und seit dem 14.2.2014 (tolles Datum, nicht?) geschieden. Habe nie wieder einen Partner gehabt… nur einmal mit jemandem eine Wochenendbeziehung, welche ich aber nach 9 Monaten beendet habe. Seitdem bin ich allein. Ich habe die letzten Jahre ausschliesslich meinen Kindern gewidmet. Heute fühle ich mich manchmal sehr allein. Aber das ist halt jetzt so. Eine Trennung, so wie Du sie erlebt haben musst (nach vielen Jahren des Zusammenseins), ist nicht einfach zu verdauen (ich war 13 Jahre verheiratet, und kenn es… Mein Mann hat mich damals für eine andere verlassen…). Schön, dass Du wieder jemanden gefunden hast.
Ich denke in letzter Zeit oft an St Malo… meinen 20. Geburtstag… und unsere letzte Begegnung im Joggeli. Kannst Du dich an diese letzte Begegnung noch erinnern ? Man sollte ja nicht in der Vergangenheit leben – was ich eigentlich auch nicht tue. Aber in letzter Zeit kommen mir viele solche Sachen in den Sinn. Tja, that’s life – und wie Du mir mal geschrieben hast : The show must go on !
Ich würde mich wirklich sehr freueh, mehr von Dir zu lesen, wenn Du Zeit und Lust hast ☺️. Abends bin ich meistens bis mindestens Mitternacht wach. Nun denn, ich wünsche Dir eine gute Nacht (oder einen schönen Tag, wenn du das erst morgen liest) und schicke Dir liebe Grüsse vom Lac Léman 😘 PS: weisst Du noch, damals in Lausanne-Ouchy am Hafen? Du sagstest mir, dass ich Dich an diesen Ort bringen soll, wenn es Dir nicht gut geht…
Als ich meine Antwort am Sonntag nochmal gelesen habe, dacht ich, dass ich jetzt irgendwie zu viel geschrieben habe und schickte ihm eine kurze Nachricht, um mich für den langen Text zu entschuldigen.
Und dann kam gestern Abend, kurz vor 22h, folgende Message :
Läggerli: Hoi. Eine Entschuldigung dafür ist absolut nicht nötig. Eher von mir, dass ich kaum reagiere 🙈 Am Samstag kam meine Stimmung erst gegen 15h in den grünen Bereich. Ich war in den letzten Jahren 2x in St. Malo, das hat viele Erinnerungen verstärkt und geweckt 😊 War eine super Zeit. Schiffe und Wasser sind noch immer Sehnsuchtsort. Ich habe 10 Jahre intensiv gesegelt und vor knapp 4 Jahren ausgesetzt. Dazu ein andermal. Die Schilderung über Deine Kinder und Dein Leben haben mich betroffen gemacht. Auch heute weiß ich noch nicht wie reagieren … und finde die Ruhe nicht dazu. Mein Leben beschäftigt mich heftig. Ich wünsche Dir Ruhe, guten Schlaf und Kraft. En härzlig liebe Gruess, Läggerli
Ich konnte natürlich nicht keine Antwort geben. Also schrieb ich zurück :
boelleli 🐘: 🥰 Danke, dass Du dir Zeit genommen hast, um mir zu antworten. Ehrlich gesagt, hat es mich gerade sehr emotional berührt, dass Dich meine Schilderungen betroffen gemacht haben… das wollte ich nicht… 🥺 Schön, dass Du noch 2 Mal in St Malo warst und dies scheinbar angenehme Erinnerungen hervorgerufen hat ☺️ – ich bin nie mehr dahin zurück gekehrt… aber die Erinnerungen daran werden für alle Ewigkeit bleiben…
Nächste Woche geh ich an die Fasnacht. Ich weiss, Du magst das nicht sonderlich… und doch hast Du mir damals eine VHS Kassette geschenkt, die Du extra für mich geschnitten hast (und die ich noch habe – auch wenn ich keinen Videorekorder mehr besitze).
Du schreibst, Dein Leben beschäftigt Dich heftig – ich hoffe doch, im positiven Sinne 🙌🏻……
Weisst Du – sorry, wenn ich Dir das jetzt so direkt sage, und ich hoffe, es ist ok – Du warst meine 1. grosse Liebe… ich hab Dich nie vergessen… und drum find ich es um so schöner, dass wir jetzt wieder in Kontakt sind (ohne irgendwelche Hintergedanken natürlich !!)
Ich wünsche Dir einen guten Wochenstart und freue mich auf nächste Nachrichten von Dir 😚
Liebi Griessli 😘
Nun denn, mal sehen, was und wann etwas zurück kommt. Und immer noch NEIN, ich will nichts von ihm. Aber ich freue mich sehr darüber, wieder Kontakt zu haben