Ich bin kürzlich über einen Text gestolpert, bei dem ich innerlich sofort den Kopf geschüttelt habe. Die Kernaussage: Wer Konflikte meidet, hat das in der Kindheit gelernt – aus Angst, nur dann akzeptiert zu werden, wenn man brav ist.
So einfach ist es nicht.
Ich bin konfliktphob. Ich mag keine lauten, emotional aufgeladenen Auseinandersetzungen. Und trotzdem hatte ich eine schöne, liebevolle und respektvolle Kindheit. Ich durfte meine Meinung sagen. Ich wurde gehört. Ich wurde ernst genommen.
Ich war schon als Kind ruhig. In der Schule galt ich als Musterschülerin, zumindest was mein Verhalten betraf. Still, unauffällig, ausgeglichen. Lehrer fragten meine Mama sogar, ob ich zu Hause auch so ruhig sei. Ja, das war ich. Nicht aus Angst – sondern weil es meinem Naturell entspricht. Mama sagt bis heute, diese stoische Ruhe liege einfach in meinem Charakter.
Was in solchen Erklärungen oft ausgeblendet wird, sind spätere Erfahrungen. In meiner Ehe gab es viele Auseinandersetzungen, die mein Ex-Mann aggressiv führte. Er ist mir gegenüber zweimal handgreiflich geworden. Ich habe die Polizei gerufen. Beim ersten Mal war ich zwei Wochen mit meiner Tochter weg und wollte mich scheiden lassen.
Ich bin dennoch geblieben. Ein Jahr später wurde mein Sohn geboren.
Vor allem seit diesen Erfahrungen – ich war immerhin dreizehn Jahre verheiratet – reagiert mein Körper auf Konflikte anders. Wenn jemand laut wird, ist dieses beklemmende Gefühl sofort da, mitten in der Brust. Deshalb meide ich Konflikte heute bewusst. Nicht, weil ich als Kind unterdrückt wurde, sondern aus Selbstschutz.
Konfliktvermeidung ist kein Kindheitsschaden. Sie ist Charakter. Erfahrung. Und manchmal schlicht Selbstschutz.
Oft habe ich das Gefühl, wir unterschätzen, wie schwer es für junge Menschen heute ist – besonders für jene, die um die Jahrtausendwende oder danach geboren wurden. Sie wachsen in einer Welt auf, die wenig Ruhe kennt und viel verlangt.
Ich schreibe das als Mutter.
Bis zum vorletzten obligatorischen Schuljahr kam mein Sohn mehr oder weniger zurecht. Dann wurde er massiv gemobbt. Daraus entwickelte sich eine Schulphobie. Es gab Angstzustände, starke Bauchschmerzen und manchmal panikartige Flucht. Ich brachte ihn täglich zur Schule, holte ihn oft wieder ab. Es gab Tage, an denen ich ihn suchte, weil mich die Rektorin informierte, dass er nicht dort angekommen war. Es war eine sehr schwere Zeit.
Mein Sohn ist mit grosser Sicherheit hypersensibel – eine Eigenschaft, die nichts Schlechtes ist, sondern Tiefe und feine Wahrnehmung bedeutet. In einem rauen Umfeld kann sie jedoch sehr belastend sein. Mit viel Engagement fand die Rektorin für ihn einen Platz in einem schulnahen Projekt ausserhalb des Schulgebäudes. Dieser Ort gab ihm etwas Halt.
Dann kam Corona – mein Sohn 15.
Das Projekt wurde gestoppt. Begleitung und Informationen blieben aus. Er musste zu Hause bleiben – und wurde damit faktisch auf die Seite gelegt.
Letzten Sonntagabend sass mein Sohn weinend am Tisch und sagte: „Ich bin jetzt 21, und die anderen – jene, die mich damals gemobbt haben – haben alle eine Ausbildung und arbeiten. Und ich bin einfach nur ein Nichts.“ Dieser Satz hat mir das Herz zerrissen. Denn er ist kein Nichts. Aber so fühlt es sich an, wenn man zu lange keinen Platz mehr hatte.
Gestern habe ich meinen Sohn zum Sozialamt begleitet. Sein Hausarzt hatte ihm geraten, sich an einen Sozialarbeiter zu wenden – er sei auf keinen Fall ein Einzelfall. Für meinen Sohn war dieser Schritt sehr schwer: hinzugehen, einen Termin zu vereinbaren und sich dabei quasi verletzlich zu zeigen. Auch mir tat es im Mutterherz weh. Aber er hat es getan. Am 23. Januar hat er einen Termin bekommen, und ich werde ihn begleiten. Und ich hoffe sehr, dass ihm geholfen werden kann – wie auch immer dieser Weg aussehen mag.
Vielleicht ist es an der Zeit, weniger zu vergleichen und mehr zu verstehen. Die Welt der 1960er-, 70er- oder 80er-Jahre ist nicht die heutige. Was junge Menschen brauchen, ist kein Spott und keine Abwertung, sondern Anerkennung für das, was sie tragen müssen und mussten – und die Zuversicht, dass es Wege gibt. Auch dann, wenn sie später beginnen.
Seit bald zwei Jahren schreibe ich mit Frank. Am 3. Juli haben wir „unser Jubiläum“ 😀
Wir haben uns (bis jetzt leider) nie gesehen, aber ich fühle mich ihm irgendwie sehr verbunden. Vielleicht gerade, weil er oft so anders ist als ich. Ruhig, rational, zurückhaltend. Während ich offen schreibe – über meine Gedanken, Stimmungen, Erinnerungen – bleibt er meist auf Abstand. Nicht das ich etwas von ihm will, aber er ist mir in diesen 2 Jahren sehr als beratender und unterstützender Freund ans Herz gewachsen.
Neulich schrieb ich ihm: „Sie erzählen von sich nicht wirklich viel… ich würde gern mehr über Sie wissen.“
Ich meinte das ehrlich. Nicht neugierig, sondern interessiert. Ich habe das Gefühl, dass in Frank viel mehr steckt, als er zeigt. Dass er viel empfindet – aber kaum etwas davon nach außen lässt.
Seine Antwort lautete: „Sie möchten gefühlvolle Worte lesen. Habe ich nicht. Gefühl – sofern man welches hat – bringt nur auf Irrwege.“
Ich musste diesen Satz mehrmals lesen. Nicht, weil er mir fremd ist. Sondern weil er so typisch ist für Menschen, die irgendwann aufgehört haben, ihren Gefühlen zu trauen.
Ich glaube nicht, dass Frank keine Gefühle hat. Im Gegenteil. Ich glaube, dass er zu viel gefühlt hat. Und dass er irgendwann beschlossen hat: Nie wieder. Nie wieder ausgeliefert sein. Nie wieder verletzt. Nie wieder schwach.
Und so beginnt das, was viele Menschen tun: Man unterdrückt, was man fühlt. Nicht weil man kalt ist – sondern weil man zu weich ist und sich schützen muss. Manchmal geschieht das schleichend. Man funktioniert. Man denkt. Man plant. Man argumentiert. Und irgendwann glaubt man selbst: Ich habe kein Gefühl.
Aber Gefühle verschwinden nicht. Sie lagern sich ein. Im Körper, im Inneren. Und irgendwann spürt man vielleicht: Ich bin müde. Leer. Gereizt. Erschöpft. Und weiß gar nicht mehr, warum.
Ich habe Frank einmal geschrieben: „Sie hätten schon Gefühle… das weiß ich… aber Sie tun alles, um diese nicht herauszulassen.“
Ich wünsche ihm, dass er es sich irgendwann (wieder) erlaubt – nicht für mich, sondern für sich selbst. Denn wer fühlt, lebt. Und wer sich berühren lässt, ist verletzlich – aber auch verbunden.
Vielleicht ist genau das der Punkt: Gefühle machen uns verwundbar. Aber sie machen uns auch menschlich.
Vielleicht sind Gefühle nicht dazu da, verstanden zu werden. Vielleicht reicht es, sie zuzulassen. Nicht, um schwach zu sein, sondern um echt zu sein. Vielleicht ist das Zulassen der Gefühle kein Zeichen von Kontrollverlust, sondern ein Akt von Mut und Vertrauen – in das Leben und in uns selbst.
Ich glaube, dass es sich lohnt, hinzuspüren. Auch wenn es manchmal weh tut. Denn am Ende geht es nicht darum, keine Gefühle zu haben. Sondern darum, mit ihnen zu leben – und sich selbst darin nicht zu verlieren, sondern zu finden.
Psychische Krankheiten sind einfach so unberechenbar… Man weiss nie recht, woran man ist und je nach Diagnose ist es als Angehöriger sehr schwierig damit umzugehen.
Mein Bruder wurde mit 19 bipolar diagnostiziert. Er hatte damals eine grosse Identitätskriese, ist aus einem Lager – in welchem er als Hilfsleiter dabei war – mitten in der Nacht abgehauen, weil er dachte, dass Leute aus Polen kämen und die Kinder entführen. Er ist dann von einer Alp 4 Std zu Fuss ins Tal gelaufen und hat sich jedes Mal hinter einem Busch oder Baum versteckt, wenn ein Auto kam. Morgens um 4h klingelte er bei wildfremden Menschen und diese haben dann die Polizei gerufen. Da fühlte sich mein Bruder dann sicher und wir wurden morgens um 5h angerufen. Damit hat alles angefangen…
Seither hat er Medikamente und das grosse Problem bei Menschen mit dieser Krankheit ist, dass sie „Hochs“ und „Tiefs“ haben. In der Hochphase denken sie, sie seien zu allem fähig, kaufen 5 PC’s weil’s grad im Angebot ist und glauben, innert 5 Minuten mit dem Auto 50km fahren zu können. Sind sie in der Tiefphase, dann benehmen sie sich oft wie ein Kleinkind, fragen z.B. ob sie zu Bett gehen dürfen wenn sie müde sind, oder ob sie sich hinsetzen können. Es ist manchmal wirklich nicht einfach, damit umzugehen. Und wenn sie durch die Medikamente dann endlich stablilisert sind, denken sie „es geht mir ja gut, ich brauch die Medikamente nicht mehr“ und dann fängt das ganze von vorne an…
Trotz der Diagnose und ärztlichem Rat, sich bei der IV anzumelden (Invalidenversicherung), hat mein Bruder sich wehement dagegen gewehrt und seine Lehre abgschlossen und später noch die Ausbildung zum Autofahrlehrer gemacht.
Mein Bruder ist heute 43 und letzte Mittwoch war er etwas komisch. Als ich ihn am Donnerstag wieder traf – bei Mama zu hause, abends – haben wir zusammen gegessen. Plötzlich sagte er „ich bin an allem schuld ! Ich bin tot – wir alle sind tot“. Wir haben ihm dann versichert, dass wir ja nicht reden könnten oder aufstehen, wenn wir tot wären. Aber er glaubte es uns nicht wirklich. Dann sagte er plötzlich, wir hätten Holz und Schrauben gegessen. Darauf entgegnete ich – sehr ruhig – dass man das nicht esse und er sah mich etwas verwundert an. Dann meinte er „Aber Vögel. Vögel essen wir“. Das bejahte ich, indem ich im erklärte, dass wir manchmal Hähnchen essen. Und ein Huhn ja ein Vogel ist. Darauf schaute er wieder Mama an, und fing an, Schnappatmungen zu machen und sagte „Du hast Holz gegessen. Ich habe das alles konstruiert. Ich bin schuld, wir sind alle tot“ … Seine Stimme wurde lauter und seine Augen gefürchig; die Pupillen waren sehr gross und er sagte immer wieder, dass wir alle tot sind.
Wir konnten ihn dann wieder aus dem Delirium zurück holen. Als er sich etwas beruhigt hatte, meinte er „Ich glaub, ich brauche Hilfe„. Wir bestätigten das und schlugen ihm vor, in die psychiatrische Notaufnahme zu fahren – damit war er einverstanden.
Mama hat also angefangen, ein paar Sachen zusammen zu suchen und ich wollte auf den Balkon um eine Zigarette zu rauchen. Das hätt ich besser nicht getan, weil die etwas kühle Luft löste bei meinem Bruder eine Art Panik-Attacke aus. Er fing an zu schreien „es ist kalt, es ist kalt, es ist kalt“… immer lauter, bis er so laut schrie, dass schlussendlich 3 Nachbarn vom Wohnblock kamen. Ich sagte Mama, dass sie jetzt sofort den Notarzt rufen müsse. Wir können das nicht mehr allein. Wir haben die Kompetenz dafür nicht. Also wählte Mama die 144 und erklärte, was los war. Der Notarzt hörte meinen Bruder schreien und meinte, sie seien unterwegs – in max. 15 Minuten seien sie da.
Mama ging zur Tür, um mit den Nachbarn zu reden und ich versuchte, meinen Bruder zu beruhigen indem ich ihm meine Hand auf seine Brust legte (wir standen) und ihm immer wieder sagte „Alles ist gut, ich hab dich lieb, ich bin da“. Gleichzeitig zog ich ihn sanft mit mir, um ins Zimmer zu gelangen. Er kam zögernd mit, hörte mit der Zeit auf zu schreien und ich brachte es fertig, dass er sich aufs Bett setzte. Ich setzte mich neben ihn und sagte immer wieder, dass ich ihn lieb habe, dass ich ihm helfe, dass ich ihn nicht anlüge, dass er mir vertrauen kann. Er starrte mich an, die Pupillen waren extrem geöffnet, es machte mir Angst, denn der Blick war ziemlich agressiv. Aber ich liess mich (äusserlich) nicht aus der Ruhe bringen und sagte weiterhin, dass alles gut ist, ich da sei, ich ihn lieb habe, er mir vertrauen kann und ich ihn nicht anlüge.
Indem ich das fortwärend wiederholte, beruhigte er sich allmählich und legte sich plötzlich schlagartig hin. Man hätte meinen können, er sei ins Koma gefallen. Die Augen waren zu. So blieb er etwa 2 Minuten liegen. Meine Beine schlotterten und ich blieb neben dem Bett stehen. Plötzlich schlug er die Augen auf, sah mich – wieder mit diesem furchteinflössenden Blick – an und begann, den Kopf hin- und her zu werfen. Ich versuchte ihn wieder zu beruhigen, was mir auch gelang. Er setzte sich wieder hin, sah mich an und sein Blick wurde etwas sanfter. Ich wiederholte, dass alles gut sei, dass nichts passiere, dass er mir vertrauen könne, dass ich ihn liebe. Dabei hielt ich seine Hände und er liess es geschehen und beruhigte sich.
Dann kam der Notarzt und mein Bruder ging ohne Probleme mit. Ich redete noch kurz mit dem Arzt, erklärte, wie alles abgelaufen ist. Mama ging noch mit runter und kam 5 Minuten später wieder hoch. Mein Bruder wurde in die psychiatrische Notaufnahme nach Y. gebracht.
Mama und ich sassen am Tisch und wir machten uns einen Kamillentee. Innerlich waren wir beide doch ziemlich aufgewühlt und auch wenn ich äusserlich sehr ruhig gewirkt habe, war ich innerlich sehr nervös. Als ich dann nach gut einer Stunde nach hause gefahren bin, musste ich wärend der Fahrt tief atmen – durch die Nase ein und den Mund aus. Und mir war total schlecht. Tja, der Adrenalin-Spiegel war gesunken und die Anspannung weg – jetzt konnte ich mich gehen lassen, weil ich wusste, dass ich jetzt nicht mehr stark sein musste für die Situation.
Seit Donnerstag Abend ist also mein Bruder auf der Psychiatrischen… er hat den Ärzten gesagt, er wolle nicht, dass seine Frau oder wir über seinen Zustand informiert werden. Das ist zwar schwierig, aber wir müssen das akzeptieren. Wir wissen, dass er dort in guten Händen ist und ich bete dafür, dass ihm geholfen wird und dass er wieder gesund wird. Bipolar wird er immer bleiben – das Wichtige ist, dass er regelmässig seine Medikamente nimmt, wenn er wieder stabil ist.
Sein Sohn – mein 5-jähriger Neffe – hängt sehr an seinem Papa. Und er ist ein guter Papa. Und er wird es schaffen !
Psychologie ist einerseits faszinierend… andererseits manchmal schon recht mühsam, vorallem dann, wenn die Psyche auf die körperliche Gesundheit schlägt, wie das bei mir momentan der Fall ist. Ich habe seit 3 Tagen Rückenschmerzen und ich weiss genau, dass diese psychisch bedingt sind… den Grund dafür könnt Ihr Euch ja denken…
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Vor 30-50 Jahren wusste man noch nicht soviel über Psychologie. Wenn jemand traurig war, dann war er halt einfach schlecht drauf… dass es aber psychologische Hintergründe (Depression, Burn-out, etc) haben könnte, war den Menschen nicht wirklich bewusst.
Heute weiss man enorm viel über Psychologie. Aber manchmal denke ich, man manövriert sich auch ein bisschen selbst hinein. Heute muss man alles bennen können und ich bin davon überzeugt, dass bei manchen dies eine – im Endeffekt – negative Auswirkung hat.
Man denkt z.B., man hätte eine Depression, oder man habe eine Art von Autismus (da gibt es ja zig Faktoren und viele verschieden – teils extreme, teils schwächere – Arten), weiss es aber nicht wirklich. Und dann beginnt man mehr und mehr sich reinzusteigern, überzeugt davon, dass man irgend eine psychische Störung hat und ist/wird es dann wirklich. Ich sage nicht, dass das nicht existiert, aber ich glaube, dass Auto-suggestion, Auto-Diagnose nicht der richtige Weg ist. Je mehr man sich einredet, man habe etwas, je mehr hat man es. Man kommt in eine Spirale (Negativ-Spirale) und es wird immer schwieriger, da wieder raus zu kommen.
Ich will damit nicht sagen, dass all die Menschen mit psychischer Störung gar keine psychische Störung haben. Die gibt es auf jeden Fall ! Aber ich denke, wenn man sich die ganze Zeit einredet, ein psychisches Problem zu haben, wird das (meist sicherlich vorhandene psychische Problem) einfach stärker und es wird noch schwieriger.
Das ist ein bisschen wie bei meinem Sohn : je weniger er raus geht und in seinem Zimmer bleibt, je mehr fühlt er sich draussen nicht mehr wohl. Je mehr man sich isoliert, je mehr will man allein sein. Es ist allerdings sehr schwierig (für mich), ihn da irgendwie rauszuholen und ihm wieder Mut und Energie zu geben, damit er in seinem Leben vorwärts kommt. Mein Sohn… das ist der 2. Punkt, der mich psychisch belastet und sich somit physisch bemerkbar macht…
Es muss eine Lösung her… welche allerdings weiss ich (noch) nicht…
Ich holte Sebastian um 9h30 zu Hause ab und wir fuhren gemütlich nach Basel. Kurz vor Mittag kamen wir an und haben etwas ausserhalb der Stadt einen Parkplatz gefunden. Mit dem Tram erreichten wir nach knapp 15 Minuten das Zentrum von wo wir dann zu Fuss bis zum Hotel schlenderten.
Das Wetter war wunderbar. Ein herrlicher Herbsttag.
Nachdem wir unsere Rucksäcke ins Zimmer gebracht hatten, zeigte ich ihm „meine“ Stadt.
Abends haben wir gemütlich etwas gegessen und waren danach noch in einer Bar. Gegen 1h morgens waren wir im Hotel zurück. Die Situation war irgenwie komisch. Aber ich kann Euch beruhigen – es ist nichts, aber wirklich rein gar nichts passiert.
Morgens kurz vor neun bin ich erwacht und Sebastian schlief noch. Ich zog mich an und kurz darauf öffnete er die Augen und meinte „Bist du schon wach !?“
Ich ging dann schon mal Kaffee trinken und wartete mit dem Frühstück auf ihn. Nach etwa 25 Minuten kam er auch und wir waren ganz allein im Saal.
Als wir dann um 11h ausgecheckt hatten, spazierten wir zum Münster. Leider konnte man die Türme nicht besichtigen und so machten wir halt nur so die Runde im und ums Münster.
Mit der Fähre schifften wir ins Kleinbasel. Zu Fuss zurück bis zum Marktplatz und dort dann etwas getrunken. Dann sind wir mit dem Tram zu meinem Halbbruder gefahren. Wir hatten kurz vorher telefoniert – war eine spontane Sache.
Nach der Wohnungsbesichtigung (ja, ich hatte die Wohnung noch nie gesehen) hat mein Halbbruder uns dann zum Auto gefahren. Ich habe ihm dann noch gezeigt, wo ich im Kanton Aargau (also knapp 50 Minuten von Basel weg) als Kind gewohnt habe. Es war eine wunderbare Fahrt über Land. Das Wetter war märchenhaft und wir haben uns wirklich Zeit genommen. Irgendwie wurde ich etwas melancholisch so „auf den Spuren meiner Kindheit“.
Zu hause waren wir um halb neun. Wir verabschiedeten uns und er meinte „bis später“. Ok – allerdings ist er dann nicht mehr gekommen.
Fazit: es war ein tolles Wochenende und wenn ich 20 Jahre jünger wäre, dann wär die Nacht im Hotel wohl etwas anders verlaufen…
Ich glaube manchmal wirklich, dass ich meinen Beruf verfehlt habe.
Am letzten Sonntag (also nach den Unruhen mit Sohnemann) sagt mir Töchterchen abends, dass Jeremias gerne mit mir reden würde. Jeremias ist ein heute junger Mann, der mit Töchterchen in der gleichen Klasse war, als sie 10 waren. Ich habe ihn schon immer gemocht, und seit Töchterchen die Jugendgruppe gegründet hat, hab ich ihn auch wieder öfters gesehen.
Also gut, nachdem Töchterchen mir das gesagt hat, hab ich ihm eine kurze Nachricht geschickt : Töchterchen meint, du würdest gern mal vorbei kommen und mit mir reden. Du kannst jederzeit kommen. Ich bin eigentlich jeden Abend zu hause ausser am Mittwoch. Er antwortete erst 2 Stunden später :Oh das ist genial. Ich versuche an einem der nächsten Abende vorbei zu kommen, werde mich natürlich vorher melden. Danke, dass du da bist, das bedeutet mir viel.
Am Montag und Dienstag abend hatte ich ausnahmsweise Termine, und am Mittwoch Chorprobe, also hatte ich erst gestern Abend für ihn Zeit.
Kurz nach 18h war er bei mir angekommen. Töchterchen war nicht da und Sohnemann in seinem Zimmer. Wir setzten uns auf den Balkon und Jeremias erzählte mir, dass er in 1. Linie mit mir reden wollte, weil er nicht immer ganz ehrlich mit mir gewesen sei. Ich war etwas stutzig und er erklärte mir, dass er Marihuana rauche. Ich habe ihm dann gesagt, dass ich das schon gewusst hätte, ihm aber nicht rein reden wollte, denn schliesslich bin ich nicht seine Mutter und wir hatten – bis jetzt – keine engere Beziehung. Ich sagte ihm dann auch, dass ich das sehr schlecht finde und es sicher keine Lösung für irgendwelche Probleme sei. Dann hat er mir sehr intime Sachen erzählt und war sehr offen. Das hat mich einerseits erstaunt, denn er ist von Natur aus extrem scheu und zurückhaltend. Dass er den Mut gefasst hat und zu mir gekommen ist, fand ich sehr berührend.
Plötzlich meinte er, er müsse geh’s, es sei ja schon nach 20h. Ok, er ging also. Ich habe allerdings gespürt, dass er gehen wollte, weil das Gespräch zu tief gehen würde, wenn wir weiter reden. Ich denke, das hat ihm etwas Angst gemacht.
Als er weg war, habe ich ihm kurz darauf eine Nachricht geschickt und ihm gratuliert, dass er den Mut hatte, mir all diese Dinge zu erzählen und dass es für ein 1. Mal schon sehr viel sei. Ich kann sehr gut verstehen, dass er plötzlich den Mut verloren hat – schliesslich ist es nicht einfach, über seine Probleme zu sprechen. Jedenfalls weiss er, dass er wieder kommen darf, wenn er das Bedürfnis hat – darauf meinte er, dass ihm das wirklich sehr viel bedeute.
Heute morgen hat die Schule wieder begonnen. 7 Wochen Ferien sind zwar toll – aber Kinder brauchen Beschäftigung. Drum war es auch super, das Sohnemann die letzten 2 Wochen mit Freunden nach Split (Kroatien) gehen konnte. Er hatte eine tolle Zeit. Das Einzige, was nicht so klappte wie es sollte, war die Rückreise. Eigentlich hätten sie um 18h35 ankommen sollen… gelandet ist das Flugzeug um 23h45 … über 5 Stunden Verspätung. Aber immerhin sind sie noch vor Mitternacht angekommen 🙂
Und sonst so? Es ist viel passiert die letzten 2 Wochen. Töchterchen hat sich zum 2. Mal von ihrem Freund getrennt – respektive er ist gegangen. Sie sagt, es sei nicht schlimm, sie fühle sich gut – aber das glaub ich ihr nicht. Niemals ! Sie hat in den letzten Jahren eine grosse Mauer um sich gebaut und lässt ihre wirklichen Emotionen und Gedanken nur selten bis nie durch diese Mauer. Ihr bester Freund, Sebastian, hat es mir gestern auch gesagt. Es geht ihr nicht wirklich gut, aber sie lässt niemanden an sich ran. Wenn man versucht, sie in dieser Hinsicht etwas zu fragen oder erfahren, blockt sie ab, wird agressif und gibt natürlich die ganze Schuld ihrem Ex-Freund. Derjenige wiederum hat mir geschrieben, dass ihm die ganze Situation leid tue und er das niemals gewollt habe. Er hat mir auch dafür gedankt, dass ich immer bedingungslos da war und vieles für ihn getan habe. Meine Antwort war, dass es mir auch leid tut, ich aber davon überzeugt bin, dass alles im Leben einen Sinn hat. Und man kann nie wissen, was uns die Zukunft bringt. Vielleicht ist ihr gemeinsamer Weg momentan unterbrochen und sie finden sich zu einem späteren Zeitpunkt wieder. Jedenfalls sei ich immer da, wenn er reden wolle.
Irgendwie habe ich auch das Gefühl, dass Töchterchen aus Eifersucht und/oder Rache Sachen erfindet. z.B. hat sie mir erzählt, dass sie anscheinend mit Sebastian was gehabt hätte (eine Nacht). Allerdings sagt Sebastian, dass nie etwas zwischen ihnen gewesen sei. Dass sie das zwar wolle, er aber das nicht ausnützen will, denn sie sei seine beste Freundin, aber mehr werde da nie sein. Wer lügt jetzt?
A propos Sebastian : er hatte letzten Donnerstag einen Motorradunfall. Ein Auto hat ihm den Vortritt genommen und seine Vollbremsung reichte leider nicht aus, um den Unfall zu verhindern. So schleuderte er über den Hinterteil des Autos, zerbrach mit seinem Helm dabei die Heckscheibe, schlitterte weiter auf den Glasscherben und hatte schlussendlich ein enormes Glück, dass er sich nichts gebrochen hat. Allerdings wurde seine linke Hand eingegipst und er hat viele Schürfungen und blaue Flecken. Das Motorrad hat Totalschaden. Natürlich hat er vom Schock und dem Aufschlag auch Schmerzen und ist bis Ende Woche krank geschrieben. Der Arme – ich habe mich sehr erschrocken, als er mich informierte. Was ich einerseits komisch und andererseits süss fand: ich war schon auf dem Laufenden als Töchterchen mich anrief um mir zu sagen, dass sie zu ihm ins Krankenhaus fahre. Ich holte dann die beiden in der Notaufnahme abends gegen 20h30 ab (Sebastians Mutter war nicht da). Was mich etwas verletzte war, dass die beiden und ein 3. gemeinsamer Kumpel gemeinsam etwas essen gingen und ich eigentlich nur als Taxi „benutzt“ wurde. Ich habe es auch beiden gesagt. Also es ist jetzt nicht ein Drama, aber ich fand es nicht sehr nett, dass sie mich nicht gefragt haben, ob ich mitkommen will. Aber egal.
Dann habe ich letztes Wochenende meine Freundin gesehen, welche Anfang Juli geheiratet hat. Sie kam mit ihrem Mann und wir assen zuhause gemeinsam Mittag. Den Nachmittag verbrachten wir bei schönstem Wetter am See.
Und dann habe ich noch die Traurige Nachricht erhalten, dass der Hund meiner Freundin gestorben ist, respektive sie hat ihn gehen lassen müssen. Es tut mir so leid für sie und ich weiss gar nicht recht, was ich machen soll…
In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag haben Sebastian und ich bis morgens um vier geredet. Wir haben dabei auch Radio gehört und irgendwann kamen wir auf einen Sender mit schweizer Volksmusik. Handorgel, Jodel – irgendwie 1. August-Stimmung (1. August = Schweizer Nationalfeiertag). Ich sagte dann spontan „Jetzt fehlt nur noch ein Fondue“ und wir mussten grinsen.
Am Donnerstag arbeitete er bis spät in die Nacht. Gegen 23h schickte er mir eine Nachricht : „Soll ich ein Fondue mitbringen?“ – „:-) Wieso nicht, aber bitte auch Brot, habe nämlich fast keins mehr„. Gegen halb eins war er da und wir tranken erst mal einen Kaffee. Ja – ich trinke auch spät nachts noch Kaffee… 😉 Plötzlich um kurz vor 3h meinte er, ob wir jetzt das Fondue machen wollen? Gesagt – getan. Es war wirklich lustig und um halb fünf sagte ich ihm, dass ich mich jetzt noch einen Moment hinlege, denn um 6h klingelt schon wieder der Wecker. Ich stand dann auch problemlos auf und der Morgen im Büro war voller Motivation (ob das wohl am Fondue lag?).
Freitag nachmittag spürte ich dann allerdings die Müdigkeit schon – bin ja schliesslich keine 20 mehr. Und da abends niemand zu hause war, nickte ich um kurz vor 21h auf dem Sofa ein und schlief bis morgens um halb sechs durch 😀
Das Wochenende war auch toll – aber das erzähl ich in einem anderen Post 😉
Ich habe eine Überraschung für Dich !… hat Sebastian mir am Mittwoch geschrieben.
Ah ja?
Ja
🙂
😉
An diesem Nachmittag war ich mit Sohnemann in Genf und wir haben sein Weihnachtsgeschenk eingelöst: Eine kurze Fahrt mit einem Lamborgini. Sohnemann hatte total Freude daran und wir haben auch Fotos gemacht:
Ich habe auch ein kleine Video gemacht, welches ich Sebastian schickte. Er freute sich darüber und ich sagte ihm, dass wir soeben wieder zuhause angekommen waren. Da meinte er:
Und Ihr seid nicht mal vorbei gekommen, um Hallo zu sagen (er arbeitet ja im Tankstellenshop auf der Autobahn)
Ich zögerte…. aber wir wollten nicht nicht stören
Hättest aber sollen
🙂
Abends kam er dann noch vorbei und brachte mir einen neue Handy-Hülle. Er hatte mitbekommen, dass meine ziemlich kaputt ist… das war echt süss.
Wir haben dann noch bis 4h morgens geredet. Ich weiss nicht wieso, aber irgendwie sind wir auf das Thema „Altersunterschied eines Paares gekommen“. Und genau dann wurde am Radio von Emmnuel Macron gesprochen und zwar der Satz „... und mit 16 hat Emmanuel seiner jetzigen Frau eröffnet, dass er in sie verliebt sei“ . Also irgendwie war das komisch, dass ausgerechnet zur gleichen Zeit davon im Radio geredet wurde 🙂