Was habt ihr gesehen?

Zwei Wanderer zogen hinaus zum Tor,
zur herrlichen Alpenwelt empor.
Der eine ging, weil’s Mode just,
den andern trieb der Drang in der Brust.

Und als daheim nun wieder die zwei,
da rückt die ganze Sippe herbei,
da wirbelt’s von Fragen ohne Zahl:
« Was habt ihr gesehen? Erzählt einmal! »

Der eine drauf mit Gähnen spricht:
« Was wir gesehen? Viel Rares nicht!
Ach, Bäume, Wiesen, Bach und Hain
Und blauen Himmel und Sonnenschein! »

Der andere lächelnd dasselbe spricht,
Doch leuchtenden Blicks, mit verklärtem Gesicht:
« Ei, Bäume, Wiesen, Bach und Hain
Und blauen Himmel und Sonnenschein! »

Anastasias Grün

Von sich absehen lernen ist nötig,
um viel zu sehen.

Friederich Nietsche

Knecht Ruprecht

Von drauß’, vom Walde komm ich her;
ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
Überall auf den Tannenspitzen
sah ich goldene Lichtlein blitzen,
und droben aus dem Himmelstor
sah mit großen Augen das Christkind hervor.

Und wie ich strolch’ durch des finstern Tann,
da rief’s mich mit heller Stimme an:
“Knecht Ruprecht”, rief es, “alter Gesell´,
heb deine Beine und spute dich schnell!
Die Kerzen fangen zu brennen an,
das Himmelstor ist aufgetan,
alt und jung sollen nun
von der Jagd des Lebens einmal ruhn,
und morgen flieg ich hinab zur Erden;
denn es soll wieder Weihnachten werden!”

Ich sprach: “Oh lieber Herre Christ,
meine Reise fast zu Ende ist;
ich soll nur noch in diese Stadt,
wo’s eitel gute Kinder hat.”

“Hast denn das Säcklein auch bei dir?”
Ich sprach: “Das Säcklein, das ist hier;
denn Äpfel, Nuss und Mandelkern
essen fromme Kinder gern.”

Christkindlein sprach: “So ist es recht;
so geh mit Gott, mein treuer Knecht!”
Von draußen, vom Walde komm ich her;
ich muss euch sagen, es weihnachtet sehr!
Nun sprecht, wie ich’s hier innen find!
Sind’s gute Kind, sind’s böse Kind?

Theodor Storm


Den Nikolaus-Tag feiern wir jedes Jahr am 6. Dezember zu Ehren des Heiligen St. Nikolaus (auch Nikolaus von Myra genannt). Ursprünglich war St. Nikolaus ein Bischof im Gebiet der heutigen Türkei, der heute noch vor allem deswegen bekannt ist, weil er besonders kinderlieb gewesen sein soll. Der echte Nikolaus hat also niemals einen roten Mantel und eine Zipfelmütze getragen – stattdessen wird er meist mit den Bischofsinsignien, Mithra und Krummstab, dargestellt. (Einen langen Bart hat er aber wohl wirklich gehabt.)

Es ist überliefert, dass er den Kindern seiner Gemeinde gerne kleine Geschenke wie Nüsse oder Früchte gemacht hat. Deswegen gibt es am Nikolaus-Tag noch heute kleine, meist leckere Gaben für die Kinder, die im vergangenen Jahr artig waren. Um die unartigen Kinder kümmert sich traditionell der eher unfreundliche Gehilfe des Nikolaus, der unter dem Namen Knecht Ruprecht oder Krampus bekannt ist.

In der Schweiz allerdings heisst der Gehilfe vom Samichlaus anders, nämlich Schmutzli 🙂

Hier noch ein interssanter Link zum schweizer Samichlaus

Unbekannte Freunde

Es gibt ein paar Menschen, die kenne ich fast gar nicht. Und doch würden sie mir fehlen, wenn ich sie plötzlich nicht mehr sähe. Sie sind keine Freunde im eigentlichen Sinn, ja, noch nicht einmal richtige Bekannte. Aber auf irgendeine Art sind sie mir ganz vertraut.

Da ist zum Beispiel der Mann von der Reinigung. Seit zehn Jahren suche ich nun schon sein Geschäft auf. Wir wechseln ein paar Worte, nicht viel mehr als „bitte“ und „danke“ und „soll ich’s auf dem Bügel lassen?“ Ich weiss, wie es im Laden riecht, ich kenne die Temperaturen darin im Sommer und im Winter. Neulich habe ich zum Umbau gratuliert und mich gefreut, dass die schlnen alten Meisterbriefe nach wie vor an der Wand hängen.

Oder die Verkäuferin im Stehimbiss. Sie weiss schon meine Gewohnheiten: die Kartoffeln mit viel Butter, aber den Eintopf ohne Wurst bitte. Und manchmal möchte ich noch Nachschlag. Neulich wurde die Verkäuferin mittags von ihrer Familie abgeholt. Ich habe mir die Gesichter genau angeschaut, versucht, Ähnlichkeiten festzustellen. Neugier? Nein, eher Sympathie.

Und dann die Frau mit den beiden Mädchen, der ich seit einiger Zeit jeden Morgen über den Weg laufe. wenn ich zum Auto gehe. Sie bringt ihre Téchter wohl zum Kindergarten. Ich gegegne ihr noch nicht lange, bisher hat sie mich nicht bemerkt. Aber eines Tages werden unsere Blicke sich treffen – und dann gehört auch sie zu diesm merkwürdigen Kreis dazu – zu meinen Freunden des Alltags.

Ein unbekannter Freund ist auch ein Freund.

Gotthold Ephraim Lessing

Barbarazweig

Am Tag der heiligen Barbara, am 4. Dezember, geht der Vater in den Garten und schneidet einige Zweige vom Kirschbaum ab. Die Mutter holt eine Schüssel mit warmem Wasser. Die Kinder wundern sich. Der Vater legt die Zweige einige Zeit in das warme Wasser. „Warum?“ fragen die Kinder. Der Vater schmunzelt und sagt: „Schaut euch die Zweige nur jeden Tag an!“

Die Zweige stehen in einem Krug im warmen Zummer. In den ersten Tagen können die Kinder an den Kirschzweigen nichts entdecken. Aber dann sind Knospen da. Sie werden gross und grösser. Und am Heiligen Abend blühen die Barbarazweige

Maria Braukmann

Tradition und Brauchtum sind nicht nur unsere Wurzeln, sondern stehen auch für Gemeinschaft und Zusammenhalt.


Wolf, Thomas


Geschichte vom eingeforderten Dank

Ein gefrässiges Schwein mästet sich unter einer hohen Eiche mit der herabgefallenen Frucht. Indem es die eine Eichel zerbiss, verschluckte es bereits eine andere mit dem Auge. „Undankbares Vieh !“, rief endlich der Eichbaum herab. „Du nährst dich von meinen Früchten, ohne einen einzigen dankbaren Blick auf mich in die Höhe zu richten“.

Das Schwein hielt einen Augenblick inne und grunzte zur Antwort: „Meine danbaren Blicke sollten nicht ausbleiben, wenn ich nur wüsste, dass du deine Eicheln meinetwegen hättest fallen Lassen. “ – Gotthold Ephraim Lessing

Durch Geschenke erwirbt man keine Rechte.

Friedrich Nietzsche

Der Bus wartet

Auweia, das ist verdammt knapp. Raus aus der Tram, quer über die Strasse gehetzt, das steht der Bus, die Warnblinklichter sind schon an. Jetzt heisst es Galopp, die Aktentasche unter den Arm geklemmt. Man weiss doch wie die sind, diese Fahrer. Warten tun die nie – extra nicht !

Oder etwas doch ? Bis auf fünf Meter bin ich ran, der Bus müsste eigentlich schon aus der Haltebucht ausgeschert sein, aber nein, er steht immer noch. Der wartet ! Der wartet tatsächlich auf mich.

Lieber Busfahrer, damit haben Sir mir nicht nur meinen Termin gerettet, sondern den ganzen Tag und den Glauben an Ihre Zunft noch dazu. Ehrlich ! Schon so oft habe ich keuchend dagestanden und nur noch die Rücklichter gesehen – Sie müssten mal hören, wie ich dann immer schimpfe: verdammte Pünktlichkeit, alles Schikane, Idioten !

Und dann stehen Sie da mit Ihrem Bus und warten. Bleiben gelassen, pfeifen schlicht auf die zehn Sekunden, die Ihnen da fahrplanmässig durch die Lappen gehen. Tausend Dank für diese Nettigkeit! Ich würde Ihnen zu gern auch eine Freude machen – also schreib ich jetzt als Dankeschön diesen kleinen Text hier

Freundlichkeit ist eine Sprach,

die Taube hören und Blinde lesen können.

Mark Twain

Danke für diese Welt

Das Schönste, was es gibt: das Schnurren einer dösenden Katze auf der Fensterbank. Die kindliche, mit glänzenden Augen vorgebrachte Aufforderung « Noch mal! ». Ein spannendes Buch, von dem erst die Hälfte ausgelesen ist. Gelbe Tulpen in der Vase. Der erste Kühle Schluck und ein Gartenstuhl nach langer Wanderung (den Stuhl bitte möchlichst mit Kissen). Kopfschmerzen, wenn sie wieder aufhören. ein Live-Konzert mit unseren Liedern von damals. Starker Sturm und wir sind im Haus. Die Stille nach dem Sturm. Stundenlang zu telefonieren. Dass das Farrad schon lange keinen Platten mehr hatte (und der Computer funktionniert auch noch). Um Rat gefragt zu werden. Wenn der Ratschlag geholfen hat. Das Gefühl, so richtig, richtig viel gearbeitet zu haben. Eure Frage, wie’s geht. Das Schlappsein nach dem Schwimmen. Eine Wattwanderung. Wenn wir uns verstehen. Autofahren ohne Stau und rasende Idioten. Der Staffelsee im Frühling. E-mail von dir. Mein Bild im Spiegel heute Morgen. Nicht heucheln zu müssen. Grund haben, danke zu sagen.

Dankbarkeit ist das Gedächtnis des Herzens.

Jean-Baptiste Massillon

Adventskalender

Morgen beginnt die Adventszeit (obwohl : der 1. Advent wurde ja schon letzten Sonntag gefeiert).

24 x Danke – ein Wort, was sicherlich zu den am häufigsten verwendeten gehört.

Auf Entdeckungsreise mit der Autorin Ulla Göttfeld, welche gesucht hat, wem und wofür sich alles danken lässt, oder Dank angemessen wäre. Aus dem Buch „Danke – ein Lesebuch“.

Ab morgen, jeden Tag ein Türchen…

Ich schreibe Dir mit meiner Seele

„Ich schreibe dir mit meiner Seele,
Ich vermisse dich, das ist unbestreitbar.
Ich mache gute Miene zum bösen Spiel, ich halte mein Lächeln aufrecht, aber ganz tief drinnen wird es immer schlimmer.
Nichts kann dich völlig auslöschen, Freunde, Arbeit, Kinder, Begegnungen und Partys können nicht verhindern, was ich fühle.
Natürlich entfernst du dich manchmal ein wenig, aber du bleibst allgegenwärtig, du kehrst zurück und deine mächtige Erinnerung befeuchtet meine Augen.
Dann schreibe ich mein Leid auf Papier, beladen mit Tränen, von denen ich dachte, sie hätten aufgehört zu fließen,
Ohne große Hoffnung, dass du sie lesen willst, denn schließlich bist es nicht du, der darunter leidet…“.


Emmanuelle Girin

Übersetzt aus dem Französisch Original :

„Je t’écris avec mon âme,
Tu me manques, c’est indéniable.
Je fais bonne figure, je garde le sourire, mais tout au fond, c’est de pire en pire.
Rien ne t’éfface totalement, les amis, le boulot, les enfants, les rencontres, les soirées n’ont pas raison de ce que je ressens.
Bien sûr parfois tu t’éloignes un peu, mais tu restes omniprésent, tu reviens et ton souvenir puissant, humidifie mes yeux.
Alors je couche mes maux sur papier, chargés de larmes qui je pensais avaient cesser de couler,
Sans grand espoir que tu veuilles les lire, car après tout, ce n’est pas toi que ça fait souffrir…“
Emmanuelle Girin

Lagerhalle

Wir haben seit Jahre eine Lagerhalle zusammen mit Bruderherz und Mama. Darin befinden sich jegliche Möbel aus der Familie, die wir einfach nicht entsorgen wollten / konnten. Doch jetzt haben wir uns dazu entschieden, die Lagerhalle zu künden. Also müssen wir wohl oder übel ausmisten, respektive verkaufen, verschenken oder entsorgen.

Ich habe einen Freund, einen ehemaligen Arbeitskollege, der einfach ein Geschenk des Himmels ist. Er hat spontan angeboten, uns zu helfen und wir kommen sehr gut vorwärts. Vieles konnten wir verkaufen, einiges schon entsorgen. Es bleiben noch etwa 22 Reifen, einige davon auf Felgen, allerdings alle nicht mehr brauchbar. Renaud, mein ehemaliger Arbeitskollege, hat sich nun erkundigt, wie und ob man diese auf einem Werkhof entsorgen kann… kann man, allerdings gegen Bezahlung. Das werden wir wohl nächsten Mittwoch machen.

Im voraus hatten wir einen Email-Austausch, und ich fand es lustig, ihm auf seine Mail : “

Hello Bonjour Madame la Duchesse (Anm. d. Red. Herzogin) von M., LOL.

Also ich sehe, dass es noch einige Möbelstücke gibt, die ich versuchen möchte zu verkaufen, wir werden das nächste Mal zusammen schauen.

Hast du deinen Bruder wegen Reifen erreichen können? Vielleicht für Mittwoch bei der STRID in M.?

wie folgt zu antworten :

Hallo Monseigneur d’Essertine 🤗 🤗.

Heute Morgen war ich auf meinem Landgut in Y. und konnte eine Kommode verkaufen… das Landgut beginnt sich wirklich zu leeren 😏.

Bei den Kutschenrädern möchte mein Bruder, der Duc de Quincaillerie (Anm. d. Red. Herzog von Eisenwaren) versuchen, diejenigen mit Felgen zu verkaufen. Er sagt, selbst wenn die Reifen nicht mehr gut sind, könnte jemand daran interessiert sein. Es sind also nur die Reifen zu entsorgen.

Wenn es für Sie möglich ist, Monseigneur, können wir uns am Mittwoch, den 5. Oktober, um 14 Uhr vor Ort treffen. Ich würde auch gerne das Garagenmaterial, das vor den Reifen liegt, sortieren und entsorgen und würde Müllsäcke mitnehmen…

Sagen Sie mir noch einmal, Monseigneur d’Essertine, ob und wie Sie verfügbar sind.

Abgesehen von all dem möchten die Erzherzogin von P. und ich Sie, Monseigneur, und Ihre Dame zu einem Jagdessen in Echandens im Café du Léman einladen. Haben Sie ein oder mehrere Daten, die Sie mir nennen können, die Ihnen passen, bitte?

In der Zwischenzeit wünsche ich Ihnen einen sehr schönen Sonntag und grüße Sie respektvoll.

Herzogin Martine von M.
💗😘💖😘💗

So, das war die kleine Anekdote zu unserer Lagerhalle in Y. 😅😅😅