Das geht gar nicht !

Sebastian ist am Freitag ins Büro gekommen und wir haben eine Stunde lang geredet. Er kam relativ spät (17h) und als wir um 18h gingen – er mit dem Motorrad ich mit dem Auto – sagte er : also dann, bis gleich !

Zu Hause angekommen, schrieb mir Töchterchen, ob ich ihr 5.- überweisen könne. Ich antwortete, dass ich gleich da sei und es ihr direkt geben könne. Sie meinte, sie seien im Pub. Ich ging also dorthin und Töchterchen war mit 3 anderen Jungen zusammen. Trinkst Du was mit uns? fragte die Freundin von Töchterchen. Ok, ich setzte mich.

Töchterchen: Seb hat mir vorher gesagt, er sei in Lausanne. Frage mich, was er dort gemacht hat?Er war bei mir im Büro…

Es herrschte erstaunte Stille und dann fingen die Jungen an zu spekulieren:

Stell Dir vor, Deine Mutter mit Seb

Nein, das kann ich mir nicht vorstellen. Das wär komisch

Das wär was, wenn morgens Seb aus dem Zimmer deiner Mutter käme, irgendwie schräg.

Irgendwie war mir nicht so ganz wohl beim Zuhören. Es war fast peinlich.

Dann kam Sebastian. Die anderen Jungen schauten ihn verschmitzt an und er lächelte verlegen. Dann setzte er sich gegenüber von mir hin.

War’s schön in Lausanne 😉 ? meinte Töchterchens Freundin ironisch. Er nickte und schaute mich an. Dann erzählte er, dass er bei mir vorbei gekommen sei und wir Kaffee getrunken haben.

Die Konversation wurde dann durch das Kommen des Kellners unterbrochen – Gott sei Dank. Töchterchens Freundin spielte mit ihrer Zigarettenschachtel. Sie nahm den Plastik und schob ihn nach oben und wieder nach unten. Seb meinte : Du bist wohl nicht so geschickt mit Kondomen – Gelächter von allen. Seb hatte inzwischen den Plastik von seiner Zigarettenschachtel auch nach oben geschoben und beliess es so. Irgendwie störte mich das, und ich schob ihn wieder nach unten. Seht ihr, sie macht das delikat und mit Gefühl. Sie hat wohl mehr Übung als du. Es war mir echt nicht mehr so wohl und ich profitierte davon, dass schon 20h12 war und ich um 20h15 Rendez-vous mit einer Freundin hatte. Also verabschiedete ich mich und ging.

Mit meiner Freundin waren wir auf der Terrasse eines Hotels direkt am See. Wir bestellten ein Glas Wein.

Ich schickte das Foto an Seb und schrieb : Voilà wie ich meinen Abend verbringe

Ah ja

 

 

 

 

 

 

Meine Freundin hat mir dann viel erzählt. Sie ist 60 und hat einen Sohn im Alter von Sohnemann… Ihr Mann ist seit 2 Jahren arbeitslos und jetzt sind sie seit kurzem auf dem Sozialamt. Ich kenne das ja und sie hat sich bei mir entschuldigt, dass sie mich damals – als ich in dieser Situation war – nicht mehr unterstützt hat. Wir haben bis 23h geredet und dann habe ich sie nach Hause gefahren.

Nachdem sie ausgestiegen ist, fragte ich Seb ob er gut angekommen sei (ich wusste, dass er an ein Fest ging).

Ja, es hat voll die Stimmung

Ah ja?

Nein gar nicht !

Ah. Nun ich habe jetzt gerade meine Freundin nach Hause gebracht und werde noch ein Fährtchen machen. Keine Lust nach Hause zu gehen. Ist ja sowieso niemand da (Sohnemann übernachtete bei einem Freund).

Komm doch her!

Ehm… ich glaube nicht, dass das angebracht wäre

Doch

Ich bin über 30 🙂

Hahaha, na und?

Für diese Feste darf man nicht über 30 sein. Ausserdem glaube ich nicht, dass es gern gesehen wäre

Schade…

Ist dir langweilig?

Es geht

Weisst Du, ich würd ja gern kommen…. aber in Eurem Alter findet es man nicht so toll, wenn die Mutter plötzlich da steht, oder?

Mich würd’s nicht stören

Bin zu hause. Das es dich nicht stören würde, weiss ich. Aber Töchterchen hätte wohl kaum Freude daran…

Schade…

Du bist süss

Dann schickte er mir ein Video. Musik und einen leeren Saal.

Bist du ganz allein?

Ja, die anderen haben mich einfach sitzen gelassen

Geht’s noch? Wieso? Geh doch nach Hause. Ich hätte glaub doch kommen sollen 🙂

Ja

Etwas später schrieb er mir, er sei jetzt bei seinem Kumpel und übernachte dort. Allerdings habe ich da schon geschlafen und die Nachricht erst am nächsten Morgen gesehen.

Um halb elf des nächsten Tages fragte er mich, um welche Zeit Töchterchen nach Hause gekommen sei. Ich schrieb, dass ich es nicht wüsste. Aber wohl gegen 2h. Dann fragte ich ihn, ob er gut geschlafen habe. Ja. 

Etwas später sagte ich ihm, dass ich total unmotiviert sei, dass ich mich aufraffen muss, etwas zu tun (Haushalt). Ich schickte ihm ein Video von der Unordnung die hauptsächlich aus Sachen der Kinder bestand. Darauf schrieb er:

Ja, ich weiss. Und sorry, meine Jacke ist auch noch da.

Langsam aber sicher habe ich diese Unordnung satt! Dein Jacke ist noch das wenigste was stört!

Das glaub ich dir.

Irgendwie war ich moralisch nicht so top. Ich habe so ein komische Gefühl im Magen – seit ein paar Tagen schon. Wisst Ihr, das Gefühl welches man hat, wenn man sich verliebt. Ja, ihr lest richtig. Ich glaube ich bin dabei, mich in Seb zu verlieben. HALLO ??!!! Geht’s noch! Der Junge wird im August 20 !! Ausserdem ist er ein guter Freund von Töchterchen. Mir wurde das irgendwie bewusst am Samstag morgen. Seinerseits muss auch irgendwie eine Anziehung da sein, sonst würd er mir ja nicht so schreiben – denke ich jetzt mal. Ich habe dann am Samstag morgen bei meinem Whats*** Status geschrieben „Alles ist gut, mir geht’s gut“. Kurz darauf kam:

Geht’s dir nicht gut?

Ich weiss nicht. Ich bin unmotiviert, etwas traurig und etwas fertig (stressige Woche)

Willst Du heute Nachmittag an der Tankstelle zu einem Kaffee vorbei kommen?

Ja gern, wieso nicht

Du bist herzlich willommen, das weisst Du

Ja ich weiss, aber ich will mich nicht aufdrängen

Du darfst

Danke

Du bist immer willkommen

Ich weiss…

Komm wann Du willst

Ok, ich komm eher etwas später (er ist bis 23h dort)

Ich fuhr dann gegen 20h30 hin und ich sah ihm an, wie er sich darüber freute, dass ich da war. Er arbeitete und ich wartete am Stehtisch. Als grad keine Kunden da waren, kam und brachte er mir einen Kaffee. Wir redeten über dies und das. Ab und zu bediente er Kunden. Ich beobachtete ihn und merkte, dass in mir was vorgeht, was ich gar nicht will !!!

Nach eine Stunde ging ich wieder und bedankte mich, dass ich vorbei kommen konnte. Er meinte, das sei normal und  dafür sei er da.

Ich weiss und ich schätze das sehr. Aber ich will nicht zu viel von deiner Zeit stehlen. Ich wär schon noch geblieben.

Das hätte mich gefreut!

Und, wie gehts? kam eine Stunde später

Es geht

Dann bin ich beruhigt

Dann wünsch ich dir noch einen schönen Abend!

Dann schrieb er mir erst am nächsten Morgen wieder. Es täte ihm leid, er hätte keinen Akku mehr gehabt. 

Kein Problem! Gut geschlafen?

Ja, geht so und du?

Ja auch. Hatte einen komischen Traum: Ich bin Motorrad gefahren.

 

echt? das wär cool

 

Na ja, kannst Du dir vorstellen, ich auf einem Motorrad 🙂

Ja

Na ja, ich weiss nicht. Ich hätte Angst. Vorallem allein. Aber es ist ja nur ein Traum

Wer weiss, eines Tages vielleicht

Also wenn dieser Tag kommt, musst Du mitkommen. Wenn ich schon nur daran denke, dreht es mir den Magen.

Ja klar, keine Sorge

Wenn Du das sagst

Ich habe dann Wäsche zusammen gelegt und ein wenig etwas im Haushalt gemacht.

Um 17h nahm ich das Auto und fuhr etwas in der Gegend umher. Hatte keine Lust, zu Hause zu sitzen. Ich fragte ihn, was er mache? Eine Runde mit dem Motorroad und du? Ich auch, allerdings mit dem Auto 🙂

Also ich zurück kam, fragte Töchterchen, ob wir ein Fährtchen machen. 🙂 Ok. Wir holten Sohnemann und ein Kumpel von Töchterchen kam auch noch mit. Dann entschied ich, dass wir zusammen einen Kebab essen gehen. Ich schrieb Mama und ich schrieb Seb ob sie auch kommen wollen. Mama kam, Seb hatte schon mit einem Freund zum Essen abgemacht. Er entschuldigte sich aber 3 Mal und es täte ihm furchtbar leid. Das ist kein Problem, schrieb ich zurück.

Eine Stunde später schrieb er mir:

Und, wie geht’s?

Ja es geht. Und bei Dir?

Ja auch. Was ist los?

Nichts… Sind eben nach Hause gekommen. Töchterchen und ihr Kumpel gehen aber wieder aus. Ich weiss auch nicht. In letzter Zeit bin ich moralisch einfach nicht so auf der Höhe.

Ich weiss nicht recht, wie ich Dir helfen kann.

Ist schon gut. Wenn Du mir ab und zu schreibst bedeutet mir das schon sehr viel. Hab nen schönen Abend!

Ich bin für dich da

Das ist lieb ❤ ich hätte dich heute gern gesehe, aber es gab halt keine Gelegenheit 🙂

Es tut mir leid

Macht nichts

Ich kann ihm ja wohl schlecht sagen, dass ich dabei bin, mich in ihn zu verlieben !!! Ich habe das Gefühl, ich mache das extra. Immer so kompliziert oder unmöglich!

Mann, ich bin echt wütend auf mich selbst!

Was für eine Woche !

Seit Sonntag abend schlafe ich sehr schlecht. Knapp 3 Stunden pro Nacht. Ich kann einfach nicht einschlafen. Erstaunlicherweise bin ich tagsüber nicht schlapp und müde – um so besser.

Montag habe ich dem jungen Mann – ich geb ihm jetzt mal den Namen Sebastian – mein Auto ausgeliehen. Abends hat er es dann zurück gebracht. Es war schon ziemlich spät da er bis 23h30 arbeitete (in einem Tankstellenshop auf der Autobahn). Kurz vor Mitternacht war er da und wir haben noch ein wenig zusammen geredet. Wir kamen dann auf gewisse Dinge zu sprechen, welche ihn belasten. Er konnte nicht wirklich erklären wie, was und warum – es fällt ihm enorm schwer, sich zu öffnen. Eines war, dass er sich schuldig fühlt, weil es seiner Mutter nicht gut gehe (seinetwegen). Ich habe nicht gedrängt und ihn einfach reden lassen und ab und zu mal einen Rat gegeben. Gegen 2h morgens ist er dann gegangen und schrieb mir per whats*** kurz darauf:

Das (Gespräch) hat mich ganz durcheinander gebracht. Vielen Dank und eine wunderbare Nacht – auch wenn sie kurz ist.

Gern geschehen. Wisse, dass Du immer mit mir reden kannst, oder schreiben, oder telefonieren. Und bitte, fühle dich nicht schuldig. Du bist ein guter Mensch und ich mag dich sehr! Ich hoffe, du kannst schlafen und dass die Nacht dir die nötige Ruhe bringt.

Danke, das ist wirklich nett. Du hast ein grosses Herz gefüllt mit Liebe und Güte. Du bist wirklich wunderbar. Vielen, vielen, vielen Dank.

Am nächsten Tag ging es mir moralisch irgendwie nicht so gut. Ich war ziemlich gestresst. Im Büro erwartete mich am Donnerstag eine Arbeit, welche mir Sorgen machte. Am Mittwoch hatten wir Generalprobe in Genf für das Konzert am Donnerstag. Dann all meine Sorgenkinder, mein nicht existierendes Liebesleben, einfach alles zusammen. Es ging mir nicht wirklich gut. Aber ich habe dann irgendwann am morgen an Sebastian geschrieben und gefragt, ob er gut geschlafen habe. Er bejahte und wir schrieben ein wenig banal hin und her.

Als ich abends nach Hause kam, waren die Jugen der Jugendgruppe zu hause. Gegen 22h30 entschieden sie, noch etwas im Pub trinken zu gehen. Es ging mir moralisch nicht viel besser, aber ich liess es mir nicht anmerken. Als sie gegangen waren, hörte ich Taizé-Lieder (mit Kopfhörer) und schloss mich in meine Welt ein. Es überkam mich irgendwie und ich musste weinen. Plötzlich steht Sebastian vor mir und schaut mich sorgenvoll an. Ich hatte nicht bemerkt, dass er nochmals hoch kam weil er etwas vergessen hatte… es war mir nicht recht, dass er mich so sieht, aber er nahm sich einen Stuhl, setzte sich zu mir und fragte, was los sei. Ich wusste es selbst nicht richtig und ich sagte, es gehe schon und er solle ruhig zu den anderen gehen. Er bestand aber darauf, einen Moment zu bleiben. Er wolle mich nicht so traurig sehen. Das mache ihn traurig. Ich konnte ihn dann aber dazu bewegen, wieder zu den anderen zu gehen. Kurz darauf schrieb ich ihm :

Danke – und sorry, ich wollte nicht so sein. Mach dir keine Sorgen

Kein Problem. Ich mag das nicht, wenn es Menschen die ich liebe nicht gut geht.

Ja, das verstehe ich. Eigentlich sollte ich müde sein und schlafen, aber irgendwie habe ich zu viele Dinge im Kopf und kann einfach nicht runter fahren.

Ich hoffe, es ist nicht wegen den Dingen die ich dir erzählt habe? (Anmerkung: er hatte vor ein paar Jahren einen Traum, dass eine erwachsene Person ihm bei seinen Problemen hilft, sie zu verarbeiten. Allerdings diese erwachsene Person dann selbst mit den Dingen die er erzählte nicht klar kommt und sehr belastet ist). Ich habe ihm dann aber versichert, dass dies auf keinen Fall der Grund sei. Wir haben auch dann noch ein wenig hin und her geschrieben und irgendwann gegen halb zwei Uhr morgens sind wir dann beide eingeschlafen.

Am Mittwoch morgen schrieb ich ihm, dass es mir besser gehe – was ihn beruhigte. Dann schickte er mir ein Foto des Motorrades, welches er am Nachmittag mit seinem Vater holen ging. Ich bat ihn dann, nicht wie gestört zu fahren – das macht mir immer Angst.

Abends wollte er mich mit dem Auto nach Genf zur Generalprobe fahren – aber er schaffte es nicht und ich ging mit dem Zug. Er schrieb mir dann, es täte ihm furchtbar leid und entschuldigte sich. Kein Problem! schrieb ich ihm zurück. Ich sei froh für ihn, dass er mit seinem Vater das Motorrad holen konnte. Schade sei nur, dass wir uns nicht sehen. Er fand das auch und meinte dann, dass wir uns aber sicher morgen (also Donnerstag) sähen. Das bezweifle ich  – antwortete ich. Denn ich fuhr direkt nach der Arbeit nach Genf zum Konzert und käme nicht vor Mitternacht nach Hause. Er war etwas enttäuscht.

Donnerstag morgen: Gut geschlafen ?Ja, es geht so. Bin mit Kopfschmerzen erwacht… Wohl war mir auch nicht sonderlich, da ich im Büro etwas machen musste, dass ich noch nie gemacht habe. Der Kollege, der das normalerweise macht ist im Militärdienst. Normalerweise braucht er als Profi dafür 1 bis 1.5 Stunden. Ich habe um 9h15 angefangen und war nachmittags um 15h fertig – ohne Mittagspause. Ich war gestresst, denn um 15h30 musste ich gehen um rechtzeitig in Genf zu sein.

Als ich im Zug sass, schrieb ich ihm, dass ich das Projekt zustande gebracht hatte und jetzt unterwegs sei. Er freute sich für mich.

Das Konzert war einmalig, fantastisch, magisch. Ein Moment des Glücks. Die Victoria Hall in Genf ist ein Saal mit einer aussergewöhnlichen Akustik. Es war einfach MEGA. Nach dem Konzert erwischten wir den letzten Zug und ich war um Mitternacht zu Hause.

Ich sah die Jungen im Pub und ging kurz vorbei „hallo“ sagen. Sebastian sagte mir weder Hallo noch Tschüss. Es war komisch. Als ich zu Hause war, schrieb ich Töchterchen und fragte, ob es ihm gut gehe. Sie verneinte. Ich schrieb Sebastian:

Geht’s Dir gut?

Ja, es geht und Dir?

Bist Du sicher? Es schien mir, als wär etwas. – Ja mir geht’s gut.

Ja sicher, ich bin nur etwas müde. Bin heute um 4h aufgestanden… Ich werde jetzt zu Bett gehen.

Ok, ich hoffe es. Ich bin hellwach. Also dann, gute Nacht

Gute Nacht

Es war 1h30 in der Nacht. Ich ging zu Bett, konnte allerdings nicht schlafen und schaute mich noch ein wenig auf FB und Instagram um.

2h00: Ich kann nicht schlafen. Ich denke zu viel

Das kenne ich. Was beschäftigt dich?

Fühl mich innerlich nicht wohl

Ist heute etwas vorgefallen?

Nein, nicht mehr als sonst

Und an was denkst du zu viel?

Ich kann’s nicht erklären. Es schmerz innerlich

… und am liebsten würdest du weinen?

Ja und nein. Irgendwie kann ich es nicht. Ich bin irgendwie gefühlskalt und möchte mich von allen und allem distanzieren

Du solltest es rauslassen. Dein Körper gibt dir zu verstehen, dass es raus muss. Möchtest du morgen abend etwas trinken gehen? Oder vorbei kommen?

Ich schaff es nicht, mich zu öffnen

Zieh dich nicht zurück – es wird nur schlimmer

Ich brauche es aber

Ich habe schon gemerkt, dass es dir nicht gut geht als ich dich vorher sah

Ich muss nachdenken

Es gefällt mir nicht, dich so zu sehen. Red mit mir

Ich weiss nicht mehr, was ich tun soll. Ich möchte ein paar Tage weg

Du solltest nicht allein sein. Wohin willst Du?

Ich weiss nicht – aber ich brauche es

Ich kann verstehen, dass man manchmal allein sein will. Aber jetzt, da du das Motorrad hast, wär mir nicht so wohl dabei, wenn du in diesem Zustand weg gehst.

Mach dir keine Sorgen

Tu ich aber…

Ich weiss nicht, was ich sagen soll

Ich mag dich zu sehr, um mich nicht zu sorgen. Ich möchte dir wirklich helfen, deine Wunden zu heilen, damit du dich besser fühlst. Dann kam keine Antwort mehr und ich schrieb 15 Minuten später: Nun…. entweder willst Du jetzt nicht mehr reden oder du bist eingeschlafen (was ich hoffe). Ich möchte, dass Du weisst, dass ich dich sehr gern habe und es mir weh tut, dich so zu sehen. Wenn du allein sein willst, kann ich das verstehen. Ich bitte dich nur, dich ab und zu zu melden. Du kannst IMMER mit mir reden – egal zu welcher Zeit! Letzthin hast du mich gefragt, ob wir mal zusammen was trinken gehen können und reden. Ich antwortete dir „wann immer du willst“ und ich meine es auch so. Du musst nur sagen wann. Anderer Vorschlag: Wir könne auch mal was essen gehen. Auch mittags. Jetzt mit dem Motorrad kannst du auch ins Büro kommen und ich nehme mir die Zeit. Ok? Ich umarme dich💕😘😘😘

Eben (Freitag morgen, 10h) hat er mir geschrieben : Ja, ich bin eingeschlafen. Es berührt mich sehr was du geschrieben hast

Ich habe ihm vorgeschlagen, dass er heute Nachmittag im Büro vorbei kommt. Habe sowieso nicht sehr viel zu tun und ausserdem bin ich fast allein hier. Er meinte, er käme vorbei.

Das war jetzt ein langer Post. Aber ich musste das jetzt einfach alles erzählen…

 

 

 

Traurigkeit

Gestern hat der junge Mann sich mir etwas geöffnet. Er hat mir ein paar Dinge erzählt, die ihn belasten und ihn traurig machen. Seelische Verletzungen, welche er eigentlich verarbeiten möchte, aber es irgendwie nicht fertig bringt, sie auszusprechen.

Als ich vorsichtig versuchte, mich etwas vorzutasten und etwas zu „graben“, meinte er, er müsse jetzt langsam gehen (ja, ok, es war halb drei Uhr morgens). Ich habe ihn natürlich gehen lassen und ihm angeboten, dass er immer zu mir kommen könne oder mich anrufen kann. Es ist wichtig, diese Sachen zu erzählen – auch wenn er dabei weinen muss, er traurig ist und alles wieder hoch kommt – nur so kann er die innere Ruhe und Zufriedenheit finden.

Er tut mir so leid…

Veränderung in Bearbeitung

Die letzten Tage waren etwas mühsam. Ich war mit einer Magen-, Darmgrippe 4 Tage im Bett und mir ging’s wirklich nicht grad super – ich hatte sogar Fieber. Heute ist eigentlich der 1. Tag seit letztem Samstag abend, der wieder einigermassen normal verläuft was meine Verdauung betrifft… 🙂

Töchterchen hat momentan grad ein Tief mit ihrem Herzbuben. Er arbeitet immer und hat sehr wenig Zeit. Sagt ihr oft in letzter Minute ab – sie tut mir leid. Gestern zum Beispiel sollte er sie um 20h abholen. Um 22h fragte ich sie, ob er denn nun komme und sie meinte, es werde mindestens 23h weil er eine unvorhergesehene Sitzung habe. Sie haben dann gegen halb zwölf zusammen telefoniert und schlussendlich ist er nicht gekommen, weil er angeblich zuvie getrunken habe. Ich sagte ihr, dass ich es etwas komisch finde. Auch wenn es üblich ist bei diesen unvorhergesehenen Treffen unter Winzer ein (oder mehrere) Glas zu trinken… er wusste doch, dass sie auf ihn wartete… ich finde, er hätte sich zusammen nehmen sollen und halt für einmal nicht trinken…

Sohnemann hatte eine relativ gute Woche in der Schule. Er hat von einem der 3 jungen Männer die zur Zeit oft bei uns sind ein Velo bekommen und fährt jetzt damit immer zur Schule 🙂 . Ich hoffe, die Motivation hält an !

Ansonsten habe ich es fertig gebracht, den einen jungen Burschen zur Berufsberatung zu schicken und ihn zu motivieren, einen Temporär-Job zu suchen – welchen er gefunden hat. Zwar nur für 10 Tage, aber immerhin. Der andere (sein Bruder) ist nach Hause zu seine Mutter gegangen. Die beiden Brüder hatten eine Auseinandersetzung in welcher hervorging, dass sie sich beide momentan nicht ausstehen können und Abstand brauchen. Zumindest ist er nach Hause gegangen und schläft nicht wieder draussen.

Dann ist da noch der 3. junge Mann (er wird im August 20). Er hat mir gestern vertrauensvoll erzählt, dass ich die einzige (erwachsene) Person sei, zu jener er wirklich Vertrauen hätte. Und er würde sehr gerne – wenn ich einverstanden sei – mal mit mir etwas trinken gehen und mit mir reden. Es hat mich sehr berührt – ich mag ihn sehr.

Heute morgen habe ich mit meiner Freundin (Seelenhundblog) telefoniert. Es geht ihr SEHR schlecht. Sie wird von den Nachbarn gemobbt, findet keine Wohnung, den Hunden gehts auch nicht sonderlich gut und ich fühl mich so hilflos. Irgendwie scheint’s als gäbe es keine Lösung – ich jedenfalls sehe keine. Ich verstehe nicht, wie man einen Menschen so fertig machen kann. Hätte ich die Mittel und den Platz, würde ich sie und die Hunde zu mir nehmen, aber leider geht das nicht. Sie meinte heute morgen, dass sie nun wirklich auf dem Null-Punkt angelangt sei. Am liebsten würde sie diese Welt verlassen. Es macht mir Angst…

Ausbrechen

Manchmal möchte ich ausbrechen. Einfach weit weg fahren – allein sein mit meinen Gedanken. Keine Verpflichtungen mehr haben, keine Sorgen um meine Kinder, keine Sehnsucht mehr nach Nähe, keine finanzielle Dämpfer – einfach nur SEIN.

 

Und dann denke ich wieder, dass es so viele (junge) Menschen gibt, denen ich helfen möchte. Man kann nicht alle retten, das ist mir klar. Aber die Jungen, welche momentan sehr oft bei uns sind, geben mir zu denken.

2 der 3 Jungs aus der Jugendgruppe sind Brüder. Einer 18 der andere 17. Seit letzem Freitag schlafen sie bei uns weil ihre Mutter sie rausgeworfen hat… Sie geben sich sehr Mühe, räumen auf, helfen beim Haushalt mit, gehen einkaufen (so junge Burschen essen viel 🙂 ) und sind sehr darauf bedacht, mich nicht zu stören. Wichtig scheint für sie auch, das wir gemeinsam abends essen. Momentan leben wir irgendwie WG-mässig – so wie ich das mit 15 mal wollte 🙂

Der 3. junge Mann arbeitet 40% in einem Tankstellenshop. Gestern hatte er frei und hat sich total lieb um Sohnemann gekümmert. Ist mit ihm angeln gegangen, hat ihn mittags ins McDonalds eingeladen und brachte ihn pünktlich – wie vereinbart – um 21h nach hause.

Alle 3 nennen mich „Mama 2“ 🙂 – es schmeichelt mir irgendwie, und ich habe nicht das Gefühl, dass sie mich ausnutzen wollen, sondern das toll finden.

Und dann gibt es Momente, da frage ich mich, wie es sein wird, wenn alle weg sind (inklusive meiner beiden Kinder). Irgendwann (soweit weg ist dieser Zeitpunkt nicht) werde ich alleine abends essen – wohl vor dem Fernseher. Und irgendwie macht mir das Angst. Nicht weil ich Angst vor dem Alleinsein habe, sondern Angst, dass mir all die Jungen fehlen werden und sie nur noch eine Erinnerung sind…

Dazu kommt dann noch, dass ich wohl keinen Partner mehr haben werde – Pierre meldet sich ja seit Neujahr nicht mehr. Und wir werden sowieso nie zusammen kommen. Das ist alles nur ein Wunschdenken – eine geträumte Illusion. Ich bin traurig und verstehe nicht, wie man (egal ob das jetzt die Mutter der beiden Brüder oder aber Pierre ist) so stur sein kann. So egoistisch.

Gestern habe ich den Abschiedsbrief von Läggerli gefunden. 6 Seiten – handgeschrieben. Unter anderem schrieb er damals, man müsse einen gewissen Egoismus haben, um nicht unter zu gehen, und „The show must go on“. Ja… muss sie wohl – aber momentan scheint mir alles sehr entmutigend…

 

Seit ein paar Tagen kann ich auch nicht mehr gut einschlafen und träume dann so komische Sachen und körperliche Nähe vermisse ich grad sehr …

 

 

Manche Tage…

Manche Tage wiegen schwerer als andere. Manchmal passiert wochenlang nichts und plötzlich, als ob das Schicksal oder ein schelmischer Gott Deine Grenzen testen wollten, kommt alles zusammen wie ein Schlag ins Gesicht. Ich bin mir nicht sicher, ob der Kopf das empfindlichste Ziel bei mir ist; das Herz allerdings …

gefunden im Netz und frei vom Französisch  ins Deutsch übersetzt

DivertiMento

 

Divertimento ist ein schweizer Komikerduo – ich würd sie gern mal live sehen. Da es aber Deutschschweizer sind, kommen sie natürlich nicht bis in die Westschweiz… das nächste von mir wäre Bern. Nun habe ich nachgeschaut… es gibt noch Plätze für die aktuelle Show… im 2019 …

Hier eine Nummer, ohne grosse Worte – die meisten anderen Sketchs sind auf schweizerdeutsch in den verschiedensten Dialekten. Nicht unbedingt verständlich für nicht-Schweizer 😛

Ich finde, sie haben beide ihren Charme 🙂

Update

Sohnemann:  Heute ist er gut zur Schule gegangen. Ich hoffe, dass die Hänseleien aufhören. Vom Rektorsollte ich diese Woche Bescheid bekommen.

 

 

Stiefmutter: Es geht ihr etwas besser und sie konnte nach Hause. Sie hat Medikamente zur Schmerzlinderung und muss noch 2 Termine für weitere Abklärungen wahrnehmen. Der 4cm grosse Tumor hat Flüssigkeit gebildet, welche gegen die Schädeldecke drückte und somit Kopfschmerzen und auch Schwindelgefühle auslöste. Dies konnte jetzt medikamentös gelindert werden. So wie’s aussieht, ist der Tumor nicht krebserregend und kann eventuell sogar via Laserstrahl beseitigt werden. Wir warten nun auf weitere News.

Töchterchen: Ist selten zu Hause… es wird Zeit, dass sie wieder ins Gymnasium geht (anfang September). 

 

Jungs aus der Jugendgruppe: Ich freu mich irgendwie immer, wenn die drei vorbei kommen. Sie sagen, ich sei ihre 2. Mama 🙂 Am Samstag habe ich einem sogar mein Auto ausgeliehen, damit er zur Arbeit fahren konnte. Er arbeitet auf der Autonahn in einem Tankstellen-Shop. Sein Auto ist „out of order“ und er konnte am Samstag niemanden finden, den ihn zur Arbeit fuhr oder einen Wagen lieh. Als er mir abends die Schlüssel zurückbrachte, hatte er mir noch 2 Päckli Zigaretten gebracht und für 20.- getankt. Und er hat sich sicher 10 mal bedankt.

Büro: Vom Chef haben wir keine News. Heute sind wir nur 2 von 5 Leuten im Büro (also von unserer Abteilung). Wir haben beschlossen, ein Tête-à-tête zu machen 😀 

 

 

 

 

Alles zusammen

Momentan kommt irgendwie alles zusammen :

Sohnemann:  wird ständig in der Schule gehänselt und durch seine Sensibilität kann er damit nicht (noch nicht) umgehen. Also geht er nach Hause und ruft mich dann an „Ich ertrag es nicht mehr! Es sind alles A…. . Ich bin daheim.“ oder „ich will lieber arbeiten gehen als zur Schule. Ich fühl mich gefangen – ich will frei sein und machen was mir gefällt !“ Mit der Lehrerin habe ich schon 3 Mal telefoniert, hatte auch schon Termine mit ihr. Heute war das Fass voll und ich habe einen Termin mit dem Rektor verlangt. Inzwischen hat jener mich angerufen und schon mal telefonisch etwas mehr erfahren wollen. Er wird sich nächste Woche melden – nachdem er mit Sohnemann, Lehrerin, Schulpsychologen, etc geredet hat – um über das weitere Vorgehen zu entscheiden. 

 

Stiefmutter: Die 2. Frau meines Vaters ist seit vorgestern Abend im Spital. Seit 3 Wochen isst sie nichts mehr und hat immer Bauchschmerzen. Schlussendlich hat mein Vater die Ambulanz gerufen, als sie nicht mehr aufstehen konnte. Nun vermutet man einen Tumor. Abklärungen sind noch am laufen. Mein Vater wohnt 300km von mir entfernt, in Frankreich. Meine Halbbrüder konnten Gott sei Dank gestern hin fahren und somit meinen Papa und ihre Mutter- zumindest moralisch – unterstützen.

 

Töchterchen: Hat eine Jugendgruppe gegründet, braucht dabei aber manchmal noch ein bisschen Hilfe. Morgen muss ich zur Bank um ein Konto zu eröffnen. Da sie noch nicht volljährig ist, kann sie das Konto für die Jugendgruppe (obwohl sie Präsidentin ist) nicht eröffen.

Jungs aus der Jugendgruppe: Im Vorstand der kürzlich von Töchterchen gegründeten Jugendgruppe sind unter anderem 3 Jungs. 17, 18 und 19 Jahre alt. Alle drei hatten nicht wirklich eine schöne Kindheit und sie sind oft bei uns zu hause. Das stört mich wirklich nicht und es scheint, als fühlen die drei sich sehr wohl bei uns. So wohl, dass sie mir (einzeln) von ihren seelischen Wunden erzählen. Ich bin ein guter Zuhörer und ich mach das gern. Die Jungs tun mir leid. Manchmal denke ich wirklich, dass man eine Prüfung machen müsste bevor man Eltern werden darf. Einige Erwachsene verhalten sich einfach so egoistisch und wissen nicht im geringsten, was sie mit ihrem Verhalten den Kindern antun. Dinge, die die Kinder bis zum Lebensende in sich haben. Natürlich kann man mit der Zeit einiges verarbeiten, aber ein seelischer Schaden entsteht/entstand trotzdem… 

Büro: Chef bis mindestens Ende Mai krankgeschrieben. Es gibt einige Dinge, die zwar jetzt geklärt worden sind, und doch ist es irgendwie komisch, wenn er nicht da ist. Das „Team“ ist irgendwie etwas instabil und ich hoffe wirklich, dass er zurück kommt.

 

 

Irgendwie ist grad ein bisschen viel auf einmal. Am liebsten würde ich 3 Wochen wegfahren, allein…

Kein Chef

Seit letztem Donnerstag, halb zehn Uhr morgens, hat meine Abteilung keinen Chef mehr…

Als ich am Donnerstag gegen 8h15 im Büro war und dann um halb neun der letzte Mitarbeiter meiner Abteilung auch da war, wurden wir vier ins Büro vom Chef gebeten. Er hätte uns etwas wichtiges mitzuteilen.

Wir waren etwas gepfercht in seinem kleinen Büro und er erklärte uns, teils mit weinerlicher Stimme, dass er sich für unbestimmte Zeit krank schreiben lasse. Ohne gross irgendwelche Namen zu nennen, teilte er uns mit, dass er gemobbt werde. Wir haben alle mehr oder weniger begriffen, um welche Personen es sich handelt. Er könne nicht mehr. Jeden morgen sei es ein unheimlicher Kampf mit sich selbst, um ins Büro zu kommen. Der einzige Lichtblick für ihn seien wir und er habe versucht, so lang wie möglich durchzuhalten – auch um uns zu schützen. Wir sollen momentan den anderen Mitarbeiter (von anderen Abteilungen) noch nichts sagen, er hätte am Dienstag noch eine Unterredung mit dem Synodalrat.

Nachdem er gegen 9h30 gegangen war, waren wir 4 ziemlich baff über die Situation und niemand hatte auch nur einen Funken Motivation, halbwegs zu arbeiten. Wir haben uns natürlich zusammen genommen und schon unsere Arbeiten erledigt.

Am Freitag kamen ein paar Kollegen und fragten, weshalb unser Chef krank geschrieben sei. Hä? Wir hatten doch nichts gesagt… wie kommen sie darauf? Etwas später haben wir dann verstanden, weshalb einige davon wussten. Unser Chef hat am Donnerstag abend noch eine automatische Mail-Antwort programmiert, welche informiert, dass er momentan krank geschrieben sei und nicht antworten könne. Nicht gerade sehr überlegt, denn uns hatte er ja gebeten, momentan noch nichts zu sagen…

Gestern hatter er also Termin mit dem Synodalrat – gesehen haben wir ihn nicht. Er war anscheindend von 8h – 8h30 im Haus und so schnell wieder weg wie er gekommen war.

Die Stimmung im Haus ist irgendwie komisch. Niemand weiss wirklich richtig, wie es weiter geht. Unsere Abteilung arbeitet so gut es geht an den verschiedenen Projekten weiter, doch gewisse Dinge können wir nicht einfach so entscheiden. Wir haben jetzt für unsere nächste wöchentliche Sitzung am Montag eine Repräsetantin des Synodalrats eingeladen, um näheres zu erfahren.

Ich bin froh, dass ich jetzt 4.5  Tage frei habe – das wird mir gut tun. Morgen geh ich nach Genf. Es findet der alljärliche Kirchentag statt – ich freu mich schon darauf.

Schöne Auffahrt Euch allen !