Tag-Archiv | Psyche

Psychische Krankheiten VI

Letztes Wochenende war also mein Neffe „bei uns“. Sprich : geschlafen hat er bei Mama, ansonsten waren wir die ganze Zeit zusammen.

Meine Schwägerin und wir haben je den halben Weg gemacht und uns auf dem Parkplatz vom McDo in N. getroffen. Sie hatte Verspätung durch Stau am Zoll. Sie wohnen ja ca 20 Autominuten von der Genfergrenze in Frankreich.

Als sie mit meinem Neffen ankam, haben wir uns „herzlich“ (wir können gut schauspielern) begrüsst, die Tasche vom einen in das andere Auto gepackt, den Kleinen im Kindersitz festgeschnallt und uns wieder verabschiedet.

Wir wussten, dass meine Schwägerin am Samstag meinen Bruder aus dem Krankenhaus fürs Wochenende nach Hause holt, um zu sehen „wie’s so geht“… und am Sonntag, wenn wir uns wieder treffen, käme dann mein Bruder mit, zusammen mit ihr und ihrem Vater. Denn das Auto meines Bruder stand seit dem 14.11.24 auf dem Besucherparkplatz bei Mama… und es wurde ausgemacht, dass wir das Auto am Sonntag mitbringen. Da aber Bruderherz noch nicht fahren darf, kam der Schwiegervater mit…

Nun gut. Klein M. war ziemlich still auf der Nachhause-Fahrt und als wir bei Mama daheim waren, haben wir etwas gegessen und dann noch ein wenig miteinander Eisenbahn gespielt.

Als es Zeit war, zu Bett zu gehen, wurde klein M. ganz still und fing leise an zu weinen. Papa fehlt mir, schluchtze er. Es war herzzerreissend und ich habe ihm erklärt, dass Papa bald wieder gesund sei und nach hause komme. Er weinte sich in den Schlaf…

Am Samstag Nachmittag habe ich klein M. und Mama zu mir geholt und wir haben gemeinsam Mailänderli gemacht. Klein M. hatte viel Spass daran und wir haben dann auch gemeinsam zu Abend gegessen… Crêpes-Party geht immer 😀 .

Gegen 20h sind wir dann zu Mama zurück und ich habe klein M. zu Bett gebracht. Er meinte, dass er jetzt wieder traurig werden würde, weil Papa nicht da sei… aber er hat nicht geweint. Wir haben zusammen abgemacht, dass ich am Sonntag morgen zum Frühstück komme und blieb dann noch 5 Minuten bei ihm. Kurz darauf ist er eingeschlafen… ganz ohne weinen.

Sonntagmorgen gegen 9h war ich dort, wir frühstückten gemeinsam und haben dann noch gemütlich den Morgen mit spielen und zeichnen verbracht. Gegen halb eins gab’s Mittagessen und dann war es auch schon Zeit klein M. wieder zurück zu bringen.

Wir waren vor den anderen am vereinbarten Ort und gingen rein. Als Bruderherz, Schwägerin und deren Vater kamen, setzten sie sich und Mama fragte, ob sie auch einen Kaffee wollen. Bruderherz meinte, vielleicht ein Cappucchino wär gut. Da sagte meine Schwägerin wie aus der Pistole geschossen „Kommt gar nicht in Frage! Das ist verboten ! Man trinkt keinen Cappucchino nachmittags in Italien !“ … 😮 Ich glaubte, ich spinn und wollte eigentlich sagen „wir sind hier aber nicht in Italien!“ aber ich sagte nichts… das hätte nur ein Hin- und Her gegeben und wär noch mehr Stress für Bruderherz gewesen. Dieser hat dann kleinlaut beigegeben und ok, ist gut gesagt. Und dann wollte er nicht mal einen normalen Kaffee und niemand von den 3 hat etwas bestellt.

Mein Bruder sah aus wie ein Zombie. Total müde und irgendwie zugedröhnt. Die neune Medikamente sind noch nicht ganz richtig eingestellt und es braucht eine gewisse Zeit, bis sich das einpendelt und er dann wieder stabil und normal ist. Aber ich war froh zu wissen, dass er abends zurück ins Krankenhaus geht.

Wir haben uns dann verabschiedet und Mama ist noch einen Moment zu mir nach Hause gekommen.

Montag morgen, knapp vor 10h bekomme ich von meinem Bruder eine Whatsapp : Ich werde heute entlassen. Ich war einen Moment sprachlos und schrieb dann zurück „Ah ja ? das geht jetzt aber schnell finde ich.“ darauf meinte er, das sei halt so, die (Ärzte) wollen keine Patienten behalten, denen es besser geht.

Ich habe keinen Moment geglaubt, dass die Ärzte das gesagt haben und war davon überzeugt, dass meine Schwägerin ihn unter Druck gesetzt hat, indem sie ihm sagte „ich brauch dich, reiss dich zusammen und komm endlich raus“ oder so ähnlich. Dann hab ich den ganzen Tag nichts von ihm gehört und schrieb ihm gegen 21h ob er nun zuhause sei. Worauf ein „ja, seit 14h“ kam.

Und gestern, also Dienstag, fragte Bruderherz Mama, ob er und klein M. zu ihr kommen könnten von Di bis Mi (so wie das oft der Fall war vor der grossen Kriese). Sie kamen also gestern Abend und ich ging auch hin. Und als ich ihn sah, dachte ich wie kann man nur so unverantwortlich sein. Er sieht immer noch aus wie ein Zombie. Und dann hab ich bestätigt bekommen, dass er (also Bruderherz) sich selbst entlassen hat (mit Sicherheit auf Forderung meiner Schwägerin). Die Medikamente machen ihn immer noch sehr müde… wie kann eine Mutter ihr eigenes Kind solch einer Gefahr aussetzen ??? Sie (also meine Schwägerin) lässt den Sohn mit dem Vater im Auto fahren, obwohl er eigenlich gar nicht Auto fahren sollte. Wie egoistisch und narzisstisch muss man sein, um so etwas zu machen ?

Ich versteh’s nicht, wirklich nicht… ich könnte meine Schwägerin echt grad erwürgen…

Psychische Krankheiten V

Am Freitag hab ich nach dem Besuch bei Bruderherz meiner Schwägerin geschrieben :

Hello, ja ich habe die Dame von der Versicherung erreicht, die alles organisiert hat. Wir werden ihn am Sonntag mit M. besuchen. Er braucht Ruhe ja, aber ich werde mit den Ärzten in Annecy sprechen, um zu sehen, was sie dazu sagen.
Schönen Abend

Man bemerke, wie „kalt“ sie eigentlich schreibt. Aber ok – immerhin hat sie geantwortet. Ich hingegen hab darauf dann nicht mehr reagiert.

Am nächsten Tag fand der Transfer nach Annecy statt (vorhergehender Blogeintrag). Ich habe nichts von ihr gehört und auch ich habe mich nicht bei ihr gemeldet. Ich fand, es sei nicht nötig, denn das wichtigste war, dass Bruderherz gut ankommt und ich wollte jeglichen möglichen Stress vermeiden. Hätte ich ihr geschrieben, hätte sie vielleicht meinem Bruder geschrieben, was ihn wiederum hätte stressen können.

Gestern, also Montag, hab ich ihr dann doch eine Nachricht geschickt :

Ihre Antwort kam erst 5 Stunden später :
V : Hallo ! Ja, wir waren gestern da und er hat sich sehr gefreut, M. wiederzusehen. Sie haben ihm ein neues Medikament gegeben, das erst noch wirken muss. Sobald es wirkt, kann er nach hause. Ansonsten geht es ihm gut und er wird sich für die Aktivitäten anmelden.

Dazu muss ich sagen, dass sie – nachdem sie mir geschrieben hat – Mama eine Sprachnachricht geschickt hat. Da spricht erst M. und fragt, ob er am Wochenende zu ihr kommen könne und dann auch mich sehen will. Dann spricht V. und fragt, ob es möglich sei und dass man sich in der Mitte irgendwo treffen könnte. Darum konnte ich dann auch schreiben, dass wir uns freuen, M. am Wochenende zu sehen.

Und gerade eben hat sie mir auf meine letzte Nachricht eine Vocal gemacht :

Hallo, ja, ja das sind gute Nachrichten. Es geht ihm gut. Gestern haben wir einen Videocall gemacht und es geht ihm besser.
Ja, dieses Wochenende kommt M. Er hat nach Euch gefragt und möchte Euch sehen. Und deine Mama hat gesagt, es sei ok. Also werden wir und im McDo in N. treffen. Und am Sonntag dann auch wieder. Dann können wir auch gleich die Übergabe des Autos machen.
(das Auto meines Bruders ist seit bald 2 Wochen auf dem Besucherparkplatz bei Mama…) Schönen Tag noch.

Nun denn – machen wir das so. Schliesslich geht’s in 1. Linie um meinen Neffen.

Auch wenn ich kein Psychologe bin : ich bin davon überzeugt, dass diese Frau ein Narzist ist … aber das nur so am Rande. Es soll ja hier keine Psychologie-Blog werden. Mein nächster Artikel wird von was anderem berichten 🙂

Psychische Krankheiten IV

Dass mein Bruder sich inzwischen mit dem Gedanken nach Annecy gebracht zu werden, auseinander gesetzt hat und es schlussendlich akzeptierte, war doch eine Erleichterung. Wir sind also Freitag Nachmittag zu ihm ins Krankenhaus gefahren, um ihm ein paar Sachen wie Ladegerät, Brille, Kleider, etc zu bringen.

Als wir gegen viertel vor drei bei ihm waren, kam er aus dem Zimmer und wir haben zusammen die Sachen die wir mitgebracht haben durchgesehen und die Tasche für den Transfer gepackt. Dann sind wir gemeinsam nach unten in die Cafeteria gegangen. Wir blieben eine gute Stunde da. Haben ein bisschen geredet. Einmal hat Bruderherz geweint und wir konnten ihn aber schnell beruhigen und im versichern, dass alles wieder gut werden wird.

Als wir wieder nach oben gingen, kam der Pfleger und meinte, er hätte gute Nachrichten. Soeben hätte er den Bescheid bekommen, dass der Transport nach Annecy morgen (also Samstag) um 12h30 statt findet. Mein Bruder sagte, er sei froh, dass es erst morgen und nicht noch heute abend sei ; und auch Mama und ich waren erleichtert, dass es so organisiert wurde. Dann haben wir und versabschiedet.

Samstag morgen gegen halb zehn kam eine Nachricht von meinem Bruder : Guten Morgen, alles gut ?

🐘: Ja, alles gut, und bei dir?
F : Es geht habe nightmare gemacht
🐘: Ohje, aber jetzt geht’s etwas besser?
F : Ja es geht
🐘: das ist gut – Es wird alles wieder gut werden ❤️
F : Hoffentlich
🐘: Ganz sicher
🐘: Das Wichtigste ist, dass du dich jetzt plegen lässt und wieder ganz stabil wirst.
F : Ja
🐘: Du bist wichtig ! Und du schaffst das ! Und du bist nicht allein !
Mama und ich sind IMMER für dich da und wollen nur das Beste für dich und dass es dir gut geht ❤️
F : Merci
🐘: ❤️

Ich fand es gut, dass er mir geschrieben habt. Es zeigt, dass er wieder langsam zu sich kommt. Kurz nach Mittag hat er dann geschrieben, dass er jetzt nach Annecy los fahre (also die Ambulanz ihn fährt). Ich wünschte ihm gute Fahrt und betonte nochmal „Vergiss nicht : alles wird gut und kommt wieder in Ordnung“ worauf er „Merci“ antwortete.

Der Nachmittag verlief dann ruhig und abends hatte wir ja Konzert. Ich machte noch die letzte Vorbereitungen und war dann um 16h30 in der Kirche. Kurz vor 17h schrieb ich meinem Bruder :

🐘: Coucou, denke, du bist gut angekommen ☺️ ? worauf er erst kurz nach 19h antwortete :
F : Ja, schon gegessen und im Bett. Und du?
🐘: Super 👌🏻 freut mich, das zu lesen. Bei mir auch alles gut, in 1 Std haben wir Konzert 🥰
F: Dann gutes Konzert
🐘: ☺️ merci 😘 Schönen Abend und später gute Nacht 😘💫💕
F : Merci
🐘 : 💕

Ich war wirklich erleichtert und konnte mich nun richtig aufs Konzert um 20h freuen. Darüber in einem anderen Post mehr.

Sonntag morgen, kurz vor 11h :

F : Heute kommen M. (sein Sohn, mein Neffe) und V. (seine Frau, meine Schwägerin)
🐘: Ja, freust du dich ?
F : Ja, ich freue mich
🐘: Das ist gut – vorallem auch für M.
F : Ja
🐘: So kannst du auch M. erklären, dass du jetzt im Krankenhaus gesund werden wirst, um bald wieder nach hause zu kommen. ☺️🙌🏻

Darauf hat er dann nicht geantwortet – womöglich hat ihn das ein wenig gestresst. Ich hab dann einen Zitronen-Cake gemacht für den anschliessenden Gottesdienst um 17h. Und als ich dann später wieder zu hause war, wollte ich mich doch irgendwie vergewisseren, dass alles ok ist. Vorallem auch in Anbetracht auf die Naivität und Dummheit meiner Schwägerin… Also schrieb ich Bruderherz noch kurz vor 22h :


🐘: Coucou, wie war der Besuch von M. und V. ?
F : Ja gut, ich habe mich gefreut
🐘: Oh super 🥰 – freut mich, das zu lesen.
🐘: Dann wünsche ich dir jetzt eine gute Nacht 💫😘💕
F : 💞 Gute Nacht

Dann hab ich noch eine wenig fern gesehen und bin um 23h ins Bett. Ich war doch ziemlich erschöpft. Die letzten 10 Tage und der (positive) Stress fürs Konzert sind dafür gewiss verantwortlich.
Ich bin also schnell ein- und hab bis kurz vor 6h morgens durchgeschlafen.
Seit kurz vor 8h bin ich im Büro und eigentlich ziemlich motiviert und positiv.

[09:14] F : Coucou ça va ?
🐘: Coucou, oui ça va – und du ?
F : Es geht, fühle mich allein
🐘: Ja, das verstehe ich. Aber du bist nicht allein. Du kannst mir immer schreiben und ich werde immer da sein.
F : Merci
🐘: Wie war deine Nacht ? Bist du allein im Zimmer ?
F : Ja, glücklicherweise
🐘: Ja, das ist gut. Ich bin auch lieber allein. Man weiss nie, wie der andere ist 😀
F : Ja, das stimmt.
🐘: Ich wünsche dir einen guten Morgen 🙌🏻😘 – und zögere nicht, mir zu schreiben, wann immer du willst ❤️

Seither habe ich nichts mehr von ihm gehört. Aber ich denke, dass er beschäftigt ist. Normalerweise haben solche Patienten irgendwelche Aktivitäten – was ich sehr gut finde.

To be continued…

Psychische Krankheiten III

Meine Schwägerin ist – entschuldigung, aber ich kann’s nicht anders sagen – einfach nur strohdumm. Pffff….unglaublich !

Aber von vorn. Gestern hab ich Anfang Nachmittag ins Krankenhaus angerufen um selbst von den Ärzten zu erfahren, warum mein Bruder nicht in der Schweiz bleiben kann. Man hat mir dann erklärt, dass er zum jetzigen Zeitpunkt kein Notfall mehr sei und deshalb in eine psychiatrische Abteilung in „seinem“ Sektor gehen müsse. Und weil er in Frankreich wohnt, nahe der Genfer Grenze, ist das nächstliegende Krankenhaus dort in Annecy.

Meine Schwägerin hatte verstanden, dass sie den Transport dorthin organisieren müsse. Schon als sie mir das gesagt hat, fand ich das sehr komisch… und das Krankenhaus in der Schweiz bestätigte mir, was ich vermutet hatte : der Transport wird von ihnen organisiert, mit einem Krankenwagen und einem Pfleger, der wärend des Transfer von A nach B dabei ist.

Am Telefon sagte man mir dann auch, dass jetzt grad im Moment (es war 14h) die Ärzte mit meinem Bruder ein Gespräch hätten, in welchem sie ihm die Lage erklären. Auf meine Befürchtung, dass mein Bruder das stresst, versicherte man mir, dass sie ihn mit dieser Nachricht nicht sich selbst überlassen und bei ihm bleiben. Wir bekämen nach dem Gespräch einen Anruf, um uns zu informieren, wie es gelaufen sei.

Also warteten wir auf diesen Anruf.

Gegen 17h klingelte das Handy und uns wurde erläutert, wie das Gespräch verlaufen sei. Anfangs hätte mein Bruder sich gewehrt, aber er hätte auch erklären können, weshalb er nicht nach Annecy wolle. Er war schon mal dort, 2020, und hatte schlechte Erinnerungen daran. Die Ärtze konnten ihn aber schlussendlich davon überzeugen, dass das schon 4 Jahre her sei, dass nicht mehr die selben Ärzte dort seien und schlussendlich hat mein Bruder eingewilligt. – Was für eine Erleichterung.

Gegen halb sechs schickte meine Schwägerin mir eine Sprachnachricht. Sie hätte jetzt mit meinem Bruder geredet und es ginge im VIEL besser. So ein Schwachsinn ! Natürlich ging es ihm etwas besser, aber VIEL besser ganz bestimmt nicht. Sie habe ihm auch gesagt, er solle sein Handy laden, damit sie ihn direkt anrufen könne… Jetzt warte sie noch auf die Bestätigung von den Versicherungen, dass der Transport gedeckt sei.

Ich fand es nicht so super, dass sie jetzt wieder direkten Kontakt mit ihm haben konnte… aber was wollte ich machen ? Ich konnte es nicht verhindern.

Etwas später, so gegen 20h hat mein Bruder mir eine Whatsapp geschickt (also hatte er sein Handy geladen) und schrieb :
Es geht mir ein bisschen besser. Wahrscheinlich geh ich mogen nach Annency. Und wie läuft’s bei dir ?
Darauf habe ich Das freut mich 🙌🏻 Ja, das weiss ich und find ich gut 🙂 Bei mir geht’s – ich habe heut Abend Hauptprobe mit dem Chor geantwortet.

Na ja, der Abend verlief dann relativ ruhig. Ich hatte meine Hauptprobe in der Kirche, Mama hab ich mit genommen, damit sie nicht allein zu hause ist und gegen 23h war ich daheim.

Heute Morgen um 9h40 hab ich eine 4-Minuten lange Sprachnachricht meiner Schwägerin bekommen… darin erklärt sie mir, dass sie gestern mit meinem Bruder einen Videocall gemacht hat. Dass er zwar müde sei, aber es geh ihm gut soweit. Sie wolle doch nochmal insistieren, dass er nicht ins Krankenhaus wolle und es für ihn besser sei, wenn er jetzt zu Mama gehen könnte, um sich auszuruhen und wieder ganz gesund zu werden.

Ich glaub mich knutscht ein Elch !!! Ich habe mich erst mal gefasst, einen Kaffee getrunken, eine Zigarette geraucht. Wie doof kann man sein. Diese Frau ist einfach unglaublich. Sie versteht den Ernst der Lage nicht. Dann hab ich das Krankenhaus angerufen, um Bestätigung einiger Sachen zu bekommen. Und dann konnte ich mit gutem Gewissen folgende Nachricht an meine Schwägerin schicken :

Ich verstehe deinen Standpunkt und es stimmt, dass es F. besser geht, aber er ist noch nicht stabil genug, um das Krankenhaus zu verlassen. Die Ärzte sind der Meinung, dass er noch bleiben muss, und sie entscheiden darüber im Rahmen von PLAFA (Placement à des Fins d’Assistance). Das ist eine gesetzlich vorgesehene Maßnahme, die es ermöglicht, eine Person gegen ihren Willen im Krankenhaus zu behalten, wenn ihre Gesundheit oder Sicherheit oder die anderer Personen gefährdet ist.

Im Moment kann er nicht zu Mama kommen, auch wenn sie es vor unserem Gespräch mit den Ärzten am Dienstag erwähnt hatte. Natürlich kann er später dorthin gehen, aber im Moment ist es nicht möglich.
Als du mit ihm per Videokonferenz gesprochen hast, ging es ihm sicher besser als zu Beginn der Woche, aber er hat sich auch Mühe gegeben, fit zu erscheinen, was toll ist. Ich bin froh, dass du dich mit ihm austauschen konntest.


Zusammenfassend: Wir müssen uns an den ärztlichen Rat halten, aber das bedeutet nicht, dass er wochenlang im Krankenhaus bleiben muss. Sobald er einigermaßen stabil ist, darf er raus und zu Mama gehen. Bis dahin ist es wichtig, auch Mama zu schützen, damit sie sich gut um ihn kümmern kann, wenn er soweit ist.

Ich muss zugeben, dass ich Töchterchen gefragt habe, ob sie mir bei dem Verfassen obiger Nachricht helfen kann – französisch schreiben kann sie einfach perfekt, präzise und klar.

Es ging dann genau 6 Minuten bis meine Schwägerin mir folgende Sprachnachricht in einem etwas genervten Ton geschickt hat :

Ja, ich hatte die Ärztin am Telefon und ich habe mit F. geredet und ihn gefragt, ob er das will. Und er (also mein Bruder) hat gesagt, ja es sei jetzt alles organisiert so und ok. Ich bin nicht sicher, ob er das wirklich will, aber ich gebe jetzt auf. Machen wir’s so und ich hoffe, dass ich mich täusche und alles gut wird. Wir sehen uns also am 1. Dezember wegen dem Auto. Schönen Tag noch !

Wow – ich war so erleichtert. Wenn mein Bruder ihr das wirklich gesagt hat, dann ist das ein sehr gutes Zeichen. Er hat sich – für einmal !! – durchgesetzt bei ihr. Ich habe meiner Schwägerin jetzt auch nicht mehr zurück geschrieben.

Gegen 16h hab ich vom Krankenhaus einen Anruf bekommen, um mich zu informieren, dass jetzt mit den Versicherungen alles geklärt sei und sie darauf warten, Bescheid zu bekommen, wann der Transfer statt findet. Das können noch 24h – 48h Stunden dauern. Des weiteren hätten sie auch meine Schwägerin darüber informiert und ihr nochmal deutlich gemacht, dass weder sie noch mein Bruder oder sonst wer gegen den Entscheid der Ärzte vorgehen kann. Es gibt schon eine Möglichkeit, aber die muss schriftlich an einen Richter gesandt werden. Und zwar vom Patienten selbst. Und mein Bruder ist dazu nicht in der Lage…

Voilà, das ist das update für heute – to be continued…

Psychische Krankheiten II

Gestern um 12h30 hat mein Bruder meine Mama angerufen und gefragt, ob er zu ihr kommen könne, weil er nicht mehr im Krankenhaus bleiben wolle.

Wir fanden das schon eher erstaunlich und sind gegen 16h hingefahren. Wir haben dann alle gemeinsam mit der Psychiaterin, der Assistent-Ärztin und der Krankenpflegerin ein Gespräch geführt. Dabei kam heraus, dass mein Bruder bis Montag-Abend quasi nur geschlafen hat und erst seit Montag wieder Medikamente bekommt. Er habe wohl die letzten Wochen die Medikamente nicht wirklich genommen oder zu viel, oder zur falschen Uhrzeit. Und das habe eine Art Kurzschluss erzeugt, welcher dann quasi am Donnerstag abend „explodiert“ sei. Es sei also absolut undenkbar, dass er jetzt schon entlassen werde, da er erst seit Montag abend wieder mehr oder weniger ansprechbar sei. Der Medikamente-Cocktail musste erst „ausgeschwämmt“ werden, bevor man ihm wieder die richtigen Medikamente zur richtigen Zeit und in richtiger Dosis verabreichen konnte.

Mein Bruder hat angefangen zu weinen, er wolle nach Hause (also nicht zu seiner Frau, sondern zu Mama) und nicht hier bleiben. Wir haben dann gemeinsam erklärt, dass er erst gesund werden müsse und vorallem stabil. Wie wenn man ein Bein bricht : man muss eventuel eine OP machen, bekommt einen Gips und muss ein paar Tage im Krankenhaus bleiben bis man soweit wieder „gesund“ ist und sich ganz um sich selbst kümmern kann. Das hat er dann schlussendlich halbwegs akzeptiert.

Da mein Bruder in Frankreich wohnhaft ist, die Kriese und der Notfall aber hier in der Schweiz passiert ist, meinten die Ärzte, dass er nach Frankreich transferiert werden müsste. Meine Schwägerin hatte das abgeklärt und die Versicherung in Frankreich bestätigte, dass er in der Schweiz bleiben könne und alles gedeckt sei. Das war eine Erleichterung, denn mein Bruder will absolut – für den Moment – nicht zurück nach Frankreich.

Und jetzt kommt’s : heute morgen schreibt mir meine Schwägerin, dass Krankenhaus in der Schweiz hätte sie angerufen und mein Bruder müsse nach Frankreich transferiert werden. Mein Bruder wisse das (noch) nicht, aber sie (meine Schwägerin) müsse sich darum kümmern, damit der Transfert gemacht werden könne.

Ich versteh’s nicht. Mein Bruder hat gestern ausdrücklich gesagt, dass er nicht nach Frankreich will. Wenn man ihn jetzt zwingt, doch zu gehen, löst das doch wieder unnötigen Stress aus. Man könnte fast meinen, die Klinik wolle ihn los werden. Ich hab das meiner Schwägerin auch gesagt und sie ist – Gott sei Dank – gleicher Meinung. Sie muss anfang Nachmittag nochmal den Arzt anrufen und wird nochmal versuchen, denen klar zu machen, dass mein Bruder hier bleiben muss. Da sie die Ehefrau ist, hat sie „mehr Gewicht“ und ist vorallem der eigentliche Ansprechpartner. Meine Mama und ich können da sozusagen gar nichts machen oder intervenieren.

Ich habe jetzt auch noch zwei andere Kliniken hier in der Romandie raus gesucht und meiner Schwägerin die Daten zukommen lassen. Bitte betet für uns, dass mein Bruder in der Schweiz bleiben kann…🙏🏻

Zum jetzigen Zeitpunkt weiss meine Mama noch nichts davon. Ich habe es ihr bis jetzt nicht gesagt, weil sie das ebenfalls stressen wird. Ich fahr nachher zu ihr und werde es ihr erklären. Aber ich weiss jetzt schon, wie ihre Reaktion sein wird…

Was für verschi…. Tage ! Hoffentlich löst sich bald alles positiv auf !

Psychische Krankheiten I

💩

Psychische Krankheiten sind einfach so unberechenbar… Man weiss nie recht, woran man ist und je nach Diagnose ist es als Angehöriger sehr schwierig damit umzugehen.

Mein Bruder wurde mit 19 bipolar diagnostiziert. Er hatte damals eine grosse Identitätskriese, ist aus einem Lager – in welchem er als Hilfsleiter dabei war – mitten in der Nacht abgehauen, weil er dachte, dass Leute aus Polen kämen und die Kinder entführen. Er ist dann von einer Alp 4 Std zu Fuss ins Tal gelaufen und hat sich jedes Mal hinter einem Busch oder Baum versteckt, wenn ein Auto kam. Morgens um 4h klingelte er bei wildfremden Menschen und diese haben dann die Polizei gerufen. Da fühlte sich mein Bruder dann sicher und wir wurden morgens um 5h angerufen. Damit hat alles angefangen…

Seither hat er Medikamente und das grosse Problem bei Menschen mit dieser Krankheit ist, dass sie „Hochs“ und „Tiefs“ haben. In der Hochphase denken sie, sie seien zu allem fähig, kaufen 5 PC’s weil’s grad im Angebot ist und glauben, innert 5 Minuten mit dem Auto 50km fahren zu können. Sind sie in der Tiefphase, dann benehmen sie sich oft wie ein Kleinkind, fragen z.B. ob sie zu Bett gehen dürfen wenn sie müde sind, oder ob sie sich hinsetzen können. Es ist manchmal wirklich nicht einfach, damit umzugehen. Und wenn sie durch die Medikamente dann endlich stablilisert sind, denken sie „es geht mir ja gut, ich brauch die Medikamente nicht mehr“ und dann fängt das ganze von vorne an…

Trotz der Diagnose und ärztlichem Rat, sich bei der IV anzumelden (Invalidenversicherung), hat mein Bruder sich wehement dagegen gewehrt und seine Lehre abgschlossen und später noch die Ausbildung zum Autofahrlehrer gemacht.

Mein Bruder ist heute 43 und letzte Mittwoch war er etwas komisch. Als ich ihn am Donnerstag wieder traf – bei Mama zu hause, abends – haben wir zusammen gegessen. Plötzlich sagte er „ich bin an allem schuld ! Ich bin tot – wir alle sind tot“. Wir haben ihm dann versichert, dass wir ja nicht reden könnten oder aufstehen, wenn wir tot wären. Aber er glaubte es uns nicht wirklich. Dann sagte er plötzlich, wir hätten Holz und Schrauben gegessen. Darauf entgegnete ich – sehr ruhig – dass man das nicht esse und er sah mich etwas verwundert an. Dann meinte er „Aber Vögel. Vögel essen wir“. Das bejahte ich, indem ich im erklärte, dass wir manchmal Hähnchen essen. Und ein Huhn ja ein Vogel ist. Darauf schaute er wieder Mama an, und fing an, Schnappatmungen zu machen und sagte „Du hast Holz gegessen. Ich habe das alles konstruiert. Ich bin schuld, wir sind alle tot“ … Seine Stimme wurde lauter und seine Augen gefürchig; die Pupillen waren sehr gross und er sagte immer wieder, dass wir alle tot sind.

Wir konnten ihn dann wieder aus dem Delirium zurück holen. Als er sich etwas beruhigt hatte, meinte er „Ich glaub, ich brauche Hilfe„. Wir bestätigten das und schlugen ihm vor, in die psychiatrische Notaufnahme zu fahren – damit war er einverstanden.

Mama hat also angefangen, ein paar Sachen zusammen zu suchen und ich wollte auf den Balkon um eine Zigarette zu rauchen. Das hätt ich besser nicht getan, weil die etwas kühle Luft löste bei meinem Bruder eine Art Panik-Attacke aus. Er fing an zu schreien „es ist kalt, es ist kalt, es ist kalt“… immer lauter, bis er so laut schrie, dass schlussendlich 3 Nachbarn vom Wohnblock kamen. Ich sagte Mama, dass sie jetzt sofort den Notarzt rufen müsse. Wir können das nicht mehr allein. Wir haben die Kompetenz dafür nicht. Also wählte Mama die 144 und erklärte, was los war. Der Notarzt hörte meinen Bruder schreien und meinte, sie seien unterwegs – in max. 15 Minuten seien sie da.

Mama ging zur Tür, um mit den Nachbarn zu reden und ich versuchte, meinen Bruder zu beruhigen indem ich ihm meine Hand auf seine Brust legte (wir standen) und ihm immer wieder sagte „Alles ist gut, ich hab dich lieb, ich bin da“. Gleichzeitig zog ich ihn sanft mit mir, um ins Zimmer zu gelangen. Er kam zögernd mit, hörte mit der Zeit auf zu schreien und ich brachte es fertig, dass er sich aufs Bett setzte. Ich setzte mich neben ihn und sagte immer wieder, dass ich ihn lieb habe, dass ich ihm helfe, dass ich ihn nicht anlüge, dass er mir vertrauen kann. Er starrte mich an, die Pupillen waren extrem geöffnet, es machte mir Angst, denn der Blick war ziemlich agressiv. Aber ich liess mich (äusserlich) nicht aus der Ruhe bringen und sagte weiterhin, dass alles gut ist, ich da sei, ich ihn lieb habe, er mir vertrauen kann und ich ihn nicht anlüge.

Indem ich das fortwärend wiederholte, beruhigte er sich allmählich und legte sich plötzlich schlagartig hin. Man hätte meinen können, er sei ins Koma gefallen. Die Augen waren zu. So blieb er etwa 2 Minuten liegen. Meine Beine schlotterten und ich blieb neben dem Bett stehen. Plötzlich schlug er die Augen auf, sah mich – wieder mit diesem furchteinflössenden Blick – an und begann, den Kopf hin- und her zu werfen. Ich versuchte ihn wieder zu beruhigen, was mir auch gelang. Er setzte sich wieder hin, sah mich an und sein Blick wurde etwas sanfter. Ich wiederholte, dass alles gut sei, dass nichts passiere, dass er mir vertrauen könne, dass ich ihn liebe. Dabei hielt ich seine Hände und er liess es geschehen und beruhigte sich.

Dann kam der Notarzt und mein Bruder ging ohne Probleme mit. Ich redete noch kurz mit dem Arzt, erklärte, wie alles abgelaufen ist. Mama ging noch mit runter und kam 5 Minuten später wieder hoch. Mein Bruder wurde in die psychiatrische Notaufnahme nach Y. gebracht.

Mama und ich sassen am Tisch und wir machten uns einen Kamillentee. Innerlich waren wir beide doch ziemlich aufgewühlt und auch wenn ich äusserlich sehr ruhig gewirkt habe, war ich innerlich sehr nervös. Als ich dann nach gut einer Stunde nach hause gefahren bin, musste ich wärend der Fahrt tief atmen – durch die Nase ein und den Mund aus. Und mir war total schlecht. Tja, der Adrenalin-Spiegel war gesunken und die Anspannung weg – jetzt konnte ich mich gehen lassen, weil ich wusste, dass ich jetzt nicht mehr stark sein musste für die Situation.

Seit Donnerstag Abend ist also mein Bruder auf der Psychiatrischen… er hat den Ärzten gesagt, er wolle nicht, dass seine Frau oder wir über seinen Zustand informiert werden. Das ist zwar schwierig, aber wir müssen das akzeptieren. Wir wissen, dass er dort in guten Händen ist und ich bete dafür, dass ihm geholfen wird und dass er wieder gesund wird. Bipolar wird er immer bleiben – das Wichtige ist, dass er regelmässig seine Medikamente nimmt, wenn er wieder stabil ist.

Sein Sohn – mein 5-jähriger Neffe – hängt sehr an seinem Papa. Und er ist ein guter Papa. Und er wird es schaffen !

Nichts gefunden

Um halb vier morgens hat Sohnemann mich angerufen, er könne jetzt nach hause.

Trotz röntgen und Blutanalyse wurde nichts gefunden, was die Schmerzen auslösen könnte. Einzige eventuelle Vermutung : es könnte ein „Vorreiter“ einer Gürtelrose sein und man müsse das einfach beobachten.

Hab ich auch noch nie gehört – aber gut, ich bin ja auch kein Arzt. Jedenfalls : sollte eine Gürtelrose sich in den nächsten 10 Tagen entwickeln, müsse er zum Hausarzt (was wir ja ursprünglich auch vor hatte – aber der ist bis am 8. Januar wegen zu geschlossen).

Ich persönlich denke ja, dass es rein psychisch bedingt ist…

Jedenfalls hat Sohnemann jetzt andere Schmerzmittel bekommen und wir werden den weiteren Verlauf natürlich beobachten.

Und einen Brief an die Direktion für die katastrophale Organisation der Notaufnahme werd ich auch schreiben ! Die Ärtztin hat sogar darum gebeten, sich bei der Direktion zu beschweren, weil sie unterbesetzt seien (Stichwort : Restrukturierung… ja, ne, ist klar !!).

Aber immerhin wissen wir jetzt, das physisch alles soweit ok ist – was Sohnemann“s Psyche anbelangt, bin ich mir weniger sicher… Aber das ist ein anderes Kapitel.

Schlussendlich waren wir gegen 4h15 heut morgen im Bett und ich bin um 10h erwacht – gut, dass ich in den Ferien bin 😅