Die Stille, die Angst macht


Wenn Schweigen zur Belastung wird

Manchmal gibt es Nachrichten, die nicht kommen.

Und manchmal gibt es genau dieses Schweigen, das plötzlich den ganzen Raum einnimmt.

Frank ist ein Mensch, mit dem ich während drei Jahren fast täglich geschrieben habe. Er war immer für mich da. Er gab mir Ratschläge, unterstützte mich moralisch und manchmal auch ganz praktisch. Es waren nicht immer endlose Gespräche. Manchmal waren es auch nur kleine Alltagsnachrichten. Ein «Bonjour». Ein Scherz. Ein Gedanke. Ein Foto.

Anfang Juni erzählte er mir, dass medizinische Untersuchungen anstehen. Der Verdacht: ein Wirbelbruch. Woher er kommen könnte und warum, wusste niemand.

Seitdem wurden seine Nachrichten immer kürzer. Von Termin zu Termin gab es keine Klarheit. Weitere Untersuchungen. Weitere Arztbesuche. Und irgendwann fast nur noch Schweigen.

Das Schwierigste daran ist, dass ich nichts weiss… muss ich mir Sorgen machen ?

Ist er zu Hause ? – Ist er im Spital ? – Hat er einfach keine Kraft zu schreiben ? – Oder braucht er Abstand ?

Ich weiss es nicht. Und genau dieses Nichtwissen macht etwas mit einem Menschen.

Viele würden vielleicht sagen: « Dann warte doch einfach » – Aber Warten ist nicht passiv. Warten ist Kopfkino.

Mit jeder Stunde entstehen neue Möglichkeiten. Manche vernünftig. Manche erschreckend.

Ich merke, wie mein Verstand versucht, Antworten zu finden. Mögliche Szenarien erstellt. Dabei wünsche ich mir eigentlich gar keine langen Erklärungen. Ein einziger Satz würde reichen:

« Es geht mir den Umständen entsprechend. Ich melde mich später / in ein paar Tagen »

Mehr müsste ich gar nicht wissen.

Ich würde nicht nachfragen. Ich würde nicht drängen. Ich würde einfach aufatmen.

Vielleicht ist das der eigentliche Grund, warum Schweigen manchmal so schmerzt. Nicht, weil wir Antworten auf alles brauchen. Sondern weil wir einen Menschen gern haben. Und weil wir hoffen, dass es ihm gut geht.

Ich weiss nicht, wie diese Geschichte ausgeht.

Vielleicht meldet sich Frank morgen. – Vielleicht nächste Woche. – Vielleicht erklärt sich irgendwann alles. – Vielleicht auch nicht. Und genau das macht mir Angst. Denn ich möchte ihn nicht verlieren. Er ist mir sehr wichtig.

Aber mehr als zu hoffen kann ich im Moment nicht tun.


Ich glaube, jeder von uns war irgendwann schon einmal auf der einen oder anderen Seite des Schweigens.

Manchmal schweigen wir, weil uns die Kraft fehlt. Manchmal, weil wir keine Worte finden. Und manchmal merken wir gar nicht, wie sehr unser Schweigen einen Menschen beschäftigt und belastet, der uns lieb hat.

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