Heute kamen in der Christ Church Lausanne lediglich eine gute Handvoll Menschen zu einem Moment des Innehaltens zusammen – im Rahmen des nationalen Trauertages und im Gedenken an die Tragödie von Crans-Montana. Und doch war dieser Moment tief berührend.
In der Schlichtheit von Gebet, Stille und Musik wurde etwas Wesentliches spürbar: eine geteilte Präsenz, eine aufrichtige Aufmerksamkeit füreinander, eine Solidarität, die über die Zahl der Anwesenden hinausgeht. Denn entscheidend ist nicht, wie viele wir waren, sondern dass wir da waren – gemeinsam – vereint in Mitgefühl und Erinnerung.
Ich teile hier ein kurzes Video dieses Moments, begleitet von der Musik, die am Ende des Innehaltens gespielt wurde. Es wurde von einer Person in einer Nacht der Schlaflosigkeit geschrieben – in einem Moment, in dem das Herz frei sprechen durfte.
Heute am 9. Januar, dem nationalen Trauertag, schliessen wir uns als christkatholische Kirchgemeinde, gemeinsam mit der anglikanischen Gemeinschaft, dem landesweiten Moment des Innehaltens in der ganzen Schweiz an. In dieser Verbundenheit sind wir an diesem Nachmittag in der anglikanischen Kirche zusammen, um solidarisch zu sein, still zu werden und gemeinsam zu gedenken.
Um 14 Uhr wird – in Verbundenheit mit vielen anderen Orten im Land – ein symbolisches Glockenzeichen erklingen. Da die Kirche selbst über keine Glocken verfügt, wird dieses Zeichen bewusst und schlicht gesetzt: als Ausdruck gemeinsamer Trauer, Verbundenheit und Solidarität.
Die anglikanische Kirche ist an diesem Nachmittag von 13 bis 15 Uhr offen – ein Raum zum Ankommen, Verweilen oder Stillwerden. Gegen 14.15 Uhr ist eine kurze Zeit der Besinnung vorgesehen (ca. 10–15 Minuten), um der Opfer zu gedenken und ihre Familien sowie Angehörigen in Gedanken und im Gebet zu begleiten.
Ich habe dafür 2 Gebete geschrieben :
Gott des Lebens, halte deine schützende Hand über jene, deren Weg jäh erschüttert wurde, und über alle, die ihre Trauer tragen. Schenke Kraft, Geduld und Hoffnung, um jeden neuen Tag zu bestehen. Amen.
Herr
wir legen dir die Familien und Angehörigen ans Herz, die von der Tragödie in Crans-Montana betroffen sind.
In Schmerz, Angst und Stille komm und schenke deinen Frieden dort, wo Worte fehlen.
Umgib mit deinem Licht alle, die leiden, und nimm die Seelen derer auf, die viel zu früh gegangen sind.
Schenke Kraft, Mut und Sanftmut allen, die zurückbleiben, und lass die menschliche Solidarität stärker sein als die Nacht.
Seit sich die Tragödie in Crans-Montana ereignet hat, erreichen mich täglich neue Erkenntnisse und Informationen. Auch bedingt durch meine Arbeit in der Kommunikation der kantonalen reformierten Kirche und als Kommunikationsverantwortliche unserer christkatholischen Kirchgemeinde.
Seit ich – ungewollt – durch das Kennen eines Brandopfers noch näher dran bin, stellt sich mir diese eine Frage immer dringlicher:
Ist das – ganz nüchtern betrachtet – eine Art Weckruf?
Ich habe schon länger das Gefühl, dass die Menschheit auf einer falschen Spur unterwegs ist. Zu schnell. Zu rücksichtslos. Zu egoistisch und egozentrisch. Zu sehr gefangen im Dauerrauschen.
Solche Ereignisse werfen uns aus der Bahn. Zurecht? Zumindest reissen sie uns aus einem Zustand, in dem vieles zur Selbstverständlichkeit geworden ist. Für einen Moment wird es still. Und plötzlich zählen andere Dinge. Leben. Verantwortung. Mitgefühl.
Vielleicht zeigen solche Erschütterungen, wie weit wir uns vom realen, menschlichen Leben entfernt haben. Und vielleicht mahnen sie uns – schmerzhaft –, wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzukehren.
Vielleicht sollten wir wirklich einmal innehalten. Und darüber nachdenken.
Manche Nachrichten treffen uns wie ein Schlag ins Herz. Sie lassen uns verstummen, weil kein Wort sofort passt. Eine solche Nachricht hat mich erreicht. Sie betrifft den Sohn einer Choristin und eines Kirchgemeindemitglieds – eine Familie, die ich relativ gut kenne und deren Leben in einem einzigen Moment aus den Fugen geraten ist.
In jener Nacht in Crans-Montana war ihr Sohn mitten im Geschehen … und hat überlebt. Heute liegt er im Universitätsspital Zürich auf der Station für Schwerbrandverletzte. Sein Körper trägt schwere Spuren des Feuers: Rund 40 % des Körpers sind von Verbrennungen zweiten und dritten Grades betroffen. Und doch ist sein Leben bewahrt geblieben. Er ist bei Bewusstsein, sein Zustand ist stabil, er wird achtsam und kompetent betreut, und die erste Hauttransplantation ist bislang gut verlaufen.
Der Weg der Heilung hat begonnen – langsam, schmerzhaft, Schritt für Schritt. Viele Tage des Wartens und Hoffens liegen noch vor der Familie. Wie lange dieser Weg dauern wird, weiss im Moment niemand. Doch sie sind nicht allein. Freunde und Angehörige stehen der Familie in dieser schweren Zeit zur Seite.
Diese traurige Nachricht hat mich tief bewegt. Als Mutter. Als Mensch. Wenn ich mir vorstelle, es wäre eines meiner Kinder gewesen – der junge Mann ist so alt wie mein Sohn –, wird die Vorstellung kaum erträglich.
Ich habe der Familie eine stille Nachricht der Nähe und des Gebets geschickt. Ohne Fragen, ohne Erwartungen – im Vertrauen darauf, dass Gott da ist, wo menschliche Worte enden.
Ich glaube daran, dass Gott auch in der Dunkelheit gegenwärtig ist. Dass er trägt, wenn die Kraft fehlt. Und dass sein Licht selbst dort leuchtet, wo alles verbrannt scheint.
Gott des Lebens, halte deine schützende Hand über diesen jungen Menschen und über alle, die ihn lieben. Schenke Kraft, Geduld und Hoffnung für jeden neuen Tag. Amen.
Die Heiligen Drei Könige – Caspar, Melchior und Balthasar – werden am 6. Januar, dem Dreikönigstag (Epiphanias), gefeiert. Laut dem Matthäus-Evangelium waren sie Weise oder Sterndeuter aus dem Morgenland, die einem besonderen Stern folgten – suchend und vertrauend –, um dem neugeborenen Jesuskind zu begegnen. Ihre Geschenke – Gold, Weihrauch und Myrrhe – stehen symbolisch für Königtum, Göttlichkeit und Vergänglichkeit; sie lassen sich auch als Zeichen von Würde, Verehrung und der Zerbrechlichkeit des Lebens lesen.
Erst im Mittelalter erhielten die Weisen ihre Namen und wurden als Könige dargestellt. Sie symbolisieren die damals bekannten Kontinente Europa, Asien und Afrika und stehen sinnbildlich für die gesamte Menschheit, die sich auf den Weg macht.
Bis heute prägen Traditionen wie das Sternsingen (eher in D, in der CH nicht so verbreitet) oder der Dreikönigskuchen den Dreikönigstag.
Mit dem Segensspruch C + M + B – Christus mansionem benedicat (Christus segne dieses Haus) wird ein stilles Zeichen des Schutzes und der Hoffnung gesetzt.
Zugleich markiert dieses Fest das Ende der Weihnachtszeit und erinnert an die Offenheit des christlichen Glaubens für alle Menschen.
Manche Ereignisse erschüttern nicht nur eine Region, sondern auch etwas in uns selbst.
In den letzten Tagen habe ich viele Augenzeugenberichte gesehen. Menschen, die diese Katastrophe überlebt haben. Und auffallend viele erzählten, dass sie Gott gedankt haben. Einige sagten, sie hätten während der ganzen Zeit ihr Kreuz, das sie um den Hals tragen, festgehalten, gebetet, gehofft.
In einer Zeit, in der Religion oft belächelt, verdrängt oder als überholt betrachtet wird, wenden sich Menschen im Moment grösster Angst plötzlich wieder an Gott. Sie gehen in Kirchen, setzen sich still in eine Bank und beten, zünden Kerzen an. Sie weinen. Sie suchen Trost. Halt. Sinn. Nähe.
Gleichzeitig beeindruckt mich die Solidarität, die jetzt sichtbar wird – über Grenzen hinweg. Es braucht kein vereintes Europa auf dem Papier, keine grossen Worte oder Programme. Wir sind auch so vereint. Wenn es darauf ankommt, sind Menschen füreinander da. Unabhängig von Herkunft, Sprache oder Nationalität. Hilfe kennt in solchen Momenten keine Grenzen.
Das berührt mich. Nicht, weil es spektakulär wäre, sondern weil es so selbstverständlich wirkt. Still. Menschlich. Echt.
Vielleicht erinnern uns solche Tage daran, was wirklich trägt: Glaube, Hoffnung – und das Wissen, dass wir einander nicht gleichgültig sind, wenn alles andere ins Wanken gerät.
Die Menschen, die wir lieben, sind beim Herrn, und der Herr hat uns versprochen, bei uns zu sein. Wenn sie bei Ihm sind und Er bei uns, dann können sie nicht fern sein. Peter Marshall
N.B. Am 9. Januar gibt es einen nationalen Trauertag und laut Bundespräsident Guy Parmelin werden im ganzen Land die Kirchenglocken läuten, begleitet von einer landesweiten Schweigeminute.
Es ist der letzte Tag des Jahres. Ich brauche kein Feuerwerk – nur einen Moment der Stille.
Heute setze ich mich hin und verinnerliche:
Ich habe dieses Jahr gelebt. Mit allem, was dazu gehört. Und ich bin weitergegangen.
Ich schicke ein kleines Dankeschön in den Himmel. Nicht für das, was gut war. Auch nicht für das, was schwer war. Sondern dafür, dass ich in diesem Jahr ein Stück mehr zu dem Menschen geworden bin, der ich sein will.
Zwischen den Jahren ist der Raum, in dem wir still werden dürfen, bevor alles wieder beginnt.
Danke, dass du dieses Jahr mit meinen Worten gegangen bist. Danke für dein Vertrauen, für deine Stille, für dein Mitspüren.
Nicht weil er vorbei ist, sondern weil er seinen Platz gefunden hat.
Zephira und Liora sitzen noch immer in der Kapelle, umgeben vom warmen Atem einer einzigen Flamme. Sie müssen nichts mehr suchen. Nichts mehr erreichen. Nichts mehr verstehen.
Ankunft ist kein Moment. Sie ist ein Zustand.
Und manchmal beginnt dieser Zustand erst dann, wenn alle Türen offen sind.
Auch die inneren.
Vielleicht nimmst du heute einen leisen Nachhall mit — einen Atemzug, eine Spur Wärme, ein Licht, das dich nicht verlässt, weil es dein eigenes geworden ist.
Für diesen Advent danke ich dir. Fürs Mitgehen. Fürs Mitfühlen. Fürs Leisewerden.
Möge das Licht, das dich in diesen Tagen begleitet hat, auch morgen und übermorgen und an jedem gewöhnlichen Tag ein kleines Stück weiterklingen.
Zephira und Liora stehen vor der Tür der Kapelle. Ein alter Griff aus Eisen, kalt und doch vertraut, als hätten unzählige Hände ihn berührt, ohne ihn zu verändern.
Sie atmen ein. Atmen aus. Der Moment liegt dicht zwischen ihnen — nicht schwer, sondern bedeutungsvoll, wie eine leise Verheißung.
Es gibt Schwellen, die wir nicht einfach überschreiten. Schwellen, die uns innerlich sammeln, bevor wir eintreten.
Manchmal ist die Schwelle selbst ein heiliger Ort.
💫
Achtsamkeitsmoment
Bevor du heute irgendwo eintrittst — in einen Raum, in ein Gespräch, in einen Gedanken —
halte einen Atemzug inne.
Spüre die Schwelle. Sie verändert, wer wir sind, wenn wir hinübergehen.