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Erinnerung an meine Stiefmutter

Heute wäre meine Stiefmutter – die zweite Frau meines Vaters – 73 Jahre alt geworden. Leider ist sie am 4. Januar 2020 nach schwerer Krankheit verstorben. Dieses Datum werde ich nie vergessen, denn es ist zugleich auch der Geburtstag meines Sohnes.

Manchmal fehlt sie mir sehr. Wir hatten ein ausgesprochen gutes Verhältnis. Als ich 17 Jahre alt war, habe ich berufsbedingt ein Jahr lang bei meinem Vater gewohnt – und damit auch bei ihr. Natürlich gab es hin und wieder kleine Reibereien, aber nichts wirklich Nennenswertes. Viel präsenter sind mir die schönen Erinnerungen: die Abende, an denen wir gemeinsam die Serie Emergency Room schauten, oder die langen, tiefgründigen Gespräche, die sich oft bis in die Nacht hinein zogen. Sie hatte immer ein offenes Ohr, und ich konnte mit ihr über vieles reden.

Auch meine Mutter – die ein erstaunlich gutes Verhältnis zu ihr pflegte – und mein Bruder denken mit Wärme und Dankbarkeit an sie zurück. Sie gehörte zu unserem Leben, und wir alle haben sie gern gehabt.

Ihr Wunsch war es, dass an ihrer Beerdigung nur ihr Mann – also mein Vater –, ihre beiden Söhne und ihre Geschwister teilnehmen sollten. Damals hat mich das etwas getroffen, weil ich nicht so recht verstand, warum sie uns nicht dabei haben wollte. Wir haben dann bei mir zuhause, parallel zur Beerdigung, eine Art Ritual gemacht, das meine Tochter leitete. Dort haben wir „allein“ von ihr Abschied genommen. Im Nachhinein war es gut so, denn es gab uns die Möglichkeit, auf unsere eigene, persönliche Weise Abschied zu finden.

Besonders schmerzlich ist für mich der Gedanke an meine beiden Halbbrüder. Sie mussten ihre Mutter schon mit 30 Jahren gehen lassen. Allein die Vorstellung, meine eigene Mutter so früh zu verlieren, erfüllt mich mit Traurigkeit. Auch heute empfinde ich das als eine Horrorvorstellung. Ich wünsche mir von Herzen, dass meine Mama mir noch lange erhalten bleibt.

Mit Dankbarkeit denke ich an die gemeinsame Zeit zurück, mit der Hoffnung, dass sie nun an einem Ort voller Frieden ist. Und in der stillen Verbundenheit spüre ich, dass ihre Liebe bleibt – unsichtbar, aber leuchtend wie ein Licht, das weiter in unseren Herzen brennt.

Wohlstandsverwahrlosung: Wenn Besitz den Sinn ersetzt

Symptome einer saturierten Gesellschaft

Wir leben im Überfluss – und doch mangelt es uns an vielem. Orientierung, Mitgefühl, Sinn. Die Rede ist von Wohlstandsverwahrlosung : einem Zustand, in dem nicht die Armut, sondern der Wohlstand zur Verwahrlosung führt.

Was zunächst paradox klingt, zeigt sich in vielen Facetten unseres Alltags :

  • Anspruchshaltung statt Dankbarkeit
  • Bequemlichkeit statt Engagement
  • Konsum statt Reflexion

Wir verlieren uns im Immer-mehr und Immer-schneller – und damit oft auch den Kontakt zum Wesentlichen.

Wo und wann sind wir falsch abgebogen?

War es, als Bildung zur Ware wurde? Als soziale Medien begannen, unsere Aufmerksamkeit in Sekundenbruchteile zu zerschneiden? Als wir wirtschaftliches Wachstum über soziale Gerechtigkeit stellten? Oder als wir zuliessen, dass in den letzten 30 Jahren alles immer schneller und teurer wurde – nur die Löhne nicht im gleichen Mass stiegen?

Vielleicht war es auch der Moment, als wir begannen, Werte und Traditionen als überholt zu betrachten, statt sie als stabilisierendes Fundament unserer Gesellschaft zu pflegen – als etwas, das uns Halt geben kann. Denn je mehr wir uns materiell absichern, desto mehr scheinen wir ideelle Werte abzubauen – und mit ihnen Halt, Identität und ein gemeinsames Verantwortungsgefühl.

Ein weiteres Symptom ist die permanente Selbstinszenierung. Wir zeigen uns, vergleichen uns, posten Bilder aus unserem Alltag – und verlieren dabei oft den echten Kontakt zueinander. Individualismus, an sich ein Ausdruck von Freiheit, schlägt um in Vereinzelung und Egozentrik. Und ja – ich nehme mich da nicht aus…

Wohlstandsverwahrlosung ist kein persönliches Versagen, sondern ein Spiegel unserer Gesellschaft. Sie zeigt sich dort, wo Menschen keine Herausforderungen mehr erleben, wo alles verfügbar, aber nichts verbindlich ist. Wo Freiheit nicht mehr mit Verantwortung verbunden ist, sondern mit Beliebigkeit verwechselt wird. Und sie trifft nicht nur die, die viel haben – sondern zunehmend auch jene, die unter der Oberfläche des scheinbaren Wohlstands um soziale Teilhabe kämpfen.

Was können wir tun ?

Vielleicht sollten wir mit einer ehrlichen Bestandsaufnahme und der Frage beginnen:
Was trägt uns wirklich? Was verbindet uns – jenseits von Status, Besitz und Selbstoptimierung?

Ich glaube: Weniger haben, bewusster leben, wieder wissen, wofür wir stehen – das wäre ein Anfang.

Ich will meine Schweiz zurück !

Manchmal frage ich mich ernsthaft: Sehe nur ich, was hier gerade passiert? Während alle über Klimawandel, Gendersternchen und neue Sprachregeln diskutieren, frage ich mich: Wer hat das eigentlich so gewollt? Für mich fühlt sich vieles davon inszeniert und aufgesetzt an – nicht wie eine natürliche Entwicklung, sondern wie ein ideologisches Programm.

Und während wir über all das sprechen (oder besser gesagt: belehrt werden), ist meine Schweiz kaum wiederzuerkennen. Vor 30 Jahren lebten hier rund sechs Millionen Menschen. Heute sind es neun Millionen. Woher kommt dieser enorme Zuwachs – und warum haben wir ihn nicht gestoppt? Gab es je eine ehrliche Debatte darüber, ob das überhaupt gut ist für unser Land?

Ich fühle mich in meinem eigenen Land oft fremd. Ich sehe verschleierte Frauen, Männer in Wüstengewändern – und frage mich: Was ist aus dem geworden, was uns einmal ausgemacht hat? Integration scheint oft einseitig zu sein. Wir passen uns an – andere nicht.

Gleichzeitig wird das Leben für viele hier immer schwieriger. Bezahlbarer Wohnraum? Mangelware. Und wenn es ihn gibt, bekommt man den Eindruck, dass andere zuerst drankommen – Menschen mit fragwürdigem Asylstatus, während Einheimische auf der Strecke bleiben. Das fühlt sich falsch an. Ungerecht.

Wir schuften, zahlen Steuern, rennen im Hamsterrad – und sollen dazu noch schweigen. Keine Kritik, keine Fragen, kein Widerspruch. Wer sich äussert, wird sofort in eine Ecke gestellt.

Ich will meine Schweiz zurück. Eine Schweiz mit klaren Werten, mit Sicherheit, mit Verlässlichkeit. Eine Schweiz, in der nicht alles beliebig wird – sondern in der wir wieder wissen, wer wir sind. Wieder stolz auf unsere Werte, Traditionen und Vorfahren sind.

Wenn wir jetzt nicht aufwachen, verlieren wir nicht nur unser Land – wir verlieren auch uns selbst !

Wenn alles zu viel wird

Ich bin kein Psychologe. Aber ich bin überzeugt, dass Sohnemann in eine Depression geraten ist. Alles in ihm wirkt schwer, müde, ausgebrannt – und das schon lange. Die Corona-Zeit hat bei ihm tiefe Spuren hinterlassen. Er hat die Schule nicht abschliessen können – und seither ist vieles ins Wanken geraten. Für ihn. Für mich.

Vor Kurzem bekam er endlich eine Chance: eine Stelle, die ihm Freude gemacht hat, in der er aufblühte und Anerkennung fand. Zum ersten Mal seit Langem spürte ich wieder Hoffnung in seinem Blick. Doch nach nur zwei Monaten war alles vorbei – wirtschaftliche Gründe, Stellenabbau. Ausgerechnet ihn hat es getroffen. Ein harter Schlag. Für ihn war es, als hätte man ihm den Boden unter den Füssen weggezogen.

Dass er jetzt nicht sofort wieder voller Energie loszieht, sich bewirbt und „alles versucht“, ist für mich verständlich. Es geht nicht um Faulheit. Es geht um Erschöpfung. Um einen tiefen inneren Kampf, den man von aussen oft nicht sieht. Lange Zeit hat er jede Form von psychologischer Unterstützung strikt abgelehnt – wollte „das schon allein hinkriegen“. Erst vor wenigen Tagen, in einem Moment voller Wut und Frustration, hat er zum ersten Mal ausgesprochen: „Ich glaube, ich brauche einen Psychologen.“ Und auch wenn das schmerzhaft war – es war ein ehrlicher Moment. Vielleicht ein Anfang.

Doch viele sehen das nicht – und manchmal fühle ich mich damit ziemlich allein.

Auch finanziell ist die Situation sehr belastend. Sohnemann ist wieder komplett auf meine Unterstützung angewiesen. Die Krankenkassenprämien für uns beide betragen fast 1000 Franken im Monat. Die staatliche Prämienverbilligung wurde uns Anfang Jahr gestrichen – aus Gründen, die sich mir bis heute nicht erschliessen. Dazu kommen laufende Kosten, Steuern, offene Rechnungen – unter anderem von der Autowerkstatt. Ich weiss ehrlich gesagt nicht, wie ich das alles stemmen soll. Allein diesen Monat fehlen mir rund 1500 bis 2000 Franken, um grössere Probleme wie Betreibungen zu verhindern.

Rücklagen? Gibt es nicht. Seit der Scheidung war ich finanziell immer auf mich allein gestellt. Ich habe meine beiden Kinder allein (manchmal mit etwas Hilfe von Mama) durchgebracht – ohne Unterstützung vom Ex-Mann, denn er war selbst beim Sozialamt und konnte nichts beitragen. Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) hat mir bis zum 18. Lebensjahr der Kinder monatlich je 100 Franken zugesprochen – mehr war nicht drin. Damit musste ich haushalten, rechnen, improvisieren – jahrelang. Und nun stehe ich wieder an einem Punkt, an dem ich einfach nicht mehr weiss, wie es weitergehen soll.

Was viele nicht wissen: Auch wenn Sohnemann volljährig ist, bin ich finanziell für ihn bis zu seinem 25. Lebensjahr verantwortlich. Rechtlich gesehen ist er zwar erwachsen, aber solange er keine abgeschlossene Ausbildung hat, liegt die finanzielle Last weiterhin bei mir. Das bedeutet auch, dass er selbst keine Sozialhilfe beantragen kann – weil zuerst ich aufkommen muss.

Auch Arbeitslosengeld kann er nicht beantragen. Dafür müsste er mindestens ein Jahr lang gearbeitet haben – was er ja aufgrund der Umstände nie konnte. Die Stelle, die er hatte, dauerte nur zwei Monate. Es gibt also keine Auffanglösung, kein Netz, keinen Anspruch. Gleichzeitig verdiene ich selbst gerade so viel, dass ich knapp aus dem System der Sozialhilfe herausfalle – ein paar Franken zu viel, um Anspruch auf Unterstützung zu haben. Es ist, als würde man zwischen zwei Stühlen sitzen – und keiner fängt einen auf.

Auch in meiner Familie kann mich niemand finanziell unterstützen (könnten sie es, würden sie es tun !). Und Claudius – ja, er ist da, und er hat mir in der Vergangenheit schon viel geholfen. Aber ich möchte ihn nicht wieder bitten. Er hat selbst genug Sorgen, die ihn belasten, und ich will nicht zur weiteren werden.

Auch Frank hat mir schon mehrmals geholfen – und dafür bin ich wirklich sehr dankbar. Doch ich möchte ihn nicht erneut um Unterstützung bitten. Zum einen, weil ich spüre, dass ich seine Geduld nicht überstrapazieren will. Zum anderen gehört er zu den Menschen, die glauben, Sohnemann sei einfach nur bequem oder faul. Ich habe mehrfach versucht, ihm zu erklären, dass es tiefer geht – dass es eben keine Frage des Wollens ist, sondern des Könnens. Aber ich habe das Gefühl, er glaubt mir nicht wirklich. Und das tut weh. Es tut meinem Mutterherz weh – weil ich sehe, wie sehr Sohnemann leidet, und weil ich spüre, dass sein innerer Kampf oft verkannt wird.

Ich schreibe das nicht, um zu jammern oder um Hilfe zu erbitten. Aber die Wahrheit ist: Ich bin an einem Punkt, an dem ich Unterstützung annehmen würde – wenn sie von Herzen kommt. Nicht, weil ich es mir wünsche oder leichtfertig darum bitte, sondern weil es im Moment einfach keine andere Möglichkeit sehe. Und wenn sich jemand angesprochen fühlt, würde ich das in grosser Dankbarkeit annehmen.

Ich weiss, dass ich nicht die Einzige bin, der es so geht. Einerseits schreibe ich das in der Hoffnung, vielleicht doch irgendwo einen Weg oder eine Lösung zu finden. Andererseits geht es mir aber auch vor allem darum, nicht zu schweigen. Um sichtbar zu machen, dass es uns gibt – uns, die finanziell und gesellschaftlich am Rand stehen, die oft nicht gesehen werden. Viele vergessen, dass man sich seine soziale Lage nicht immer aussucht. Manchmal geschehen im Leben Dinge, mit denen man nicht rechnet – Ereignisse, die alles durcheinanderbringen. Und das nicht aus eigenem Verschulden. Auch wenn uns manchmal die Kraft fehlt, das laut zu sagen: Wir sind da. Und wir geben nicht auf 💪🏻


Wie heisst es so schön :

Toleranz – aber bitte für alle

Kürzlich stiess ich auf einen Beitrag, der mich zum Nachdenken brachte: Eine heterosexuelle Person wurde zu einem Fest eingeladen – vegan, queer, bunt. Sie fragte sich, ob sie dort willkommen sei. Nicht, weil sie Vorurteile hatte, sondern weil sie den Eindruck bekam, dass sie selbst sich anpassen müsse, ohne mit echter Offenheit rechnen zu können.

Irgendwie hat mich das zum Nachdenken gebracht. Ich beobachte Ähnliches auch anderswo. Etwa, wenn an kirchlichen oder gesellschaftlichen Anlässen nur noch vegetarisch oder vegan gegessen wird – stillschweigend vorausgesetzt, dass alle damit einverstanden sind. Ich habe nichts gegen fleischlose Küche, esse oft selbst so. Aber ich frage mich: Warum wird mir etwas aufgezwungen, was als freiwillige Haltung mehr Wirkung hätte?

Manchmal fühle ich mich als heterosexueller Mensch fast schon diskriminiert – nicht, weil mir etwas genommen wird, sondern weil ich das Gefühl habe, dass meine Sichtweise nicht mehr zählt oder zumindest nicht mehr ausgesprochen werden darf, ohne als „nicht mehr zeitgemäss“ zu gelten.

Was mir dabei auffällt: Zwischen etwa 1970 und 1990 war der Umgang oft entspannter. Menschen wie Elton John, Freddie Mercury oder Boy George wurden für ihr Können bewundert – nicht für ihre Essgewohnheiten oder ihre sexuelle Orientierung, sondern für ihre Kunst, ihre Ausstrahlung, ihre Persönlichkeit. Es war uns schlicht egal, ob jemand schwul war oder Fleisch ass. Der Mensch stand im Vordergrund – nicht das Label.

Und ich glaube: Viele LGBTIQ+ und Queer-Menschen wollen diesen ganzen Hype gar nicht. Sie wollen einfach leben – in Ruhe, mit Respekt, ohne ständig ein Thema zu sein. Genau das wäre echte Gleichberechtigung: wenn es einfach normal ist, verschieden zu sein.

Ein Gedanke beschäftigt mich besonders: Immer wieder liest man den Satz „Uns wurde der Regenbogen gestohlen“. Und irgendwie stimmt das. Der Regenbogen – einst Symbol für Frieden, Vielfalt, Hoffnung – ist heute fast ausschliesslich mit der LGBTIQ+-Bewegung verknüpft. Sobald man ihn in einem Logo oder auf einer Flagge sieht, denkt man automatisch in diese Richtung. Dabei gehört der Regenbogen uns allen. Er steht für Weite, Schönheit, Natur – für das Verbindende, nicht das Trennende.

Toleranz darf keine Einbahnstrasse sein. Sie lebt davon, dass wir Verschiedenheit aushalten – auch da, wo sie uns fremd ist oder unbequem. Es geht nicht darum, dass alle alles gut finden. Es geht darum, dass wir einander zugestehen, unterschiedlich zu leben, zu denken, zu essen, zu glauben oder zu lieben.

Ich akzeptiere Menschen in ihrer Vielfalt. Ich wünsche mir nur, dass auch meine Perspektive Teil dieser Vielfalt sein darf.

Dietrich Bonhoeffer – Ausstellung

Anlässlich des 80. Todestages von Dietrich Bonhoeffer, der am 9. April 1945 starb, lädt das CIDOC zu einer für alle offenen Ausstellung über diese bedeutende Persönlichkeit der Geschichte ein.

Bonhoeffer war Pastor, Theologe und Widerstandskämpfer. Mit Mut und Glauben stellte er sich dem NS-Regime entgegen und hinterließ ein bis heute aktuelles, einflussreiches Werk.

Sein Zeugnis inspiriert bis heute viele Menschen auf der ganzen Welt.



Ich habe schon mehrmals über ihn in meinem Blog geschrieben :
Heute wie damals immer noch aktuell
Sein berühmtes Gedicht
Eine Predigt

Vermissen

Wenn Menschen, die man mag, schweigen, merkt man, wie viel sie einem bedeuten…

Ich vermisse unsere Gespräche vorallem abends, mon cher Monsieur… Seit einiger Zeit schon sind Sie ab dem späteren Nachmittag nicht mehr online und ich habe das Gefühl, dass Sie das bewusst machen. Vielleicht täusche ich micht. Aber seien Sie sich gewiss, dass Ihre abendliche virtuelle Präsenz mir oft fehlt…

Es gibt auch noch jemanden anderen, den ich vermisse. Auch wenn unsere Zeit vorbei ist, schätze ich ihn sehr und seine Wiederkontaktaufnahme hat mich sehr berührt. Die Vertrautheit und Kommunikation sofort wieder da. Whatsapp-Nachrichten und Telefonate waren (sind) toll. Doch seit einiger Zeit ist es weniger geworden. Telefoniert haben wir schon länger nicht mehr – leider.

Die beiden Herren werden sich erkennen – und ihr anderen wisst wohl auch von wem ich rede…. Beide sind 600km und 700km von mir entfernt und doch fühl ich mich ihnen nah… Ich glaub, wenn sie um die Ecke wohnen würden, ginge ich manchmal einfach kurz vorbei. Ob die beiden das überhaupt wollen würden ?

Ich werde mich damit abfinden. Ich bin ja gut darin, vieles hinzunehmen und geduldig zu sein. Wie pflegte meine Grossmamme immer zu sagen : Geduld ist die Tugend der Könige…

Der „grüne“ Arzt

Meine ehemals beste Freundin musste kurz vor Weihnachten ihren geliebte Hund einschläfern lassen. Leider wohnt sie relativ weit von mir weg und ich konnte sie in ihrem Schmerz nicht wirklich unterstützen – ausser mal einem Emoji zu schicken oder eines ihrer TikTok’s zu liken ; unter anderem war auch noch der Vorfall mit meinem Bruder ab mitte November, der mich viel Kraft und Zeit gekostet hat.

Ich fühlte mich ihr gegenüber etwas mies und habe sie vor 2 Tagen angerufen. Sie klang relativ nüchtern, auch wenn sie ab und zu eine etwas weinerliche Stimme hatte. Irgendwann meinte sie, dass sie vor 2 Wochen von der Brücke springen wollte und dass aber ihr kürzlich verstorbener Hund sie daran gehindert hätte. Ohne Hund kann sie nicht. Es ist das einzige, was sie am leben hält. Sie ist mutterseelenallein, hat keine Familie oder sonstige nahestehende Freunde. Ihre Lebensgeschichte ist nicht schön – sie hat sehr viel mitgemacht seit sie Kind war.

Nun, sie erzählte dann, dass sie vielleicht einen neuen Hund haben könne, allerdings sei noch nichts sicher. Aber wenn das nicht klappe, dann ginge sie von dieser Welt. Den Termin beim grünen Arzt sei auf den 11. Februar schon abgemacht. Der grüne Arzt ist so etwas in der Art wie EXIT, nur etwas weniger legal soweit ich verstanden habe.

Also ich kann sie ja einerseits verstehen, sie hat es wirklich nicht leicht. Andererseits macht es mich traurig, dass in einem Land wie der Schweiz solchen Leuten keine konkrete Hilfe angeboten wird. Ausser irgendwelchen Forderungen von der IV (sie hat 100% Invaliden-Versicherung welche sie durch ihre Vorgeschichte bekommt, da es ihr gesundheitlich sehr schlecht geht), bekommt sie nicht wirklich Unterstützung.

Nun, jedenfalls hab ich ihr abschliessend gesagt, sie soll mich auf dem Laufenden halten. Da meinte sie ziemlich schroff „auf dem Laufenden von was !?“ – „Wegen dem Hund“ – „Ah, ja mal seh’n“. Dann verabschiedeten wir uns und legten auf. Kurze Zeit später sah ich ihr Profilbild auf Whatsapp nicht mehr… sie hat mich blokiert…

Irgendwie fühl ich mich fast etwas schuldig. Andererseits : ich kann nicht alle retten. Ich hoffe einfach, dass sie den letzten Schritt nicht geht und sie wieder einen Hund zu ihrer Lebensaufgabe machen kann.

Psychische Krankheiten I

💩

Psychische Krankheiten sind einfach so unberechenbar… Man weiss nie recht, woran man ist und je nach Diagnose ist es als Angehöriger sehr schwierig damit umzugehen.

Mein Bruder wurde mit 19 bipolar diagnostiziert. Er hatte damals eine grosse Identitätskriese, ist aus einem Lager – in welchem er als Hilfsleiter dabei war – mitten in der Nacht abgehauen, weil er dachte, dass Leute aus Polen kämen und die Kinder entführen. Er ist dann von einer Alp 4 Std zu Fuss ins Tal gelaufen und hat sich jedes Mal hinter einem Busch oder Baum versteckt, wenn ein Auto kam. Morgens um 4h klingelte er bei wildfremden Menschen und diese haben dann die Polizei gerufen. Da fühlte sich mein Bruder dann sicher und wir wurden morgens um 5h angerufen. Damit hat alles angefangen…

Seither hat er Medikamente und das grosse Problem bei Menschen mit dieser Krankheit ist, dass sie „Hochs“ und „Tiefs“ haben. In der Hochphase denken sie, sie seien zu allem fähig, kaufen 5 PC’s weil’s grad im Angebot ist und glauben, innert 5 Minuten mit dem Auto 50km fahren zu können. Sind sie in der Tiefphase, dann benehmen sie sich oft wie ein Kleinkind, fragen z.B. ob sie zu Bett gehen dürfen wenn sie müde sind, oder ob sie sich hinsetzen können. Es ist manchmal wirklich nicht einfach, damit umzugehen. Und wenn sie durch die Medikamente dann endlich stablilisert sind, denken sie „es geht mir ja gut, ich brauch die Medikamente nicht mehr“ und dann fängt das ganze von vorne an…

Trotz der Diagnose und ärztlichem Rat, sich bei der IV anzumelden (Invalidenversicherung), hat mein Bruder sich wehement dagegen gewehrt und seine Lehre abgschlossen und später noch die Ausbildung zum Autofahrlehrer gemacht.

Mein Bruder ist heute 43 und letzte Mittwoch war er etwas komisch. Als ich ihn am Donnerstag wieder traf – bei Mama zu hause, abends – haben wir zusammen gegessen. Plötzlich sagte er „ich bin an allem schuld ! Ich bin tot – wir alle sind tot“. Wir haben ihm dann versichert, dass wir ja nicht reden könnten oder aufstehen, wenn wir tot wären. Aber er glaubte es uns nicht wirklich. Dann sagte er plötzlich, wir hätten Holz und Schrauben gegessen. Darauf entgegnete ich – sehr ruhig – dass man das nicht esse und er sah mich etwas verwundert an. Dann meinte er „Aber Vögel. Vögel essen wir“. Das bejahte ich, indem ich im erklärte, dass wir manchmal Hähnchen essen. Und ein Huhn ja ein Vogel ist. Darauf schaute er wieder Mama an, und fing an, Schnappatmungen zu machen und sagte „Du hast Holz gegessen. Ich habe das alles konstruiert. Ich bin schuld, wir sind alle tot“ … Seine Stimme wurde lauter und seine Augen gefürchig; die Pupillen waren sehr gross und er sagte immer wieder, dass wir alle tot sind.

Wir konnten ihn dann wieder aus dem Delirium zurück holen. Als er sich etwas beruhigt hatte, meinte er „Ich glaub, ich brauche Hilfe„. Wir bestätigten das und schlugen ihm vor, in die psychiatrische Notaufnahme zu fahren – damit war er einverstanden.

Mama hat also angefangen, ein paar Sachen zusammen zu suchen und ich wollte auf den Balkon um eine Zigarette zu rauchen. Das hätt ich besser nicht getan, weil die etwas kühle Luft löste bei meinem Bruder eine Art Panik-Attacke aus. Er fing an zu schreien „es ist kalt, es ist kalt, es ist kalt“… immer lauter, bis er so laut schrie, dass schlussendlich 3 Nachbarn vom Wohnblock kamen. Ich sagte Mama, dass sie jetzt sofort den Notarzt rufen müsse. Wir können das nicht mehr allein. Wir haben die Kompetenz dafür nicht. Also wählte Mama die 144 und erklärte, was los war. Der Notarzt hörte meinen Bruder schreien und meinte, sie seien unterwegs – in max. 15 Minuten seien sie da.

Mama ging zur Tür, um mit den Nachbarn zu reden und ich versuchte, meinen Bruder zu beruhigen indem ich ihm meine Hand auf seine Brust legte (wir standen) und ihm immer wieder sagte „Alles ist gut, ich hab dich lieb, ich bin da“. Gleichzeitig zog ich ihn sanft mit mir, um ins Zimmer zu gelangen. Er kam zögernd mit, hörte mit der Zeit auf zu schreien und ich brachte es fertig, dass er sich aufs Bett setzte. Ich setzte mich neben ihn und sagte immer wieder, dass ich ihn lieb habe, dass ich ihm helfe, dass ich ihn nicht anlüge, dass er mir vertrauen kann. Er starrte mich an, die Pupillen waren extrem geöffnet, es machte mir Angst, denn der Blick war ziemlich agressiv. Aber ich liess mich (äusserlich) nicht aus der Ruhe bringen und sagte weiterhin, dass alles gut ist, ich da sei, ich ihn lieb habe, er mir vertrauen kann und ich ihn nicht anlüge.

Indem ich das fortwärend wiederholte, beruhigte er sich allmählich und legte sich plötzlich schlagartig hin. Man hätte meinen können, er sei ins Koma gefallen. Die Augen waren zu. So blieb er etwa 2 Minuten liegen. Meine Beine schlotterten und ich blieb neben dem Bett stehen. Plötzlich schlug er die Augen auf, sah mich – wieder mit diesem furchteinflössenden Blick – an und begann, den Kopf hin- und her zu werfen. Ich versuchte ihn wieder zu beruhigen, was mir auch gelang. Er setzte sich wieder hin, sah mich an und sein Blick wurde etwas sanfter. Ich wiederholte, dass alles gut sei, dass nichts passiere, dass er mir vertrauen könne, dass ich ihn liebe. Dabei hielt ich seine Hände und er liess es geschehen und beruhigte sich.

Dann kam der Notarzt und mein Bruder ging ohne Probleme mit. Ich redete noch kurz mit dem Arzt, erklärte, wie alles abgelaufen ist. Mama ging noch mit runter und kam 5 Minuten später wieder hoch. Mein Bruder wurde in die psychiatrische Notaufnahme nach Y. gebracht.

Mama und ich sassen am Tisch und wir machten uns einen Kamillentee. Innerlich waren wir beide doch ziemlich aufgewühlt und auch wenn ich äusserlich sehr ruhig gewirkt habe, war ich innerlich sehr nervös. Als ich dann nach gut einer Stunde nach hause gefahren bin, musste ich wärend der Fahrt tief atmen – durch die Nase ein und den Mund aus. Und mir war total schlecht. Tja, der Adrenalin-Spiegel war gesunken und die Anspannung weg – jetzt konnte ich mich gehen lassen, weil ich wusste, dass ich jetzt nicht mehr stark sein musste für die Situation.

Seit Donnerstag Abend ist also mein Bruder auf der Psychiatrischen… er hat den Ärzten gesagt, er wolle nicht, dass seine Frau oder wir über seinen Zustand informiert werden. Das ist zwar schwierig, aber wir müssen das akzeptieren. Wir wissen, dass er dort in guten Händen ist und ich bete dafür, dass ihm geholfen wird und dass er wieder gesund wird. Bipolar wird er immer bleiben – das Wichtige ist, dass er regelmässig seine Medikamente nimmt, wenn er wieder stabil ist.

Sein Sohn – mein 5-jähriger Neffe – hängt sehr an seinem Papa. Und er ist ein guter Papa. Und er wird es schaffen !

… ich werde von meinem Recht gebrauch machen

Hallo !?! Wie dreist kann man eigentlich sein !

Mein Ex-Mann hat wirklich die feine Art, alles umzudrehen und mich dann als „blöde Kuh“ , der sowieso alles egal ist, hinzustellen und will jetzt von seinem Recht laut Artikel XY gebrauch machen.

Ich könnte grad die glatten Wände hoch ! Und gleichzeitig bin ich echt traurig und verletzt, dass er jetzt – nach 13 Jahren Trennung – plötzlich „auf die Barrikade“ geht, bei etwas, was ihn bis dato NIE interessiert hat. Aber natürlich, sein EGO ist verletzt… der Arme.

Mann ey !!!