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Wir sind die Welt !

Es kommt eine Zeit,
in der wir einem bestimmten Ruf folgen,
in der die Welt als eine Einheit zusammenkommen muss.
Menschen sterben,
oh, und es ist Zeit, dem Leben eine helfende Hand zu reichen –
dem grössten Geschenk von allen.

Wir können nicht weitermachen,
Tag für Tag so zu tun,
als würde irgendwer, irgendwo bald eine Veränderung herbeiführen.
Wir alle sind Teil von Gottes grosser Familie,
und die Wahrheit ist – du weisst es – Liebe ist alles, was wir brauchen.

Nun, schenk ihnen dein Herz,
damit sie wissen, dass sich jemand kümmert,
und ihr Leben wird stärker und frei sein.
So wie Gott es uns gezeigt hat, indem er Stein zu Brot werden ließ,
so müssen auch wir alle eine helfende Hand reichen.

Wenn du ganz unten bist und es scheint keinerlei Hoffnung zu geben,
doch wenn du nur glaubst, gibt es keinen Weg, wie wir fallen könnten.
Lasst uns erkennen,
dass Veränderung nur kommen kann,
wenn wir gemeinsam als eins zusammenstehen.

Wir sind die Welt,
wir sind die Kinder,
wir sind diejenigen, die einen helleren Tag schaffen – also lasst uns anfangen zu geben.
Es ist eine Entscheidung, die wir treffen,
wir retten unser eigenes Leben.
Es ist wahr: Wir werden einen besseren Tag schaffen – nur du und ich.

Mich berühren diese Zeilen jedes Mal aufs Neue.
Sie erinnern mich daran, dass Veränderung nicht irgendwo beginnt – sondern bei uns selbst.

Erkennst du, aus welchem Lied sie stammen?
Und was lösen sie heute bei dir aus?

Konfliktvermeidung ist kein Kindheitsschaden

Ich bin kürzlich über einen Text gestolpert, bei dem ich innerlich sofort den Kopf geschüttelt habe. Die Kernaussage: Wer Konflikte meidet, hat das in der Kindheit gelernt – aus Angst, nur dann akzeptiert zu werden, wenn man brav ist.

So einfach ist es nicht.

Ich bin konfliktphob. Ich mag keine lauten, emotional aufgeladenen Auseinandersetzungen. Und trotzdem hatte ich eine schöne, liebevolle und respektvolle Kindheit. Ich durfte meine Meinung sagen. Ich wurde gehört. Ich wurde ernst genommen.

Ich war schon als Kind ruhig. In der Schule galt ich als Musterschülerin, zumindest was mein Verhalten betraf. Still, unauffällig, ausgeglichen. Lehrer fragten meine Mama sogar, ob ich zu Hause auch so ruhig sei. Ja, das war ich. Nicht aus Angst – sondern weil es meinem Naturell entspricht. Mama sagt bis heute, diese stoische Ruhe liege einfach in meinem Charakter.

Was in solchen Erklärungen oft ausgeblendet wird, sind spätere Erfahrungen. In meiner Ehe gab es viele Auseinandersetzungen, die mein Ex-Mann aggressiv führte. Er ist mir gegenüber zweimal handgreiflich geworden. Ich habe die Polizei gerufen. Beim ersten Mal war ich zwei Wochen mit meiner Tochter weg und wollte mich scheiden lassen.

Ich bin dennoch geblieben. Ein Jahr später wurde mein Sohn geboren.

Vor allem seit diesen Erfahrungen – ich war immerhin dreizehn Jahre verheiratet – reagiert mein Körper auf Konflikte anders. Wenn jemand laut wird, ist dieses beklemmende Gefühl sofort da, mitten in der Brust. Deshalb meide ich Konflikte heute bewusst. Nicht, weil ich als Kind unterdrückt wurde, sondern aus Selbstschutz.

Konfliktvermeidung ist kein Kindheitsschaden.
Sie ist Charakter. Erfahrung. Und manchmal schlicht Selbstschutz.

Nationaler Trauertag – 9. Januar

Heute am 9. Januar, dem nationalen Trauertag, schliessen wir uns als christkatholische Kirchgemeinde, gemeinsam mit der anglikanischen Gemeinschaft, dem landesweiten Moment des Innehaltens in der ganzen Schweiz an. In dieser Verbundenheit sind wir an diesem Nachmittag in der anglikanischen Kirche zusammen, um solidarisch zu sein, still zu werden und gemeinsam zu gedenken.

Um 14 Uhr wird – in Verbundenheit mit vielen anderen Orten im Land – ein symbolisches Glockenzeichen erklingen. Da die Kirche selbst über keine Glocken verfügt, wird dieses Zeichen bewusst und schlicht gesetzt: als Ausdruck gemeinsamer Trauer, Verbundenheit und Solidarität.

Die anglikanische Kirche ist an diesem Nachmittag von 13 bis 15 Uhr offen – ein Raum zum Ankommen, Verweilen oder Stillwerden.
Gegen 14.15 Uhr ist eine kurze Zeit der Besinnung vorgesehen (ca. 10–15 Minuten), um der Opfer zu gedenken und ihre Familien sowie Angehörigen in Gedanken und im Gebet zu begleiten.

Ich habe dafür 2 Gebete geschrieben :


Gott des Lebens,
halte deine schützende Hand
über jene, deren Weg jäh erschüttert wurde,
und über alle, die ihre Trauer tragen.
Schenke Kraft, Geduld und Hoffnung,
um jeden neuen Tag zu bestehen.
Amen.


Herr

wir legen dir die Familien und Angehörigen ans Herz,
die von der Tragödie in Crans-Montana betroffen sind.

In Schmerz, Angst und Stille
komm und schenke deinen Frieden dort,
wo Worte fehlen.

Umgib mit deinem Licht alle, die leiden,
und nimm die Seelen derer auf,
die viel zu früh gegangen sind.

Schenke Kraft, Mut und Sanftmut
allen, die zurückbleiben,
und lass die menschliche Solidarität
stärker sein als die Nacht.

Amen.

Eine unbequeme Frage

Seit sich die Tragödie in Crans-Montana ereignet hat, erreichen mich täglich neue Erkenntnisse und Informationen. Auch bedingt durch meine Arbeit in der Kommunikation der kantonalen reformierten Kirche und als Kommunikationsverantwortliche unserer christkatholischen Kirchgemeinde.

Seit ich – ungewollt – durch das Kennen eines Brandopfers noch näher dran bin, stellt sich mir diese eine Frage immer dringlicher:

Ist das – ganz nüchtern betrachtet – eine Art Weckruf?

Ich habe schon länger das Gefühl, dass die Menschheit auf einer falschen Spur unterwegs ist. Zu schnell. Zu rücksichtslos. Zu egoistisch und egozentrisch. Zu sehr gefangen im Dauerrauschen.

Solche Ereignisse werfen uns aus der Bahn. Zurecht?
Zumindest reissen sie uns aus einem Zustand, in dem vieles zur Selbstverständlichkeit geworden ist. Für einen Moment wird es still. Und plötzlich zählen andere Dinge. Leben. Verantwortung. Mitgefühl.

Vielleicht zeigen solche Erschütterungen, wie weit wir uns vom realen, menschlichen Leben entfernt haben. Und vielleicht mahnen sie uns – schmerzhaft –, wieder auf den Boden der Tatsachen zurückzukehren.

Vielleicht sollten wir wirklich einmal innehalten.
Und darüber nachdenken.

Wenn Worte kaum ausreichen – ein stilles Gebet

Manche Nachrichten treffen uns wie ein Schlag ins Herz. Sie lassen uns verstummen, weil kein Wort sofort passt.
Eine solche Nachricht hat mich erreicht. Sie betrifft den Sohn einer Choristin und eines Kirchgemeindemitglieds – eine Familie, die ich relativ gut kenne und deren Leben in einem einzigen Moment aus den Fugen geraten ist.

In jener Nacht in Crans-Montana war ihr Sohn mitten im Geschehen … und hat überlebt.
Heute liegt er im Universitätsspital Zürich auf der Station für Schwerbrandverletzte. Sein Körper trägt schwere Spuren des Feuers: Rund 40 % des Körpers sind von Verbrennungen zweiten und dritten Grades betroffen. Und doch ist sein Leben bewahrt geblieben. Er ist bei Bewusstsein, sein Zustand ist stabil, er wird achtsam und kompetent betreut, und die erste Hauttransplantation ist bislang gut verlaufen.

Der Weg der Heilung hat begonnen – langsam, schmerzhaft, Schritt für Schritt. Viele Tage des Wartens und Hoffens liegen noch vor der Familie. Wie lange dieser Weg dauern wird, weiss im Moment niemand. Doch sie sind nicht allein. Freunde und Angehörige stehen der Familie in dieser schweren Zeit zur Seite.

Diese traurige Nachricht hat mich tief bewegt. Als Mutter. Als Mensch. Wenn ich mir vorstelle, es wäre eines meiner Kinder gewesen – der junge Mann ist so alt wie mein Sohn –, wird die Vorstellung kaum erträglich.

Ich habe der Familie eine stille Nachricht der Nähe und des Gebets geschickt. Ohne Fragen, ohne Erwartungen – im Vertrauen darauf, dass Gott da ist, wo menschliche Worte enden.

Ich glaube daran, dass Gott auch in der Dunkelheit gegenwärtig ist.
Dass er trägt, wenn die Kraft fehlt.
Und dass sein Licht selbst dort leuchtet, wo alles verbrannt scheint.


Gott des Lebens,
halte deine schützende Hand über diesen jungen Menschen
und über alle, die ihn lieben.
Schenke Kraft, Geduld und Hoffnung für jeden neuen Tag.
Amen.

„Der Herr behüte dich.“
(Psalm 121,7)


Epiphanias

Die Heiligen Drei Könige – Caspar, Melchior und Balthasar – werden am 6. Januar, dem Dreikönigstag (Epiphanias), gefeiert. Laut dem Matthäus-Evangelium waren sie Weise oder Sterndeuter aus dem Morgenland, die einem besonderen Stern folgten – suchend und vertrauend –, um dem neugeborenen Jesuskind zu begegnen. Ihre Geschenke – Gold, Weihrauch und Myrrhe – stehen symbolisch für Königtum, Göttlichkeit und Vergänglichkeit; sie lassen sich auch als Zeichen von Würde, Verehrung und der Zerbrechlichkeit des Lebens lesen.

Erst im Mittelalter erhielten die Weisen ihre Namen und wurden als Könige dargestellt. Sie symbolisieren die damals bekannten Kontinente Europa, Asien und Afrika und stehen sinnbildlich für die gesamte Menschheit, die sich auf den Weg macht.

Bis heute prägen Traditionen wie das Sternsingen (eher in D, in der CH nicht so verbreitet) oder der Dreikönigskuchen den Dreikönigstag.

Mit dem Segensspruch C + M + B – Christus mansionem benedicat (Christus segne dieses Haus)
wird ein stilles Zeichen des Schutzes und der Hoffnung gesetzt.

Zugleich markiert dieses Fest das Ende der Weihnachtszeit und erinnert an die Offenheit des christlichen Glaubens für alle Menschen.

Ein stiller Blick auf das, was bleibt

Gedanken zum Drama in Crans-Montana

Manche Ereignisse erschüttern nicht nur eine Region, sondern auch etwas in uns selbst.

In den letzten Tagen habe ich viele Augenzeugenberichte gesehen. Menschen, die diese Katastrophe überlebt haben. Und auffallend viele erzählten, dass sie Gott gedankt haben. Einige sagten, sie hätten während der ganzen Zeit ihr Kreuz, das sie um den Hals tragen, festgehalten, gebetet, gehofft.

In einer Zeit, in der Religion oft belächelt, verdrängt oder als überholt betrachtet wird, wenden sich Menschen im Moment grösster Angst plötzlich wieder an Gott. Sie gehen in Kirchen, setzen sich still in eine Bank und beten, zünden Kerzen an. Sie weinen. Sie suchen Trost. Halt. Sinn. Nähe.

Gleichzeitig beeindruckt mich die Solidarität, die jetzt sichtbar wird – über Grenzen hinweg. Es braucht kein vereintes Europa auf dem Papier, keine grossen Worte oder Programme. Wir sind auch so vereint. Wenn es darauf ankommt, sind Menschen füreinander da. Unabhängig von Herkunft, Sprache oder Nationalität. Hilfe kennt in solchen Momenten keine Grenzen.

Das berührt mich. Nicht, weil es spektakulär wäre, sondern weil es so selbstverständlich wirkt. Still. Menschlich. Echt.

Vielleicht erinnern uns solche Tage daran, was wirklich trägt:
Glaube, Hoffnung – und das Wissen, dass wir einander nicht gleichgültig sind, wenn alles andere ins Wanken gerät.

Die Menschen, die wir lieben,
sind beim Herrn, und der Herr hat uns versprochen, bei uns zu sein.
Wenn sie bei Ihm sind und Er bei uns,
dann können sie nicht fern sein.
Peter Marshall

N.B.
Am 9. Januar gibt es einen nationalen Trauertag und laut Bundespräsident Guy Parmelin werden im ganzen Land die Kirchenglocken läuten, begleitet von einer landesweiten Schweigeminute.

Zwischen den Jahren

Es ist der letzte Tag des Jahres.
Ich brauche kein Feuerwerk –
nur einen Moment der Stille.

Heute setze ich mich hin und verinnerliche:

Ich habe dieses Jahr gelebt.
Mit allem, was dazu gehört.
Und ich bin weitergegangen.

Ich schicke ein kleines Dankeschön in den Himmel.
Nicht für das, was gut war.
Auch nicht für das, was schwer war.
Sondern dafür, dass ich in diesem Jahr
ein Stück mehr zu dem Menschen geworden bin,
der ich sein will.

Zwischen den Jahren
ist der Raum,
in dem wir still werden dürfen,
bevor alles wieder beginnt.

Danke, dass du dieses Jahr
mit meinen Worten gegangen bist.
Danke für dein Vertrauen,
für deine Stille,
für dein Mitspüren.

Möge das kommende Jahr
leise beginnen…

Glück

„Das Glück, kein Reiter wird’s erjagen, es ist nicht dort und ist nicht hier.
Lern‘ überwinden, lern‘ entsagen, und ungeahnt erblüht es dir.“

Theodor Fontane (1819–1898)

Über diese Worte bin ich heute gestolpert. Fontane hat etwas Wesentliches erkannt: Glück kommt oft dann, wenn man es am wenigsten erwartet.

Man muss im Leben an das Gute glauben, an sich arbeiten, mit wenig zufrieden sein, die Hoffnung nie verlieren und auf Gott vertrauen. Das heisst jedoch nicht, dass man einfach warten und nichts tun soll. Im Gegenteil: Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott.

Ich kenne viele Menschen, die nicht an Gott glauben, weil sie sagen: Wenn es ihn gäbe, dann gäbe es kein Leid, keine Not, keine Kriege. Doch man kann von Gott nicht erwarten, dass er alles richtet, während man selbst untätig bleibt.

Ein weiteres Sprichwort sagt : Jeder ist seines eigent Glückes Schmied.

Ich gebe zu, es ist nicht immer einfach, weiterzumachen. Vor allem dann nicht, wenn man sich in einer aussichtslosen Lage zu befinden scheint. Und doch gibt es immer Wege. Wie es so schön heisst: Gottes Wege sind unergründlich. Manchmal muss etwas geschehen, damit man überhaupt auf den richtigen Weg findet.

Ich bin davon überzeugt, dass alles, was passiert – oder nicht passiert – einen Grund hat. Und solange es „nicht gut“ ist, ist es noch nicht zu Ende und man muss den Weg weiter gehen.

Und wenn es so sein soll, dann treffen wir uns vielleicht eines Tages auf dem Weg und gehen ein Stück gemeinsam weiter…