Nüchtern betrachtet…

Ich habe es ehrlich gesagt nie verstanden: Was genau soll schön daran sein, sich so zu betrinken, dass man kaum mehr geradeaus laufen kann, geschweige denn weiss, was man tut? Manche finden es lustig, im Rausch peinliche Dinge zu machen, anderen dabei zuzuschauen oder am nächsten Tag mit höllischen Kopfschmerzen aufzuwachen. Für mich klingt das eher nach Selbstquälerei, Schadenfreude oder Dekadenz.

Natürlich trinke ich auch mal ein Glas Wein oder einen Cocktail – wenn ein spezieller Anlass ansteht. Aber im Alltag? Nein, danke. Mir reicht eine Cola, ein Schweppes oder einfach ein Glas Wasser – und natürlich VIEL Kaffee. Ich brauche keinen Alkohol, um gute Gespräche zu führen, zu lachen oder einen schönen Abend zu haben.

Ein Beispiel dafür habe ich in Erinnerung, als ich mit meinem Chor am Europa Cantat in Pécs war. Abends trafen wir uns oft und „zogen um die Häuser“. Eines Abends kam ich zu einigen Choristen, die schon auf einer Terrasse sassen, und gesellte mich dazu. Ich bestellte eine Cola. Sofort meinte einer: „Was? Du bestellst nur Cola? Kein Bier?“ – Ich mag nun mal kein Bier, es ist mir viel zu bitter, und ausserdem brauche ich keinen Alkohol, um einen tollen Abend zu verbringen. Die Antwort kam prompt: „Also ich schon!“ Dieser Satz hat mich ehrlich gesagt schockiert. Dass man glaubt, ohne Alkohol keinen schönen Abend haben zu können, ist für mich schwer nachvollziehbar.

Und doch sehe ich, dass viele Menschen das anders erleben. Für manche gehört Alkohol einfach zum Feiern dazu, er vermittelt das Gefühl von Lockerheit, von Leichtigkeit und von Gemeinschaft. Andere empfinden es fast wie ein Ritual – das Glas Wein zum Essen oder das Bier nach Feierabend ist fest verankert. Wieder andere greifen dazu, weil sie Sorgen oder Stress vergessen wollen. Aber das löst die Probleme ja nicht wirklich. Im Gegenteil: Es verschiebt sie nur, und wenn man wieder nüchtern in der Realität landet, ist es meistens noch schlimmer.

Vielleicht bin ich in dieser Hinsicht besonders sensibel, denn ich habe in meiner Familie erlebt, wie gefährlich der Umgang mit Alkohol und Drogen sein kann. Mein Bruder hat sich in jungen Jahren mehrmals ins Koma gesoffen und wäre einmal fast gestorben, hätte man ihn nicht rechtzeitig in einer Toilette gefunden. Auch meine Kinder haben schon so viel getrunken, dass sie „blau“ waren. Und das, obwohl sie von mir nie ein solches Beispiel gesehen haben.

Dasselbe gilt fürs Kiffen: Ich habe es nie gemacht und werde es auch nie tun – und doch haben meine Kinder und Brüder damit experimentiert und tun es bis heute manchmal. Ich kann es noch weniger nachvollziehen, denn niemand soll mir erzählen, das sei harmlos oder „nur“ CBD. Es greift das Gehirn an, ob man will oder nicht. Und gerade wenn man im Teenageralter damit anfängt, ist das sicher nicht förderlich für die weitere Entwicklung.

Dazu kommt, dass der jüngste Bruder meines Vaters bereits mit zwölf Jahren anfing zu kiffen. Später kam er zu härteren Drogen – und mit nur 24 Jahren starb er an AIDS. Ich sage nicht, dass man automatisch zu härteren Drogen greift, wenn man kifft. Aber das Risiko, dass es irgendwann „mehr“ wird und im schlimmsten Fall so endet, ist viel grösser. Mich hat der Tod meines Onkels damals zutiefst abgeschreckt. Ich habe diese Erfahrung auch meinen Kindern immer wieder erzählt, in der Hoffnung, dass sie es verstehen. Aber gebracht hat es nichts. Sie nehmen keine harten Drogen, das nicht – doch sie kiff(t)en. Für mich ist das eigentlich schon der Anfang vom Ende und einfach nur unbegreiflich.

Ich möchte niemanden belehren. Jeder soll selbst entscheiden, wie er mit Alkohol oder Drogen umgeht. Aber für mich bleibt es ein Rätsel, wieso man Spass mit Kontrollverlust gleichsetzt – und warum man dafür die eigene Gesundheit riskiert. Vielleicht bin ich altmodisch – oder einfach nur nüchtern…

Die neue Intoleranz

Immer wieder erwische ich mich bei demselben Gedanken: Sehe ich die Dinge falsch — oder ist es wirklich so, dass ein grosser Teil unserer Gesellschaft erstaunlich unkritisch, ja fast schon kurzsichtig handelt? Ob es um Corona-Massnahmen ging, den Klimawandel, das Gendern, Debatten zur Ukraine oder um Protestbewegungen — vieles erscheint mir so offensichtlich, und doch nehme ich überall Gegenpositionen wahr, die für mich schwer nachvollziehbar sind.

Ein besonders scharfer Punkt ist für mich die Radikalisierung mancher Gruppen. Nehmen wir etwa die Antifa: Aus meiner Sicht verhält sich ein Teil davon nicht wie eine zivilgesellschaftliche Gegenbewegung, sondern wie eine Gruppierung, die Andersdenkende ausschliesst und mundtot machen will. Das ist nicht selten das Gegenteil dessen, was man unter demokratischem Diskurs versteht. Was mit Charlie Kirk passiert ist, hat mich erschüttert. Der Mann wollte debattieren — und wurde erschossen. Warum können Menschen heute nicht mehr einfach streiten, diskutieren, argumentieren? Wieso ist das offene Wort so gefährlich geworden?

Doch die Polarisierung beschränkt sich nicht nur auf Strassenproteste. Sie zieht sich durch Büros, Familien, Freundeskreise und religiöse Gemeinschaften. Ich selbst arbeite in einer kirchlichen Institution — einem Ort, an dem man Offenheit, Dialogbereitschaft und Nächstenliebe erwartet. Stattdessen stosse ich nahezu täglich auf eine merkwürdige Einseitigkeit: Standpunkte werden schnell in schwarz/weiss gegossen, Graubereiche verschwinden, Abweichler gelten oft als Feind. Wer widerspricht, läuft Gefahr, stigmatisiert zu werden.

Auch die politischen Diskussionen in meinem Umfeld sind vielfältig: Bei uns im Büro geht es oft um D.Trump, W. Putin und all die anderen oder auch um die SVP hier in der Schweiz. Ich finde es unfassbar, dass manche sogar meinen, man sollte diese Partei verbieten — ähnlich wie in Deutschland mit der AfD diskutiert wird. Für mich ist das ein Ausdruck davon, wie wenig Vertrauen viele noch in demokratische Prozesse haben. Wenn ich nach meiner Meinung gefragt werde, antworte ich meistens nur mit „kein Kommentar“ — nicht weil ich nichts zu sagen hätte, sondern weil ich weiss, dass eine echte Debatte gar nicht möglich ist.

Und noch etwas verstehe ich nicht: Warum gehen bei uns in der Schweiz Menschen für Palästina demonstrieren? Oder wie ich heute im Radio hörte: Die Schweiz will scheinbar 20 Kinder aus Gaza „retten“ — jedes Kind darf bis zu vier Familienmitglieder mitbringen. Natürlich weiss ich, dass diese Zivilisten nichts für den Krieg können. Aber mal ehrlich: Wir können nicht alle retten. Und mit solchen Symbolaktionen verschiebt man die Probleme nur. Ausserdem haben wir hier in der Schweiz selbst genug Baustellen und Schwierigkeiten. Vielleicht wäre es an der Zeit, endlich einmal im eigenen Land tätig zu werden, bevor man sich anmasst, die ganze Welt retten zu wollen.

Warum ist es so schwer geworden, über all das normal zu sprechen? Ich glaube, es gibt mehrere Gründe:

  1. Die meisten informieren sich fast nur über Mainstream-Medien. Dort werden Themen oft einseitig dargestellt, und wer nur das konsumiert, übernimmt auch deren Blickwinkel.
  2. Man sucht Bestätigung. Viele wollen nicht Neues hören, sondern nur das, was ihre Meinung stärkt.
  3. Alles wird sofort persönlich. Wer eine andere Meinung hat, gilt gleich als Gegner.
  4. Viele haben Angst, ausgegrenzt zu werden. Wer anders denkt, riskiert Streit, Jobprobleme oder Ablehnung.

Doch genau hier liegt die Chance: Verschiedene Meinungen müssen nicht gleich eine Bedrohung sein. Sie können die Basis für eine echte Diskussion sein. In einem Unternehmen, einem Freundeskreis oder einer kirchlichen Gemeinschaft müsste es möglich sein, dass Menschen ihre Sicht äussern dürfen — ohne gleich abgestempelt zu werden.

Kritik darf laut und deutlich sein, aber sie darf nie entmenschlichen. Wenn wir Menschen in Schubladen stecken wie „dumm“ oder „gestört“, dann vergeben wir die Chance auf wirklichen Dialog. Ich selbst habe oft gezögert, meine abweichende Meinung zu äussern — nicht aus Feigheit, sondern aus Respekt vor meiner Umwelt. Vor allem aber auch, weil ich keine Lust habe, mit meiner Meinung „allein auf weiter Flur“ zu sein, während andere sich nicht trauen, zu sagen, was sie womöglich wirklich denken.

So gesehen gehöre ich wohl selbst auch zu denen, die den Mut nicht immer haben. Und doch wünsche ich mir nichts mehr, als dass wir wieder Räume schaffen — Orte, in denen wir uns nicht feindlich gegenüberstehen, sondern zuhören, streiten, wachsen.

Ein Gefühl jenseits der Ufer

Zephira sass am Ufer des Sees, das Wasser glitzerte wie tausend kleine Spiegel in der Abendsonne. Neben ihr lag Liora, die die Arme hinter dem Kopf verschränkt hatte und den Wolken nachsah, die langsam über den Himmel zogen.

„Manchmal,“ begann Zephira zögerlich, „fühlt es sich an, als würde mein Herz einem Lied folgen, das ich niemals ganz hören kann. Es zieht mich zu jemandem hin, den ich niemals erreichen werde.“

Liora drehte den Kopf zu ihr. „Du meinst, weil er zu weit weg ist?“

Zephira nickte. „Oder weil das Leben dazwischensteht. Weil er in einer anderen Zeit lebt, in einer anderen Welt, vielleicht sogar schon gebunden ist. Und manchmal… entstehen diese Gefühle sogar für jemanden, den man noch nie getroffen hat. Und doch – dieses Gefühl lässt sich nicht einfach beiseiteschieben.“

Liora schwieg einen Moment, dann setzte sie sich auf. „Weisst du, Gefühle sind wie Flüsse. Sie fliessen, ob wir wollen oder nicht. Wir können sie nicht stoppen, aber wir können entscheiden, wie wir mit ihnen umgehen. Manchmal bleibt uns nur, zum anderen Ufer hinüberzusehen – wohl wissend, dass wir es niemals erreichen werden. Und doch können wir lernen, am eigenen Ufer zu stehen und das Wasser einfach vorbeiziehen zu lassen.“

Zephira sah wieder auf den See. „Aber wie schafft man das? Wenn die Sehnsucht so stark ist?“

„Indem man sie annimmt, ohne ihr folgen zu müssen,“ antwortete Liora leise. „Du darfst fühlen, was du fühlst. Doch du musst nicht handeln. Manchmal genügt es, dieses geheime Leuchten im Herzen zu tragen, als Erinnerung daran, dass wir fähig sind zu lieben – auch wenn diese Liebe nie ein Zuhause findet.“

Zephira lächelte traurig. „Also ist es kein Verrat an mir selbst, wenn ich diese Gefühle behalte?“

„Nein,“ sagte Liora sanft. „Es ist ein Geschenk. Ein Zeichen deiner Lebendigkeit. Aber du entscheidest, wie viel Raum es in deinem Leben einnimmt.“

Und während die Sonne langsam hinter den Hügeln versank, verstand Zephira, dass selbst unerreichbare Gefühle ihren Wert haben können – nicht als Last, sondern als stilles Licht, das den eigenen Weg erhellt.

Bestanden

Manchmal sind es die scheinbar kleinen Erfolge, die das Herz am meisten berühren. Sohnemann hat die Gabelstaplerprüfung bestanden – und das mit nur 2 Fehlern von insgesamt 90 Fragen! Ich bin unglaublich stolz auf ihn. Trotz seiner Zweifel und Ängste hat er die Herausforderung gemeistert. Und einmal mehr zeigt sich: Es fehlt ihm nicht an Können, sondern nur an Vertrauen in sich selbst.

Jetzt hoffe ich sehr, dass er bald eine Arbeitsstelle findet. Natürlich wäre das auch für mich eine Entlastung, aber vor allem für ihn selbst. Ich habe im März und April miterlebt, wie gut es ihm getan hat zu arbeiten. Er fühlte sich gebraucht, war voller Energie und motiviert. Es hat ihn richtig aufblühen lassen.

Gestern Abend hat er mir sogar erzählt, dass er vielleicht in ein paar Monaten die Ausbildung zum Kranführer machen möchte. Das hat mich sehr gefreut. Ich werde mich informieren, wie lange diese Ausbildung dauert und welche Kosten auf uns zukommen. Aber schon allein, dass er darüber nachdenkt, ist ein positives Zeichen.

Es macht mich glücklich zu sehen, dass er nach vorne blickt. Dass er Hoffnung schöpft, Ziele formuliert und wieder an sich glaubt. Für mich ist das mehr wert als jede bestandene Prüfung – und ein großer Schritt in Richtung Zukunft.

Gefangen im Alltag – Rechnungen und Sinnsuche

Manchmal frage ich mich, wozu wir eigentlich hier auf der Erde sind. Wozu gibt es uns überhaupt? Wozu ist unsere Existenz gut?

Wir leben in einer Gesellschaft, in der es scheint, als ginge es nur um ein endloses Karussell: arbeiten, essen, schlafen, Rechnungen bezahlen. Jedenfalls dann, wenn man nicht das Glück hatte, reich geboren zu werden, ein grosses Erbe zu erhalten oder im Lotto zu gewinnen.

Ehrlich gesagt bin ich gerade einfach überfordert. Ich weiss nicht, wo mir der Kopf steht. Ich habe Briefe, die seit Wochen ungeöffnet auf dem Tisch liegen. Ich sollte meine Papiere sortieren, die Steuererklärung machen, gewissen Gläubigern schreiben. Aber ich mag nicht. Ich bin wie gelähmt.

Und dann habe ich vor einer Woche ein Schreiben bekommen wegen meiner subventionierten Wohnung. Seit meine Tochter vor einem Jahr ausgezogen ist, habe ich offiziell keinen Anspruch mehr auf eine Vierzimmerwohnung. Eigentlich hätte ich das melden sollen, habe es aber nicht getan.

Dieses Schreiben habe ich immerhin geöffnet – so viel Eigenverantwortung habe ich noch, dass ich solche Briefe lese. Ich habe die verlangten Dokumente ausgefüllt und mit einem erklärenden Brief zurückgeschickt. Nun hoffe ich, dass die Behörde Verständnis zeigt und einsichtig ist.

Eine kleinere Wohnung wäre in Ordnung – drei Zimmer sollten es schon sein, mit oder ohne Sohnemann (dazu weiter unten mehr). Doch wie soll das gehen? Eine Wohnung für 1’500 oder gar 2’000 Franken im Monat ist für mich schlicht nicht drin. Schon die knapp 1’200 Franken, die ich aktuell zahle, sind mein oberstes Limit.

Ich will nicht in einer Einzimmerwohnung dahinvegetieren. Ich bin doch kein Kaninchen, das in einem Stall gehalten wird.

Und als wäre das nicht genug, stapeln sich offene Rechnungen. Ich weiss gerade nicht, wie ich das alles stemmen soll. Ich will es schaffen, ich weiss, dass es Lösungen geben muss – aber im Moment sehe ich sie nicht. Selbst wenn die Papiere sortiert sind – das Geld, um alles auf Null zu stellen, fehlt mir trotzdem.

Es hilft mir auch nicht, wenn man sagt: „Dein Sohn muss halt ausziehen“, „Er soll sich selber kümmern“ oder „Der Vater soll zahlen“ – wobei wir alle wissen: dem Vater ist das egal. Hier in der Schweiz sind Eltern verpflichtet, finanziell für ihre Kinder aufzukommen, solange sie keine abgeschlossene Ausbildung haben oder aber bis zum 25. Lebensjahr. Vorher übernimmt kein Sozialamt etwas. Diese Gesetze habe nicht ich gemacht, und ich erfinde sie auch nicht – sie sind einfach so. Darum weise ich die Vorstellung zurück, meine Kinder seien schuld an meiner schwierigen finanziellen Lage. Es ist das System, das diese Verantwortung so einseitig auf die Eltern abwälzt.

Meine Tochter habe ich bis 23 unterstützt (und solange sie noch ins Abendgymnasium geht, bekommt sie die ihr monatlich zustehenden Kinderzulagen, welche ich mit meinem Lohn überwiesen bekomme), warum sollte ich meinem Sohn weniger Rechte zugestehen? Gleichberechtigung gilt für beide. Das heisst nicht, dass ich alles gutheisse – er könnte durchaus etwas dynamischer sein, verbissener Bewerbungen schreiben und mehr tun im Haushalt. Aber hinauswerfen werde ich ihn nicht. Das wäre ungerecht. Und noch einmal: nicht meine Kinder sind der Grund, dass ich in dieser Situation bin – sondern die Regeln und Strukturen, die uns in solche Sackgassen zwingen.

Was ich mir wünsche? Jemanden, der sich neben mich setzt und sagt: „Komm, wir machen das gemeinsam. Ich helfe dir.“ Ganz konkret helfen – nicht mit klugen Ratschlägen, sondern mit echter Unterstützung, tatkräftig und vielleicht auch einmal mit einer kleinen finanziellen Geste. Ich sage nicht, dass ich nie Hilfe bekommen hätte, im Gegenteil: ich nehme Unterstützung gerne an und bin sehr dankbar dafür. So zum Beispiel für die Hilfe, die es meinem Sohn ermöglicht hat, die Gabelstaplerausbildung zu machen – heute und morgen besucht er nun diese Schulung. Dennoch empfinde ich es manchmal als ungerecht verteilt und frage mich, warum das Leben für manche so leicht und für andere so schwer gemacht ist.

Es ist irgendwie ein Teufelskreis. Und ich versuche, irgendwo darin einen Ausweg zu finden.



Und weil mich manche schon gefragt haben, wie man mir konkret helfen könnte: In der rechten Spalte meines Blogs findet ihr unter ♥ Zukunfts-Chance ♥ die Möglichkeit, mich zu unterstützen. Ich verstehe oft nicht, wieso so viele Menschen bereit sind, für Gott weiss wen oder was zu spenden, während Menschen wie ich – die mitten im Alltag kämpfen – genauso gut eine Spende gebrauchen könnten. Darum freue ich mich über jede Unterstützung – klein oder gross – und noch mehr darüber, nicht allein in diesem Alltag zu stehen. Von Herzen danke. ❤️

Unverhoffte Nachricht

Vor ein paar Tagen erhielt ich plötzlich eine Nachricht von Pierre – unerwartet und überraschend. Daraus ergab sich ein Gespräch, das zwischen Alltagsthemen und Erinnerungen pendelte: von Familiennamen und Orten über eine bevorstehende Feier bis hin zu Musik und kleinen Zufällen.

Zwölf Jahre lang war das Hin und Her mit Pierre oft schmerzhaft, voller offener Fragen und unausgesprochener Sehnsucht. Im Januar 2024 traf ich deshalb eine klare Entscheidung: mit dem Kopf – und gegen das unruhige Herz. Ich schrieb ihn endgültig ab. Und kurz nach diesem Entschluss trat Claudius in mein Leben – ein neuer Anfang, der mir zeigte, dass Loslassen auch Raum für Neues schafft.

Es wurde deutlich, dass manche Verbindungen auch nach Jahren noch spürbar sind, ohne jedoch das Heute zu bestimmen. Sie gleichen leisen Melodien aus der Vergangenheit – vertraut, die sich manchmal unverhofft ins Jetzt mischen.

Es war, als ob für einen Moment ein Echo aus vergangenen Tagen ins Heute hinein klang – zart und vertraut. Dann aber legte sich die Stille wieder, und der Weg zeigte sich klar nach vorn.

Freiwillig auf Freiheit verzichten

Immer wieder höre oder lese ich von Frauen, die freiwillig zum Islam konvertieren – und nicht nur das: Sie scheinen auch noch überzeugt davon zu sein, dass die Stellung der Frau in dieser Religion gut und gerecht sei. Für mich ist das schwer verständlich. Wie kann man sich bewusst einer Glaubensgemeinschaft anschliessen, in der Frauen – jedenfalls nach meinem Empfinden – nicht gleichgestellt sind, sondern in festen Rollen verharren sollen?

Ich sage das nicht aus völliger Distanz. Eine meiner besten Freundinnen ist Muslima. Sie trägt keinen Schleier, lebt sehr liberal und verkörpert Werte wie Offenheit, Herzlichkeit und Toleranz. Gerade durch sie weiss ich, dass der Islam nicht monolithisch ist, dass es Spielräume gibt, dass Glauben und Lebensstil individuell geprägt sein können.

Und doch bleibt da meine Irritation: Warum entscheiden sich Frauen – gerade in Europa, wo Freiheit, Selbstbestimmung und Gleichberechtigung zentrale Werte sind – bewusst für ein System, das vielerorts das Gegenteil lebt? Das Kopftuch wird oft als „Schutz“ beschrieben, als Befreiung von Schönheitsidealen. Doch ich frage mich: Ist es nicht vielmehr ein Symbol dafür, dass Frauenkörper kontrolliert werden müssen? Dass ihre Freiheit im öffentlichen Raum begrenzt wird? Und noch ein anderer Gedanke drängt sich mir auf: Wird damit nicht auch Männern ein fragwürdiges Bild zugeschrieben? Nämlich, dass sie sich angeblich nicht im Griff haben, sobald sie eine unverschleierte Frau sehen. Das ist im Grunde ebenso eine Diskriminierung der Männer – sie werden zu Triebwesen reduziert, die angeblich ohne äussere Regeln nicht fähig sind, respektvoll mit Frauen umzugehen.

Dabei möchte ich betonen: Ich habe nichts gegen eine Rollenverteilung zwischen Mann und Frau – im Gegenteil. Für mich persönlich wäre es ein schönes Lebensmodell, zu Hause zu sein, mich um Kinder, Haushalt und Garten zu kümmern und einen Partner zu haben, der für das Einkommen sorgt. So wie es früher oft selbstverständlich war. Aber für mich liegt der entscheidende Unterschied darin, dass ich diese Rolle aus freien Stücken wählen möchte – nicht, weil eine religiöse oder gesellschaftliche Vorschrift es so verlangt. Eine Partnerschaft auf Augenhöhe bedeutet, dass beide Seiten gleichwertig sind, auch wenn ihre Aufgaben unterschiedlich verteilt sind.

Mir ist bewusst: Niemand kann in die Motive und Empfindungen anderer Menschen hineinschauen. Vielleicht empfinden diese Frauen echte spirituelle Erfüllung, vielleicht finden sie Halt in klaren Regeln, vielleicht suchen sie Zugehörigkeit. Aber ich bleibe skeptisch. Ich bin überzeugt, dass viele Frauen zwar sagen, sie würden den Schleier freiwillig tragen, es aber in Wirklichkeit aufoktroyiert bekommen – sei es durch die Familie, den Partner oder subtilen gesellschaftlichen Druck. Und manchmal frage ich mich, ob diese Frauen sich nicht komisch vorkommen, wenn sie sehen, wie frei westliche Frauen leben. Hinzu kommt, dass es mich zunehmend stört, wenn ich hier – mitten in Europa – stellenweise das Gefühl habe, schon fast in einem muslimischen Land zu leben.
Gleichzeitig sehe ich an meiner Freundin, dass es auch anders geht: Sie ist praktizierende Muslima, fastet im Ramadan, aber sie protzt nicht damit herum. Sie respektiert unser christliches Land, will niemandem etwas aufzwingen, hat ihrem Sohn erklärt, warum wir Weihnachten feiern – und sie feiert es auch mit, schliesslich lebt sie hier. Für mich sind das absolut normale Verhaltensweisen und ein Beispiel für echte, gelebte gegenseitige Toleranz.

Am Ende kann und will ich den Entscheidungen anderer nicht die Würde absprechen. Aber für mich bleibt klar: Freiwillig auf Freiheit zu verzichten, ist und bleibt ein Rückschritt – egal, wie schön man es sich selbstredet.

Zwei Wochen Ferien – zwei verschiedene Welten

Die vergangenen zwei Wochen Ferien waren abwechslungsreich und intensiv – jede auf ihre ganz eigene Art.

Woche 1 – Abenteuer mit meinem Neffen

In der ersten Woche war mein sechsjähriger Neffe zu Besuch. Gemeinsam haben wir einiges unternommen:

  • den Zen Garten in Aigle bestaunt,
  • BarryLand in Martigny besucht,
  • mit dem kleinen Bähnchen bis zum Musée du Pain et du Blé in Echallens gefahren. Allerdings sind wir nicht ins Museum gegangen und haben nur ein Zvieri dort genossen.
  • und eine fast zweistündige Schifffahrt genossen.

Es war eine wunderschöne, wenn auch recht intensive Woche – mit viel Kinderlachen, kleinen Abenteuern und wertvollen Erinnerungen.

Woche 2 – Frankreich, Familie und Zwetschgen

Am Montagabend kam Claudius zu mir, und am Dienstag machten wir uns gemeinsam auf den Weg nach Frankreich zu meinem Vater. Die Fahrt von rund drei Stunden zog sich etwas, doch wir kamen genau pünktlich zum Mittagessen an. Papa hatte bereits gekocht – wir mussten uns nur noch an den gedeckten Tisch setzen.

Am Nachmittag gingen wir mit meinem Halbbruder, der seit Weihnachten ebenfalls dort lebt, kurz einkaufen. Ich habe mir Baileys gegönnt – die Grundlage für meine geplanten Baileys-Pralinen. Gegen Abend gab es Apéro inmitten von Hasen und Hühnern. Zum Znacht kochte ich Spaghetti Bolognese mit Salat, bevor wir es uns am Kaminfeuer gemütlich machten – draussen regnete es.

Der Mittwoch war das genaue Gegenteil: ein wunderbarer Tag wie aus dem Bilderbuch des été indien. Nach einem späten Frühstück machten wir uns daran, Zwetschgen zu pflücken. Ganze zehn Kilo sind es geworden – mehr als 6,5 Kilo nahm ich mit nach Hause. Daraus entstanden am Wochenende Wähen und Konfitüre. Am Abend sassen wir lange draussen, machten Feuer in der Feuerschale, Claudius bereitete Kartoffelsalat zu, und wir genossen den Spätherbst-Abend unter freiem Himmel bis fast Mitternacht.

Der Donnerstag hingegen war verregnet. Wir sassen am Morgen trotzdem auf der Terrasse, lauschten dem gleichmässigen Trommeln des Regens und machten später erneut Feuer im Kamin. Am frühen Nachmittag traten wir die Rückfahrt an – leider mit Stau, sodass sich die Heimfahrt zog. In Yverdon legten wir noch einen Halt ein: Ich habe mir ein Fahrrad gekauft. Ein gebrauchtes zwar, aber wie neu – und das Beste daran: es ist gelb! 😀
Zu Hause angekommen, wartete schon mein Sohn, und wir assen gemeinsam zu Abend.

Am Freitagmorgen hatte ich Physiotherapie, danach fuhr Claudius wieder nach Hause. Der Samstag war mein üblicher Wäschetag, nachmittags gönnte ich mir Ruhe, und abends schaute ich bei meiner Mutter vorbei – mit 1,5 Kilo Zwetschgen im Gepäck. Der Sonntag verlief ruhig, bevor ich heute wieder in den Arbeitsalltag startete.

Fazit

Zwei Wochen Ferien – zwei Welten: Kindertrubel und Familienzeit, Reisen und Erholung, Sonne und Regen. Ein schöner Mix, der mir in Erinnerung bleiben wird. Nun heisst es wieder arbeiten, bis zu den nächsten Ferien zwischen Weihnachten und Neujahr. Das wird lang …

Nächtlicher Besuch: Ein Totenkopfschwärmer im Wohnzimmer

Vor zwei Tagen, so gegen 23 Uhr, verwandelten sich Saké und Wasabi in kleine Raubtiere und meine Stube wurde plötzlich zu einem kleinen Jagdrevier. Sie schossen durch die Stube, sprangen hierhin und dorthin – so, wie wenn eine besonders nervige Fliege ihr Opfer wäre. Doch dieses Mal war es keine Fliege.

Ein riesiges Insekt flatterte durch das Wohnzimmer. Zuerst dachte ich an eine Fledermaus, dann für einen kurzen Moment sogar an einen Spatz – so ungestüm und flatterhaft bewegte es sich. Aber ein Spatz mitten in der Nacht ? Schliesslich landete es in der Küche, direkt bei der Neonlampe.

Mit einem grossen Behälter und einem improvisierten Deckel gelang es mir tatsächlich, das Tier einzufangen. Und plötzlich – absolute Ruhe. Das imposante Wesen verhielt sich, als wäre nichts gewesen. Ein Foto konnte ich in der Aufregung leider nicht machen, beide Hände waren im Einsatz. Aber das Bild im Kopf bleibt: ein schwarzer Körper mit gelben Querstreifen, wie eine überdimensionierte Biene – nur mit den Flügeln eines Schmetterlings. Ganze fünf bis sechs Zentimeter lang! Für eine Bienenkönigin viel zu gross, also wohl ein Nachtfalter. Ich brachte ihn auf den Balkon und liess ihn frei. Saké und Wasabi waren wenig begeistert.

Gestern liess mich das Erlebnis nicht mehr los, also begann ich zu recherchieren. Und tatsächlich: Alles deutet darauf hin, dass mein nächtlicher Gast ein Totenkopfschwärmer (Acherontia atropos) war.

Ein paar erstaunliche Fakten:

  • Der Totenkopfschwärmer ist einer der grössten Nachtfalter Europas. Sein Körper kann bis zu 6 cm lang werden, die Flügelspannweite liegt bei 9 bis 13 cm.
  • Auf seinem Thorax trägt er eine markante Zeichnung, die tatsächlich wie ein kleiner Totenkopf aussieht – daher sein Name.
  • Typisch sind auch die gelben Querstreifen, die an eine riesige Biene erinnern.
  • Der Totenkopfschwärmer ist nachtaktiv und wird stark von Lichtquellen angezogen – daher sein Besuch bei meiner Küchenlampe.
  • Er ist ein Wanderfalter, der aus dem Mittelmeerraum bis nach Mitteleuropa zieht. In der Schweiz gilt er als selten, aber immer wieder wird er gesichtet.
  • Besonders faszinierend: Er kann ein pfeifendes Geräusch von sich geben und ist dafür bekannt, sogar in Bienenstöcke einzudringen, um Honig zu stehlen – eine seiner erstaunlichen Überlebenstechniken.

Es war ein aufregendes Erlebnis, einem so seltenen Tier einmal in echt zu begegnen. Und ohne meine beiden aufmerksamen „Wohnzimmer-Wächter“ Saké und Wasabi hätte ich den nächtlichen Besucher vielleicht gar nicht bemerkt. 🐾

Das Treffen

Wenn Vergangenheit Gegenwart berührt – ein friedvolles Wiedersehen

Gestern war es also soweit : Ich habe meine erste grosse Liebe wiedergetroffen – nach unglaublichen 30 Jahren. Drei Jahrzehnte, in denen jeder von uns seinen eigenen Weg gegangen ist, und doch war es, als hätten nur ein paar Tage zwischen unserem letzten Treffen und diesem Wiedersehen gelegen.

Wir begrüssten uns mit einer herzlichen Umarmung und auch der Abschied endete so. Dazwischen lagen tiefgehende, interessante und informative Gespräche, die ich noch stundenlang hätte weiterführen können. Er hat mir viel von sich erzählt – offen, ehrlich und aufgeschlossen. Selten habe ich mit einem Menschen so intensiv und auf so vielen Ebenen gesprochen wie gestern mit Läggerli. Wäre da nicht meine Chorprobe gewesen – und für ihn die lange Rückfahrt von fast drei Stunden –, wir hätten wohl bis tief in die Nacht weitergeredet.

Zum Glück blieb vor der Heimfahrt noch etwas Zeit, und so schlug er vor, gemeinsam zu Abend zu essen. Als wir die Menü-Karte bekamen, sah er mich an und meinte lächelnd: „Du bist natürlich herzlich eingeladen. Such Dir aus, was dir Freude macht !“ Eine Geste, die mich berührt hat – weil sie so selbstverständlich und zugleich so aufmerksam war.

Auch von seinem beruflichen Weg hat er mir erzählt: eine steile Karriere, die er jedoch mit einem Burn-out bezahlen musste. Er sprach sehr detailliert darüber – und gerade diese Offenheit hat mich beeindruckt und berührt. Er hat psychisch viel durchgemacht, inklusive einem 6-wöchigen Aufenthalt in der Psychiatrie.

Besonders berührt hat mich auch, dass er sich an unsere letzte Begegnung vor 30 Jahren nicht mehr erinnerte. Für mich war sie so prägend, dass ich sie nie vergessen habe. Als ich ihm davon erzählte, wurde es ihm sichtbar unangenehm – und er entschuldigte sich sogar, drei Jahrzehnte später. Ein kleiner Moment, der mir zeigte, wie unterschiedlich Erinnerungen sein können und wie tief manche Erlebnisse uns durchs Leben begleiten.

Manchmal frage ich mich, wie mein Leben ausgesehen hätte, wenn ich mit ihm zusammengeblieben wäre. Doch diese Gedanken tragen keine Wehmut in sich. Es soll keinesfalls heissen, dass ich mein bisheriges Leben bereue – im Gegenteil. Es ist eher ein stilles Staunen darüber, wie unterschiedlich Wege verlaufen können und wie sie uns doch wieder an einem Punkt zusammenführen.

Trotz der Kürze hat dieses Treffen in mir etwas ausgelöst, das bis heute anhält: ein inneres, friedliches Gefühl. Es ist, als hätte sich ein Kreis geschlossen, als wäre ein kleines Stück Vergangenheit in Harmonie mit der Gegenwart versöhnt worden. Ich empfinde eine angenehme Ruhe, Dankbarkeit und Freude, die noch immer in mir nachklingen.

Natürlich wird daraus nie mehr als eine Freundschaft werden ; das ist und war auch nie das Ziel dieses Treffens – und genau das macht es so wertvoll. Denn es bleibt dieses gute, leichte Miteinander, das keine Erwartungen kennt, sondern einfach im Moment bestehen durfte.

So gehe ich nun weiter – mit einem friedvollen Lächeln im Herzen und grosser Dankbarkeit. Dankbar auch an Läggerli, der die Idee zu diesem Austausch überhaupt erst ins Spiel gebracht hat. Und ich hoffe sehr, dass wir den Kontakt aufrecht erhalten und uns ab und zu wiedersehen – einfach um miteinander zu reden.