Vielleicht

Erinnern

das ist

vielleicht

die qualvollste Art

des Vergessens

und vielleicht

die freundlichste Art

der Linderung

dieser Qual

(c) Erich Fried

Loslassen

Erinnern… ja, das ist etwas, was einem hilft, loszulassen. Oder doch nicht? Es ist nicht immer einfach, sich nur an den schönen Moment zu erinnern und dann zu sagen „ja, es war eine schöne Zeit, aber jetzt ist es vorbei„.

Natürlich, wir leben im Hier und Jetzt, aber kann man einfach so „loslassen“… ja „vergessen“ was gewesen ist?

Einige Menschen in meinem direkten Umfeld sagen mir manchmal, ich soll Pierre vergessen. Aber ich kann das einfach nicht. Noch nicht?

Wir kennen uns seit ich 18 bin – das sind fast 20 Jahre. Und jedesmal, wenn ich es geschafft habe, ihn mehr oder weniger zu vergessen, kommt wieder was: Entweder wir treffen uns oder er meldet sich oder ich erfahre etwas über ihn. Wie soll ich ihn bitte vergessen, wenn er immer wieder zum Vorschein kommt…?

Erinnere dich an schöne Augenblicke, nicht an Jahre, Monate oder Tage, nur die Augenblicke zählen“ – ja, das stimmt, aber wenn ich eben an diese schönen Augenblicke denke, stimmen sie mich gleichzeitig traurig, denn: den Verlust, welchen ich dabei empfinde, nimmt Überhand. Und statt mich fröhlich zu stimmen, falle ich in ein Loch.

Ich falle, weil ich genau weiss, dass es immer nur Augenblicke geben wird und bleiben werden, nie aber mehr – obwohl wir es doch eigentlich beide wollen. Ja, wir verpassen uns die ganze Zeit und irgendwann wird es zu spät sein…

Brief an Pierre …

Es vergeht kein Tag, an dem ich nicht an Dich denke. Und jetzt – ich habe es gestern zufällig im Netz gelesen – arbeitest Du nicht mehr für unsere Kirche.

Es tut mir weh im Herzen, denn ich weiss, wie wichtig Dir diese Arbeit war. Ich weiss auch, dass Du nicht aus freiem Willen gegangen bist. Nein, Du wurdest gegangen… gemobbt haben Dich einige. Als Querschläger wurdest Du hingestellt, dabei wolltest Du doch nur Deine (guten, modernen) Ideen einbringen.

Jetzt weiss ich auch, weshalb du nicht an das alljährliche Treffen gekommen bist. Warum man mir da allerdings nur sagte, dass Du bald in Biel arbeitest, nicht aber erwähnte, dass es nicht mehr in der Kirche ist… habe ich nicht verstanden. Oder wolltest Du vielleicht, dass ich es nicht gleich erfahre um zu verhindern, dass ich an den Abschiedsgottesdienst komme?

Ich werde es wohl nie erfahren, aber ich begreife jetzt  besser, weshalb Du NIE auf meine (wenigen) sms geantwortet hast. Jedenfalls kamen mir gestern Nacht die Tränen, als ich es las. Jetzt wirst Du mir noch mehr fehlen als Du es ohnehin schon tust…

Ich habe Dir eine sms geschickt mit der BITTE, Dich zu melden – nur damit ich weiss, dass es Dir gut geht. Das Telefon nimmst Du ja nicht ab.

Ich warte…

Eben…

… bin ich vom Fitness und Einkaufen zurück. Ich könnte glatt schlafen gehen.

Nun, meine Nacht war sehr kurz, hatte ich doch noch das Update einer HP zu machen. Und als ich dann alles via fdp auf den Server laden wollte, funktionnierte es nicht :-S

Ich habe nach langem suchen und versuchen schlussendlich rausgefunden, dass es nicht an mir, sondern am Server selbst liegt. Nachdem ich dem dortigen Webmaster eine Mail geschickt habe, ging ich dann – um 2h morgens – ins Bett.

Und heute morgen, 5h48 bekam ich schon Antwort. Nun funktionniert alles wie es sollte 😉

So, jetzt schnell ab unter die Dusche, dann Mittagessen vorbereiten: die 5 hungrigen Mäuler wollen doch alle gestopft werden (ich bringe nichts runter, nachdem was ich heute Nacht über Pierre rausgefunden habe. Aber das schreibe ich ein ander mal).

Gestern

Am Freitag abend war ich in Basel an einem Konzert. Ich habe dann bei einer Bekannten übernachtet und wollte eigentlich am Samstag – also gestern – irgendwann so gegen 10h wieder nach Hause fahren.

Aber: 1. Kommt es ander und 2. als man denkt 🙂

Ich bin seit kurzem wieder in Kontakt mit einem ehemaligen Schulkamaraden aus der 2. Primar. Damals war er mein „Schulschatz“ … na ja, wir schreiben uns regelmässig sms und haben uns vor ca. 3 Wochen auch mal wieder gesehen. Er war grad in der Gegend und kam vorbei. Es war toll, denn als er kam, hatte ich das Gefühl, es sei erst 2 Tage her seit unserer letzten Begegnung.

Nun gut, gestern morgen also schrieb er mir eine sms und fragte mich dann unter anderem, ob ich mit ihm an den Titisee kommen wolle. Es habe dort ein Event auf dem See und er habe ein Gummiboot… 🙂 . Na ja, es tönte ja verlockend, aber meine Kleidung und vorallem auch meine Schuhe wären nicht sehr angebracht für ein Gummiboot gewesen 😛 .

Ich fragte ihn dann, ob wir nich was anderes unternehmen könnten. Gesagt – getan.

Wir trafen uns um 11h in Solothurn und schlenderten gemütlich erst durch die Altstadt. Dann besuchten wir die christkatholische Kirche bevor wir dann gemütlich zusammen Mittag assen.

Wir redeten sehr toll und angeregt, über Gott und die Welt – es war herrlich und tat richtig gut! Nachdem wir gut 3 Stunden im Restaurant verbracht hatten und zum Auto zurückkehrten, meinte ich ganz banal : „Ich könnte noch stundenlang mit dir weiter quatschen“… darauf meinte er : „Ja, was wollen wir noch machen?“.

Ich schlug dann vor, mit zwei Autos bis zum Grauholz bei Bern zu fahren und noch einen Kaffee zu trinken. Er fand die Idee klasse und so trafen wir uns 1/2 Stunde später wieder.

um 16h30 trennten sich dann unsere Wege und er wird in 2 Wochen übers Wochenende zu mir kommen. Ich freue mich sehr darauf. Und ich habe nicht mal unbedingt irgendwelche Hintergedanken ! Es ist einfach sehr bereichernd, mit ihm zu reden. Bis jetzt zumindest, haben wir so ziemlich die gleiche Wellenlänge und ich hoffe, dass ich in ihm einen neuen ECHTEN Freund gefunden habe… Aber wir wollen jetzt nicht zu euphorisch sein… Kommt Zeit – kommt Rat 😉

Dieser Beitrag wurde am September 30, 2012 in T. veröffentlicht. 2 Kommentare

Wandlung

Ich habe das Gefühl, dass ich seit einiger Zeit wirklich eine gewisse Wandlung durchmache.

Fitness 2 x pro Woche, Aufbau eines Clubs, demnächst einem Chor beitreten… ausserdem: ich bin mir ernsthaft am überlegen, ob ich den Job als Tagesmutter hinschmeissen und wieder auswerts jobben soll. Allerdings möchte ich nicht, dass die Kinder dann – wie so viele – mal da und mal dort sein müssen…zudem kommt auch noch, dass die Kids, welche ich hüte, mir doch sehr ans Herz gewachsen sind. Ob ich vielleicht beides verbinden kann?

Dann frage ich mich auch, ob ich hier wohnen bleiben will. Das Quartier und die Menschen hier bedeuten mir zwar viel, aber : es war unsere erste (und einzige) gemeinsame Wohnung  – seit 1999. Obwohl ich, seit P. weg ist, sehr viel (eigentlich alles) umsgestellt und neu eingerichtet habe, haften noch viele (positive wie negative) Erinnerungen in diesen Mauern. Vielleicht ist dies auch der Grund, warum ich immer noch nicht ganz von P. losgelöst bin und losgelassen habe?

Ich hab mir vorgenommen, bis Ende Jahr eine Entscheidung zu treffen. Vielleicht erst das Problem mit dem Job, dann das mit der Wohnung… oder doch lieber umgekehrt? Hach, ich weiss es nicht… noch nicht…

Läggerli

Eben komme ich vom Abendspaziergang mit meinem Hund zurück. Es ist schon nach 23h, die Kids schlafen und es war ein kurzer, aber intensiver Rundgang.

Weshalb intensiv fragt Ihr Euch? Na ja, die Sterne sah man heute besonders gut, und jedesmal wenn ich den grossen Wagen sehe, muss ich an einen ehemaligen Freund von mir denken. Er hatte ihn mir damals in St. Malo gezeigt. Dort, wo wir uns kennen lernten.

Es war 1990 als ich einen Sprachaufenthalt in Frankreich machte und keinesfalls Lust dazu hatte. Aber meine Mama fand, das sei gut für mich, da wir kurze Zeit danach in die französischsprechende Schweiz zogen und ich eine ziemliche Null in Französisch war.

Nun gut, meine Gastfamilie war mehr oder weniger ok, die Leute der Schule auch – nur : französisch lernten wir nicht wirklich, waren wir doch alles Deutschschweizer und immer zusammen…

Läggerli – so wurde der einzige Basler der Clique genannt – fand ich anfangs irgendwie etwas schräg. Leicht rötliche Haare, ziemlich chaotisch und irgendwie anders als alle andern.

Eines abends – wir waren alle am Strand – redeten wir viel zusammen. Beide aus Basel hatten wir einiges gemeisam ;-). Gegen Mitternacht wollte ich nach Hause und er meinte, er begleite mich. Wir schlenderten auf der Stadtmauer und schauten uns den Sternenhimmel an. Den grossen Wagen kannte ich natürlich schon, aber : er stand ganz nah zu mir, legte seinen Arm um mich und zeigte mir den grossen Wagen… und dann… na ja, dann küssten wir uns und waren fortan ein Paar.

Nach diesen Sprachferien sahen wir uns noch 2 oder 3 mal. Als ich vor dem Umzug eine Abschlussparty machte, war er natürlich auch dabei – am Ende der Party machte ich Schluss. Über 200km Distanz – das konnte einfach nicht funktionnieren.

Wir blieben aber trotz allem in Kontakt und als er seine RS (Rekruten Schule – Militär) machte, war er ganz in meiner Nähe stationniert. Das war 1995 im Feburar/März. Eines Abends rief er mich an und wir verabredeten uns für den nächsten Abend. Wir hatten es richtig schön und als ich ihn zurück in die Kaserne fuhr, meinte er beim aussteigen: „Du siehs immer noch sehr hübsch aus!“ . Dann verschwand er in der Nacht.

An jenem Abend hatte ich ihn zu meinem 20. Geburtstag eingeladen. Im April sollte das Fest stattfinden. Aber ich bekam nie eine Zusage…

Die Party war schon voll in Gang als plötzlich Läggerli auftauchte… es war mein schönstes Geburtstagsgeschenk! Und an diesem Abend kamen wir uns auch wieder näher.

Uns trennten immer noch 200km und als ich am Muttertag in seiner Gegend war, traf ich ihn in einem Restaurant – diesmal machte er Schluss (aus gleichem Grund wie ich vor 5 Jahren).

Na ja, ich war traurig und ging ziemlich geknickt nach Hause.

Kurz darauf fand ein Konzert statt. Da er bei solchen grossen Events manchmal als Securitas arbeitet, wollte ich vorbei gehen. Die Wahrscheinlichkeit ihn bei solch einer Menschenmenge zu treffen, war sehr gering… doch kurz nach meiner Ankunft erblickte ich ihn. Er sah mich, kam auf mich zu und küsste mich – ich verstand gar nichts mehr. Er musste dann wieder auf seinen Posten und seitdem hab ich ihn nie wieder gesehen…

Nun schreiben wir 2005 – 10 Jahre sind vergangen; inzwischen war ich verheiratet und hatte eine kleine Tochter. Am 31.12.2005, irgendwann kurz vor Mitternacht, habe ich eine Email von ihm erhalten. Ich war total baff.

Natürlich habe ich am nächsten Tag auf seine Mail geantwortet, doch zurück kam seitdem nichts mehr…

Aber auch heute noch, frage ich mich oft, was wohl aus ihm geworden ist – und wenn ich den grossen Wagen sehe, dann denke ich immer: hoffentlich geht’s ihm gut….