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Zwischen Kontostand und Uhrwerk

Manchmal beneide ich Menschen, die sich sicher sind.
Diese leise, unerschütterliche Sicherheit, die offenbar keinen täglichen Zweifel braucht.

Da ist der eine : mit dem Blick auf Zahlen und das Morgen. Finanzen als Fundament, Absicherung als Pflicht. Ich bewundere diesen Weitblick – und merke zugleich, wie schwer er mir manchmal fällt. Ich lebe gern im Hier und Jetzt. Und wünschte mir doch manchmal, ich hätte öfter diesen Blick auf morgen.

Und dann ist da der andere : jeden Tag dieselbe Routine. Die gleiche Uhrzeit, derselbe Ablauf, dieselben Wege. Verlässlichkeit wie ein Uhrwerk. Für manche ein Halt – für mich oft eher Enge. Zu viel Gleiches fühlt sich für mich schnell nach Stillstand an.

Zwischen diesen beiden Polen bewege ich mich :
– Zwischen Absicherung und Gegenwart.
– Zwischen Struktur und dem Wunsch nach Bewegung.

Sicherheit beruhigt – Das Jetzt lebt.

Vielleicht braucht es beides. Nur nicht immer im gleichen Mass.


Und du?
Lebst du eher mit dem Blick nach vorn oder im Moment?
Gibt dir Routine Halt – oder raubt sie dir eher Lebendigkeit?

Wenn Musik Erinnerungen weckt

Gestern war kein guter Tag. Ich hatte den ganzen Tag über starke Schmerzen und war ungewöhnlich still. Sogar mein Lieblings-Arbeitskollege fragte mich: „Was ist los mit dir? Du bist so ruhig heute.“
Wenigstens war meine Chefin nicht da – das gab mir etwas Raum, den Tag in einem langsameren Tempo zu bewältigen.

Am Abend war ich mit meiner Mutter verabredet. Mein Bruder und mein Neffe waren ebenfalls dort. Wir spielten UNO, assen zusammen, lachten viel – und irgendwie war alles für einen Moment wieder leicht. Erst um Mitternacht machte ich mich auf den Heimweg.

Im Auto lief – wie so oft – Musik.
Am Nachmittag hatte ich Läggerli einen YouTube-Link geschickt, ein Lied, das mich jedes Mal an ihn erinnert. An „damals“. Ich war schon den ganzen Tag über ein wenig nostalgisch gewesen… und als ich das Lied dann im Auto auf der Heimfahrt noch einmal hörte, brach etwas in mir auf.
Ich sass da und Tränen liefen mir über die Wangen, als würde das Herz die Worte übernehmen, die der Mund nicht mehr sprechen kann.

Es wurde mir bewusst, wie stark Musik unser Gemüt beeinflussen kann. Wie sehr wir Lieder mit Menschen oder Zeiten verbinden. Man sagt nicht umsonst: „Das ist unser Lied.“

Wenn ich zurückblicke, habe ich einige solcher Lieder die mich mit „meinen“ Männern verbinden :

Aber es sind nicht nur Menschen, die mit Musik verknüpft sind – es sind auch Situationen.

Während meiner Trennung war es die Instrumental-Version von Shape of My Heart (feat. Dominic Miller), die mich begleitete.
Wenn ich das Requiem von Mozart höre, denke ich sofort an meine Grossmamme. Es war eines ihrer Lieblingswerke – und ich bin manchmal traurig darüber, dass sie nicht mehr da war, als mein Chor es aufführte.

Und Boogie-Woogie?
Sofort sehe ich meinen Vater am Flügel sitzen, wie er einfach drauflos spielte, voller Leichtigkeit und Lebensfreude. Heute tut er das nur noch selten. Doch wenn ich solche Stücke höre, sehe ich ihn ganz klar vor mir – und es wird warm in mir.

Oder wenn ich Rachmaninov – Prelude in C Sharp Minor höre, dann kommt mir augenblicklich meine Lieblingstante in den Sinn. Ich war mit 15/16 jedes Wochenende bei ihr. Und ich habe ganz viele und tolle Erinnerungen an diese Zeit.

Music was my first love, and it will be my last“ von John Miles singt.
Dieser Satz trifft mich tief. Musik verbindet. Musik tröstet. Musik bewahrt Momente, die längst vergangen sind – und schenkt uns die Möglichkeit, sie noch einmal zu fühlen.

Man kann die Zeit nicht zurückdrehen.
Aber mit Musik kann man sich – für einen Herzschlag lang – wieder dorthin träumen.


„Musik ist die Sprache der Erinnerung.
Sie spricht zu dem, was wir nie ganz loslassen.“

Ungeschnittenes Leben – bevor die Musik wieder einsetzt

Manchmal höre ich eine Melodie – und plötzlich sehe ich mich selbst, wie in einem Film. Ich sitze irgendwo, allein, vielleicht an einem Fenster, am Meer oder auf einer Parkbank. Das Licht ist weich, manchmal mystisch, und die Musik legt sich über die Szene wie eine Decke.

Ich denke über mein Leben nach – über Entscheidungen, Zufälle, Begegnungen. Ich frage mich, was ich hätte anders machen können. Wo bin ich zu früh gegangen – und wo zu lange geblieben? In meiner Wahrnehmung ist das der Abspann. Eine leise, traurige Schlussszene. Nur – es ist kein Film. Es ist mein Leben.

In letzter Zeit gibt es oft solche Momente, in denen sich Realität und Vorstellung überlagern. Als würde ich das Geschehen nicht nur erleben, sondern gleichzeitig beobachten – als Zuschauerin meiner eigenen Geschichte. Vielleicht ist das eine Form von Distanz. Vielleicht aber auch der Versuch, dem Moment Bedeutung zu geben.

Manchmal wünsche ich mir, das Leben würde sich wie im Film entwickeln: Die verzweifelte Nachricht, die ich abschicke, würde jemanden dazu bringen, ins Auto zu steigen, loszufahren, anzukommen.
Ein Wort, ein Blick – und alles wäre wieder gut. Doch das Leben folgt keinem Drehbuch. Es schneidet keine Szenen neu, wiederholt keine Dialoge. Es läuft – ungeschnitten, roh, manchmal unvollkommen.

Und trotzdem gibt es diese filmischen Momente. Vielleicht, weil wir in Geschichten denken. Weil wir sie brauchen, um unser Dasein zu ordnen, zu deuten, zu fühlen. Vielleicht ist das unsere Art, Sinn zu finden – indem wir unser Leben wie eine Erzählung betrachten, mit leisen Kapiteln, unerwarteten Wendungen und offenen Enden.

Wenn ich ehrlich bin, mag ich diesen Blick von aussen nicht so. Zu oft werde ich von der Realität eingeholt und erkenne: Das Leben ist kein Film. Und das stimmt mich dann manchmal traurig, weil ich mir in diesen Momenten so sehr ein anderes Leben wünsche – doch es ist mein Leben, und ich muss das Beste daraus machen.

Jede Handlung, ob unscheinbar oder turbulent, ist letztlich Teil der Geschichte – meiner Lebensgeschichte. Und auch wenn manche Phasen traurig wirken, heisst das nicht, dass es wirklich ein Ende ist – vielleicht nur eine Pause, bevor die Musik wieder einsetzt.

Unverhoffte Nachricht

Vor ein paar Tagen erhielt ich plötzlich eine Nachricht von Pierre – unerwartet und überraschend. Daraus ergab sich ein Gespräch, das zwischen Alltagsthemen und Erinnerungen pendelte: von Familiennamen und Orten über eine bevorstehende Feier bis hin zu Musik und kleinen Zufällen.

Zwölf Jahre lang war das Hin und Her mit Pierre oft schmerzhaft, voller offener Fragen und unausgesprochener Sehnsucht. Im Januar 2024 traf ich deshalb eine klare Entscheidung: mit dem Kopf – und gegen das unruhige Herz. Ich schrieb ihn endgültig ab. Und kurz nach diesem Entschluss trat Claudius in mein Leben – ein neuer Anfang, der mir zeigte, dass Loslassen auch Raum für Neues schafft.

Es wurde deutlich, dass manche Verbindungen auch nach Jahren noch spürbar sind, ohne jedoch das Heute zu bestimmen. Sie gleichen leisen Melodien aus der Vergangenheit – vertraut, die sich manchmal unverhofft ins Jetzt mischen.

Es war, als ob für einen Moment ein Echo aus vergangenen Tagen ins Heute hinein klang – zart und vertraut. Dann aber legte sich die Stille wieder, und der Weg zeigte sich klar nach vorn.

Zwei Wochen Ferien – zwei verschiedene Welten

Die vergangenen zwei Wochen Ferien waren abwechslungsreich und intensiv – jede auf ihre ganz eigene Art.

Woche 1 – Abenteuer mit meinem Neffen

In der ersten Woche war mein sechsjähriger Neffe zu Besuch. Gemeinsam haben wir einiges unternommen:

  • den Zen Garten in Aigle bestaunt,
  • BarryLand in Martigny besucht,
  • mit dem kleinen Bähnchen bis zum Musée du Pain et du Blé in Echallens gefahren. Allerdings sind wir nicht ins Museum gegangen und haben nur ein Zvieri dort genossen.
  • und eine fast zweistündige Schifffahrt genossen.

Es war eine wunderschöne, wenn auch recht intensive Woche – mit viel Kinderlachen, kleinen Abenteuern und wertvollen Erinnerungen.

Woche 2 – Frankreich, Familie und Zwetschgen

Am Montagabend kam Claudius zu mir, und am Dienstag machten wir uns gemeinsam auf den Weg nach Frankreich zu meinem Vater. Die Fahrt von rund drei Stunden zog sich etwas, doch wir kamen genau pünktlich zum Mittagessen an. Papa hatte bereits gekocht – wir mussten uns nur noch an den gedeckten Tisch setzen.

Am Nachmittag gingen wir mit meinem Halbbruder, der seit Weihnachten ebenfalls dort lebt, kurz einkaufen. Ich habe mir Baileys gegönnt – die Grundlage für meine geplanten Baileys-Pralinen. Gegen Abend gab es Apéro inmitten von Hasen und Hühnern. Zum Znacht kochte ich Spaghetti Bolognese mit Salat, bevor wir es uns am Kaminfeuer gemütlich machten – draussen regnete es.

Der Mittwoch war das genaue Gegenteil: ein wunderbarer Tag wie aus dem Bilderbuch des été indien. Nach einem späten Frühstück machten wir uns daran, Zwetschgen zu pflücken. Ganze zehn Kilo sind es geworden – mehr als 6,5 Kilo nahm ich mit nach Hause. Daraus entstanden am Wochenende Wähen und Konfitüre. Am Abend sassen wir lange draussen, machten Feuer in der Feuerschale, Claudius bereitete Kartoffelsalat zu, und wir genossen den Spätherbst-Abend unter freiem Himmel bis fast Mitternacht.

Der Donnerstag hingegen war verregnet. Wir sassen am Morgen trotzdem auf der Terrasse, lauschten dem gleichmässigen Trommeln des Regens und machten später erneut Feuer im Kamin. Am frühen Nachmittag traten wir die Rückfahrt an – leider mit Stau, sodass sich die Heimfahrt zog. In Yverdon legten wir noch einen Halt ein: Ich habe mir ein Fahrrad gekauft. Ein gebrauchtes zwar, aber wie neu – und das Beste daran: es ist gelb! 😀
Zu Hause angekommen, wartete schon mein Sohn, und wir assen gemeinsam zu Abend.

Am Freitagmorgen hatte ich Physiotherapie, danach fuhr Claudius wieder nach Hause. Der Samstag war mein üblicher Wäschetag, nachmittags gönnte ich mir Ruhe, und abends schaute ich bei meiner Mutter vorbei – mit 1,5 Kilo Zwetschgen im Gepäck. Der Sonntag verlief ruhig, bevor ich heute wieder in den Arbeitsalltag startete.

Fazit

Zwei Wochen Ferien – zwei Welten: Kindertrubel und Familienzeit, Reisen und Erholung, Sonne und Regen. Ein schöner Mix, der mir in Erinnerung bleiben wird. Nun heisst es wieder arbeiten, bis zu den nächsten Ferien zwischen Weihnachten und Neujahr. Das wird lang …

1995 sagt kurz Hallo

Manchmal klingelt das Handy – und die Vergangenheit schickt eine Sprachnachricht. Ich traute meinen Augen nicht, als ich sah, dass Läggerli sich gemeldet hat. Ja genau, das Läggerli. Mein Spitzname für ihn damals, als wir jung waren und das Leben noch deutlich weniger kompliziert erschien.

Inzwischen war ich verheiratet und nach 13 Jahren wieder geschieden, habe zwei Kinder – ein bewegtes Leben mit vielen Kapiteln.
Und Läggerli? Der lebt irgendwo zwischen Analogmodus und Ostsee (wo er zurzeit für zwei Wochen am Segeln ist. Laut seiner Nachricht nutzt er die Zeit, um sich zu erholen und auf sich zu konzentrieren); meidet Social Media konsequenter als ich meine Ruhe am Sonntag verteidige, und schickt stattdessen lieber Sprachnachrichten.

Und das Verrückte daran: Seine Stimme war sofort wieder da. Klar, älter vielleicht. Ruhiger. Aber da war etwas, das blieb. Keine verlorene Liebe, keine sentimentalen Eskapaden – einfach nur ein Stück Vergangenheit, das plötzlich wieder hörbar wurde.

Unsere letzte Begegnung liegt rund 30 Jahre zurück – ein kurzer Moment im Joggeli (St. Jakob-Stadion in Basel), wo er damals arbeitete. Wir waren längst getrennt, aber als er mich sah, kam er auf mich zu. Es war ein stilles Wiedererkennen, ohne viele Worte, aber mit einer Geste, die sich mir eingeprägt hat. Danach haben sich unsere Wege für lange Zeit verloren.

Ob wir uns wiedersehen? Vielleicht. Vielleicht bleibt es auch einfach bei diesem kurzen Moment der Verbindung – ein leiser Gruss aus der Vergangenheit. Ich bin heute woanders im Leben, mit Claudius an meiner Seite. Und das ist gut so.

Manchmal geht es nicht darum, die Vergangenheit neu zu beleben, sondern sie würdig zu erinnern. Und sich selbst in ihr wiederzuerkennen – mit dem Herzen von damals und dem Blick von heute.

Zwischen Hüttentraum und Hamsterrad

Ich schätze vieles an unserer heutigen Zeit – ohne moderne Technologien hätte ich weder Claudius noch Frank kennengelernt. Und doch denke ich oft: Früher war vieles besser. Langsamer. Überschaubarer. Weniger Lärm, weniger Druck, weniger Ablenkung.

Manchmal wird mir alles zu viel. Die Menschen, der Lärm, das Tempo. Dann träume ich von einer kleinen Hütte – irgendwo im Wald oder in den Bergen. Klein, fein, ruhig. Vielleicht mit ein paar Hühnern, ein bisschen Selbstversorgung. Einfach leben. Echt leben.

Aber solche Träume kosten Geld. Und wir leben nun mal nicht mehr in Robin Hoods Zeiten, in denen man einfach in den Wald ziehen konnte. Heute braucht man für fast alles einen finanziellen Puffer. Ohne Arbeit kein Geld. Ohne Geld kein Dach über dem Kopf. Kein Essen. Keine Sicherheit.

Nicht, dass ich immer völlig allein sein wollen würde. Nur raus aus dem Hamsterrad, das sich immer weiterdreht – ob man will oder nicht. Wir schuften, um uns Wohnungen leisten zu können, in denen wir kaum Zeit verbringen, weil wir ständig am Arbeiten sind. Und doch reicht es hinten und vorne nicht. Alles wird teurer, die Löhne steigen nicht. Die ehemalige Mittelschicht meiner Kindheit ist seit den 1990er-Jahren stetig am Verschwinden. Die Leute sind entweder arm oder reich. Doch eher arm.

Und da frag ich mich: Wozu eigentlich das alles? Am Ende sterben wir doch sowieso. Und niemand wird mehr von mir reden – berühmt bin ich ja nicht. Und wär ich es, wär ich vermutlich auf der Seite der Reichen.

Ein Teufelskreis, der still unser Leben bestimmt.
Und doch gibt es diese seltenen Augenblicke, in denen etwas in uns sagt: Es könnte auch anders sein. Vielleicht fängt Veränderung genau dort an…

Wenn alles zu viel wird

Ich bin kein Psychologe. Aber ich bin überzeugt, dass Sohnemann in eine Depression geraten ist. Alles in ihm wirkt schwer, müde, ausgebrannt – und das schon lange. Die Corona-Zeit hat bei ihm tiefe Spuren hinterlassen. Er hat die Schule nicht abschliessen können – und seither ist vieles ins Wanken geraten. Für ihn. Für mich.

Vor Kurzem bekam er endlich eine Chance: eine Stelle, die ihm Freude gemacht hat, in der er aufblühte und Anerkennung fand. Zum ersten Mal seit Langem spürte ich wieder Hoffnung in seinem Blick. Doch nach nur zwei Monaten war alles vorbei – wirtschaftliche Gründe, Stellenabbau. Ausgerechnet ihn hat es getroffen. Ein harter Schlag. Für ihn war es, als hätte man ihm den Boden unter den Füssen weggezogen.

Dass er jetzt nicht sofort wieder voller Energie loszieht, sich bewirbt und „alles versucht“, ist für mich verständlich. Es geht nicht um Faulheit. Es geht um Erschöpfung. Um einen tiefen inneren Kampf, den man von aussen oft nicht sieht. Lange Zeit hat er jede Form von psychologischer Unterstützung strikt abgelehnt – wollte „das schon allein hinkriegen“. Erst vor wenigen Tagen, in einem Moment voller Wut und Frustration, hat er zum ersten Mal ausgesprochen: „Ich glaube, ich brauche einen Psychologen.“ Und auch wenn das schmerzhaft war – es war ein ehrlicher Moment. Vielleicht ein Anfang.

Doch viele sehen das nicht – und manchmal fühle ich mich damit ziemlich allein.

Auch finanziell ist die Situation sehr belastend. Sohnemann ist wieder komplett auf meine Unterstützung angewiesen. Die Krankenkassenprämien für uns beide betragen fast 1000 Franken im Monat. Die staatliche Prämienverbilligung wurde uns Anfang Jahr gestrichen – aus Gründen, die sich mir bis heute nicht erschliessen. Dazu kommen laufende Kosten, Steuern, offene Rechnungen – unter anderem von der Autowerkstatt. Ich weiss ehrlich gesagt nicht, wie ich das alles stemmen soll. Allein diesen Monat fehlen mir rund 1500 bis 2000 Franken, um grössere Probleme wie Betreibungen zu verhindern.

Rücklagen? Gibt es nicht. Seit der Scheidung war ich finanziell immer auf mich allein gestellt. Ich habe meine beiden Kinder allein (manchmal mit etwas Hilfe von Mama) durchgebracht – ohne Unterstützung vom Ex-Mann, denn er war selbst beim Sozialamt und konnte nichts beitragen. Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) hat mir bis zum 18. Lebensjahr der Kinder monatlich je 100 Franken zugesprochen – mehr war nicht drin. Damit musste ich haushalten, rechnen, improvisieren – jahrelang. Und nun stehe ich wieder an einem Punkt, an dem ich einfach nicht mehr weiss, wie es weitergehen soll.

Was viele nicht wissen: Auch wenn Sohnemann volljährig ist, bin ich finanziell für ihn bis zu seinem 25. Lebensjahr verantwortlich. Rechtlich gesehen ist er zwar erwachsen, aber solange er keine abgeschlossene Ausbildung hat, liegt die finanzielle Last weiterhin bei mir. Das bedeutet auch, dass er selbst keine Sozialhilfe beantragen kann – weil zuerst ich aufkommen muss.

Auch Arbeitslosengeld kann er nicht beantragen. Dafür müsste er mindestens ein Jahr lang gearbeitet haben – was er ja aufgrund der Umstände nie konnte. Die Stelle, die er hatte, dauerte nur zwei Monate. Es gibt also keine Auffanglösung, kein Netz, keinen Anspruch. Gleichzeitig verdiene ich selbst gerade so viel, dass ich knapp aus dem System der Sozialhilfe herausfalle – ein paar Franken zu viel, um Anspruch auf Unterstützung zu haben. Es ist, als würde man zwischen zwei Stühlen sitzen – und keiner fängt einen auf.

Auch in meiner Familie kann mich niemand finanziell unterstützen (könnten sie es, würden sie es tun !). Und Claudius – ja, er ist da, und er hat mir in der Vergangenheit schon viel geholfen. Aber ich möchte ihn nicht wieder bitten. Er hat selbst genug Sorgen, die ihn belasten, und ich will nicht zur weiteren werden.

Auch Frank hat mir schon mehrmals geholfen – und dafür bin ich wirklich sehr dankbar. Doch ich möchte ihn nicht erneut um Unterstützung bitten. Zum einen, weil ich spüre, dass ich seine Geduld nicht überstrapazieren will. Zum anderen gehört er zu den Menschen, die glauben, Sohnemann sei einfach nur bequem oder faul. Ich habe mehrfach versucht, ihm zu erklären, dass es tiefer geht – dass es eben keine Frage des Wollens ist, sondern des Könnens. Aber ich habe das Gefühl, er glaubt mir nicht wirklich. Und das tut weh. Es tut meinem Mutterherz weh – weil ich sehe, wie sehr Sohnemann leidet, und weil ich spüre, dass sein innerer Kampf oft verkannt wird.

Ich schreibe das nicht, um zu jammern oder um Hilfe zu erbitten. Aber die Wahrheit ist: Ich bin an einem Punkt, an dem ich Unterstützung annehmen würde – wenn sie von Herzen kommt. Nicht, weil ich es mir wünsche oder leichtfertig darum bitte, sondern weil es im Moment einfach keine andere Möglichkeit sehe. Und wenn sich jemand angesprochen fühlt, würde ich das in grosser Dankbarkeit annehmen.

Ich weiss, dass ich nicht die Einzige bin, der es so geht. Einerseits schreibe ich das in der Hoffnung, vielleicht doch irgendwo einen Weg oder eine Lösung zu finden. Andererseits geht es mir aber auch vor allem darum, nicht zu schweigen. Um sichtbar zu machen, dass es uns gibt – uns, die finanziell und gesellschaftlich am Rand stehen, die oft nicht gesehen werden. Viele vergessen, dass man sich seine soziale Lage nicht immer aussucht. Manchmal geschehen im Leben Dinge, mit denen man nicht rechnet – Ereignisse, die alles durcheinanderbringen. Und das nicht aus eigenem Verschulden. Auch wenn uns manchmal die Kraft fehlt, das laut zu sagen: Wir sind da. Und wir geben nicht auf 💪🏻


Wie heisst es so schön :

Zurück im Alltag

Letzte Woche hatte ich Ferien. Montag war gemütlich zu hause und abends kam Claudius, nachdem ich meine Zoom-Sitzung mit dem Chor-Comité um 20h beendet hatte.

Am Dienstagnachmittag machten wir uns auf den Weg nach Basel. Gegen 17 Uhr kamen wir an und hatten gerade noch genug Zeit, uns unter ein Zelt zu stellen, bevor der Regen in Strömen einsetzte. Nach etwa 15 Minuten konnten wir schließlich zum Marktplatz hinuntergehen.

Da mein Ischias mir zu schaffen machte, hatte ich vorsichtshalber Mamas Rollator mitgenommen, um mich bei Bedarf hinsetzen zu können. Doch das Vorwärtskommen wurde durch die nass gewordenen Konfetti, die sich langsam in Pappmaché verwandelten, erheblich erschwert. Die Räder blockierten immer wieder, weil sich alles daran festklebte …

Nun ja, es war ziemlich mühsam, aber dennoch bin ich froh, dass ich zumindest ein paar Stunden der drey scheenschte Daag des Jahres miterleben konnte.

Von Dienstag auf Mittwoch übernachteten wir bei Claudius, und sein Sohn hat am Mittwoch für uns alle gekocht. Anschließend waren wir noch bei Müller – ein Geschäft, das es in der Romandie nur in Montreux gibt. Dort entdeckte ich Wolle, denn seit einiger Zeit habe ich ein neues Hobby …

Ich hab erst mal nur grau genommen, denn ich wollte unbedingt den Elefanten machen. Finde, er ist mir ganz gut gelungen 🙂

Donnerstag ist Claudius nach Hause gefahren und ich hatte nachmittags mit Mama abgemacht. Kurz vor Mittag kommt Sohnemann aus seinem Zimmer und meint, er arbeite heute Abend… Was ? Wie ? Wo ?

Meine Tochter entdeckte ein Stellenangebot auf Instagram – es stammte von einem entfernten Bekannten. Zwischen 2011 und 2013 hatte ich seine Tochter als Tagesmutter betreut. Nun suchte er Mitarbeiter für seine Bubble-Tea-Produktion.

Mein Sohn nahm sofort Kontakt mit ihm auf und konnte noch am selben Tag anfangen. Ich bin dankbar und froh, dass ihm die Arbeit offenbar gefällt. Das Team soll großartig sein, und besonders die Arbeitszeiten kommen ihm entgegen: meist von 17 bis 23 Uhr, manchmal etwas früher (ab 15 Uhr) oder länger (bis 00:30 Uhr). Sohnemann meinte, dies erleichtere ihn sehr, denn diesen Druck haben, den Wecker (nicht) zu hören und aufzustehen, um morgens pünktlich zu sein, sei für ihn ein ständiger Stress gewesen, der somit wegfalle.


Am Freitagnachmittag brachte ich meine beiden Babys, Saké und Wasabi, zur Sterilisation zum Tierarzt – ein Eingriff, der für beide insgesamt knapp drei Stunden dauerte.

Als ich sie um halb sechs abholte, war Wasabi bereits relativ munter, während Saké noch völlig benommen war. Zuhause stellte ich die Transportboxen ins Wohnzimmer, öffnete sie, und Wasabi kam sofort heraus, torkelte zur Heizung und machte es sich dort gemütlich.

Auch Saké verließ direkt die Kiste, kippte jedoch seitlich um und blieb einfach liegen. Ich behielt sie eine gute Viertelstunde bei mir, bevor ich sie auf eine Decke legte, wo sie regungslos mindestens eine Stunde lang liegen blieb. Nach und nach kam sie dann zu sich, und schließlich haben beide dann gefressen. Inzwischen sind die zwei wieder fit.

Samstag = Wäschetag. Hatte 4 Maschinen zu machen und gegen 15h war ich bei Mama, wo auch Bruderherz und mein 5-jähriger Neffe schon eingetroffen waren. Abends waren wir gemeinsam an einer ökumenischen Feier mit anschliessendem Suppen-Essen. Es war ganz gut. Mein Neffe war ziemlich aufmerksam und wollte auch mitlesen

Und zu guter letzte hatte ich am Sonntag noch den Sing-Sonntag mit meinem Chor. Von 9h bis 17h waren wir konzentriert und sind gut vorwärts gekommen. Das Konzert am 15. Juni wird bestimmt toll !

Wieder da

Ich weiss gar nicht, wo ich anfangen soll. Eigentlich sollten meine Ferien zur Erholung dienen. Doch 1. kommt es anders und 2. als man denkt.

Weihnachtsbaum wie früher

Am 24.12. haben wir zum 1. Mal seit 24 Jahren hl. Abend bei Mama und nicht bei mir verbracht. Ich habe für meine beiden Kids, meinen Bruder, meinen Neffen, Mama und mich Sweet & Sour gekocht und es war relativ gemütlich. Die Weihnachtsgeschichte wurde gelesen, mein Neffe hat die Geschenke verteilt und ca gegen Mitternacht gingen wir nach Hause.

Meine 3 Kettchen-Anhänger

Am 25. war „Ruhetag“, obwohl : ich musste etwas Haushalt machen und 2, 3 Dinge vorbereiten, denn am 26.12. kam eine gute Schulfreundin mit ihrem Mann zum Essen am Mittag. Claudius hat für uns gekocht. Er kam schon am 25. abends nach der Arbeit und er und ich hatten eine kleine Bescherung. Ich hab von ihm einen weissgoldenen Herzanhänger bekommen und ich hatte für ihn ein personifiziertes Zippo-Feuerzeug machen lassen.

Saké versteckt sich

Am 27.12. waren wir einfach gemütlich zu Hause und Claudius musste am 28.12. wieder arbeiten und fuhr somit in aller Früh um 5h50 los. Ich hingegen genoss die Ruhe – wenn auch nur kurz – denn gegen 10h kam Sohnemann’s Freundin aus Frankreich an. Sie blieb bis am 11.01.25 …

Da auch Töchterchen kurzfristig seit mitte Dezember mit den beiden schwarzen Katzen Astrée & Mystic wieder daheim war, hatte ich entschieden, gemeinsam mit Mama zu meinem Vater nach Frankreich zu fahren und dort ein paar Tage zu bleiben. Ich packte also meine Sachen zusammen und gegen 15h sind wir bei Papa angekommen.

Bei Papa im Garten

Und dann bekamen wir Nachricht von meinem Bruder, ob er wohl auch kommen dürfe, gemeinsam mit seinem Sohn. Eigentlich wollte ich etwas Ruhe… aber wir konnten ihm ja schlecht sagen, dass wir nicht wollen. Also ist er am nächsten Tag mit meinem Neffen angekommen.

Wir blieben schlussendlich bis am 1. Januar dort. Ich hab oft den Kamin angefeuert, war auf dem Friedhof bei meiner Stiefmutter (Gott hab sie seelig), machte mit Mama mal ein 2-Stündigen Ausflug mit dem Auto und hab mit meinem Neffen Uno und anderes gespielt. Sehr erholt fühlte ich mich nicht… aber egal.

A propos 1. Januar : Töchterchen konnte am 1. Januar um 11h die Schlüssel ihrer neuen Wohnung entgegen nehmen und war dabei umzuziehen, als wir nach Hause zurück unterwegs waren. Da kam eine Nachricht, ob wir nicht vorbei kommen wollen. Also sind wir abends noch bei ihr vorbei, haben Salz und Brot mitgebracht, einen Kaffee getrunken uns ich war schlussendlich kurz vor Mitternacht daheim.

2. und 3. Januar waren „normale“ , relativ ruhige Tage. Am 4. Januar hatte Sohnemann seinen 20. Geburtag. Er wünschte sich 2 verschiedene Käse-Fondues und natürlich die traditionnelle Schwarzwälder Kirschtorte (ohne Kirschen, aber mit Kirsch).

6/7 Monate – 20 Jahre

Jetzt ist er also 20 … und irgendwie ist er mein Sorgenkind. Ich weiss, dass er das Zeug hat, etwas sinnvolles zu tun. Etwas, das er gut kann. Etwas, das ihm finanzielle Freiheit gibt (und mich entlastet). Er braucht Zeit – viele denken, er sei einfach faul. Aber das ist nicht so. Er hat seit Corona eine Barriere aufgebaut und es ist sehr schwer, diese zu durchbrechen. Eigentlich bräuchte er psychologische Hilfe, damit er wieder mehr Selbstvertrauen hat. Je mehr er sich „verschanzt“, je schwieriger wird’s. Aber er will nicht zu einem Psychologen … und zwingen kann ich ihn nicht. Die Hoffnung geb ich aber nicht auf – er wird es schaffen !

Am 6. Januar hab ich wieder angefangen zu arbeiten. Ich war vor 8h im Büro… leider war ich so stark erkältet, dass ich um halb eins wieder nach Hause gefahren bin und die ganze Woche krank war…