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2. Dezember – Der Ruf im Wind

💫

Liora steht still und lauscht.
Der Wind streicht durch die kahlen Äste,
und etwas darin klingt vertraut –
als würde ein längst vergessenes Lied
wieder nach Hause finden.

Sie weiss nicht, wohin der Weg führt.
Sie weiss nur:
Es ist Zeit, ihm zu folgen.

Manchmal ruft das Leben leise.
Und wir gehen.

💫


Achtsamkeitsmoment

Höre heute auf einen Klang
ohne ihn zu benennen oder zu erklären.
Nur zuhören.
Nur da sein.
Nur hören.


„Der Wind kennt alte Lieder, die wir längst vergessen glaubten.“ 🕯️


1. Dezember – Der erste Schritt

💫

Zephira steht am Fenster.
Ein dünner Frost liegt über den Dächern, als hätte die Nacht einen Schleier aus Stille zurückgelassen.
Sie legt die Hand an ihr Herz, atmet ein –
und öffnet die Tür.

Der Weg beginnt nicht draussen.
Er beginnt dort, wo wir innerlich leise werden.

Vielleicht ist der erste Schritt heute
kein Tun.
Sondern ein Zulassen.

💫


Achtsamkeitsmoment

Nimm heute einen bewussten Schritt.
Nicht gross. Nicht bedeutsam.
Nur wach.

Spüre den Boden unter deinen Füssen.
Für einen Atemzug.
Das genügt.


„Manchmal beginnt ein Weg damit, die Stille hereinzulassen.“ 🕯️


Christkatholische Persönlichkeiten in der Schweiz – Stimmen einer kleinen, offenen Kirche

Die Christkatholische Kirche begleitet mich seit meiner Kindheit – und liegt mir bis heute am Herzen. Darum ist es mir ein Bedürfnis immer wieder über sie und die Menschen zu schreiben, die ihr Gesicht geben.

Immer wieder werde ich gefragt, was die Christkatholische Kirche eigentlich ausmacht. Für mich ist sie mehr als eine Glaubensgemeinschaft – sie ist eine Kirche mit Geschichte, Haltung und Gesichtern. Heute möchte ich einige dieser Gesichter vorstellen: Persönlichkeiten, die durch ihr Wirken innerhalb und außerhalb der Kirche sichtbar gemacht haben, wofür wir stehen – damals wie heute.


Eine Kirche aus dem Geist des Widerspruchs

Die Christkatholische Kirche der Schweiz entstand im 19. Jahrhundert als Antwort auf das Erste Vatikanische Konzil (1869–1870), insbesondere auf die dort beschlossene Unfehlbarkeit des Papstes. Viele Katholikinnen und Katholiken in der Schweiz – vor allem aus staatskirchlich geprägten, liberalen Kreisen – lehnten diese Neuerung ab. Aus dieser Bewegung ging 1871 die Christkatholische Kirche der Schweiz hervor: katholisch in der Liturgie, demokratisch in der Struktur und offen für theologische Weiterentwicklungen – ich sag ja immer „Wir sind reformierte Katholiken“.

Im Laufe der Zeit wurde die Kirche geprägt von Persönlichkeiten, die nicht nur innerhalb der Kirche, sondern auch darüber hinaus Wirkung entfaltet haben. Eine Auswahl:

Geistliche Führungspersönlichkeiten – Bischöfe

Zusammenfassung aller Bischöfe der christkatholischen Kirche Schweiz (pdf).

👤 Eduard Herzog (1841–1924)

Bischof von 1876 bis 1924
Als erster Bischof der Christkatholischen Kirche war Eduard Herzog eine prägende Figur der Gründungszeit. Der ehemalige römisch-katholische Theologieprofessor in Luzern wandte sich nach dem Ersten Vatikanischen Konzil der altkatholischen Bewegung zu. 1876 wurde er von Bischof Joseph Hubert Reinkens (Deutschland) geweiht. Herzog setzte sich für eine staatskirchlich verankerte Struktur, theologische Eigenverantwortung und den Aufbau einer glaubwürdigen Seelsorge ein.

👤 Johannes Stremlau (1874–1955)

Bischof von 1924 bis 1955
Der gebürtige Elsässer wurde nach Herzogs Tod zum zweiten Bischof gewählt. In seiner langen Amtszeit führte er die Kirche durch gesellschaftliche Umbrüche, die Zwischenkriegszeit und den Zweiten Weltkrieg. Stremlau galt als besonnener und verbindlicher Kirchenmann, der die christkatholische Identität festigte.

👤 Urs Küry (1901–1976)

Bischof von 1955 bis 1972
Theologe, Publizist und Vordenker: Küry prägte die Nachkriegszeit durch seine liturgischen Reformimpulse und seinen Einsatz für den ökumenischen Dialog. Sein Werk „Die altkatholische Kirche“ zählt bis heute zu den Standardwerken der altkatholischen Theologie.

👤 Léon Gauthier (1912–2003)

Bischof von 1972 bis 1986
Der erste frankophone Bischof der Christkatholischen Kirche wurde in La Chaux-de-Fonds geboren und war über 30 Jahre Pfarrer in Genf-Carouge. Als Bischof engagierte er sich stark in der internationalen altkatholischen Bewegung, leitete ökumenische Kommissionen und förderte eine moderne, offene geistliche Kommunikation.

👤 Hans Gerny (1925–2014)

Bischof von 1986 bis 1999
Der Basler Theologe war ein Mann der Ausgewogenheit. Unter seiner Leitung entwickelte sich die Kirche in Richtung verstärkter Partizipation – besonders auch durch die Einbindung von Frauen. Gerny war ökumenisch stark vernetzt und legte Wert auf eine menschennahe Seelsorge.


🔄 Vakanzzeit 1999–2009

Kein amtierender Bischof
Nach dem Rücktritt von Hans Gerny im Jahr 1999 entschied die Nationalsynode, vorerst keinen neuen Bischof zu wählen. Die Leitung der Kirche wurde interimistisch durch ein Team aus Synodalrat, Synodalvertretung und Kirchenkanzlei übernommen. Diese Zeit war geprägt von Reflexion, Strukturfragen und einer Neuorientierung der kirchlichen Leitung – insbesondere im Hinblick auf die Stellung des Bischofsamts in einer demokratisch verfassten Kirche.

👤 *Fritz-René Müller (1949)

Generalvikar und leitender Geistlicher in der Vakanzzeit 1999–2009
Nach dem Rücktritt von Bischof Hans Gerny übernahm Fritz-René Müller als Generalvikar eine zentrale Leitungsfunktion in einer bewusst bischofslosen Phase. Der erfahrene Pfarrer und frühere Synodalratspräsident vertrat die Kirche in theologischen, ökumenischen und organisatorischen Fragen nach innen wie nach außen. Müller galt als integrative Persönlichkeit mit einem feinen Gespür für Ausgleich und Kommunikation. Unter seiner Mitwirkung wurde die spätere Wahl von Harald Rein vorbereitet und die Rolle des Bischofs im Kontext der synodalen Kirchenstruktur neu reflektiert.


👤 *Harald Rein (1957)

Bischof von 2009 bis 2023
Nach zehnjähriger Vakanz wurde Harald Rein gewählt – der erste Bischof nach dem Zwischenjahrzehnt. Er führte die Kirche in eine neue öffentliche Sichtbarkeit und vertrat klare Positionen zu ethischen, kirchlichen und gesellschaftspolitischen Themen. Rein galt als Stimme des Dialogs und setzte sich besonders für Inklusion, ökumenische Verständigung und innerkirchliche Offenheit ein.

👤 *Frank Bangerter (1966)

Bischof seit 2024
Der Seelsorger aus dem Kanton Solothurn steht für eine dialogische, sachlich fundierte Leitung. Er betont die Rolle der Kirche als Gesprächspartnerin in der Gesellschaft und fördert eine Seelsorge, die die Lebensrealität der Menschen ernst nimmt. Als Bischof setzt er auf Zusammenarbeit, Klarheit und geistliche Tiefe.


Stimmen für Gleichstellung und Wandel

👩‍🎓 *Denise Wyss (1965)

Erste geweihte Pfarrerin der Christkatholischen Kirche
Nach der Einführung der Frauenordination durch die Nationalsynode 1999 wurde Wyss als erste Frau zum priesterlichen Dienst geweiht – ein Meilenstein in der Geschichte der Kirche und ein starkes Zeichen für Gleichberechtigung.

👩‍🎓 *Angela Berlis (1957)

Professorin für Kirchengeschichte und Theologin
Berlis zählt zu den wichtigsten Theologinnen der altkatholischen Welt. Sie lehrt in Bern, ist international vernetzt und setzt sich seit Jahrzehnten für die Gleichstellung in kirchlichen Ämtern ein – sowohl theoretisch als auch praktisch.


Christkatholisch geprägte Persönlichkeiten aus Kultur und Justiz

🎭 *Franz Hohler (1943)

Kabarettist, Autor und Liedermacher
Der bekannte Schweizer Künstler stammt aus einem christkatholischen Elternhaus. Seine Werke verbinden feinen Humor mit kritischem Blick – Ausdruck eines Glaubens, der nachfragt und mitdenkt.

⚖️ Arthur Häfliger (1916–2000)

Ehemaliger Bundesrichter
Häfliger war eine respektierte Stimme im Schweizer Rechtswesen. Seine christkatholische Prägung spiegelte sich in seinem Engagement für Menschenwürde, Gerechtigkeit und Unabhängigkeit der Justiz.

⚖️ *Michael Lauber (1965)

Ehemaliger Bundesanwalt, heute Medienverantwortlicher der Christkatholischen Kirche
Lauber, Sohn des christkatholischen Pfarrers Roland Lauber, ist seit Geburt Teil dieser Kirche. Nach seiner juristischen Karriere engagiert er sich heute in der kirchlichen Kommunikation und prägt das öffentliche Bild der Kirche mit.

🧑‍🎨 Walther Munzinger (1830–1873)

Jurist, Politiker und Mitbegründer der Christkatholischen Kirche der Schweiz
Munzinger war eine Schlüsselfigur in der Gründungsphase. Als engagierter Kirchenpolitiker organisierte er 1871 den ersten christkatholischen Katholikenkongress in Solothurn und wirkte massgeblich an der Berufung von Eduard Herzog mit. Auch der Aufbau der theologischen Fakultät in Bern ist untrennbar mit seinem Namen verbunden.

👩‍🏫 Anny Peter (1882–1958)

Pädagogin, Frauenrechtlerin und führende Persönlichkeit der christkatholischen Frauenbewegung
Als Präsidentin des Verbands Christkatholischer Frauenvereine setzte sich Anny Peter früh für Mitbestimmung und Gleichstellung ein. Sie gründete eine internationale Arbeitsgemeinschaft altkatholischer Frauenverbände und engagierte sich während des Zweiten Weltkriegs in der Flüchtlingshilfe.


Persönliches Schlusswort

Diese Persönlichkeiten stehen exemplarisch für eine Kirche, die trotz ihrer überschaubaren Grösse bedeutende Impulse gesetzt hat – theologisch, gesellschaftlich und menschlich.

Ich selbst stamme aus einer christkatholischen Familie, deren Vorfahren zu den Gründungsmitgliedern dieser Kirche gehörten. Diese Verwurzelung ist für mich mehr als nur familiäre Geschichte – sie ist Teil meiner Identität. Sie verbindet mich mit einer Glaubensgemeinschaft, die seit über 150 Jahren versucht, glaubwürdig, offen und verantwortungsbewusst Kirche zu sein – in der Welt von damals und von heute.

Ich bin stolz, dieser Kirche anzugehören. Es ist mir ein echtes Anliegen, ihre Geschichte, ihre Werte und ihr Profil sichtbar zu machen – innerhalb und außerhalb kirchlicher Kreise. Denn ich bin überzeugt: Unsere Kirche hat auch heute viel zu sagen.

Die Kraft der Stille

Es gibt Orte, an denen das Schweigen spricht,
und Momente, in denen die Welt innehält.
Dort beginnt das Hören –
nicht nach aussen, sondern nach innen.

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„In der Stille hört man nicht weniger, sondern mehr.“
Oft scheint es, als würde die Welt um uns herum immer lauter – Nachrichten, soziale Medien, der Trubel des Alltags. Doch wahre Erkenntnis, echtes Verstehen, entstehen nicht im Lärm, sondern im Innehalten. Wenn die äusseren Stimmen verstummen, wird der Klang unserer eigenen Gedanken deutlicher. In der Stille erkennen wir, was im Getöse des Alltags oft verloren geht: unsere wahren Wünsche, Ängste und Hoffnungen.

„Die Stille ist nicht leer – sie ist voller Antworten.“
Diese Momente der Ruhe offenbaren uns Einsichten, die wir im hektischen Treiben niemals finden würden. Es ist, als flösse die Zeit langsamer – als hielte die Welt für einen Augenblick inne, um uns die Möglichkeit zu geben, wirklich hinzuhören: auf das, was unser Herz uns sagen will.

Und manchmal, ja, manchmal braucht es mehr Mut, still zu sein, als zu sprechen. In einer Zeit, in der jeder eine Meinung hat und sie lautstark äussert, ist bewusstes Schweigen eine besondere Form der Stärke. Es bedeutet, Raum zu schaffen – für Gedanken, für Gefühle, für das, was wirklich zählt.

Stille ist nicht die Abwesenheit von Geräuschen – sie ist die Anwesenheit von Klarheit.

Vielleicht ist es gerade die Stille, die uns wieder lehrt, das Wesentliche zu erkennen –
nicht in der Lautstärke des Erfolgs, sondern in der leisen Stimme des Herzens.
Denn manchmal geschieht das Bedeutendste, wenn scheinbar nichts geschieht.

Papst Franziskus: Was bleibt nach seinem Tod?

Papst Franziskus starb und hinterließ nur 100 Dollar.
Kein Haus, kein Bankkonto, keine Investitionen – obwohl er das Oberhaupt der katholischen Kirche war und jährlich 340.000 Euro hätte verdienen können.
Warum? Weil er als Jesuit ein Armutsgelübde abgelegt hatte.
Er lebte einfach: in einer bescheidenen Unterkunft, mit alten Schuhen, fuhr Ford Focus, ass mit den Angestellten und trug ein schlichtes Eisenkreuz.

Sein Reichtum war nicht materiell, sondern moralisch.
Seine Botschaft:

„Es zählt nicht, was du besitzt. Es zählt, wer du bist. Was du für andere tust.“


Er war kein Papst des Luxus – Er war ein Papst des Herzens.
Ein Mann, der bewiesen hat, dass einfach zu leben bedeutet, auf eine andere Weise zu herrschen.

In einer Welt, die Reichtum oft über alles stellt, hinterließ Franziskus kein Geld – sondern eine ewige Inspiration.

Und du? Was wirst du hinterlassen?

Inspiriert durch diesen Beitrag auf FaceBook

Ein Moment der Einheit – Drei Religionen im Einklang in Rabat

Es war ein bewegender Augenblick, der am 30. März 2019 in Rabat viele Herzen berührte: In Anwesenheit von König Mohammed VI. und Papst Franziskus kamen Vertreter der drei großen monotheistischen Religionen auf eine ganz besondere Weise zusammen – durch Musik.

Im Rahmen eines Konzerts des Philharmonischen Orchesters von Marokko erklangen nacheinander der muslimische Gebetsruf „Allahu Akbar“, das jüdische Gebet „Adonaï“ und das christliche „Ave Maria“. Der Muezzin Smahi El Hadni eröffnete mit dem islamischen Ruf zum Gebet, gefolgt von der Sängerin Françoise Atlan, die das jüdische Gebet vortrug. Schließlich vereinte sich Caroline Casadesus, Tochter des berühmten Dirigenten Jean-Claude Casadesus, mit ihrer Interpretation des „Ave Maria“ von Caccini zu diesem einzigartigen musikalischen Moment.

Der Höhepunkt: Die drei Künstlerinnen und Künstler schlossen das Konzert Hand in Hand ab – ein symbolisches Bild für Versöhnung, Respekt und gemeinsames Menschsein.

Dieses Konzert war Teil der Veranstaltungsreihe „Les religions à l’unisson“ („Die Religionen im Einklang“), einer Initiative des Philharmonischen Orchesters von Marokko, die den interreligiösen Dialog durch die universelle Sprache der Musik fördern möchte.

Ein Gänsehautmoment – und ein Beispiel dafür, wie Kunst Brücken bauen kann, wo Worte oft nicht ausreichen.

Karfreitag – ein Moment der Stille

Karfreitag spricht nicht laut.
Er lädt uns ein, still zu werden –
vor dem Geheimnis des Leidens,
vor dem Kreuz, das Schmerz und Liebe zugleich trägt.

Ein Tag, an dem die Welt innehält
und der Himmel sich für einen Moment verdunkelt.

Die Zeit steht still, ein Schatten weht,
ein Kreuz im Wind der Weltgeschichte steht.
Ein letzter Hauch in Dunkelheit –
daraus erwächst Unendlichkeit.

In diesem Schweigen liegt eine tiefe Wahrheit:
dass Leben durch Hingabe wächst,
dass Hoffnung im Dunkeln wurzelt
und Gottes Gegenwart selbst im Sterben bleibt.

Ein Tag, der uns lehrt,
dass aus dem Ende ein Anfang spricht.

Dietrich Bonhoeffer – Ausstellung

Anlässlich des 80. Todestages von Dietrich Bonhoeffer, der am 9. April 1945 starb, lädt das CIDOC zu einer für alle offenen Ausstellung über diese bedeutende Persönlichkeit der Geschichte ein.

Bonhoeffer war Pastor, Theologe und Widerstandskämpfer. Mit Mut und Glauben stellte er sich dem NS-Regime entgegen und hinterließ ein bis heute aktuelles, einflussreiches Werk.

Sein Zeugnis inspiriert bis heute viele Menschen auf der ganzen Welt.



Ich habe schon mehrmals über ihn in meinem Blog geschrieben :
Heute wie damals immer noch aktuell
Sein berühmtes Gedicht
Eine Predigt