Knieschmerzen & Co

Mama hat schon seit Längerem Knieschmerzen – ein bisschen Arthrose, hiess es bisher. Am Dienstagmorgen um 7 Uhr hat sie mir eine Sprachnachricht geschickt und mir von neuen, starken Schmerzen unterhalb des linken Knies erzählt. Gehen ist unmöglich. Sitzen, Liegen, Autofahren – das ist kein Problem. Aber stehen und gehen? Keine Chance.

Ich bin dann zu ihr gefahren, nachdem ich meinen Kaffee ausgetrunken und mich angezogen hatte. Ihr Hausarzt ist zurzeit abwesend, und in die Notaufnahme wollte sie nicht. Also hat sie sich den ganzen Tag geschont, während ich bei ihr im Homeoffice gearbeitet habe.

Als wäre das nicht schon genug, hütet Mama diese Woche auch noch Shiva – die Hündin meines Bruders, der gerade in den Ferien ist. Da sie sich aber kaum bewegen kann, habe ich kurzerhand Shiva zu mir genommen, damit sie rauskommt und Mama sich wenigstens darum keine Sorgen machen muss.
Shiva kam dann heute morgen mit mir ins Büro. Ich arbeite mittwochs von 9 bis 13 Uhr im „kleinen“ Büro – da ist das absolut kein Problem. Sie war auch ganz lieb.

Als ich dann gegen halb zwei wieder bei Mama ankam, war es nicht besser, und wir entschieden uns schließlich doch für die Notaufnahme. Mama ist Angstpatientin. Sie war sichtlich gestresst, aber sie hat sich – so gut es ging – zusammengerissen. Nach dem Röntgen dann die ernüchternde Diagnose: praktisch kein Knorpel mehr im Kniegelenk. Die Schmerzen erklären sich leider nur zu gut.
Jetzt heißt es: starke Schmerzmittel nehmen und warten – auf einen Termin beim Orthopäden. Das kann gut zwei bis drei Wochen dauern… Hoffen wir, dass die Medikamente bald wirken.

Immerhin ist Mama jetzt etwas ruhiger. Sie ist erleichtert, dass es „nur“ eine relativ normale Alterserscheinung ist und nicht irgendetwas akut am Gelenk oder Knochen kaputt ist. Natürlich ist die letzte Konsequenz eine Knieprothese – aber so weit sind wir noch nicht.

Heute Abend habe ich Shiva wieder mitgenommen, und morgen kommt sie mit ins „große“ Büro. Auch dort ist es eigentlich kein Problem, sie mitzunehmen. Außerdem sind wir morgen sowieso nur zu zweit – meine Chefin und ein Kollege sind in den Ferien, der andere Kollege im Homeoffice.

Ich hoffe sehr, dass die Schmerzmittel bald helfen und Mama wenigstens wieder ein klein wenig mobiler und schmerzfreier wird. Mit dem Rollator zur Toilette, in die Küche, ins Bett – das ist in ihrer eher kleinen Wohnung nicht gerade ideal…

Und ganz nebenbei: Ich bin ja selbst auch nicht zu 100 % fit – mein Ischias macht mir immer noch zu schaffen. Aber: Auch diese Zeiten gehen vorbei. Und bessere kommen bestimmt.

Zwischen Hüttentraum und Hamsterrad

Ich schätze vieles an unserer heutigen Zeit – ohne moderne Technologien hätte ich weder Claudius noch Frank kennengelernt. Und doch denke ich oft: Früher war vieles besser. Langsamer. Überschaubarer. Weniger Lärm, weniger Druck, weniger Ablenkung.

Manchmal wird mir alles zu viel. Die Menschen, der Lärm, das Tempo. Dann träume ich von einer kleinen Hütte – irgendwo im Wald oder in den Bergen. Klein, fein, ruhig. Vielleicht mit ein paar Hühnern, ein bisschen Selbstversorgung. Einfach leben. Echt leben.

Aber solche Träume kosten Geld. Und wir leben nun mal nicht mehr in Robin Hoods Zeiten, in denen man einfach in den Wald ziehen konnte. Heute braucht man für fast alles einen finanziellen Puffer. Ohne Arbeit kein Geld. Ohne Geld kein Dach über dem Kopf. Kein Essen. Keine Sicherheit.

Nicht, dass ich immer völlig allein sein wollen würde. Nur raus aus dem Hamsterrad, das sich immer weiterdreht – ob man will oder nicht. Wir schuften, um uns Wohnungen leisten zu können, in denen wir kaum Zeit verbringen, weil wir ständig am Arbeiten sind. Und doch reicht es hinten und vorne nicht. Alles wird teurer, die Löhne steigen nicht. Die ehemalige Mittelschicht meiner Kindheit ist seit den 1990er-Jahren stetig am Verschwinden. Die Leute sind entweder arm oder reich. Doch eher arm.

Und da frag ich mich: Wozu eigentlich das alles? Am Ende sterben wir doch sowieso. Und niemand wird mehr von mir reden – berühmt bin ich ja nicht. Und wär ich es, wär ich vermutlich auf der Seite der Reichen.

Ein Teufelskreis, der still unser Leben bestimmt.
Und doch gibt es diese seltenen Augenblicke, in denen etwas in uns sagt: Es könnte auch anders sein. Vielleicht fängt Veränderung genau dort an…

Ashka – ein Herz auf vier Pfoten

Seit einer Woche ist Töchterchens Leben um ein ganz besonderes Wesen reicher: Ashka ist da. Ein kleiner Wirbelwind mit grossen Pfoten und noch grösserem Herzen – ein Labrador-Golden-Retriever-Mischling, gerade mal 14 Wochen alt.

Töchterchen hat sich viel Zeit gelassen mit der Entscheidung. Stundenlang recherchiert, überlegt, verglichen, gespürt. Und als sie Ashka dann im sanktgallischen abgeholt hat – drei Stunden Fahrt pro Weg – war klar: Das ist sie. Die richtige.

Und was soll ich sagen? Ich bin total schock-verliebt. Ashka ist nicht nur bildhübsch, sondern auch unglaublich klug. Nach 24 Stunden konnte sie bereits „Sitz“. Und inzwischen setzt sie sich jedes Mal ganz brav hin, bevor es nach draussen geht – weil Töchterchen ihr beigebracht hat, dass sich die Tür erst öffnet, wenn sie sitzt. Die beiden haben schon jetzt eine ganz besondere Verbindung.

Vielleicht wird Ashka sogar einmal ein Assistenzhund. Töchterchen denkt darüber nach – und da sie im autistischen Spektrum ist, besteht vielleicht sogar die Möglichkeit, dass die IV eine solche Ausbildung unterstützt. Das muss natürlich alles noch genau abgeklärt werden.

Aber egal, wie es weitergeht – ich bin einfach nur froh. Froh, dass Töchterchen diesen Hund gefunden hat. Oder besser gesagt: dass die beiden sich gefunden haben.

Wenn Stille spricht

Im Flüsternwald stand der Baum der Erinnerungen still. Zu still.

Zephira spürte es, noch bevor sie die Lichtung betrat. Der leise Summton, der sonst wie ein fernes Wispern zwischen den Ästen vibrierte, war verstummt. Keine schimmernden Blattadern, keine tanzenden Erinnerungsfunken in der Luft – nur bleierne Stille.

Liora kam wenig später, der Umhang leicht verrutscht, als wäre sie in Eile gewesen.
„Du fühlst es auch, nicht wahr?“
Zephira nickte. „Etwas ist geschehen. Der Baum… schweigt.“

Sie berührten vorsichtig die Rinde. Normalerweise erschienen dabei kleine Lichtspuren – Fragmente längst vergangener Geschichten. Doch heute blieb die Oberfläche grau und kühl.

Sie versuchten alles: Liora spielte eine alte Melodie auf ihrer Flöte, Zephira flüsterte einen Ruf aus den Tagen der ersten Hüter. Sie legten heilende Blätter in die Aushöhlung am Stamm, zündeten Harzlichter, baten den Wind um Hilfe.

Doch nichts geschah.

Die Sonne sank allmählich hinter die Hügel von Liophira, und das Licht auf der Lichtung wurde weich und golden. Der Baum blieb stumm.

„Vielleicht… braucht es Zeit“, sagte Liora leise.
Zephira nickte, obwohl ihr Innerstes unruhig war. Etwas war anders. Nicht falsch – aber fremd.
„Komm, wir gehen für heute“, sagte sie schließlich. „Vielleicht bringt die Nacht Klarheit.“

Sie verabschiedeten sich schweigend vom Baum, jede auf ihrem eigenen Pfad durch den beginnenden Dämmer. Doch ihre Gedanken blieben verbunden – wie zwei leise Wellen, die sich immer wieder berührten.

Als Zephira sich später in ihre weichen Mooskissen legte, hörte sie den Wind durch die Zweige über ihrem Unterschlupf flüstern.
„Was still ist, muss nicht geweckt werden…“ murmelte sie, ohne zu wissen, woher der Gedanke kam.

Und dann glitt sie hinüber – in einen Traum aus Nebel und Licht.

Zephira stand in silbernem Nebel. Der Boden unter ihren Füßen war weich wie Moos, die Luft still und voller Ahnung.

Plötzlich trat Liora aus dem Dunst.
„Du… bist auch hier?“
Zephira nickte. „Es ist ein Traum. Aber anders.“

Ein leises Rauschen – dann erschien lautlos eine große Eule mit schimmerndem Gefieder. Ihre Augen ruhten lange auf ihnen.

„Der Baum schweigt nicht – er horcht“, sagte sie mit ruhiger Stimme. „Manche Erinnerungen sprechen nur in der Stille.“

Mehr sagte sie nicht. Sie schlug die Flügel und verschwand im Nebel.

Die beiden blieben zurück, erfüllt von einem Wissen, das sich nicht in Worte fassen ließ.

Dann erwachten sie – fast gleichzeitig.

Die ersten Sonnenstrahlen fielen wie feiner Goldstaub durch das Blätterdach, als Zephira den Pfad zur Lichtung betrat. Noch bevor sie etwas sagen konnte, trat Liora zwischen den Farnen hervor. Ihre Blicke trafen sich – und sie wussten.

„Du hast es auch geträumt“, sagte Zephira.
Liora nickte langsam. „Die Eule. Der Nebel. Die Stille.“

Sie setzten sich schweigend an die Wurzeln des Baums. Kein Flüstern, kein Leuchten – aber auch kein Widerstand. Nur eine tiefe, lebendige Ruhe.

Zephira schloss die Augen. Keine Fragen, kein Tun. Nur Sein.

Nach einer Weile begann ein zarter Schimmer die Rinde entlangzugleiten – kaum sichtbar, aber warm. Die Luft vibrierte leise, als würde der Baum atmen.

Liora lächelte.
„Er hat uns gehört.“

Sie blieben noch lange sitzen. Die Stille war nicht mehr leer, sondern erfüllt – von Nähe, von Vertrauen, von etwas, das tiefer ging als Worte.

„Vielleicht war der Baum nie verstummt“, sagte Zephira schließlich.
„Vielleicht haben nur wir zu laut gesucht“, antwortete Liora.

Sie sahen einander an – und wussten: Die Lösung war nicht gekommen, weil sie etwas getan hatten. Sondern weil sie bereit gewesen waren, gemeinsam zu lauschen.

Der Traum war mehr als eine Erinnerung. Er war ein Zeichen.
Und vielleicht auch ein Versprechen – dass in Liophira jene geführt werden, die mit offenem Herzen fragen.

Wenn alles zu viel wird

Ich bin kein Psychologe. Aber ich bin überzeugt, dass Sohnemann in eine Depression geraten ist. Alles in ihm wirkt schwer, müde, ausgebrannt – und das schon lange. Die Corona-Zeit hat bei ihm tiefe Spuren hinterlassen. Er hat die Schule nicht abschliessen können – und seither ist vieles ins Wanken geraten. Für ihn. Für mich.

Vor Kurzem bekam er endlich eine Chance: eine Stelle, die ihm Freude gemacht hat, in der er aufblühte und Anerkennung fand. Zum ersten Mal seit Langem spürte ich wieder Hoffnung in seinem Blick. Doch nach nur zwei Monaten war alles vorbei – wirtschaftliche Gründe, Stellenabbau. Ausgerechnet ihn hat es getroffen. Ein harter Schlag. Für ihn war es, als hätte man ihm den Boden unter den Füssen weggezogen.

Dass er jetzt nicht sofort wieder voller Energie loszieht, sich bewirbt und „alles versucht“, ist für mich verständlich. Es geht nicht um Faulheit. Es geht um Erschöpfung. Um einen tiefen inneren Kampf, den man von aussen oft nicht sieht. Lange Zeit hat er jede Form von psychologischer Unterstützung strikt abgelehnt – wollte „das schon allein hinkriegen“. Erst vor wenigen Tagen, in einem Moment voller Wut und Frustration, hat er zum ersten Mal ausgesprochen: „Ich glaube, ich brauche einen Psychologen.“ Und auch wenn das schmerzhaft war – es war ein ehrlicher Moment. Vielleicht ein Anfang.

Doch viele sehen das nicht – und manchmal fühle ich mich damit ziemlich allein.

Auch finanziell ist die Situation sehr belastend. Sohnemann ist wieder komplett auf meine Unterstützung angewiesen. Die Krankenkassenprämien für uns beide betragen fast 1000 Franken im Monat. Die staatliche Prämienverbilligung wurde uns Anfang Jahr gestrichen – aus Gründen, die sich mir bis heute nicht erschliessen. Dazu kommen laufende Kosten, Steuern, offene Rechnungen – unter anderem von der Autowerkstatt. Ich weiss ehrlich gesagt nicht, wie ich das alles stemmen soll. Allein diesen Monat fehlen mir rund 1500 bis 2000 Franken, um grössere Probleme wie Betreibungen zu verhindern.

Rücklagen? Gibt es nicht. Seit der Scheidung war ich finanziell immer auf mich allein gestellt. Ich habe meine beiden Kinder allein (manchmal mit etwas Hilfe von Mama) durchgebracht – ohne Unterstützung vom Ex-Mann, denn er war selbst beim Sozialamt und konnte nichts beitragen. Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) hat mir bis zum 18. Lebensjahr der Kinder monatlich je 100 Franken zugesprochen – mehr war nicht drin. Damit musste ich haushalten, rechnen, improvisieren – jahrelang. Und nun stehe ich wieder an einem Punkt, an dem ich einfach nicht mehr weiss, wie es weitergehen soll.

Was viele nicht wissen: Auch wenn Sohnemann volljährig ist, bin ich finanziell für ihn bis zu seinem 25. Lebensjahr verantwortlich. Rechtlich gesehen ist er zwar erwachsen, aber solange er keine abgeschlossene Ausbildung hat, liegt die finanzielle Last weiterhin bei mir. Das bedeutet auch, dass er selbst keine Sozialhilfe beantragen kann – weil zuerst ich aufkommen muss.

Auch Arbeitslosengeld kann er nicht beantragen. Dafür müsste er mindestens ein Jahr lang gearbeitet haben – was er ja aufgrund der Umstände nie konnte. Die Stelle, die er hatte, dauerte nur zwei Monate. Es gibt also keine Auffanglösung, kein Netz, keinen Anspruch. Gleichzeitig verdiene ich selbst gerade so viel, dass ich knapp aus dem System der Sozialhilfe herausfalle – ein paar Franken zu viel, um Anspruch auf Unterstützung zu haben. Es ist, als würde man zwischen zwei Stühlen sitzen – und keiner fängt einen auf.

Auch in meiner Familie kann mich niemand finanziell unterstützen (könnten sie es, würden sie es tun !). Und Claudius – ja, er ist da, und er hat mir in der Vergangenheit schon viel geholfen. Aber ich möchte ihn nicht wieder bitten. Er hat selbst genug Sorgen, die ihn belasten, und ich will nicht zur weiteren werden.

Auch Frank hat mir schon mehrmals geholfen – und dafür bin ich wirklich sehr dankbar. Doch ich möchte ihn nicht erneut um Unterstützung bitten. Zum einen, weil ich spüre, dass ich seine Geduld nicht überstrapazieren will. Zum anderen gehört er zu den Menschen, die glauben, Sohnemann sei einfach nur bequem oder faul. Ich habe mehrfach versucht, ihm zu erklären, dass es tiefer geht – dass es eben keine Frage des Wollens ist, sondern des Könnens. Aber ich habe das Gefühl, er glaubt mir nicht wirklich. Und das tut weh. Es tut meinem Mutterherz weh – weil ich sehe, wie sehr Sohnemann leidet, und weil ich spüre, dass sein innerer Kampf oft verkannt wird.

Ich schreibe das nicht, um zu jammern oder um Hilfe zu erbitten. Aber die Wahrheit ist: Ich bin an einem Punkt, an dem ich Unterstützung annehmen würde – wenn sie von Herzen kommt. Nicht, weil ich es mir wünsche oder leichtfertig darum bitte, sondern weil es im Moment einfach keine andere Möglichkeit sehe. Und wenn sich jemand angesprochen fühlt, würde ich das in grosser Dankbarkeit annehmen.

Ich weiss, dass ich nicht die Einzige bin, der es so geht. Einerseits schreibe ich das in der Hoffnung, vielleicht doch irgendwo einen Weg oder eine Lösung zu finden. Andererseits geht es mir aber auch vor allem darum, nicht zu schweigen. Um sichtbar zu machen, dass es uns gibt – uns, die finanziell und gesellschaftlich am Rand stehen, die oft nicht gesehen werden. Viele vergessen, dass man sich seine soziale Lage nicht immer aussucht. Manchmal geschehen im Leben Dinge, mit denen man nicht rechnet – Ereignisse, die alles durcheinanderbringen. Und das nicht aus eigenem Verschulden. Auch wenn uns manchmal die Kraft fehlt, das laut zu sagen: Wir sind da. Und wir geben nicht auf 💪🏻


Wie heisst es so schön :

Ein Treffen am Weiher

Zephira lebte am Rand der stillen Hügel, wo der Wind Geschichten trug und die Tage langsam gingen. Dort wuchs sie mit der Stille auf, lernte dem Flüstern der Blätter zu lauschen und Gedanken wie Samen in die Erde zu legen.

Liora hingegen war am Ufer eines wilden Bachs zuhause. Das Rauschen begleitete sie von klein auf, ungestüm, lebendig, voller Sprünge und Strudel. Ihre Welt war laut, farbig und in ständiger Bewegung – wie sie selbst.

An einem warmen Nachmittag führte ein Umweg Zephira zu einem kleinen, spiegelnden Weiher, den sie kaum kannte. Dort, zwischen Schilf und Seerosen, entdeckte sie einen Frosch. Er hatte sich in einem Fadengewirr aus Wasserpflanzen verfangen und kämpfte erschöpft, aber still.

Zephira kniete sich vorsichtig ans Ufer, ihre Hände zögerten – da hörte sie hinter sich Schritte auf dem weichen Boden. „Was machst du da?“, fragte eine Stimme, hell und neugierig. Liora stand da, barfuss, mit einem Lächeln wie Sonnenlicht.

Gemeinsam – vorsichtig, mit stiller Konzentration und lebendiger Entschlossenheit – befreiten sie das Tier. Der Frosch sprang davon, mit einem kleinen, nassen Platsch. Und für einen Moment war es, als hätten sie etwas viel Grösseres gerettet als nur ein Tier.

Von diesem Tag an trafen sie sich immer wieder am Weiher – anfangs zufällig, später absichtlich. Die Begegnungen wurden länger, die Gespräche tiefer. Es war, als hätte jede das gefunden, was sie selbst nicht war – und doch brauchte.

Zephira war wie der Morgendunst über dem Moos, gedankenversunken und feinfühlig. Liora dagegen sprühte vor Energie, lachte oft und laut und zog Menschen an wie das Licht die Nachtfalter. Doch je mehr Liora sich in der bunten Welt der Begegnungen verlor, desto leerer fühlte sie sich. Denn viele Stimmen bedeuteten nicht, dass sie gehört wurde.

Zephira hingegen blieb lieber im Schatten, in der Tiefe – dort, wo Gedanken wachsen konnten wie Wurzeln. Und genau dort trafen sie sich. Nicht in der Menge, sondern in der Stille. Nicht im lauten Jubel, sondern im aufrichtigen Blick.

„Du bist wie ein Baum“, sagte Liora eines Abends. „Still, aber voller Leben.“

Zephira lächelte nur. „Und du bist wie der Wind. Du bringst Bewegung in alles – und doch kommst du immer wieder zu mir zurück.“

In einer Welt voller Begegnungen lernten sie, dass es nicht darauf ankommt, viele Stimmen zu hören – sondern eine einzige zu verstehen. Und dass eine Hand, die dich hält, wertvoller ist als hundert, die dich nur berühren.

Als sie sich an diesem Abend trennten, zog ein leiser Nebel über den Weiher, und das Wasser kräuselte sich sacht – so, als würde es ihr Geheimnis behüten. Irgendwo in der Ferne quakte ein Frosch. Und beide wussten: Das nächste Treffen würde nicht lange auf sich warten lassen.

Denn manche Verbindungen wachsen nicht im Licht der Welt, sondern im Schatten der Tiefe – dort, wo echte Freundschaft wurzelt.

In der Stille beginnt das Flüstern

Es gibt Orte, an denen Worte überflüssig werden. Momente, in denen das Außen verstummt und etwas Tieferes zu uns spricht – nicht laut, nicht logisch, sondern leise und klar. Die Natur ist ein solcher Ort. Wer sich ihr wirklich öffnet, wer sich Zeit nimmt, hinzuspüren, der entdeckt nicht nur die Schönheit der Welt, sondern auch eine innere Wahrheit, die im Alltag oft verschüttet liegt.

Was wäre, wenn wir öfter still wären? Nicht passiv, sondern empfänglich? Nicht leer, sondern offen?
Vielleicht würden wir dann – wie Liora in der Geschichte „Der Fluss“ – erkennen, dass wir weniger suchen müssen, als wir glauben. Und dass das, was wir brauchen, längst in uns ruht.

20. Juni – offizieller Yellowday

Übrigens, heute ist der offizielle Yellowday

💛

– ich habe ja einfach gefunden, dass ein Tag pro Jahr zu wenig ist. Deshalb „feier“ ich den Yellowday jeden Donnerstag. Der Yellow Day, bekannt als der glücklichste Tag des Jahres, wird jedes Jahr am 20. Juni gefeiert.

Dieser Tag wurde aufgrund wissenschaftlicher und psychologischer Studien festgelegt, die Faktoren wie angenehme Temperaturen berücksichtigen. Es ist ein Tag, an dem die Menschen optimistisch und voller positiver Energie sein sollen.

Toleranz – aber bitte für alle

Kürzlich stiess ich auf einen Beitrag, der mich zum Nachdenken brachte: Eine heterosexuelle Person wurde zu einem Fest eingeladen – vegan, queer, bunt. Sie fragte sich, ob sie dort willkommen sei. Nicht, weil sie Vorurteile hatte, sondern weil sie den Eindruck bekam, dass sie selbst sich anpassen müsse, ohne mit echter Offenheit rechnen zu können.

Irgendwie hat mich das zum Nachdenken gebracht. Ich beobachte Ähnliches auch anderswo. Etwa, wenn an kirchlichen oder gesellschaftlichen Anlässen nur noch vegetarisch oder vegan gegessen wird – stillschweigend vorausgesetzt, dass alle damit einverstanden sind. Ich habe nichts gegen fleischlose Küche, esse oft selbst so. Aber ich frage mich: Warum wird mir etwas aufgezwungen, was als freiwillige Haltung mehr Wirkung hätte?

Manchmal fühle ich mich als heterosexueller Mensch fast schon diskriminiert – nicht, weil mir etwas genommen wird, sondern weil ich das Gefühl habe, dass meine Sichtweise nicht mehr zählt oder zumindest nicht mehr ausgesprochen werden darf, ohne als „nicht mehr zeitgemäss“ zu gelten.

Was mir dabei auffällt: Zwischen etwa 1970 und 1990 war der Umgang oft entspannter. Menschen wie Elton John, Freddie Mercury oder Boy George wurden für ihr Können bewundert – nicht für ihre Essgewohnheiten oder ihre sexuelle Orientierung, sondern für ihre Kunst, ihre Ausstrahlung, ihre Persönlichkeit. Es war uns schlicht egal, ob jemand schwul war oder Fleisch ass. Der Mensch stand im Vordergrund – nicht das Label.

Und ich glaube: Viele LGBTIQ+ und Queer-Menschen wollen diesen ganzen Hype gar nicht. Sie wollen einfach leben – in Ruhe, mit Respekt, ohne ständig ein Thema zu sein. Genau das wäre echte Gleichberechtigung: wenn es einfach normal ist, verschieden zu sein.

Ein Gedanke beschäftigt mich besonders: Immer wieder liest man den Satz „Uns wurde der Regenbogen gestohlen“. Und irgendwie stimmt das. Der Regenbogen – einst Symbol für Frieden, Vielfalt, Hoffnung – ist heute fast ausschliesslich mit der LGBTIQ+-Bewegung verknüpft. Sobald man ihn in einem Logo oder auf einer Flagge sieht, denkt man automatisch in diese Richtung. Dabei gehört der Regenbogen uns allen. Er steht für Weite, Schönheit, Natur – für das Verbindende, nicht das Trennende.

Toleranz darf keine Einbahnstrasse sein. Sie lebt davon, dass wir Verschiedenheit aushalten – auch da, wo sie uns fremd ist oder unbequem. Es geht nicht darum, dass alle alles gut finden. Es geht darum, dass wir einander zugestehen, unterschiedlich zu leben, zu denken, zu essen, zu glauben oder zu lieben.

Ich akzeptiere Menschen in ihrer Vielfalt. Ich wünsche mir nur, dass auch meine Perspektive Teil dieser Vielfalt sein darf.