Wenn alles zu viel wird

Ich bin kein Psychologe. Aber ich bin überzeugt, dass Sohnemann in eine Depression geraten ist. Alles in ihm wirkt schwer, müde, ausgebrannt – und das schon lange. Die Corona-Zeit hat bei ihm tiefe Spuren hinterlassen. Er hat die Schule nicht abschliessen können – und seither ist vieles ins Wanken geraten. Für ihn. Für mich.

Vor Kurzem bekam er endlich eine Chance: eine Stelle, die ihm Freude gemacht hat, in der er aufblühte und Anerkennung fand. Zum ersten Mal seit Langem spürte ich wieder Hoffnung in seinem Blick. Doch nach nur zwei Monaten war alles vorbei – wirtschaftliche Gründe, Stellenabbau. Ausgerechnet ihn hat es getroffen. Ein harter Schlag. Für ihn war es, als hätte man ihm den Boden unter den Füssen weggezogen.

Dass er jetzt nicht sofort wieder voller Energie loszieht, sich bewirbt und „alles versucht“, ist für mich verständlich. Es geht nicht um Faulheit. Es geht um Erschöpfung. Um einen tiefen inneren Kampf, den man von aussen oft nicht sieht. Lange Zeit hat er jede Form von psychologischer Unterstützung strikt abgelehnt – wollte „das schon allein hinkriegen“. Erst vor wenigen Tagen, in einem Moment voller Wut und Frustration, hat er zum ersten Mal ausgesprochen: „Ich glaube, ich brauche einen Psychologen.“ Und auch wenn das schmerzhaft war – es war ein ehrlicher Moment. Vielleicht ein Anfang.

Doch viele sehen das nicht – und manchmal fühle ich mich damit ziemlich allein.

Auch finanziell ist die Situation sehr belastend. Sohnemann ist wieder komplett auf meine Unterstützung angewiesen. Die Krankenkassenprämien für uns beide betragen fast 1000 Franken im Monat. Die staatliche Prämienverbilligung wurde uns Anfang Jahr gestrichen – aus Gründen, die sich mir bis heute nicht erschliessen. Dazu kommen laufende Kosten, Steuern, offene Rechnungen – unter anderem von der Autowerkstatt. Ich weiss ehrlich gesagt nicht, wie ich das alles stemmen soll. Allein diesen Monat fehlen mir rund 1500 bis 2000 Franken, um grössere Probleme wie Betreibungen zu verhindern.

Rücklagen? Gibt es nicht. Seit der Scheidung war ich finanziell immer auf mich allein gestellt. Ich habe meine beiden Kinder allein (manchmal mit etwas Hilfe von Mama) durchgebracht – ohne Unterstützung vom Ex-Mann, denn er war selbst beim Sozialamt und konnte nichts beitragen. Die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) hat mir bis zum 18. Lebensjahr der Kinder monatlich je 100 Franken zugesprochen – mehr war nicht drin. Damit musste ich haushalten, rechnen, improvisieren – jahrelang. Und nun stehe ich wieder an einem Punkt, an dem ich einfach nicht mehr weiss, wie es weitergehen soll.

Was viele nicht wissen: Auch wenn Sohnemann volljährig ist, bin ich finanziell für ihn bis zu seinem 25. Lebensjahr verantwortlich. Rechtlich gesehen ist er zwar erwachsen, aber solange er keine abgeschlossene Ausbildung hat, liegt die finanzielle Last weiterhin bei mir. Das bedeutet auch, dass er selbst keine Sozialhilfe beantragen kann – weil zuerst ich aufkommen muss.

Auch Arbeitslosengeld kann er nicht beantragen. Dafür müsste er mindestens ein Jahr lang gearbeitet haben – was er ja aufgrund der Umstände nie konnte. Die Stelle, die er hatte, dauerte nur zwei Monate. Es gibt also keine Auffanglösung, kein Netz, keinen Anspruch. Gleichzeitig verdiene ich selbst gerade so viel, dass ich knapp aus dem System der Sozialhilfe herausfalle – ein paar Franken zu viel, um Anspruch auf Unterstützung zu haben. Es ist, als würde man zwischen zwei Stühlen sitzen – und keiner fängt einen auf.

Auch in meiner Familie kann mich niemand finanziell unterstützen (könnten sie es, würden sie es tun !). Und Claudius – ja, er ist da, und er hat mir in der Vergangenheit schon viel geholfen. Aber ich möchte ihn nicht wieder bitten. Er hat selbst genug Sorgen, die ihn belasten, und ich will nicht zur weiteren werden.

Auch Frank hat mir schon mehrmals geholfen – und dafür bin ich wirklich sehr dankbar. Doch ich möchte ihn nicht erneut um Unterstützung bitten. Zum einen, weil ich spüre, dass ich seine Geduld nicht überstrapazieren will. Zum anderen gehört er zu den Menschen, die glauben, Sohnemann sei einfach nur bequem oder faul. Ich habe mehrfach versucht, ihm zu erklären, dass es tiefer geht – dass es eben keine Frage des Wollens ist, sondern des Könnens. Aber ich habe das Gefühl, er glaubt mir nicht wirklich. Und das tut weh. Es tut meinem Mutterherz weh – weil ich sehe, wie sehr Sohnemann leidet, und weil ich spüre, dass sein innerer Kampf oft verkannt wird.

Ich schreibe das nicht, um zu jammern oder um Hilfe zu erbitten. Aber die Wahrheit ist: Ich bin an einem Punkt, an dem ich Unterstützung annehmen würde – wenn sie von Herzen kommt. Nicht, weil ich es mir wünsche oder leichtfertig darum bitte, sondern weil es im Moment einfach keine andere Möglichkeit sehe. Und wenn sich jemand angesprochen fühlt, würde ich das in grosser Dankbarkeit annehmen.

Ich weiss, dass ich nicht die Einzige bin, der es so geht. Einerseits schreibe ich das in der Hoffnung, vielleicht doch irgendwo einen Weg oder eine Lösung zu finden. Andererseits geht es mir aber auch vor allem darum, nicht zu schweigen. Um sichtbar zu machen, dass es uns gibt – uns, die finanziell und gesellschaftlich am Rand stehen, die oft nicht gesehen werden. Viele vergessen, dass man sich seine soziale Lage nicht immer aussucht. Manchmal geschehen im Leben Dinge, mit denen man nicht rechnet – Ereignisse, die alles durcheinanderbringen. Und das nicht aus eigenem Verschulden. Auch wenn uns manchmal die Kraft fehlt, das laut zu sagen: Wir sind da. Und wir geben nicht auf 💪🏻


Wie heisst es so schön :

Ein Treffen am Weiher

Zephira lebte am Rand der stillen Hügel, wo der Wind Geschichten trug und die Tage langsam gingen. Dort wuchs sie mit der Stille auf, lernte dem Flüstern der Blätter zu lauschen und Gedanken wie Samen in die Erde zu legen.

Liora hingegen war am Ufer eines wilden Bachs zuhause. Das Rauschen begleitete sie von klein auf, ungestüm, lebendig, voller Sprünge und Strudel. Ihre Welt war laut, farbig und in ständiger Bewegung – wie sie selbst.

An einem warmen Nachmittag führte ein Umweg Zephira zu einem kleinen, spiegelnden Weiher, den sie kaum kannte. Dort, zwischen Schilf und Seerosen, entdeckte sie einen Frosch. Er hatte sich in einem Fadengewirr aus Wasserpflanzen verfangen und kämpfte erschöpft, aber still.

Zephira kniete sich vorsichtig ans Ufer, ihre Hände zögerten – da hörte sie hinter sich Schritte auf dem weichen Boden. „Was machst du da?“, fragte eine Stimme, hell und neugierig. Liora stand da, barfuss, mit einem Lächeln wie Sonnenlicht.

Gemeinsam – vorsichtig, mit stiller Konzentration und lebendiger Entschlossenheit – befreiten sie das Tier. Der Frosch sprang davon, mit einem kleinen, nassen Platsch. Und für einen Moment war es, als hätten sie etwas viel Grösseres gerettet als nur ein Tier.

Von diesem Tag an trafen sie sich immer wieder am Weiher – anfangs zufällig, später absichtlich. Die Begegnungen wurden länger, die Gespräche tiefer. Es war, als hätte jede das gefunden, was sie selbst nicht war – und doch brauchte.

Zephira war wie der Morgendunst über dem Moos, gedankenversunken und feinfühlig. Liora dagegen sprühte vor Energie, lachte oft und laut und zog Menschen an wie das Licht die Nachtfalter. Doch je mehr Liora sich in der bunten Welt der Begegnungen verlor, desto leerer fühlte sie sich. Denn viele Stimmen bedeuteten nicht, dass sie gehört wurde.

Zephira hingegen blieb lieber im Schatten, in der Tiefe – dort, wo Gedanken wachsen konnten wie Wurzeln. Und genau dort trafen sie sich. Nicht in der Menge, sondern in der Stille. Nicht im lauten Jubel, sondern im aufrichtigen Blick.

„Du bist wie ein Baum“, sagte Liora eines Abends. „Still, aber voller Leben.“

Zephira lächelte nur. „Und du bist wie der Wind. Du bringst Bewegung in alles – und doch kommst du immer wieder zu mir zurück.“

In einer Welt voller Begegnungen lernten sie, dass es nicht darauf ankommt, viele Stimmen zu hören – sondern eine einzige zu verstehen. Und dass eine Hand, die dich hält, wertvoller ist als hundert, die dich nur berühren.

Als sie sich an diesem Abend trennten, zog ein leiser Nebel über den Weiher, und das Wasser kräuselte sich sacht – so, als würde es ihr Geheimnis behüten. Irgendwo in der Ferne quakte ein Frosch. Und beide wussten: Das nächste Treffen würde nicht lange auf sich warten lassen.

Denn manche Verbindungen wachsen nicht im Licht der Welt, sondern im Schatten der Tiefe – dort, wo echte Freundschaft wurzelt.

In der Stille beginnt das Flüstern

Es gibt Orte, an denen Worte überflüssig werden. Momente, in denen das Außen verstummt und etwas Tieferes zu uns spricht – nicht laut, nicht logisch, sondern leise und klar. Die Natur ist ein solcher Ort. Wer sich ihr wirklich öffnet, wer sich Zeit nimmt, hinzuspüren, der entdeckt nicht nur die Schönheit der Welt, sondern auch eine innere Wahrheit, die im Alltag oft verschüttet liegt.

Was wäre, wenn wir öfter still wären? Nicht passiv, sondern empfänglich? Nicht leer, sondern offen?
Vielleicht würden wir dann – wie Liora in der Geschichte „Der Fluss“ – erkennen, dass wir weniger suchen müssen, als wir glauben. Und dass das, was wir brauchen, längst in uns ruht.

20. Juni – offizieller Yellowday

Übrigens, heute ist der offizielle Yellowday

💛

– ich habe ja einfach gefunden, dass ein Tag pro Jahr zu wenig ist. Deshalb „feier“ ich den Yellowday jeden Donnerstag. Der Yellow Day, bekannt als der glücklichste Tag des Jahres, wird jedes Jahr am 20. Juni gefeiert.

Dieser Tag wurde aufgrund wissenschaftlicher und psychologischer Studien festgelegt, die Faktoren wie angenehme Temperaturen berücksichtigen. Es ist ein Tag, an dem die Menschen optimistisch und voller positiver Energie sein sollen.

Toleranz – aber bitte für alle

Kürzlich stiess ich auf einen Beitrag, der mich zum Nachdenken brachte: Eine heterosexuelle Person wurde zu einem Fest eingeladen – vegan, queer, bunt. Sie fragte sich, ob sie dort willkommen sei. Nicht, weil sie Vorurteile hatte, sondern weil sie den Eindruck bekam, dass sie selbst sich anpassen müsse, ohne mit echter Offenheit rechnen zu können.

Irgendwie hat mich das zum Nachdenken gebracht. Ich beobachte Ähnliches auch anderswo. Etwa, wenn an kirchlichen oder gesellschaftlichen Anlässen nur noch vegetarisch oder vegan gegessen wird – stillschweigend vorausgesetzt, dass alle damit einverstanden sind. Ich habe nichts gegen fleischlose Küche, esse oft selbst so. Aber ich frage mich: Warum wird mir etwas aufgezwungen, was als freiwillige Haltung mehr Wirkung hätte?

Manchmal fühle ich mich als heterosexueller Mensch fast schon diskriminiert – nicht, weil mir etwas genommen wird, sondern weil ich das Gefühl habe, dass meine Sichtweise nicht mehr zählt oder zumindest nicht mehr ausgesprochen werden darf, ohne als „nicht mehr zeitgemäss“ zu gelten.

Was mir dabei auffällt: Zwischen etwa 1970 und 1990 war der Umgang oft entspannter. Menschen wie Elton John, Freddie Mercury oder Boy George wurden für ihr Können bewundert – nicht für ihre Essgewohnheiten oder ihre sexuelle Orientierung, sondern für ihre Kunst, ihre Ausstrahlung, ihre Persönlichkeit. Es war uns schlicht egal, ob jemand schwul war oder Fleisch ass. Der Mensch stand im Vordergrund – nicht das Label.

Und ich glaube: Viele LGBTIQ+ und Queer-Menschen wollen diesen ganzen Hype gar nicht. Sie wollen einfach leben – in Ruhe, mit Respekt, ohne ständig ein Thema zu sein. Genau das wäre echte Gleichberechtigung: wenn es einfach normal ist, verschieden zu sein.

Ein Gedanke beschäftigt mich besonders: Immer wieder liest man den Satz „Uns wurde der Regenbogen gestohlen“. Und irgendwie stimmt das. Der Regenbogen – einst Symbol für Frieden, Vielfalt, Hoffnung – ist heute fast ausschliesslich mit der LGBTIQ+-Bewegung verknüpft. Sobald man ihn in einem Logo oder auf einer Flagge sieht, denkt man automatisch in diese Richtung. Dabei gehört der Regenbogen uns allen. Er steht für Weite, Schönheit, Natur – für das Verbindende, nicht das Trennende.

Toleranz darf keine Einbahnstrasse sein. Sie lebt davon, dass wir Verschiedenheit aushalten – auch da, wo sie uns fremd ist oder unbequem. Es geht nicht darum, dass alle alles gut finden. Es geht darum, dass wir einander zugestehen, unterschiedlich zu leben, zu denken, zu essen, zu glauben oder zu lieben.

Ich akzeptiere Menschen in ihrer Vielfalt. Ich wünsche mir nur, dass auch meine Perspektive Teil dieser Vielfalt sein darf.

Wenn Arbeit, Kultur und Chor aufeinandertreffen

Gestern war kein gewöhnlicher Tag – sondern einer, der mir in Erinnerung bleiben wird :

Ein Tag im Gros-de-Vaud – Unser Betriebsausflug zwischen Kultur, Natur und Gastfreundschaft

Gestern war es wieder einmal so weit: Betriebsausflug! Ein willkommener Anlass, den Arbeitsalltag hinter sich zu lassen, gemeinsam unterwegs zu sein und neue Eindrücke zu sammeln. Und genau das haben wir getan – mit einem abwechslungsreichen Tag im Gros-de-Vaud.

Pünktlich um 8:15 Uhr trafen wir uns am Bahnhof in Echallens. Von dort aus ging es mit einem kleinen Car in das charmante Dorf Chêne-Pâquier, wo ein liebevoll vorbereitetes Zmorge auf uns wartete. Frischer Kaffee und selbstgebackener Zopf – besser kann ein Tag kaum beginnen.

Im Anschluss besuchten wir den eindrucksvollen Temple elliptique, eine kleine Kirche die mit ihrer elliptischen Bauweise nicht nur architektonisch besonders ist, sondern auch geschichtlich einiges zu erzählen hat. Der Pfarrer vor Ort vermittelte uns auf lebendige Art die Hintergründe und Besonderheiten dieses bemerkenswerten Gotteshauses.

Danach machte sich die Gruppe zu Fuss auf den Weg zum Tour Saint-Martin – ein Aussichtsturm mit weiter Sicht über das Land. Aufgrund meiner Ischias-Probleme konnte ich diesen Weg nicht mitgehen. Umso dankbarer war ich für das spontane Angebot einer Kollegin, die mit dem Auto unterwegs war und mich kurzerhand mitnahm. Eine kleine Geste mit grosser Wirkung – denn der Aufstieg auf den Turm und die Aussicht von oben waren ein echtes Highlight des Tages.

Zurück im Car führte uns die Route weiter nach Denezy, wo wir eine kleine Kirche mit Fresken des schweizer Künstlers Louis Rivier besichtigten. Auch hier erhielten wir eine spannende und detaillierte Einführung – eine schöne Gelegenheit, Kunst und Geschichte in einer ruhigen Atmosphäre auf sich wirken zu lassen.

Gegen Mittag erreichten wir den letzten Programmpunkt unseres Ausflugs: das Restaurant La Ferme in Cremin. Ein Ort mit ländlichem Charme und familiärer Atmosphäre. Das Mittagessen wurde in grossen Schüsseln serviert – Schweinsbraten, Gratin Dauphinois und Rüebli-Salat – ganz wie zu Hause. Die ungezwungene Stimmung und das feine Essen rundeten diesen gelungenen Tag wunderbar ab.

Um 14:30 Uhr wurden wir beim Restaurant abgeholt und zurück nach Echallens gebracht – unserem morgendlichen Ausgangspunkt. Dort wartete bereits meine Mama auf mich, die mich morgens hingefahren hatte. Gemeinsam fuhren wir zu ihr nach Hause, wo ich ihr von all den schönen Erlebnissen des Tages erzählte.

Chorleben am Abend – Musik, Gemeinschaft und gute Gespräche

Nach einem erlebnisreichen Ausflugstag war für mich noch lange nicht Schluss. Gegen halb sechs machte ich mich erneut auf den Weg – diesmal nach Lausanne, um unsere Chorchefin und eine Kollegin aus dem Chor-Comité abzuholen. Wir waren bei Guillaume, unserem Präsidenten, zum gemeinsamen Znacht eingeladen.

Als wir ankamen, erwartete uns bereits ein liebevoll vorbereiteter Apéro. Die Stimmung war herzlich, fast familiär, und bald wurde der Grill angefeuert. Es wurde viel gelacht, erzählt und gemeinsam gegessen – doch neben dem Geselligen hatte der Abend auch einen sehr produktiven Kern.

Wir tauschten uns über das vergangene Konzert aus, gaben einander Feedback, reflektierten, lobten – und übten auch konstruktive Kritik. Die Atmosphäre blieb dabei stets offen und unterstützend. Es war spürbar, wie sehr uns der Chor verbindet – nicht nur musikalisch, sondern auch menschlich.

Auch die Planung für kommende Projekte nahm an Fahrt auf, Ideen wurden gesammelt, mögliche Termine besprochen und erste Visionen geteilt. Gegen 1 Uhr morgens kam ich schliesslich nach Hause – todmüde, aber erfüllt. Dieser Abend war wie das i-Tüpfelchen auf einen ohnehin schon wunderbaren Tag.

#yellowday24

#yellowday 24

💛

Ich habe gestern von unserer Chorleiterin diesen schönen Blumenstrauss bekommen. Als Dankeschön, dass ich sie nach der Chorprobe immer nach Hause fahre. Und sie meinte, sie hätte extra diesen Blumenstrauss gewählt, damit er zum heutigen #yellowday passt. Sie ist echt süss, „meine Céline“ 💛

Christkatholische Persönlichkeiten in der Schweiz – Stimmen einer kleinen, offenen Kirche

Die Christkatholische Kirche begleitet mich seit meiner Kindheit – und liegt mir bis heute am Herzen. Darum ist es mir ein Bedürfnis immer wieder über sie und die Menschen zu schreiben, die ihr Gesicht geben.

Immer wieder werde ich gefragt, was die Christkatholische Kirche eigentlich ausmacht. Für mich ist sie mehr als eine Glaubensgemeinschaft – sie ist eine Kirche mit Geschichte, Haltung und Gesichtern. Heute möchte ich einige dieser Gesichter vorstellen: Persönlichkeiten, die durch ihr Wirken innerhalb und außerhalb der Kirche sichtbar gemacht haben, wofür wir stehen – damals wie heute.


Eine Kirche aus dem Geist des Widerspruchs

Die Christkatholische Kirche der Schweiz entstand im 19. Jahrhundert als Antwort auf das Erste Vatikanische Konzil (1869–1870), insbesondere auf die dort beschlossene Unfehlbarkeit des Papstes. Viele Katholikinnen und Katholiken in der Schweiz – vor allem aus staatskirchlich geprägten, liberalen Kreisen – lehnten diese Neuerung ab. Aus dieser Bewegung ging 1871 die Christkatholische Kirche der Schweiz hervor: katholisch in der Liturgie, demokratisch in der Struktur und offen für theologische Weiterentwicklungen – ich sag ja immer „Wir sind reformierte Katholiken“.

Im Laufe der Zeit wurde die Kirche geprägt von Persönlichkeiten, die nicht nur innerhalb der Kirche, sondern auch darüber hinaus Wirkung entfaltet haben. Eine Auswahl:

Geistliche Führungspersönlichkeiten – Bischöfe

Zusammenfassung aller Bischöfe der christkatholischen Kirche Schweiz (pdf).

👤 Eduard Herzog (1841–1924)

Bischof von 1876 bis 1924
Als erster Bischof der Christkatholischen Kirche war Eduard Herzog eine prägende Figur der Gründungszeit. Der ehemalige römisch-katholische Theologieprofessor in Luzern wandte sich nach dem Ersten Vatikanischen Konzil der altkatholischen Bewegung zu. 1876 wurde er von Bischof Joseph Hubert Reinkens (Deutschland) geweiht. Herzog setzte sich für eine staatskirchlich verankerte Struktur, theologische Eigenverantwortung und den Aufbau einer glaubwürdigen Seelsorge ein.

👤 Johannes Stremlau (1874–1955)

Bischof von 1924 bis 1955
Der gebürtige Elsässer wurde nach Herzogs Tod zum zweiten Bischof gewählt. In seiner langen Amtszeit führte er die Kirche durch gesellschaftliche Umbrüche, die Zwischenkriegszeit und den Zweiten Weltkrieg. Stremlau galt als besonnener und verbindlicher Kirchenmann, der die christkatholische Identität festigte.

👤 Urs Küry (1901–1976)

Bischof von 1955 bis 1972
Theologe, Publizist und Vordenker: Küry prägte die Nachkriegszeit durch seine liturgischen Reformimpulse und seinen Einsatz für den ökumenischen Dialog. Sein Werk „Die altkatholische Kirche“ zählt bis heute zu den Standardwerken der altkatholischen Theologie.

👤 Léon Gauthier (1912–2003)

Bischof von 1972 bis 1986
Der erste frankophone Bischof der Christkatholischen Kirche wurde in La Chaux-de-Fonds geboren und war über 30 Jahre Pfarrer in Genf-Carouge. Als Bischof engagierte er sich stark in der internationalen altkatholischen Bewegung, leitete ökumenische Kommissionen und förderte eine moderne, offene geistliche Kommunikation.

👤 Hans Gerny (1925–2014)

Bischof von 1986 bis 1999
Der Basler Theologe war ein Mann der Ausgewogenheit. Unter seiner Leitung entwickelte sich die Kirche in Richtung verstärkter Partizipation – besonders auch durch die Einbindung von Frauen. Gerny war ökumenisch stark vernetzt und legte Wert auf eine menschennahe Seelsorge.


🔄 Vakanzzeit 1999–2009

Kein amtierender Bischof
Nach dem Rücktritt von Hans Gerny im Jahr 1999 entschied die Nationalsynode, vorerst keinen neuen Bischof zu wählen. Die Leitung der Kirche wurde interimistisch durch ein Team aus Synodalrat, Synodalvertretung und Kirchenkanzlei übernommen. Diese Zeit war geprägt von Reflexion, Strukturfragen und einer Neuorientierung der kirchlichen Leitung – insbesondere im Hinblick auf die Stellung des Bischofsamts in einer demokratisch verfassten Kirche.

👤 *Fritz-René Müller (1949)

Generalvikar und leitender Geistlicher in der Vakanzzeit 1999–2009
Nach dem Rücktritt von Bischof Hans Gerny übernahm Fritz-René Müller als Generalvikar eine zentrale Leitungsfunktion in einer bewusst bischofslosen Phase. Der erfahrene Pfarrer und frühere Synodalratspräsident vertrat die Kirche in theologischen, ökumenischen und organisatorischen Fragen nach innen wie nach außen. Müller galt als integrative Persönlichkeit mit einem feinen Gespür für Ausgleich und Kommunikation. Unter seiner Mitwirkung wurde die spätere Wahl von Harald Rein vorbereitet und die Rolle des Bischofs im Kontext der synodalen Kirchenstruktur neu reflektiert.


👤 *Harald Rein (1957)

Bischof von 2009 bis 2023
Nach zehnjähriger Vakanz wurde Harald Rein gewählt – der erste Bischof nach dem Zwischenjahrzehnt. Er führte die Kirche in eine neue öffentliche Sichtbarkeit und vertrat klare Positionen zu ethischen, kirchlichen und gesellschaftspolitischen Themen. Rein galt als Stimme des Dialogs und setzte sich besonders für Inklusion, ökumenische Verständigung und innerkirchliche Offenheit ein.

👤 *Frank Bangerter (1966)

Bischof seit 2024
Der Seelsorger aus dem Kanton Solothurn steht für eine dialogische, sachlich fundierte Leitung. Er betont die Rolle der Kirche als Gesprächspartnerin in der Gesellschaft und fördert eine Seelsorge, die die Lebensrealität der Menschen ernst nimmt. Als Bischof setzt er auf Zusammenarbeit, Klarheit und geistliche Tiefe.


Stimmen für Gleichstellung und Wandel

👩‍🎓 *Denise Wyss (1965)

Erste geweihte Pfarrerin der Christkatholischen Kirche
Nach der Einführung der Frauenordination durch die Nationalsynode 1999 wurde Wyss als erste Frau zum priesterlichen Dienst geweiht – ein Meilenstein in der Geschichte der Kirche und ein starkes Zeichen für Gleichberechtigung.

👩‍🎓 *Angela Berlis (1957)

Professorin für Kirchengeschichte und Theologin
Berlis zählt zu den wichtigsten Theologinnen der altkatholischen Welt. Sie lehrt in Bern, ist international vernetzt und setzt sich seit Jahrzehnten für die Gleichstellung in kirchlichen Ämtern ein – sowohl theoretisch als auch praktisch.


Christkatholisch geprägte Persönlichkeiten aus Kultur und Justiz

🎭 *Franz Hohler (1943)

Kabarettist, Autor und Liedermacher
Der bekannte Schweizer Künstler stammt aus einem christkatholischen Elternhaus. Seine Werke verbinden feinen Humor mit kritischem Blick – Ausdruck eines Glaubens, der nachfragt und mitdenkt.

⚖️ Arthur Häfliger (1916–2000)

Ehemaliger Bundesrichter
Häfliger war eine respektierte Stimme im Schweizer Rechtswesen. Seine christkatholische Prägung spiegelte sich in seinem Engagement für Menschenwürde, Gerechtigkeit und Unabhängigkeit der Justiz.

⚖️ *Michael Lauber (1965)

Ehemaliger Bundesanwalt, heute Medienverantwortlicher der Christkatholischen Kirche
Lauber, Sohn des christkatholischen Pfarrers Roland Lauber, ist seit Geburt Teil dieser Kirche. Nach seiner juristischen Karriere engagiert er sich heute in der kirchlichen Kommunikation und prägt das öffentliche Bild der Kirche mit.

🧑‍🎨 Walther Munzinger (1830–1873)

Jurist, Politiker und Mitbegründer der Christkatholischen Kirche der Schweiz
Munzinger war eine Schlüsselfigur in der Gründungsphase. Als engagierter Kirchenpolitiker organisierte er 1871 den ersten christkatholischen Katholikenkongress in Solothurn und wirkte massgeblich an der Berufung von Eduard Herzog mit. Auch der Aufbau der theologischen Fakultät in Bern ist untrennbar mit seinem Namen verbunden.

👩‍🏫 Anny Peter (1882–1958)

Pädagogin, Frauenrechtlerin und führende Persönlichkeit der christkatholischen Frauenbewegung
Als Präsidentin des Verbands Christkatholischer Frauenvereine setzte sich Anny Peter früh für Mitbestimmung und Gleichstellung ein. Sie gründete eine internationale Arbeitsgemeinschaft altkatholischer Frauenverbände und engagierte sich während des Zweiten Weltkriegs in der Flüchtlingshilfe.


Persönliches Schlusswort

Diese Persönlichkeiten stehen exemplarisch für eine Kirche, die trotz ihrer überschaubaren Grösse bedeutende Impulse gesetzt hat – theologisch, gesellschaftlich und menschlich.

Ich selbst stamme aus einer christkatholischen Familie, deren Vorfahren zu den Gründungsmitgliedern dieser Kirche gehörten. Diese Verwurzelung ist für mich mehr als nur familiäre Geschichte – sie ist Teil meiner Identität. Sie verbindet mich mit einer Glaubensgemeinschaft, die seit über 150 Jahren versucht, glaubwürdig, offen und verantwortungsbewusst Kirche zu sein – in der Welt von damals und von heute.

Ich bin stolz, dieser Kirche anzugehören. Es ist mir ein echtes Anliegen, ihre Geschichte, ihre Werte und ihr Profil sichtbar zu machen – innerhalb und außerhalb kirchlicher Kreise. Denn ich bin überzeugt: Unsere Kirche hat auch heute viel zu sagen.

Der Fluss

Es war früh am Morgen, als Liora den schmalen Pfad hinunter zum Fluss nahm. Nebel hing über dem Wasser wie ein ungesagtes Wort, das zwischen Himmel und Erde schwebte. Sie war zum ersten Mal seit Jahren wieder hier – an dem Ort, an dem einst ihre Großmutter gelebt hatte.

Der Wald schien sie zu erkennen. Die Blätter raschelten leise, als flüsterten sie Erinnerungen. Liora blieb stehen, schloss die Augen und lauschte. Da war nichts – und doch alles. Ein stilles Summen in der Luft, als würde die Natur atmen.

Am Ufer hockte sie sich hin. Der Fluss floss ruhig, aber kraftvoll. Ihre Großmutter hatte gesagt, dass der Fluss eine Seele habe. „Wenn du still bist, spricht er mit dir“, hatte sie gemurmelt, damals, als Liora noch zu jung war, um zu verstehen.

Heute wollte sie zuhören.

Sie streckte eine Hand ins Wasser. Es war kühl und lebendig. Plötzlich hatte sie das Gefühl, nicht allein zu sein. Kein Geräusch – nur ein inneres Vibrieren, ein Hauch, wie ein Gedanke, der nicht aus ihr kam.

„Du suchst etwas, das du nie verloren hast.“

Liora erstarrte. Die Worte klangen nicht in ihren Ohren, sondern in ihrem Inneren.

Sie sah sich um. Niemand war da – nur Bäume, Wasser, Nebel. Und doch war etwas präsent. Kein Schrecken, eher eine wache Stille.

„Wer bist du?“, flüsterte sie.

„Ich bin, was bleibt, wenn du alles loslässt.“

Tränen stiegen in ihre Augen, ohne dass sie wusste, warum. Vielleicht, weil sie zum ersten Mal seit Langem nichts erklären musste. Keine Rolle spielen. Keine Richtung suchen.

Nur da sein.

Der Fluss floss weiter, unbeeindruckt und weise. Und Liora verstand: Die Antworten waren nie im Außen gewesen. Sie waren hier – im Wasser, in der Erde, im Schweigen zwischen den Dingen.

Als sie aufstand, fühlte sie sich leichter. Nicht, weil sich etwas verändert hatte, sondern weil sie aufgehört hatte, dagegen anzukämpfen.

Der Wald schwieg, doch sein Schweigen war voller Sinn.


Liophira

Spirituelle Kurzgeschichten

In Kürze starte ich hier eine neue Rubrik mit Kurzgeschichten. Sie drehen sich um Spiritualität, Natur und das, was man nicht mit bloßem Auge sehen kann.

Im Mittelpunkt stehen zwei Figuren: Liora und Zephira. Beide erleben auf ihre eigene Weise besondere, manchmal geheimnisvolle Momente – leise, berührend und oft mit tiefer innerer Bedeutung.

Eine erste Geschichte dieser Rubrik – Der Flüsternbaum, in der Zephira eine zentrale Rolle spielt – hab ich schon geschrieben… und weitere werden folgen.